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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Modder, Birgit Krohn
Birgit Krohn

Modder



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Hans Hansen lenkte seinen Wagen auf den freien Platz vor seinem Büro. Er hatte es immer noch nicht geschafft, ein neues Schloss an das Eingangstor anzubringen. Seine Frau nannte ihn immer einen vergesslichen Schussel und damit traf sie voll ins Schwarze. Wie lange war nun das Schloss kaputt? Vier Monate? Länger? Hansen hatte keine Ahnung. Er stieg aus seinem Wagen und landete mit seinen Schuhen in einer Pfütze. Wahrscheinlich die Größte und Tiefste auf dem ganzen Hof, dachte er resigniert. Er hatte es aufgegeben und lebte im Einklang mit seiner Schusseligkeit. Jedenfalls versuchte er es. Ab und an ärgerte sich Hans Hansen über seine paddelige Art und Weise, stieß hier und dort etwas um, vergas Ersatzteile auszubauen oder eben die Türverriegelung.


»Scheiß Regen!« Motzte er leise vor sich hin und trat in sein Büro. Es war kein Haus im eigentlichen Sinne, sondern ein abgewrackter, auf einer Baustelle vergessener Bauwagen. Die nackte Glühbirne baumelte träge von der Decke und tauchte das Büro in schwaches Licht. An der rechten Seite stand der große altmodische Schreibtisch über und über mit Papieren bedeckt. Nur er kannte die Ordnung, kein anderer Mensch hätte dort den Durchblick gehabt. Als Erstes warf er die Kaffeemaschine an und zog sich die oliv farbenen Gummistiefel über. Es war eine Art Ritual morgens nach Öffnung und abends nach der Schließung des Schrotthandels eine große Runde über den Hof zu gehen. Hansen trat aus dem morschen Bauwagen und schlug den Trampelpfad links ein. Vorbei an ausgeschlachteten Autos, Kupferkabelbergen, hin zu den Ersatzteilen, die teilweise überdacht eingelagert wurden. Seit mehr als 30 Jahren war dieser Laden sein Eigentum und er verdiente nicht schlecht daran. Die Industrie verbrauchte immer mehr Rohstoffe und dank Recycling griffen sie zurück auf secondhand Metalle. Neulich bekam er ein sehr lukratives Angebot seine kompletten Lagerbestände nach China zu verschiffen. Hansen behielt es im Hinterkopf. Irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich das Rentenalter erreicht habe, gehe ich darauf ein, dachte er bei sich. Bis dahin wollte er weiterhin Kupfer zu Höchstpreisen verkaufen und privaten Autobesitzern mit Ersatzteilen aushelfen. Am Eingang angekommen, schob Hansen das schwere Eisentor vollständig in die Verankerung, sodass sie vom starken Wind nicht zugedrückt werden konnte. Im Eingangsbereich standen noch halbwegs gut erhaltene Wagen, es fehlte hier und da eine Seitentür aber aus Sicht eines Schrotthändlers waren sie neuwertig. Etwas lag dort auf dem schlammigen Boden. Hansen marschierte forschen Schrittes auf den kleinen Durchgang zwischen aufgestapelten Reifen und Wagenleichen zu. Der Boden war lehmig und extrem aufgeweicht vom nächtlichen Unwetter. Plötzlich hielt er inne, sein Instinkt signalisierte Gefahr. Vorsichtig schritt er entlang des Pfads und stolperte über einen Schuh. Bevor er überhaupt die Situation bewusst wahrnahm, trugen ihn seine Beine zurück ins Büro. Sofort rief er die Notrufzentrale an. Sein Unterbewusstsein trog nie, darauf konnte er sich schon immer verlassen.


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