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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Schattenangriff, Roman Armin Rostock
Roman Armin Rostock

Schattenangriff



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R. A. Rostock


 


 


 


Schattenangriff


 


 


Thriller




 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.


 


TWENTYSIX – Der Self-Publishing-Verlag
Eine Kooperation zwischen der Verlagsgruppe Random House und BoD – Books on Demand


 


© 2017 Roman Armin Rostock


 


Herstellung und Verlag:
BoD – Books on Demand, Norderstedt


ISBN: 978-3-740-73345-2


 


© Cover- und Umschlaggestaltung: Farbenmelodie – www.farbenmelodie.de




 


 


Prolog


 


Die Stille in dem Salon der Berghütte an den Hängen der Cordillera de la Costa war erdrückend. Schweigend saßen sich die beiden alten Männer gegenüber und nippten an dem kräftigen chilenischen Rotwein, der auf dem unterhalb der Hütte gelegenen Hang wuchs.


»Willst du es wirklich machen?«, fragte der jüngere der beiden.


»Ja, es gibt kein Zurück. Wenn ich es jetzt nicht tue, wird es nichts mehr. Der Zeitpunkt war noch nie besser. Wir können unser bisheriges Vorgehen ohnehin nicht mehr lange aufrechterhalten. Die Ermittlungsmethoden werden immer ausgereifter. Sie werden uns unser Lebenswerk zerstören. Wir brauchen einen sicheren Hafen und den müssen wir uns schaffen. Unsere Truppen sind bereit.«


»Wie kriegen wir die Waffen nach Deutschland?«


»Auf den alten Schleichwegen. Es ist bereits alles geregelt.«


»Glaubst du, wir können uns in Deutschland durchsetzen?«


»Selbstverständlich, es gibt genügend gewaltbereite Linke in Europa, die sich sofort unserem Kampf anschließen werden, wenn sie die Hoffnung auf Erfolg verspüren. Wir ködern die eine Seite mit den Segnungen eines modernen Kommunismus und die anderen mit unserem Geld. Die Ablehnung des Kapitalismus steigt weltweit immer stärker, insofern bekommen wir genügend Nachwuchs. Der von China entwickelte autokratische Staatskapitalismus ist ohnehin die einzige Antwort auf Globalisierung und Digitalisierung. Außerdem gibt er uns später freie Hand für unsere Geschäfte. Dazu kommt, wir leben im postfaktischen Zeitalter. Die Menschen brauchen jemanden, der ihnen das Gefühl gibt, bei ihm gut aufgehoben zu sein. Die alten Eliten haben ausgedient. Das Pferd bockt. Es versucht seinen Reiter abzuwerfen. Und wer ihm dabei hilft, ist dem Pferd egal. Also müssen wir ihm nur das Gefühl geben, dass es bei uns gut aufgehoben ist. Darum mache ich mir am wenigsten Sorgen. Das Wichtigste ist die Geheimhaltung. Es darf nichts außerhalb dieses Raumes bekannt werden.«


»Auf mich kannst du dich verlassen. Ich habe dir immer treu zur Seite gestanden und werde auch weiterhin loyal zu dir stehen.«


»Das weiß ich, Franz. Geh jetzt schlafen. Es liegen anstrengende Tage vor uns. Vertrau mir. Der Plan wird gelingen. Schlaf gut.«


»Du hast recht. Schlaf gut.«    


 


 


Kapitel Eins


 


Helles Mondlicht beleuchtete die schneebedeckten Hügel, die das abseits einer Kleinstadt gelegene Dorf umsäumten. Eigentlich sollte der Frühling auch in dieser Gegend bereits Einzug erhalten haben, doch in diesem Jahr hielt der Winter das Land in festem, eisigem Griff.


»Scheiß Kälte«, fluchte Manger. Manger hatte seine ein Meter achtzig in schwarze Thermokleidung gehüllt und trug eine dicke Wollmütze über dem dunklen Haaransatz. Doch der eisige Wind in seinem kantigen Gesicht trieb ihm Tränen in seine dunklen Augen. Wie erwartet waren die Straßen zwischen den eng aneinandergereihten Fachwerkhäusern menschenleer und außer dem entfernten Schrei einer Katze umgab ihn vollkommene Stille. Vier Kilometer musste er noch bis zu dem alten Gutshaus überwinden. Es war möglich, dass sie die Gegend kontrollierten. Insofern hatte er entschieden, seinen alten Audi im Dorf zu parken und den Rest des Weges zu laufen.


Manger zündete sich eine Zigarette an und ging in Gedanken noch mal die Ereignisse der letzten Tage durch, die sein Leben komplett verändert hatten. Bis hierher ein Leben geprägt von einsam ertragenem Schmerz, Alkohol und Zigaretten. Was nicht unbedingt zum Erfolg seiner mehr schlecht als recht laufenden Einmanndetektei beitrug. Ein Zeitungsartikel hatte plötzlich alles auf den Kopf gestellt. Eine Reportage über den grandiosen Erfolg der Lichtenberg Security GmbH. An sich ein fader Artikel im Wirtschaftsteil, welchen er normalerweise mied. Doch ein dort abgedrucktes Foto hatte ihm das Blut in den Adern gefrieren lassen. Das Bild eines Mannes, den er seit Jahren tot wähnte. Eines Mannes, den er mehr hasste als alles andere - Wolfgang Sangarius. Oberst Wolfgang Sangarius vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR, inzwischen aufgestiegen zum Geschäftsführer der Lichtenberg Security, die zu einer chilenischen Unternehmensgruppe gehörte.


Manger erinnerte sich noch genau an die Ereignisse, die zu Beginn der achtziger Jahre ihren Anfang genommen hatten. Zunächst hatte Sangarius Mangers Vater, einen Offizier der Volkspolizei, bezichtigt, Devisen in den Westen geschmuggelt zu haben. Mangers Vater wurde daraufhin zu einer lebenslangen Haft im Gefängnis Hohenschönhausen verurteilt. Kurze Zeit später benachrichtigte man Mangers Mutter über den Tod des Vaters, sodass sie ein halbes Jahr später an ihrem Gram verstarb. Mit achtzehn Jahren stieß Manger 1989 selbst zur Volkspolizei und begann gegen Sangarius zu ermitteln, wobei er herausfand, dass Sangarius in großem Stil Devisen ins Ausland schmuggelte. Am Abend vor dem Mauerfall wollte Manger mit einem Karton voller Beweise, seiner Frau und der acht Monate alten Tochter ins Ausland fliehen. Doch kurz vor der tschechischen Grenze drängte Sangarius Mangers Trabi von der Straße. Manger verbrachte danach sechs Monate im Krankenhaus und verlor seine junge Familie.


Als Manger aus dem Krankenhaus kam, waren sämtliche Beweise verschwunden. Sowohl die, die er gesammelt hatte, als auch die zu seinem Unfall. Ebenso waren die Stasiakten über den Gefängnisaufenthalt seines Vaters verschollen. Sangarius, so teilte man ihm mit, habe sich in der Nacht des Mauerfalls das Leben genommen. Es gäbe einen Totenschein. Der Partner seines Vaters, Walter Könicke, nahm sich seinerzeit Manger an und sorgte dafür, dass er seine Polizeiausbildung beendete. Aber Manger hatte den Polizeiberuf bald darauf niedergelegt, da seine Depressionen immer stärker wurden.


