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Er hatte die Füße auf den niedrigen Wohnzimmertisch gelegt und hielt die Zeitung hoch, so dass nur die zerschlissenen Pantoffel und die abgewetzte Hose darunter hervorschauten. Das schmutzige Glas vom letzten Abend hatte er ein wenig beiseite geschoben, damit seine Füße auf der gekachelten Platte des nie-drigen Tisches Platz fanden. Sport- und Lokalteil hatte er ordentlich zusammengefaltet neben sich auf das Sofa gelegt. So tat er es immer, seit Jahren schon. Sein Blick wanderte über den Tisch. Später war noch Zeit genug, sich um den Abwasch zu kümmern. Die morgendliche Sonne schickte ihre Strahlen bereits durch die Gardinen und malte grazile Muster auf das Laminat des Wohnzimmerbodens und an die Wand hinter dem Sofa. Die hölzerne Schrankwand an der gegenüberliegenden Wand stand noch im Schatten. Doch der Raum war bereits lichtdurchflutet, und man konnte in den offenen Flächen ober- und unterhalb der Schranktüren Bücher und Bilderrahmen sehen, die dort ordentlich abgestellt und wahrscheinlich seit längerer Zeit nicht mehr bewegt worden waren. Die Oberfläche der Türen glänzte matt, und auf den offenen Regalböden hatte sich eine dünne, kaum wahrnehmbare Staubschicht gesammelt. Auf dem Wohnzimmertisch neben dem schmutzigen Glas lagen einige Bonbonpapierchen und eine leere Chipstüte. Erwin beachtete sie nicht. Seine Augen flogen über die Schlagzeilen des vergangenen Tages, doch seine Ge-danken waren nicht bei Politik und Wirtschaft. Wie so oft in solchen Momenten ertappte er sich dabei, dass er daran dachte, was seine Frau sagen würde, wenn sie ihn so sähe. Er konnte hören, wie ihre Stimme, seinen Namen rufend, durch das Mietshaus schallte: „Äääwihhn!“ Erwin zuckte zusammen. Für einen Augenblick hatte er wirklich das Gefühl gehabt, ihre Stimme gehört zu haben. „Äwihn!“, schallte es jetzt bestimmter. „Was gibt es, Babsi?“, erwiderte er, ohne seine Augen zu heben. Doch dann stockte er, senkte die Zeitung und sah auf. Sein Blick fiel auf seine Frau, die, die Hände in die Hüften gestemmt, im Rahmen der Wohnzimmertüre stand. Sie trug ihre übliche Kittelschürze mit dem schwarz-weiß-roten Blümchenmuster und sah zornig zu ihm herüber. Er wollte etwas erwidern, doch sie fiel ihm ins Wort: „Erwin. Nimm die Füße vom Wohnzimmertisch.“ Reflexartig zog er die Knie an und senkte langsam seine Pantoffel auf den Fußboden, während sie fortfuhr: „Und wie sieht es im Wohnzimmer aus?! Das schmutzige Geschirr steht doch mindestens schon seit gestern Abend auf dem Tisch. Wann gedenkst du, das wegzuräumen? Da ist man nur kurz nicht da, und schon lässt du hier alles verkommen!“ Erwin bremste seine Hand auf halbem Weg zu dem schmutzigen Glas ab, so dass sie für einen Augenblick wie eingefroren im Nirgendwo verharrte. Dann zog er sie schnell zurück und starrte seine Frau an. „Was machst du hier?“ „Was ich hier mache?“, fuhr sie ihn an. „Ich wohne hier. Das hast du vielleicht vergessen. Und einer muss schließlich auf dich Acht geben, sonst verkommt hier alles im Dreck!“
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Augenblicklich sprang die Stimme seiner Frau wieder eine Tonlage höher. "Ja, dir schmeckt es", keifte sie zurück. "Dir gefällt es. Dir reicht es. Immer nur dir! Hast du jemals an mich gedacht? Was soll ich essen, wenn du nur Sachen kaufst, die dir schmecken? Soll ich verhungern?"
Mit einem lauten Knall schlug Schygulla die Blätter seiner Zeitung zusammen. Dann stand er ruckartig auf und sah den Geist seiner Frau wütend an. "Ja. Ich habe nur das gekauft, was mir schmeckt. Ich habe nichts für dich mitgebracht. Denn du brauchst nichts. Du bist tot!"
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Krimi mit einer Spur Phantastik, flüssig, leicht und humorvoll geschrieben.
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