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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Operation Waldessturm, Bibi Rend
Bibi Rend

Operation Waldessturm



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Im Radio dudelten leise die Hits des Sommers, während die dreißigjährige Anke im Schatten der hohen Bäume auf ihrer Sonnenliege in ihrem Roman las. Neben ihr schnarchte die Hündin Eska. Die Sonne meinte es in diesem Jahr besonders gut. Seit bereits vierzehn Wochen stieg sie Stunde um Stunde immer höher und ihre Strahlen brachten die Hitze bis tief in das Erdreich. Der Himmel blendete in einem strahlenden Blau. Die Wolken weigerten sich, den Kampf gegen die Sonne aufzunehmen, weshalb eine extreme Hitzewelle herrschte. Erst die Nacht konnte die Sonne für wenige Stunden verbannen und das Thermometer um wenige Grad fallen lassen. Die Musik im Radio verstummte und die monotone Stimme des Moderators leierte seinen Text herunter.


»Aktuelle Warnmeldung! Die Forstdirektion warnt vor dem Betreten des Waldes. Die Bäume sind wegen der extremen Trockenheit zum Teil brüchig, Äste und Zweige können herabfallen. In Waldgebieten und Parkanlagen des gesamten Sendegebietes gilt Rauchverbot. Offene Feuer sind untersagt. Fahrzeuge dürfen nicht auf Grünflächen abgestellt werden. Die höchste Alarmstufe für Waldbrandgefahr wurde ausgerufen. Flugzeuge der Feuerwehr überwachen den kompletten Forst. Die Polizei fährt verstärkt Streife. Wir bitten Sie, sich an die Verhaltensregeln zu halten und auf ungewöhnliche Ereignisse zu achten. Die Polizei ist unter der Rufnummer 110 und die Feuerwehr unter 112 zu erreichen. Das Befüllen von Planschbecken oder Pools, sowie das Beregnen und Wässern von Pflanzen ist strikt untersagt.«


Anke wäre am liebsten aufgestanden und hätte das Radio ausgestellt, aber bei der drückenden Hitze von knappen 45 Grad im Schatten, ersparte sie sich jede unnötige Bewegung. Alle zehn Minuten kam diese Meldung von der monoton klingenden Stimme durch die Radiolautsprecher. 


›So langsam müsste doch jeder noch so große Döspaddel wissen, wie er sich zu verhalten hat.‹ In ihrer Wut kamen ihr die blödesten Gedanken.


Eska schien die Hitze nicht zu stören. Anke hatte das Fell der Hündin vor acht Wochen einfach kurz geschoren und die sonst langhaarige Landseerdame verunstaltet. Nur noch der Kopf war mit dickem, langem Fell bedeckt, der restliche Körper von gerade einmal einem Zentimeter.


Plötzlich sprang die vierjährige Hündin auf und lief bellend zur Gartenpforte. An dem Klang der Hundelaute konnte Anke erkennen, dass ein, in Eskas Hundeaugen, guter Mensch vor der Tür stand.


Ächzend erhob sie sich von ihrer Liege und zog eilig ihr dünnes Sommerkleid über, als auch schon eine bekannte Stimme an ihr Ohr drang.


»Eska, Süße, hör auf. Eska, aus!« Ein freudiges Winseln, gemischt mit einem menschlichen Lachen, folgte auf den Befehl.


»Wie siehst du denn bloß aus? Na, Hauptsache dir geht es gut dabei. Los, komm mit.«


Zwischen der Hecke aus Bäumen und Büschen trat eine hochgewachsene Gestalt, gefolgt von Eska, die immer wieder an dieser hochsprang.


»Sascha, mein Freund, wo kommst du denn her?« Mit geröteten Wangen lief Anke auf den Mann zu, um direkt in seine Arme zu fliegen und umarmt zu werden. Ihre Augen strahlten, das Lachen war herzlich und voller Freude.


»Direkt aus der Hölle.« Ausgelassen drehte Sascha sich mit Anke in den Armen im Kreis und gab ihr einen laut schmatzenden Kuss auf die Wange. Eska sprang an den beiden hoch und kläffte freudig, als ob sie den Ankömmling lautstark im Ort ankündigen müsste.


Nach etlichen Minuten der Begrüßung stellte Sascha die junge Frau wieder auf die Beine und begutachtete sie von oben bis unten. 


»Gut siehst du aus. Bist ja richtig braun geworden. Was macht deine Arbeit?«


»Eigentlich müsste ich dich fragen, wie es dir ergangen ist und was deine Arbeit macht. Aber das besprechen wir nach einem schönen kalten Glas Apfelschorle. Komm mit in den Schatten, da ist es erträglicher.«


Arm in Arm gingen die beiden zu der Terrasse unter den Bäumen und setzen sich.