Die Erkenntnis, dass Sangarius lebte, erfüllte Manger mit brennender Motivation. Er hatte über die Firma recherchiert und im Handelsregister der Stadt Leipzig herausgefunden, dass die Lichtenberg Security ein Schulungszentrum in einem Gutshof im Sauerland betrieb. Warum schulte das Unternehmen seine Nachwuchsleute in dieser ländlichen Gegend östlich des Ruhrgebietes und nicht in direkter Nachbarschaft zu der Zentrale in Leipzig? Feststand, dass seine Ermittlungen nicht unbemerkt geblieben waren, denn kurze Zeit später hatte er eine anonyme Nachricht in seinem Briefkasten gefunden.


 


Schulungszentrum Sauerland.


Samstag der 31.04, 3:00 Uhr AM.


Dringend!!!


 


Manger konnte eine Falle nicht ausschließen, doch letztendlich hatte er sich entschieden, in dieser Nacht in das Schulungszentrum einzubrechen. Das nötige Werkzeug trug er in seinem Rucksack dabei. Die Gegend hatte er bereits Tage zuvor ausgekundschaftet.


Manger passierte den von einer Natursteinmauer umsäumten Friedhof der mittelalterlichen Kirche St. Pankratius und ging den Kirchhügel hinab in Richtung eines Wirtshauses aus dem Musik und Stimmen ertönten. Schnell wechselte er die Straßenseite, um dem Schein einer Laterne auszuweichen, sodass er von drinnen nicht gesehen werden konnte. Sein Blick glitt über die Kennzeichen der vor dem Wirtshaus parkenden Fahrzeuge. Eine Angewohnheit aus seiner Zeit im Polizeidienst, die sich auch in seinem heutigen Beruf immer wieder als nützlich erwies. Er registrierte zwei auswärtige Fahrzeuge. Einen schwarzen Mercedes mit Stuttgarter Nummer und einen roten BMW aus Leipzig. Selbstverständlich konnte die Beobachtung belanglos sein, doch in seiner Situation galt es auf jedes Detail zu achten.


Manger ging rechts vorbei an einer Feuerwache und steuerte gerade eine hölzerne Brücke über einen Bach an, als ihn das knirschende Geräusch eines Schrittes auf tiefgefrorenem Schnee innehalten ließ. Folgte ihm jemand? War er in eine Falle getappt? Sofort kniete Manger sich hin, als wolle er seinen Schuh zubinden, begutachtete jedoch stattdessen aus dem Augenwinkel die Gegend hinter sich. Die Straße war menschenleer, das Knirschen aber keine Einbildung. Das hieß nichts Gutes.


Gemütlich schlenderte er am Bach entlang in Richtung eines von einer hohen Hecke gesäumten Weges, der zurück zur Kirche hochführte. Sobald er in den Weg eingebogen war, rannte er los. An der Einfriedung des Friedhofes schwang er sich mit einem Satz über die halbhohe Mauer und kauerte sich nieder.


Gespannt beobachtete er den Weg hinter sich, doch es war nichts zu sehen. Langsam bewegte er sich geduckt zwischen den Gräbern, aufwärts des Hügels in Richtung der Kirche, ohne den Weg aus den Augen zu lassen. Ich hab´s doch geahnt. Im Schein einer Laterne tauchte ein außergewöhnlich großgewachsener Mann auf, der ihn geradewegs anstarrte. Manger wusste sofort, dass er dem Mann bereits am Vortag begegnet war, als er in einem Restaurant am nahe gelegenen See zu Mittag gegessen hatte. Ein Enddreißiger mit schütterem Haar, bleichem Gesicht und prankenähnlichen Händen. Es stimmte also, er wurde beschattet. Die Frage lautete, was er aus der Situation machen sollte. Fliehen machte keinen Sinn, denn damit wäre sein Plan gescheitert. Aber konnte er dem Hünen standhalten?


Manger warf sich zu Boden und kroch so schnell er konnte hinter den breiten Stamm einer Linde am oberen Ende des Hügels. Der Bleichgesichtige schwang sich nun ebenfalls über die Einfriedung des Friedhofes und bewegte sich zwischen den ersten Grabreihen vorwärts. Manger wurde nervös. Allein die Bewegungen des Hünen verrieten ihm, dass es sich um einen Profi handelte. Im Schein einer opulenten Grableuchte zog der Bleichgesichtige eine großkalibrige Automatik mit aufgesetztem Schalldämpfer. Eine Konfrontation war demnach unvermeidbar. Jeglicher Fluchtversuch würde mit lautlosen Schüssen quittiert. Unaufhaltsam näherte sich der Mann der Linde, als ob er sich bereits sicher wäre, sein Opfer dort vorzufinden. Manger brachte sich hinter einem nahe stehenden Grabstein in Angriffsposition.


Als der Mann die Linde erreichte, stürzte Manger sich auf ihn und schlug ihm die Waffe aus der Hand. Der Bleichgesichtige parierte mit einem wuchtigen Tritt in Mangers Magengegend. Manger wurde übel, aber er durfte nicht aufgeben. Wie zwei Boxer unterschiedlicher Gewichtsklassen, standen sich die beiden Männer in Kampfstellung gegenüber. Manger versuchte seinen Gegner mit Tritten auf Distanz zu halten. Doch plötzlich ließ sich der Mann nach vorne fallen, packte Mangers Knie und verdrehte es mit entsetzlicher Gewalt. Manger unterdrückte den Schrei, der seiner Kehle entweichen wollte. Mit letzter Kraft ergriff er die Hand des Hünen, verkeilte seinen Fuß in dessen Kniekehle und riss die Hand unter seinem Bein durch nach vorne, sodass sein Knie nach oben schnellte. Krachend traf er das Kinn des Bleichgesichtigen und schleuderte ihn rücklings auf einen Grabstein. Manger hechtete nach der Waffe. Aber der Hüne war schon wieder auf den Beinen und hieb ihm die Faust in den Nacken. Verzweifelt rangen die beiden Männer miteinander, um das Gleichgewicht der Kräfte durch den Besitz der Waffe zu verändern. Manger erhielt einen kräftigen Schlag ins Gesicht. Er rang nach Atem, bekam jedoch eine Grableuchte zu fassen, die er dem Bleichgesichtigen mit voller Wucht auf den Hinterkopf schlug. Benommen sackte sein Gegner zusammen.


Manger griff sich die Waffe, rüttelte den Mann wach und drückte ihm den Lauf gegen den Hals. »Rede, wer bist du? Was willst du von mir? Antworte, oder ich werde unangenehm.«


»Verfluchter Idiot, du kannst uns nicht besiegen«, antwortete der Bleichgesichtige und biss seine Zähne zusammen. Unmittelbar schossen weiße Schaumflocken aus seinem Mund, während sein Körper in nahezu sinnlichen Zuckungen verkrampfte.


»Zyankali«, resignierte Manger, wohl wissend, dass er den Mann nie wieder befragen konnte.


