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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Schattengänger, Craig H. Manhoff
Craig H. Manhoff

Schattengänger



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Prolog

Carl Henderson rekelte sich im Liegestuhl und genoss die warmen Sonnenstrahlen. Der erste Urlaubstag seit ... er wusste gar nicht mehr genau, wann er den letzten Urlaub genommen hatte. Für den Aufbau seines kleinen Unternehmens hatte er in den vergangenen Jahren seine ganze Kraft gebraucht. Dankbar ergriff er die Hand seiner Frau Paula, die sich just in diesem Augenblick neben ihm sonnte. Ohne ihre Unterstützung hätte er es nie durchgestanden, doch nun hatten sie es endlich geschafft. Das Geschäft florierte und warf gute Gewinne ab. Sie waren weit davon entfernt, Millionäre zu werden, aber sie konnten sorgenfrei davon leben.
Nun ließen sie sich auf einer angemieteten Jacht treiben, eine Meile vor der Küste von Monterey. Drei Wochen Urlaub lagen vor ihnen. Erholung, die sie beide nötig hatten.


»Würdest du mir einen Gefallen tun?«, erkundigte sich Paula in diesem Moment bei ihm.


»Aber sicher doch, mein Mäuschen. Was soll denn dein moppeliger, dicker Kater für dich tun?«


»Könntest du mir bitte die Sonnencreme von unten holen?«


Carl benötigte ein paar Sekunden, bis er sich von seinem gemütlichen Liegestuhl erhoben hatte. Mit nackten Füßen tapste er die Treppe hinab in den Innenraum der kleinen Jacht. Sie hätten sich auch durchaus ein größeres Schiff mieten können, aber irgendwie hatte Paula diese intime, kuschelige Atmosphäre in der Kabine besonders gut gefallen.
Carls erster Weg führte ihn zu dem winzigen Kühlschrank, aus dem er ein Bier entnahm. Mit einem schlechten Gewissen blickte er an seinem Körper hinunter. Er war noch keine vierzig Jahre alt, aber sein Bauch fiel ihm bereits über den Gummizug seiner Badehose. Das Leben in den letzten zehn Jahren hatte ihn regelrecht aufgeschwemmt. Zu viel Arbeit und zu wenig Sport. Dazu kam noch die schädliche Angewohnheit, fast täglich Bier zu trinken und sich ungesund zu ernähren. Das musste anders werden und er würde heute damit beginnen. Oder doch erst morgen? Nein, heute!


Resolut stellte er das Büchsenbier zurück in den Kühlschrank, bevor er sich auf die Suche nach der Sonnencreme für seine Frau begab.


»Carl?«, rief ihn seine Frau, noch bevor er den Schrank geöffnet hatte.


»Ich komme gleich. Ich habe die Sonnenmilch noch nicht gefunden.«


»Komm bitte nach oben, Carl!«


Er zog verwundert eine Augenbraue nach oben. Was konnte es denn so Dringendes geben? Dennoch bequemte er sich die Treppe hinauf, bis er wieder das Deck betrat.


»Was gibt es denn, mein ...«


Doch der Kosename blieb ihm im Hals stecken, als er das Naturschauspiel sah. Dichter, dunkler Nebel hatte sich auf dem Meer ausgebreitet und näherte sich langsam und irgendwie bedrohlich der Jacht.


»Wir sollten zurückfahren, Carl.«
Er warf einen Blick in Richtung Himmel. Kaum ein Wölkchen zu sehen. Was also hatte es mit dem Nebel auf sich?


»Vielleicht klart es gleich wieder auf«, verlieh Carl seiner Hoffnung Ausdruck. »Am Himmel deutet jedenfalls nichts auf schlechtes Wetter hin.«


Das Ehepaar sah fasziniert dem Schauspiel zu, als sich der Nebel langsam auf die Meeresoberfläche senkte. Ein merkwürdiges Zischen und leises Krachen ertönte und ließ die Verwunderung der beiden Menschen in Besorgnis umschlagen.


Alarmiert zeigte Paula auf das Meer hinaus. »Was passiert hier? Was ist das?«


Carl glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können. Er sah, wie Eisplatten von einer Sekunde auf die andere das Meer bedeckten und sich bedrohlich der Jacht näherten.


»Lass uns hier verschwinden!«, sagte er schließlich und eilte nach oben zum Cockpit der Jacht.


Mit fliegenden Fingern startete er den Motor. Brummend sprang die Maschine an, doch als er Gas gab, rührte sich die Heckschraube nicht und die Jacht nahm keine Fahrt auf. Entsetzt sah er hinunter auf das Eis, dass die Jacht nun schon komplett einschloss.


»Geh in die Kabine, Paula!«, rief er seiner Frau zu, während er versuchte, die Schraube durch abwechselnde Vor- und Rückfahrt freizubekommen.


Sie hastete nach unten in die Kajüte, warf die Tür hinter sich zu und kroch auf das Sofa, das an der Rückwand der Kabine stand und nachts als Bett diente. Panisch vor Angst musste sie mit ansehen, wie die Bullaugen langsam von Eis bedeckt wurden und das Licht im Innenraum immer mehr dämmte. Eisige Kälte griff nach ihr. Mit schon steifen Fingern zog sie die Decken zu sich heran, um ein wenig Schutz zu finden.