Während sie das Glas Schorle langsam leerten, scherzten sie über Erlebnisse aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Anke und Sascha waren wie Geschwister in dem kleinen Achthundert-Seelen-Ort aufgewachsen. Kein Baum war ihnen zu hoch, keine Pfütze zu tief. Der Tag nicht lang genug und keine Nacht zu kurz. Bis vor drei Jahren hatten sie nur die glückliche Seite des Lebens mit allen Rechten und Pflichten kennengelernt. Bis zu diesem einen Tag … es war Neujahr.


 


Anke und Sascha waren zusammen auf einer Silvesterfeier in der nahegelegenen Stadt, während die Eltern der beiden auf einer privaten Feier in der nächsten Ortschaft weilten. Gegen drei Uhr morgens bekam Sascha einen Anruf auf seinem Handy. Innerhalb von fünf Sekunden wurde er kreidebleich und zitterte am ganzen Körper, während ihm Tränen über die Wangen liefen. Anke stand die ganze Zeit neben ihm, und versuchte, in seinem Gesicht zu lesen. Das, was sie dort las, ließ sie zusammenbrechen. Sie hielten sich fest und gaben sich gegenseitig Halt.


 


Die Eltern waren auf dem Nachhauseweg, als ein anderer Wagen auf ihrer Spur entgegenkam und frontal auf den Wagen von Saschas Vater prallte. Noch während der Rettungsmaßnahmen stellte sich heraus, dass der Unfallverursacher stark alkoholisiert war. Ankes und Saschas Eltern waren strikte Gegner von Alkohol. Alle Personen konnten nur noch tot geborgen werden.


Ein Freund hatte Sascha die schlimme Nachricht per Handy überbracht und sie erst danach von der Feier abgeholt.


 


Seit diesem schrecklichen Tag waren die beiden noch unzertrennlicher. Fast zweieinhalb Jahre lang waren sie Tag und Nacht zusammen, Eska immer dabei, getrennt wurden sie nur für die Zeit, in der sie arbeiten waren. Bis zu dem Tag, an dem Sascha von seinem Dienstherren versetzt wurde.


 


Jetzt, ein Jahr später, trafen sie sich das erste Mal persönlich wieder, kurze, tägliche Telefonate hatten ihnen die Wartezeit verkürzt. Dementsprechend groß war der Informationsaustausch, ohne den Blick vom Anderen zu nehmen. Eska lag mittendrin und wusste nicht, wen sie zuerst beobachten sollte, also musste sie sich wohl oder übel in die Sonne legen, um beide im Blick zu haben. Allerdings wurde sie bereits nach wenigen Minuten von Anke zu sich gerufen, legte sich neben ihr Frauchen und beobachtete stur den jungen Mann.


»Los, jetzt erzähl, Anke. Wie bist du zu deiner jetzigen Arbeit gekommen?« Sascha legte sich einfach auf den Boden neben Anke und Eska, den Kopf auf den angewinkelten Arm gestützt und der andere lag auf der Hündin. Ein Bild voller Harmonie.


»Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Die Langeweile überkam mich, nur hier herumsitzen und nichts zwischen den Fingern zu haben, hat mich fast wahnsinnig gemacht. Du weißt doch selbst, wie schwierig es heutzutage ist, einen Job im Büro zu bekommen. Da kommt man mit einem Hauptschulabschluss nicht weit, selbst wenn du ein Spitzenzeugnis hast. Also habe ich einiges ausprobiert, angefangen beim Garten und aufgehört beim Stricken. Ich habe wirklich alles Mögliche gemacht. Eines Abends schrieb ich wieder in mein Tagebuch, allerdings entstand eine kurze zusammenhängende Geschichte. Mehrere Tage las ich mir die Zeilen immer wieder durch und sie gefielen mir immer besser, also habe ich mit einem Buch begonnen. Ich war so in die Geschichte vertieft, dass ich einfach nicht aufhören konnte und als ich endlich zum Ende kam, waren zehn Tage vergangen und knappe vierhundert Seiten lagen vor mir. Eska war froh, dass wir bei dem Wetter nicht so oft einen großen Spaziergang machten. Das Ganze ist jetzt drei Monate her und seit sechs Wochen ist mein Buch auf dem Markt. Die ersten Verkaufszahlen versprechen Gutes. Innerhalb der ersten drei Wochen habe ich schon über eintausend Bücher verkauft. Ab der vierten Woche ist es noch höher gegangen, jetzt bin ich bei tausend Büchern pro Woche. Mehrere Verlage haben bereits angefragt, aber ich möchte unabhängig bleiben. Nächste Woche kommt die gedruckte Version auf den Markt.«


Anke hatte die ganze Zeit nur auf ihre Hände geblickt, als ob sie sich schämen und gleichzeitig freuen würde und deswegen nicht mitbekommen, dass Sascha einfach eingeschlafen war. Sein Kopf lag nun auf Eskas Flanke und die beiden schnarchten leise vor sich hin. Sie warf einen liebevollen Blick auf die Zwei und begab sich leise ins Haus, um das Abendessen vorzubereiten.


 


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