Langsam stand Manger auf und blickte sich um, doch nirgendwo waren Stimmen zu hören oder ein sich erleuchtendes Fenster zu sehen. Sie waren unentdeckt geblieben. Sein Knie schmerzte entsetzlich, aber dies durfte ihn nicht beeinflussen. Schnell zog er eine Packung Schmerztabletten aus der Tasche und nahm mehrere der weißen Kapseln ein.


Bei der Waffe handelte es sich um eine SIG Sauer 9mm mit aufgesetztem Schalldämpfer. Die Seriennummer war rausgefräst. Das typische Werkzeug eines Meuchelmörders. Dennoch sollte er offenbar gefangen genommen werden, denn töten hätte ihn der Bleichgesichtige schon am Vortag gekonnt. Feststand, Sangarius wusste Bescheid. Es blieb zu hoffen, dass dies seinen geplanten Einbruch nicht unmöglich machte.


Der Kampf hatte ein überraschendes Ende genommen. Warum hatte der Mann die Giftkapsel geschluckt? Was befand sich in diesem Schulungszentrum? Was auch immer es war, die Begegnung mit dem Killer bestätigte seinen Verdacht, dass dieses Unternehmen nichts Gutes im Schilde führte. Missmutig stopfte Manger die Waffe in die Tasche seines Anoraks.


Manger durchsuchte den Mann und fand Papiere auf den Namen Rupert Horchler, eine Brieftasche sowie einen BMW Schlüssel inklusive der Fahrzeugpapiere des Wagens vor der Gaststätte. Die Frage lautete, wie es jetzt weitergehen sollte. Wenn er die Polizei rief, wäre sein Plan gescheitert. Die Beamten würden seinen Verdacht gegen die Lichtenberg Security GmbH nicht ohne Weiteres teilen. Wahrscheinlich würden sie am Schulungszentrum anschellen und nachfragen, ob der Mann dort bekannt sei. Manger würde zunächst festgenommen, bis die Angelegenheit geklärt wäre, was Sangarius genügen würde, um ihn ganz offiziell von dem Unternehmen fernhalten zu können. Das hieß, er musste die Leiche verstecken und sie durfte nicht gefunden werden, bevor er das Dorf wieder verlassen hatte. Er wusste, durch seine Ermittlungen, dass die Polizei im Dorf Streife fuhr. Der Friedhof schien dabei von besonderem Interesse für sie zu sein. Die Streife hatte den Friedhof stets mit eingeschaltetem Fernlicht passiert. Sicherlich aufgrund der Metalldiebe, die auch vor Grabstatuen nicht haltmachten. Er blickte sich auf dem Friedhof um. In einiger Entfernung sah er ein frisch ausgehobenes Grab. Wo wäre ein Toter besser aufgehoben?


Manger umrundete die Kirche und entdeckte auf der Rückseite einen Schuppen, der offenkundig der Aufbewahrung der friedhofseigenen Werkzeuge diente. Das Vorhängeschloss war mehr Alibi als Sicherheit und binnen weniger Sekunden mithilfe eines Dietrichs geöffnet. Zu seinem Glück stand im Schuppen ein Kleinbagger, dessen Elektroantrieb es ermöglichte, das Gerät nahezu lautlos zu bedienen. Manger sah, dass der Zündschlüssel steckte, schwang sich in die Fahrerkabine und fuhr zu der Grabstelle, um das Erdloch zu vertiefen. Als er es etwa einen Meter tief ausgebaggert hatte, warf er den Leichnam des Mannes hinein und schaufelte die ausgehobene Erde wieder darüber. Sicherlich eine pietätlose Beerdigung, aber es ging halt nicht anders.


Manger stellte den Bagger wieder im Schuppen ab und prüfte, ob etwaige Spuren auf ihn hindeuten konnten. In Bezug auf die Kampfstelle hoffte er, dass man die zerschmetterte Grableuchte sowie die umgewühlte Grabstätte auf den nächtlichen Besuch von Wildschweinen zurückführen würde. Ansonsten konnte er nichts Auffälliges erkennen. Durch die ungeplante Begegnung war viel Zeit verloren, wie ein weiterer Blick zur Kirchturmuhr verriet, die inzwischen drei Uhr anzeigte. Jetzt ist Eile das erste Gebot, dachte er und begann zu joggen.


Nach etwa zwei Kilometern erreichte er die Waldgrenze. Abseits des Weges tauchte er immer tiefer in das undurchdringlich wirkende Meer von Nadelbäumen ein. Die Abkürzung war beschwerlich, doch wenige Minuten später sah er das altehrwürdige, zweistöckige Gutshaus. Die blättrige, von verwittertem Fachwerk durchzogene Fassade, das moosüberwachsene Dach sowie die schräg hängenden Fensterläden boten den Eindruck des Leerstandes. Rund um das Haus lag ein schneebedeckter verwilderter Garten und ein dreckiger, maroder Holzzaun komplettierte das Abbild des Verfalls. Manger entnahm seinem Rucksack ein Nachtsichtfernglas und beschloss das Haus im Abstand von etwa zwanzig Metern auf der Westseite zu umrunden.


Die Gegenseite des Gebäudes wirkte alles andere als verlassen. Im mäßig beleuchteten Innenhof des hufeisenförmigen Hofes parkten vierzig Fahrzeuge. Manger zählte dreißig Limousinen und zehn Transporter. Die Fenster auf dieser Seite des Hofes waren hell erleuchtet. Egal wie, er musste unentdeckt in das Innere des Gebäudes kommen.


Manger schlich zurück auf die Vorderseite des Gutshauses. Auf dieser Seite des Hofes brannte zwar kein Licht, doch er bezweifelte, dass es deshalb einfacher war dort einzudringen. Er positionierte sich zwanzig Meter rechtsseitig des Hauses hinter einer Tanne, hob einen kleinen verdorrten Ast auf und warf ihn gegen den Zaun. Sofort flammten rund um die Hausfront Scheinwerfer auf und zwei Kameras unterhalb des Walmdaches schwenkten im hundertachtzig Grad Winkel hin und her. Des Weiteren entdeckte er zwei am Boden des Gartens installierte, starre Kameras, weshalb er froh war, nicht unmittelbar an den Zaun getreten zu sein. Aus einer linksseitig angebrachten Tür traten zwei bewaffnete Männer.


»Hat die Kamera was entdeckt?«, fragte der eine durch sein Funkgerät. »Okay, wir schauen uns hier um.«


Die Männer leuchteten mit ihren Taschenlampen die Gegend außerhalb des Grundstückes ab, was Manger zwang, sich in den Wald zurückzuziehen, wobei er sich in einem Brombeerstrauch verfing. Hoffentlich kommen die nicht aus dem Garten raus.


»Da is`nichts, war wohl nur`n Tier« raunte der Mann mit dem Funkgerät.


»Ja, lass uns zur Scheune nunner machen, da gibt’s Kaffee. Ich frier mir hier noch den Arsch ab«, antwortete sein Kumpan. Der Mann mit dem Funkgerät gab Entwarnung und folgte seinem Kollegen zurück durch die Gartentür.


