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> Krimi Thriller > Schygullas Geist
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Schygullas Geist, Dieter Stiewi
Dieter Stiewi

Schygullas Geist


Kriminalroman

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Er hatte die Füße auf den niedrigen Wohnzimmertisch gelegt und hielt die Zeitung hoch, so dass nur die zerschlissenen Pan­toffel und die abgewetzte Hose darunter hervorschauten. Das schmutzige Glas vom letzten Abend hatte er ein wenig beiseite geschoben, damit seine Füße auf der gekachelten Platte des nie-drigen Tisches Platz fanden. Sport- und Lokalteil hatte er ordentlich zusammengefaltet neben sich auf das Sofa gelegt. So tat er es immer, seit Jahren schon. Sein Blick wanderte über den Tisch. Später war noch Zeit genug, sich um den Abwasch zu kümmern. Die morgendliche Sonne schickte ihre Strahlen bereits durch die Gardinen und malte grazile Muster auf das Laminat des Wohnzimmerbodens und an die Wand hinter dem Sofa. Die hölzerne Schrankwand an der gegenüberliegenden Wand stand noch im Schatten. Doch der Raum war bereits lichtdurchflutet, und man konnte in den offenen Flächen ober- und unterhalb der Schranktüren Bücher und Bilderrahmen sehen, die dort or­dentlich abgestellt und wahrscheinlich seit längerer Zeit nicht mehr bewegt worden waren. Die Oberfläche der Türen glänzte matt, und auf den offenen Regalböden hatte sich eine dünne, kaum wahrnehmbare Staubschicht gesammelt. Auf dem Wohn­zimmertisch neben dem schmutzigen Glas lagen einige Bon­bonpapierchen und eine leere Chipstüte. Erwin beachtete sie nicht. Seine Augen flogen über die Schlagzeilen des vergangenen Tages, doch seine Ge-danken waren nicht bei Politik und Wirtschaft. Wie so oft in solchen Momenten ertappte er sich dabei, dass er daran dachte, was seine Frau sagen würde, wenn sie ihn so sähe. Er konnte hören, wie ihre Stimme, seinen Namen rufend, durch das Mietshaus schallte: „Äääwihhn!“ Erwin zuckte zusammen. Für einen Augenblick hatte er wirk­lich das Gefühl gehabt, ihre Stimme gehört zu haben. „Äwihn!“, schallte es jetzt bestimmter. „Was gibt es, Babsi?“, erwiderte er, ohne seine Augen zu he­ben. Doch dann stockte er, senkte die Zeitung und sah auf. Sein Blick fiel auf seine Frau, die, die Hände in die Hüften ge­stemmt, im Rahmen der Wohnzimmertüre stand. Sie trug ihre übliche Kittelschürze mit dem schwarz-weiß-roten Blümchen­muster und sah zornig zu ihm herüber. Er wollte etwas erwi­dern, doch sie fiel ihm ins Wort: „Erwin. Nimm die Füße vom Wohnzimmertisch.“ Reflexartig zog er die Knie an und senkte langsam seine Pantoffel auf den Fußboden, während sie fortfuhr: „Und wie sieht es im Wohnzimmer aus?! Das schmutzige Ge­schirr steht doch mindestens schon seit gestern Abend auf dem Tisch. Wann gedenkst du, das wegzuräumen? Da ist man nur kurz nicht da, und schon lässt du hier alles verkommen!“ Erwin bremste seine Hand auf halbem Weg zu dem schmut­zigen Glas ab, so dass sie für einen Augenblick wie eingefro­ren im Nirgendwo verharrte. Dann zog er sie schnell zurück und starrte seine Frau an. „Was machst du hier?“ „Was ich hier mache?“, fuhr sie ihn an. „Ich wohne hier. Das hast du vielleicht vergessen. Und einer muss schließlich auf dich Acht geben, sonst verkommt hier alles im Dreck!“


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