»Carl!«, flüsterte sie noch, schon am Rande der Bewusstlosigkeit.


Dann war jedes Geräusch auf dem Schiff erstorben.


 


Gefroren

Mit verkniffener Miene stand Rory McAllister, Detective bei der Polizei in Monterey, am Kai des kleinen Schiffverleihs. Seit sechs Monaten war er nun hier im Dienst und das Schlimmste, was in diesem Zeitraum passiert war, hatte mit zerkratztem Lack an einem alten Dodge zu tun. Monterey war so eine gemütliche, verschlafene Kleinstadt und ausgerechnet hier musste so eine Scheiße passieren.


Der Schlepper mit der Jacht am Haken war höchstens noch fünfzehn Minuten vom Kai entfernt. McAllister fröstelte es ein wenig bei dem Gedanken, was er wohl gleich zu sehen bekäme.


»Der Strand und der Boulevard sind weiträumig abgesperrt«, meldete sein Kollege Fred Halpert, der zu ihm herangetreten war. »Meinst du, diese Dinger sind wirklich notwendig?«, fragte er, während er auf die Schutzanzüge zu ihren Füßen deutete. »Es sind fast dreißig Grad. Da drin schwitzt man doch bestimmt wie in der Sauna.«


»Willst du dir vielleicht etwas einfangen?«, fragte Rory kühl. »Der Bericht des Bootsverleihers war jedenfalls nicht so, dass ich mich der Jacht ohne besonderen Schutz nähern würde. Und du auch nicht, sonst darf ich nachher noch einen Bericht schreiben, wenn du japsend und mit grünem Schleim bedeckt im Krankenhaus liegst.«


Was das zu erwartende wenig angenehme Klima in den Schutzanzügen anging, hatte McAllister aber trotz seiner motivierenden Ansprache ähnliche Befürchtungen. Daher warteten beide Männer mit dem Anlegen der Schutzkleidung, bis der Schlepper die Jacht an den vorbestimmten Liegeplatz gezogen hatte. Sie waren gerade mit der Einkleidung fertig geworden, als sich zwei weitere Männer in vergleichbarer Kluft zu ihnen gesellten. Die beiden medizinischen Spezialisten hatte McAllisters Vorgesetzter direkt nach der Meldung vom Bootsverleiher beim LAPD angefordert. Sie hatten sich als Dr. Jones und Dr. Jackson vorgestellt und die Nachdrücklichkeit, mit der sie die Doktortitel betonten, hatten ihnen einen Eintrag unter ’Arrogante Fatzken′ in McAllisters Notizbuch verschafft.


»Fassen Sie bitte nichts an, wenn mein Kollege oder ich es Ihnen nicht ausdrücklich erlauben«, wurden McAllister und Halpert von Dr. Jackson belehrt.


»Elender Wichtigtuer«, murmelte McAllister leise, während die Vierergruppe die Jacht betrat.


Halpert und Jones machten sich an der Kabinentür zu schaffen, derweil sich McAllister und Jackson dem Cockpit der Jacht näherten. Trotz der Hitze im Schutzanzug spürte Rory, wie es ihm eiskalt den Rücken herunterlief. Hoch aufgerichtet stand eine tiefgefrorene Gestalt vor dem Sitzplatz und hatte eine Hand am Steuerrad und die andere am Gashebel platziert.


»Erfroren«, stellte der Detective fest.


»Was Sie nicht sagen. Darauf wäre ich nie gekommen«, kam Jacksons bissige Replik, der damit nicht gerade Sympathiepunkte auf Rorys Konto ansammelte.


Dennoch schluckte McAllister die scharfe Erwiderung hinunter, die ihm auf der Zunge lag. »Aber wie ist das möglich? Wir hatten die letzten Tage nie unter zwanzig Grad hier in Monterey.«


Jackson gab zunächst keine Antwort, sondern nahm die Leiche genauer in Augenschein. »Als ob ihn jemand in flüssigem Sauerstoff gebadet hätte.«


»Vielleicht war ihm zu warm und er hat ihn sich über den Kopf gegossen.«


Jackson schenkte McAllister nur einen finsteren Blick. »Sorgen Sie für den Abtransport in die Pathologie. Mein Kollege und ich werden uns den Toten genauer ansehen, nachdem er aufgetaut wurde.«


»Wir werden ihn wohl aus dem Boden sägen müssen«, murmelte McAllister, während er sich die Füße der Leiche ansah.


»Wir haben unten noch eine Tote«, meldete sich Fred Halpert, der aus dem Inneren der Jacht an Deck gekommen war.


Im Vorbeigehen schlug McAllister seinem Kollegen aufmunternd auf die Schulter. Er konnte nachvollziehen, wie schlecht sich der Mann fühlen musste. Halpert versah nun seit zwei Jahren seinen Dienst in Monterey, aber von zwei Eifersuchtsdramen abgesehen hatte er es noch nie mit Kapitalverbrechen zu tun gehabt. Und nun bekam er so etwas serviert.