Manger atmete auf und hakte einzeln die Äste der Brombeere aus seiner Kleidung. Wie erwartet war ein Einbruch auf dieser Seite des Gebäudes sinnlos. Der Hinweis auf die Scheune konnte jedoch hilfreich sein, da dort die Sicherheitsvorkehrungen vermutlich geringer waren, weil sie sich selbst dort aufhielten.


Ein Blick auf seinen Lageplan zeigte, dass sich die Scheune auf der Ostseite des Gebäudes befand. Auf dieser Seite stieg das Gelände leicht an, doch es gab weniger Unterholz, sodass er schnell und lautlos vorankommen würde.


Bevor Manger das Gutshaus umrundete, musterte er den Bau durch sein Nachtsichtfernglas. Die Ostseite war mit Efeu überwachsen, das nur an wenigen Stellen Lücken aufwies, in denen sich Kameras antizyklisch zueinander in beide Richtungen bewegten. Sofort ging Manger hinter hohem Farn in Deckung und robbte weiter, bis er die Fassade der Scheune sehen konnte. Die zweistöckige Scheune stand längs gegenüber dem Schenkel des hufeisenförmigen Hofes. Ein altes Gebäude jedoch frisch renoviert. Die Fassade war links wie rechts eines Holzportals mit zwei mannshohen Sprossenfenstern versehen, die mit leichten, durchsichtigen Gardinen verhängt waren.


Manger blickte durch sein Fernglas. Im Innenraum der Scheune standen die beiden Wachen an einer geräumigen Bar. Er schätzte die Männer auf Mitte dreißig. Zwei sportlich durchtrainierte Hünen mit militärischer Kurzhaarfrisur, der eine blond, der andere braunhaarig. Beide mit Sicherheit erfahrene Kämpfer. Von seiner Position aus konnte er keine Kameras oder sonstigen Sicherheitsvorkehrungen erkennen. Dennoch war das Risiko groß, denn wenn er sich näherte und einer der Männer aus dem Portal trat, würden sie ihn sofort gefangen nehmen. Er schaute sich das Dach der Scheune an. Es handelte sich um ein Satteldach, das deutlich über das Gebäude hinausragte. An dem Überhang war ein Seilzug befestigt, der in früheren Zeiten der Beladung des Speichers gedient hatte und durch eine eiserne Kurbel an der Seite des Gebäudes bedient wurde. Manger entschied spontan, dass dies der beste Weg sei, um auf das Dach der Scheune und von dort aus in das Gutshaus zu kommen. Die großen unbeleuchteten Buntglasfenster des Hauptgebäudes waren nur eine Armlänge von der Kante des Daches entfernt. Zur Sicherheit spähte er noch einmal in das Innere der Scheune. Die beiden Wachen standen mit dem Rücken zu ihm.


Mit wenigen Schritten hatte Manger die Kurbel erreicht, die sich erstaunlich leicht und geräuschlos drehen ließ. Als der Seilzug weit genug abgesunken war, kletterte er hinauf, schwang sich über die Befestigung der Seilwinde auf das Satteldach und verhakte das Seil in der Traufe. Angespannt ließ er seinen Blick über den Hof gleiten und lauschte in die Nacht. Doch alles blieb still. Alarmvorrichtungen konnte er an den Fenstern nicht erkennen. Manger zog einen Glasschneider aus seinem Rucksack und schnitt ein kreisrundes Loch in das Glas. Der Fensterhebel ließ sich problemlos bedienen. Der Raum lag dunkel vor ihm. Langsam glitt er hinein, schloss das Fenster und ging hinter einem nostalgischen Schreibtisch aus polierter deutscher Eiche in Deckung.


Etwa eine Minute lang lauschte Manger in die Dunkelheit, bevor er eine kleine LED-Lampe anschaltete und den Lichtstrahl durch das elegante Arbeitszimmer gleiten ließ. Auf dem Schreibtisch lag ein Laptop vor einer grünen historischen Bürolampe. Vor dem Tisch standen zwei schwarze Ledersessel, dahinter ein Chefsessel. An der gegenüberliegenden Wand befand sich eine in schwarzem Leder gehaltene Sitzgruppe, neben einer gläsernen Bar mit verschiedenen Spirituosen. Rechtsseitig ragte ein Kamin in den Raum, über dem Gemälde von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin hingen, die Manger verrieten, dass er sich im Büro von Sangarius befand.


Zunächst untersuchte er den Schreibtischinnenraum, wobei er in den Aktenhaltern lediglich unerhebliche Firmenunterlagen der Lichtenberg Security fand. Daneben enthielten die Schubladen nur die üblichen Büroutensilien. Da der Computer unzweifelhaft passwortgeschützt war, machte eine sofortige Untersuchung keinen Sinn, sodass Manger den Rechner in seinen Rucksack packte. 


Er schaltete die Lampe wieder aus und schlich im Dunkeln zur Tür. Um den dahinter liegenden Raum zu untersuchen, entnahm er seiner Tasche eine Spalt-Kamera und schob das lange Kabel mit dem Objektiv unter dem Türspalt durch. Das Kameradisplay zeigte ihm einen, etwa drei Meter breiten, menschenleeren Korridor mit stuckverzierter Decke, an der zwei gläserne Lüster für Beleuchtung sorgten.


Manger öffnete die Tür und begab sich langsam den Korridor hinab, bis an die Abbiegung in den Hauptteil des Gebäudes. Dort spähte er vorsichtig um die Ecke in einen weiteren menschenleeren Gang mit vier Türen auf jeder Seite. Aus der unteren Etage hörte er Stimmen. Schnellen Schrittes eilte Manger in die kreisrunde Vorhalle der ersten Etage, von der eine elegante Holztreppe in das Parterre hinabführte. Aus dem Salon, diagonal unterhalb von Mangers Standort, ertönte eine eisige, metallisch harte Stimme. Eine Stimme, die er zuletzt vor über zwanzig Jahren gehört hatte – Wolfgang Sangarius. Sofort schaltete Manger sein Aufnahmegerät ein.


»Genossinnen und Genossen, die Zeit für einen Umsturz schreitet voran. Dieser Augenblick wurde über Jahrzehnte vorbereitet. Uns stehen enorme finanzielle Mittel zur Verfügung, die wir an den kapitalistischen Börsen und mit unserer Unternehmensgruppe generiert haben. Unser Finanzunternehmen Marx Financial Services leistet ausgezeichnete Arbeit. Ich habe durch unser Unternehmen Lichtenberg Security Zugang zu den Sicherheitsbereichen von über zweitausenddreihundert Unternehmen weltweit. Überall dort generieren wir Unternehmensinterna, die unsere Börsenmakler in weiteren Gewinn ummünzen können. Unsere Nachwuchsarbeit läuft auf Hochtouren und unsere Propaganda in den sozialen Netzwerken funktioniert hervorragend. Aus aller Herren Länder strömen junge Menschen zu uns, die wir in die Organisation integrieren. Besonders stolz sind wir jedoch darauf, dass viele unserer verdeckt operierenden Genossen Führungspositionen in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen belegen. Wir sind an allen entscheidenden Schaltstellen Deutschlands vertreten, sodass die endgültige Rückeroberung unserer Heimat für den Kommunismus ohne größere Verzögerung vonstattengehen kann. Abgesehen von diesen Vorbereitungen sind wir uns wohl alle einig, dass die derzeitige wirtschaftliche beziehungsweise politische Situation in Europa wie geschaffen für uns ist. Die Staaten sind untereinander zerstritten und ratlos, ebenso wie die Parteien. Die Politikverdrossenheit der Bürger ist so groß, wie nie zuvor, und die Zahl der Anhänger unserer marxistischen Bewegung wächst in Südeuropa Tag für Tag. Es ist somit unsere Pflicht aufzustehen und zu kämpfen, um die Paläste dieses ausbeuterischen, korrupten kapitalistischen Systems niederzureißen. So mancher mag denken, demokratische Wahlen würden die Wende für uns bringen. Doch ich sage Ihnen, dass die einzige Möglichkeit, zur Zerschlagung der Demokratie in Deutschland, in einem revolutionären Sturz besteht. Und wenn wir Deutschland für uns erobern, werden die Staaten erkennen, dass es ein für alle Mal aus ist mit ihrer sogenannten freiheitlichen Demokratie. Das kapitalistische System hat abgewirtschaftet, sein Niedergang ist nahe und wir werden da sein, um die Antwort zu geben.« Sangarius Stimme hatte sich zu einem pathetischen Singsang aufgebaut, wobei sein Auditorium ihn mit Beifall belohnte.


Aus dem hinteren Teil des Raumes ertönte eine junge, entschlossene Männerstimme: »Ist es nicht ein wenig gewagt, jetzt bereits, von einer solch großen Revolution zu sprechen? Letztlich sind die Menschen zwar protestbereit, aber die meisten Deutschen sind mit ihrem persönlichen Leben hochzufrieden. Außerdem hasst der eine Teil der Deutschen die Bezieher von Sozialleistungen, während der andere Teil Hass auf das Establishment hegt. Die Gesellschaft prägt somit eine große Inhomogenität. Den neu erstarkten rechten Bereich dürfen wir ebenso nicht vergessen.«


Nach einem Moment der Überlegung erwiderte Sangarius nachsichtig: »Nun liebe Genossinnen und Genossen, ich werde Ihnen die Angelegenheit sachlich erklären. Wir werden selbstverständlich keinen gewaltsamen Umsturz durch die Massen erleben, sondern wir müssen ihn erzwingen. Wir planen auch nicht die Errichtung einer neuen Deutschen Demokratischen Republik. Viel mehr besteht das Ziel in der Errichtung einer Volksrepublik Deutschland nach chinesischem Vorbild. Die Marktwirtschaft soll unter dem Diktat einer von uns konzipierten Planwirtschaft erhalten bleiben und die Bürger haben die Möglichkeit Wohlstand zu erlangen. Dies jedoch ausschließlich unter totaler staatlicher Kontrolle und besagter Wohlstand wird von der Treue des Einzelnen gegenüber dem Staat, das heißt uns, abhängen. Sie sehen, dass nahezu sämtliche Staaten sich in einem Kampf mit ihren Märkten befinden, den sie nicht gewinnen können, da sie untereinander uneins über die Maßnahmen sind. Es gibt zu viele Schlupflöcher, um Regulierungsmaßnahmen zu umgehen, zu viel Korruption und zu viel Macht der Lobbyisten. Doch durch diesen Kampf begreifen die Menschen, wie machtlos sie den kapitalistischen Kräften gegenüberstehen, sodass ihr Hass immer weiter wächst. Bisher profitiert zwar der rechtspopulistische Bereich davon mehr als unsere Bewegung, aber der Spieß lässt sich durch unsere finanzielle Stärke jederzeit umdrehen. Vor allem da die Deutschen eher mit Terrorismus oder internationalen Krisen rechnen, als mit einem Umsturz im eigenen Land. Nicht alle werden uns mit offenen Armen empfangen, aber die Mehrheit wird uns zustimmen, sobald sie erkennt, dass wir ihre Probleme mit einem Schlag lösen. Wir werden alle gesellschaftlichen Bereiche unserer vollständigen Kontrolle unterwerfen. Die systemrelevanten Branchen, wie Bankwesen, Medien, Energieversorger oder Personenverkehr werden verstaatlicht und ausschließlich durch unsere Leute geführt. Sobald wir dies geschafft haben, sind wir sowieso nicht mehr von der Macht zu verdrängen. Es bleibt deshalb innenpolitisch gesehen nur die Frage, wie man in einem Staat die Macht an sich reißt, in dem die Mehrheit zufrieden ist und man keine unmittelbare Unterstützung durch das Militär hat. Die Antwort ist einfach, denn es gibt nur eine. Man muss überraschend angreifen und diesen Staat ins absolute Chaos stürzen. Die diesbezügliche Planung steht, ist jedoch noch geheim.«


»Wie sehen Sie die außenpolitische Lage?«, fragte die Männerstimme.


»Außenpolitisch sehe ich kaum Probleme. China wird hoch erfreut sein, den stärksten wirtschaftlichen Staat der Europäischen Union, als seinen gleichgesinnten Partner zu wissen. Sie werden sich zunächst ruhig verhalten, aber uns bald unterstützen, da ihre wirtschaftlichen sowie politischen Interessen in Europa durch uns abgesichert werden. Russland wird sich heraushalten. Der russische Präsident unterstützt derzeit zwar eher den rechtspopulistischen Sektor, aber das nur weil er dort die größere Chance zur Bildung einer autokratischen Regierung nach seinem Vorbild sieht. Wir werden ihn davon überzeugen, dass wir genauso, wenn nicht mehr, unsere Politik in enger Absprache mit Russland gestalten. Wir stehen der Politik Russlands nicht im Weg und erkennen Russland als einzige verbliebene Weltmacht an. Auch jeglicher Gebietserweiterung bis an unsere Grenzen werden wir zustimmen. Südeuropas Wut über das Finanzdiktat der Bundesregierung, wird dazu führen, dass sie sich von uns eine größere Solidarität erhoffen, was bedeutet, dass sie sich ebenfalls nicht einmischen werden. Frankreich ist im Moment ebenso zerstritten, wie die restliche Welt. Außerdem sind sie wirtschaftlich schwach. Wir werden sie mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm auf unsere Seite ziehen. England spielt nach dem Ausstieg aus der EU keine Rolle mehr. Die USA konzentrieren sich ausschließlich auf ihre eigenen Angelegenheiten und werden ebenso wenig eingreifen. Sobald die Einigung mit China und Russland erfolgt ist, werden sie ohnehin nichts mehr tun können. Man stelle sich einmal eine Achse Berlin-Moskau-Peking vor - der Rest der Welt wird mit Hochachtung auf uns schauen. Gerade weil unser Unternehmen sich in den USA einen besonders guten Ruf erarbeitet hat, wird man uns seitens der amerikanischen Bevölkerung zujubeln. Bezüglich der amerikanischen Abhörprogramme weise ich allerdings noch mal darauf hin, dass für die interne Kommunikation weder ungeschützte Handys noch E-Mails verwendet werden dürfen. Die wesentlichen Dinge werden Ihnen schriftlich, per Bote überbracht. Wichtig ist, dass Sie alle bis zur Machtübernahme den Ruf unseres Unternehmens in Deutschland weiter verbessern und jegliche subversiven Elemente ausschalten, ohne dass etwas auf uns zurückfällt. Die Mitarbeiter, die Ihnen dabei zur Verfügung stehen, sind absolut loyal und werden zur Not auch unter Verwendung einer Giftkapsel eine Befragung durch die Sicherheitsbehörden verhindern. Haben Sie noch Fragen?«