»Gleiche Todesursache wie bei dem armen Tropf an Deck«, meldete Jackson nach kurzer Untersuchung.


»Wir werden die Decke entfernen müssen, um an den Körper zu gelangen«, sagte Halpert mit nicht ganz sicherer Stimme.


»Den Mann oben scheint es sofort erwischt zu haben. Sie hingegen hat wohl noch versucht, sich irgendwie zu schützen«, ergänzte Jackson.


»Da hätte Sie aber noch einige Decken mehr gebraucht«, sagte McAllister lakonisch und kassierte prompt einen Rüffel von Dr. Jones.


»Ich bitte mir etwas mehr Pietät aus, Detective. Hier handelt es sich aller Voraussicht nach um ein Kapitalverbrechen und nicht um einen Eierdiebstahl, mit dem Sie es gewöhnlich zu tun bekommen.«


Halpert kannte die aufbrausende Art seines Kollegen und zog ihn am Arm aus der Kabine, bevor die Stimmung eskalieren konnte.


*****


Die beiden Polizisten hatten alles Nötige in die Wege geleitet, standen nun am Kai und sahen dem Abtransport der tiefgefrorenen Leichen zu. Sie hatten sich mittlerweile der Schutzkleidung entledigt und McAllister zündete sich nachdenklich eine Zigarette an.


»Ich dachte, du hättest das Rauchen aufgegeben?«, zog ihn sein Kollege auf.


»Ich dachte auch, ich hätte diese oder ähnlich kranke Scheiße hinter mir gelassen, als ich mich von Los Angeles nach Monterey versetzen ließ. Da haben wir uns wohl beide geirrt.«


»Was glaubst du, wie die beiden gestorben sind?«


McAllister zuckte mit den Schultern. »Ins Blaue hinein geraten würde ich vermuten, dass man sie irgendwo erschossen und danach tiefgefroren hat. Dagegen spricht aber die Aussage des Bootsverleihers, dass ein Ehepaar dieses Boot gemietet hat. Falls dieses Pärchen unsere beiden kalten Turteltäubchen sind, ergibt meine Theorie wenig Sinn. Warum sollte der Mörder sie von dem Boot entführen, an einem anderen Ort töten, einfrieren und dann wieder auf die Jacht bringen? Wir müssen ohnehin erst einmal abwarten, was die Obduktion für Ergebnisse bringt, bevor wir weiter spekulieren.«


Für einen Moment standen die beiden Männer schweigend nebeneinander.


»Der Chief will uns übrigens nachher sprechen«, sagte Halpert schließlich nach einer Weile.


»Hab ich mir schon gedacht.«


McAllister schnippte die halb gerauchte Zigarette in den Sand. »Dann lass uns mal fahren. Ich fürchte, unser Vorgesetzter wird über den Bericht nicht sonderlich erfreut sein.«


*****


Die Pathologie hatte schon in Los Angeles nicht zu Rorys bevorzugten Aufenthaltsorten gehört. In Monterey hatte er sie bisher nicht aufsuchen müssen, doch nun stand er hier und sog die so unangenehm vertrauten Gerüche ein. JayJay, wie der Detective die beiden Doktoren Jones und Jackson insgeheim mittlerweile nannte, standen um die männliche der beiden tiefgefrorenen Leichen herum. Auf Schutzanzüge konnte man nach Jacksons Aussage verzichten. McAllister war dies einerseits ganz recht, weil diese Anzüge äußerst unbequem waren, aber andererseits fühlte er sich in Gegenwart dieser Erfrorenen ohne zusätzlichen Schutz nicht ganz wohl.


»Wann können wir mit den ersten Ergebnissen rechnen?«, erkundigte er sich bei Dr. Jones, der mit etwas verkniffener Miene neben ihm stand.


»Kann ich nicht genau sagen«, lautete die brummige und unbestimmte Antwort.


»Warum nicht?«


»Weil wir warten müssen, bis ... der Auftauvorgang gestaltet sich schwieriger, als wir es erwartet haben.«


»Wieso?«


McAllister genoss es, die offensichtlich leicht verwirrten JayJays zu piesacken und auf die Palme zu bringen.


»Weil sich etwas ... dagegen wehrt, aufgetaut zu werden.«


»Aha. Soll ich das so dem Chief mitteilen? Ich bin untröstlich, Chief, aber das Eis weigert sich leider, aufzutauen.«


»Wir melden uns, sobald wir nähere Erkenntnisse haben, Detective«, kam Jackson seinem Kollegen zu Hilfe. »Bis dahin lassen Sie uns bitte unsere Arbeit machen.«


»Natürlich. Falls die Herren Wissenschaftler noch in Erfahrung bringen wollen, bei welcher Temperatur Eis schmilzt, könnte ich Ihnen mit einem Physikbuch für Anfänger aus der Klemme helfen.«


McAllister wäre auf der Stelle tot umgefallen, wenn einer der Doktoren den Todesblick beherrscht hätte. So aber konnte der Polizist mit einem breiten Grinsen auf den Lippen die Pathologie verlassen. Schlecht schien der Tag dann doch nicht zu werden.


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