Wieder meldete sich die jugendliche Stimme: »Die Problematik, die ich sehe, ist, dass die oberen Bevölkerungsschichten stärker als bisher abwandern und die Finanzmittel ins Ausland schaffen. Haben wir dazu eine Regelung?«


»Nun wir werden in nächster Zeit über die Marx Financial eine Sonderaktion für die finanzstarken Bürger Deutschlands durchführen. Ziel dieser Aktion ist es, möglichst viele deutsche Anleger auf uns zu vereinen, sodass wir bereits beim Umsturz über einen Großteil ihres Kapitals verfügen. Fragen Sie mich jedoch nicht danach, wie das funktionieren soll, ich bin kein Banker. Falls es jedoch während beziehungsweise nach unserer Machtübernahme zu Kapital- oder Republikflucht kommen sollte, werden wir die passenden Gegenmaßnahmen ergreifen. Haben Sie Vertrauen! Wir sind uns unserer Sache sicher und werden diesen Kampf mit Ihrer aller Unterstützung gewinnen. Zum Wohle Deutschlands und zum Wohle der ganzen Welt.« Trotz des freudigen Beifalls fuhr Sangarius geschäftsmäßig fort: »Den Rest besprechen wir in den einzelnen Arbeitsgruppen. Lassen Sie uns hinüber in den Speisesaal gehen, es ist bereits serviert.«


Manger erstarrte für einen Moment. Eine Volksrepublik nach chinesischem Vorbild? Ein Putsch in Deutschland? Sangarius war offenbar völlig verrückt geworden. Das musste sofort an die Behörden weitergegeben werden. Doch er brauchte weitere Hinweise.


Manger legte sich flach auf den Boden, stellte sein Smartphone auf die Kamerafunktion ein und filmte alle Personen, die den Salon verließen. Als erster ging Sangarius in Richtung des gegenüberliegenden Speisesaals. Sein einst strohblondes Haar glänzte silbergrau und seine einfache graue Uniform hatte er gegen einen edlen italienischen Einreiher getauscht. Ansonsten schien er kaum verändert, seit Manger ihn das letzte Mal gesehen hatte. Ein Hüne, über zwei Meter hoch, extrem muskulös, mit tief blauen Augen. Eine Statur, die ihm einstmals den Spitznamen Jung Siegfried eingebracht hatte. Aristokratisch geschnittene Gesichtszüge sowie sein aufrechter Gang vollendeten das edel wirkende Antlitz des heute siebzigjährigen.


Insgesamt sechzehn Frauen und vierundzwanzig Männer in eleganter Abendgarderobe folgten Sangarius. Manche hielten ihren Kopf so, dass Manger sie nicht aufnehmen konnte. Andere erkannte er jedoch sofort. Cornelia Blücher, eine berühmte Moderatorin und Talkmasterin. Hermann Viessers, ein Staranwalt mit vielzähligen Aufsichtsratspositionen. Otto Riefenstein, ein berühmter Fernsehkoch und Gastronom. Dazu ein Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums namens Eduard Wenniges.


Nachdem alle Personen im Speisesaal Platz genommen hatten, beschloss Manger die Räume im Obergeschoss zu untersuchen. Zunächst nahm er sich den Westflügel vor. Die Zimmer besaßen alle dieselbe Ausstattung. Ein kleines Bad, einen im Korridor eingebauten Kleiderschrank sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett, Schreibtisch, Bar und Flachbildfernseher. Trotz aller Mühe war die Untersuchung der Räume ernüchternd. Lediglich der letzte Raum förderte den Terminkalender des Staatssekretärs zu Tage. Manger steckte ihn ein.


Vor Kopf des westlichen Flügels befand sich ein Archiv mit Aktenschränken, die durch Tresorschlösser gesichert waren, sodass eine Untersuchung des Inhalts unmöglich war. Vor dem Fenster zum Hof stand ein Schreibtisch mit einem Computer im Stand-By Modus. Manger drückte den schwach blinkenden Knopf an der Frontseite des Rechners, woraufhin ein Organigramm der Marx Financial Services Limited angezeigt wurde. Ein kurzer Klick mit der Maus sorgte für den Ausdruck, der in seiner Tasche landete.


Zurück im Korridor hörte er aus dem Speisezimmer lautes Gelächter. Die Gesellschaft schien bester Stimmung zu sein.


Als er das erste Zimmer des Ostflügels betreten wollte, hörte er plötzlich Schritte auf der Holztreppe. Ein Blick über das Treppengeländer verriet ihm, dass der braunhaarige Wächter die Treppe heraufkam. Manger musste abbrechen, die Einbruchspuren waren zu eindeutig.


Lautlos lief er zurück in Sangarius Arbeitszimmer, schlüpfte durch das geöffnete Fenster und landete gerade auf dem Dach der Scheune, als der Wachmann das Zimmer betrat und die Deckenbeleuchtung anschaltete. Manger rollte sich ab, griff das Seil und schwang sich über die Seilwinde hinab in die Tiefe. Jetzt zählte nur noch wegzukommen. Bereits als er die ersten Baumreihen erreichte, flammten hinter ihm starke Scheinwerfer auf. 


                                                                                                                                                                           Kapitel Zwei                                                                         


Der Wachmann hatte zu spät geschaltet. Beim Betreten des Arbeitszimmers hatte er am Fenster eine Bewegung wahrgenommen, dies jedoch nicht als Anzeichen von Gefahr gewertet. Erst als ihm auffiel, dass Sangarius Laptop fehlte sowie das Loch in den offenstehenden historischen Fenstern bemerkte, war ihm klar geworden, dass er Alarm geben musste.


Sangarius platzte mit hochrotem Kopf in den Raum. »Was ist hier los?«


»Es gab einen Einbruch, Genosse General. Ihr Laptop fehlt und das Fenster wurde beschädigt. Wir hatten vor circa einer Stunde einen Sicherheitsalarm, konnten jedoch nichts erkennen. Vermutlich ist der Einbrecher später über das Scheunendach eingestiegen. Das Dach ist trotz der von mir geäußerten Bedenken nicht so gut geschützt, wie der Rest des Gebäudes.«


»Schwafeln Sie hier nicht rum! Das war Manger. Wer sonst sollte dieses Wagnis eingehen? Das heißt, Horchler hat versagt. Die komplette Sicherheitsmannschaft inklusive Hundestaffel macht sich sofort auf die Suche. Weit kann Manger noch nicht sein. Außerdem versuchen Sie Horchler zu erreichen. Ich werde mich dieses Versagers persönlich annehmen und dasselbe gilt für Sie, wenn Sie diesen abgebrochenen kleinen Detektiv nicht zur Strecke bringen. Aber bringen Sie ihn mir lebend. Ich muss wissen, was er alles in Erfahrung gebracht hat und wo unser Sicherheitsleck ist. Vorwärts, bringen Sie mir Manger!«


 


Nachdem der Wachmann das Arbeitszimmer verlassen hatte, betrat Eduard Wenniges mit bestürztem Gesicht den Raum. »Was sollen wir jetzt tun, Genosse General?«


»Mach dir keine Sorgen Eduard. Offensichtlich hat Manger meinen Laptop gestohlen und ist jetzt auf der Flucht. Was er mitbekommen hat, weiß ich noch nicht. Aber viel kann es nicht gewesen sein und mit dem Rechner kann er nichts anfangen, da ist nur belangloses Zeug drauf. Überprüft alle eure Zimmer, ob irgendetwas fehlt. Ich werde mir derweil unseren Aktenraum ansehen. Danach erfolgt euer aller sofortige Abreise. Über die Konsequenzen aus dieser Geschichte beraten wir später. Ich kann mir nicht denken, dass es dramatisch wird, denn Manger ist ein psychisch kranker Alkoholiker. Dem wird kein Mensch glauben. Was er jetzt in der Hand hat, wird ihm dabei auch nicht helfen. Keine Sorge, Eduard. Den Burschen kriegen wir.«


»Hoffentlich, ich habe keine Lust meinen Posten gegen eine Gefängniszelle zu tauschen. Ich sage den anderen Bescheid, dass sie alles absuchen sollen.«


Nachdenklich trat Sangarius an die Bar, goss sich einen Cognac ein und ließ sich auf der Couch nieder. Manger war also über Ort und Zeit dieses Treffens informiert worden. Das Manger Informationen über ihren Standort besaß, war Sangarius schon vor einer Woche klar gewesen, als er davon hörte, dass Manger in der Gegend gesehen wurde. Horchler sollte Manger beschatten und wenn nötig gefangen nehmen. Offenbar war etwas schief gelaufen. Verdammter Horchler. Eine Woche war er an Manger dran und ließ ihn trotzdem durchkommen. Auch der Rest der Mannschaft hatte komplett versagt. Dieser Fehlentwicklung musste Einhalt geboten werden, bevor noch größere Probleme entstanden. Bisher war die Angelegenheit noch zu klären, denn Manger konnte nicht allzu viel mitbekommen haben. Vielleicht hatte er Fotos von den Anwesenden geschossen, was ihm nicht helfen würde, oder versucht den Vortrag aufzuzeichnen, was in diesem Haus nicht möglich war. Das Hauptproblem bestand somit in der Identifikation des Verräters, der Manger informiert hatte. Es musste sich um ein Mitglied der Führungsetage handeln, denn niemand anderes hatte von der Besprechung gewusst. Doch da er jetzt wusste, dass es so jemanden gab, würde er ihn auch finden und beseitigen. Grimmig trank Sangarius sein Glas aus und begab sich zum Aktenarchiv.


 


Mangers Lungen brannten. Seit er den Gutshof verlassen hatte, war er ununterbrochen gerannt. Quer durch den Wald hatte er sich bis zu dem Bach durchgeschlagen, der durch das Dorf floss. Einige Minuten lang war er durch das eiskalte Bachbett gewatet, um die Witterung der Hunde zu unterbrechen. Nun befand er sich kurz vor seinem Ziel. Die ersten Häuser des Dorfes erhoben sich aus der Dunkelheit. Im Dorf konnten sie ihn nicht mehr angreifen, denn es war inzwischen nach fünf Uhr und auch am heutigen Samstag sollten die ersten Arbeitnehmer bereits zur Arbeit aufbrechen. Außerdem waren sicherlich die Hoteliers und Bauern schon auf den Beinen. Wenn es ihm gelang, das Dorf unentdeckt zu verlassen, konnte er mit seiner Aktion zufrieden sein. Das aufgenommene Redeprotokoll, die Bilder der Führungsriege, das Organigramm der Marx Financial Services Limited sowie der Terminkalender des Staatssekretärs nebst Sangarius Laptop machten sich als Beute ausgesprochen gut. Die Behörden mussten sofort reagieren.


Als Manger im Dorf ankam, begannen die Glocken von St. Pankratius ungewöhnlich laut zu schlagen. Es blieb keine Zeit Horchlers BMW zu durchsuchen. Somit sprang er in seinen Audi und schoss in die Dunkelheit davon.


 


Sangarius hatte unterdessen das Archiv überprüft. Manger war dort gewesen, doch Akten fehlten nicht, sodass er maximal ein Organigramm der Marx Financial Services Limited erbeutet haben konnte. Abhörgeräte konnten im Haus ebenso nicht gefunden werden. Horchlers BMW war inzwischen geborgen worden, doch von Horchler fehlte jede Spur. Manger war entkommen. Zwei Männer sollten den Verbleib von Horchler klären, der Rest sollte die Suche ausdehnen. Außerdem fehlte Wenniges Terminkalender, den er idiotischerweise zu der Besprechung mitgebracht hatte. Wenn Manger es schaffte, die Termine auszuwerten, mussten ganze Aktionen neu geplant werden. Sangarius ärgerte sich. Die jungen Leute besaßen einfach nicht mehr die Qualität seiner Generation.


Sangarius rief seinen engsten Mitarbeiter Hallmann, einen schmächtigen Mittzwanziger, mit krausem dunklen Haar und Hornbrille. Sangarius wusste, dass der Computer- und Abhörspezialist ihm treu ergeben war.


Hallmann betrat in respektvoller Haltung den Raum. »Sie haben mich gerufen, Genosse General.«


»So ist es. Erstens weisen Sie an, alle Akten im Archivraum schnellstens durch belanglose Firmenunterlagen auszutauschen. Zweitens müssen Sie einen Verräter enttarnen. Wir haben einen Maulwurf in der Führungsriege. Alle Beteiligten sind sofort bis ins Detail zu überwachen. Ich werde zunächst Südamerika informieren. Sie halten mich permanent auf dem Laufenden.«


Sangarius griff zu seinem abhörsicheren Telefon und wählte eine nahezu endlos wirkende Nummer. »Sangarius. Wir haben ein Problem mit einem Maulwurf.« Er schilderte kurz das Geschehen sowie seine dahingehend geplanten Aktionen.


Am anderen Ende ertönte eine sonore Männerstimme: »Da hast du dich nicht mit Ruhm bekleckert. Du musst dringend an der Disziplin deiner Leute arbeiten. Außerdem, wie erklärst du mir die laschen Sicherheitsvorkehrungen an deinem Quartier? Ich habe eindeutige Anweisungen gegeben, was die Absicherung der Gebäude sowie die Gestaltung von Meetings anbetrifft. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass ein zweitklassiger Privatdetektiv mir nichts dir nichts in eines unserer wichtigsten Gebäude eindringen kann. Was ist da los bei dir? Ich frage mich, ob du nicht langsam zu alt für den Posten wirst, Wolfgang. Ich habe hier noch einige Tage zu tun, dann komme ich persönlich nach Deutschland. Bis dahin erwarte ich, dass du deinen Laden wieder im Griff hast.« Sangarius wollte noch etwas antworten, aber die Verbindung war bereits unterbrochen.


 


Manger saß in seinem Auto und telefonierte mit dem einzigen Menschen, dem er vertraute, Walter Könicke. »Grüß dich Walter, meine Aktion war erfolgreich. Ich konnte einige interessante Dinge erbeuten.« Manger skizzierte kurz die Ereignisse der Nacht, wobei er den Überfall Horchlers und dessen Tod verschwieg. »Allerdings bin ich wohl beschattet worden, was ich mir aufgrund unserer Geheimhaltung nicht erklären kann.«


»Du glaubst doch nicht etwa, dass ausgerechnet ich mit denen zusammenarbeiten würde. Ich würde dich nie verraten. Abgesehen davon hast du mir vorab ohnehin nicht das meiste erzählt.«


»Das habe ich auch nicht gesagt, aber irgendwie müssen die was erfahren haben. Am besten überprüfst du, ob sie dich überwachen. Ich muss hier erst mal verschwinden. Ich werde zunächst im Ruhrgebiet untertauchen. Ich habe dort einen Kontakt, der mir bei der Auswertung meiner Bilder und der Computerdaten helfen kann. Gegebenenfalls hilft er mir auch mit der Polizei in Kontakt zu treten. Sobald ich da bin, melde ich mich noch mal bei dir. Bis dahin, sei bitte vorsichtig.«


»Das solltest zu allererst du sein, letztlich sind sie hinter dir her. Ich glaube kaum, dass sie einem alten Mann wie mir etwas tun werden. Ich höre mich mal vorsichtig um, wie sie auf dich kommen konnten. Vielleicht kann ich dir beim nächsten Telefonat schon etwas sagen. Bis dahin, Tschüss.« Manger erwiderte den Gruß und lenkte den Wagen auf die Autobahn in Richtung des nahen Ruhrgebietes.


 


 


Kapitel Drei


 


Das Dorf machte sich währenddessen für die Beerdigung des Ehrenbürgers und langjährigen Vorsitzenden des örtlichen Schützenvereins bereit. Zwischen Schützenhalle und Kirche wurden alle Laternen mit grün-gelben Fahnen geschmückt, die Blaskapelle übte Marschmusik ein und in der Schützenhalle wurden die Tische mit Streuselkuchen und Kaffeekannen eingedeckt. Wobei hinter einem Vorhang etliche gekühlte Fässer Bier bereit standen, um nach Trauermesse und Raue noch einmal kräftig auf den Herrn Vorsitzenden und sein Lebenswerk anzustoßen. Pfarrer Hieronymus überflog derweil seine Trauerrede und koordinierte die Installation der Kranzhalter an der Grabstelle. 


Kurz bevor der geschmückte Sarg von der Leichenhalle in die Kirche gebracht werden sollte, inspizierte Bestatterin Renate Schermbeck die Grabstelle. Als sie das Grab umrundete, bemerkte sie, dass einiges an Erde auf der Umrandung lag. Darüber hinaus gefiel ihr der Grabboden nicht, da die Erde für ihr Empfinden zu bucklig zusammengestampft war.


Sofort rief sie ihren Mitarbeiter zu sich, um ihn ob seiner unsauberen Arbeit zur Rede zu stellen. »Was haben Sie sich denn dabei gedacht? Sie werden das sofort in Ordnung bringen. Fegen Sie gefälligst die Erde von der Umrandung und begradigen Sie den Grabboden. Was sollen denn die Leute denken, wenn sie sehen, dass ein Ehrenbürger in so einem schlampig gearbeiteten Loch bestattet wird? Unser Unternehmen hat einen Ruf zu verlieren.«


Fünf Minuten später setzte der Mitarbeiter den ersten Spatenstich. »Da ist irgendwas in der Erde. Wahrscheinlich ein Ast oder Wurzelwerk.« Langsam schob er die Erde um den kleinen Buckel zurück, erfasste den Gegenstand und zog. Erst erschien eine bleiche, grobschlächtige Hand, dann ein kompletter Arm. Frau Schermbeck schrie und zitterte am ganzen Leib. Ihr Mitarbeiter versuchte sie mit sanften Worten zu beruhigen, legte aber dennoch nach und nach die Leiche eines außergewöhnlich großen Mannes frei.


Der gellende Schrei der Bestatterin versetzte das ganze Dorf in Alarm. Schon erschien Pfarrer Hieronymus mit den Schützenbrüdern am Grab und starrte ungläubig hinunter.


»Wir müssen die Polizei rufen«, brachte es der Pfarrer auf den Punkt.


 


Manger überlegte unterdessen, ob er mit seinem eigenen Wagen ins Ruhrgebiet fahren oder sich einen Mietwagen beschaffen sollte. Bisher war kein Verfolger zu sehen. Die Autobahn war nahezu vollständig leer. Doch absolut sicher sein, konnte er sich nicht. Vor allem da die A40, sobald der Berufsverkehr auf die Wochenendreisenden traf, einem Ameisenhügel gleichen würde. In einem solchen Gedränge konnte man schwerlich einen Verfolger entdecken. Manger entschied sich einen Mietwagen zu nehmen, denn er durfte seine Kontaktperson keinesfalls gefährden.


Kurz vor Dortmund kannte er einen gebührenfreien Pendlerparkplatz, der an ein Gewerbegebiet grenzte, in dem es eine Mietwagenstation gab. Dort angekommen mietete er sich einen dunklen Audi A3, mit dem er eine halbe Stunde später seinen Zielort Essen-Werden erreichte. Die Temperaturen erschienen hier etwas angenehmer als im östlich gelegenen Sauerland und ein Hauch von Frühling lag in der Luft.


Aus Richtung des verklinkerten Einfamilienhauses wehte ihm der betörende Duft frischen Kaffees entgegen. Manger hatte den geräumigen Bungalow noch nicht erreicht, als eine attraktive, elegant gekleidete Frau Anfang vierzig aus der Tür trat. Ihre langen rotbraunen Haare hingen weit hinab über ihren weißen Rollkragenpullover, den sie zu einer schwarzen Samtschlaghose trug. Ihre graublauen Augen lächelten Manger warm entgegen und die leichten Falten um Mundwinkel und Augen spiegelten ihren schnörkellosen Charakter wider. Neben ihrem attraktiven Äußeren verfügte Katrin Pfeiffer allerdings über einen messerscharfen Verstand und Manger wusste ihren von Ehrlichkeit und Gerechtigkeitssinn geprägten Charakter zu schätzen. Er war mit Katrin auf die Polizeischule gegangen, bis sie sich entschieden hatte, Informatik zu studieren, um danach bei der Bundespolizei anzuheuern. Nun hoffte er, dass sie ihm bei der Auswertung der erbeuteten Dinge und der Kontaktaufnahme mit den Bundesbehörden helfen würde. Alleine konnte er nicht gegen die Lichtenberg Security antreten.


»Hallo Johann«, sagte sie mit ihrer angenehm sanften, femininen Stimme. »Von dir habe ich ja ewig nichts mehr gehört. Komm erst mal rein.«


 


»Danke. Schön, dass du mich empfängst. Das war ja wirklich eine lange Zeit«, antwortete Manger, während er sie kurz umarmte. »Ein schönes Haus hast du. Feine, gepflegte Gegend. Übrigens duftet es hier herrlich.« 


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