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Kapitel 1 - Peter - Peter Laarsen war nun schon seit vielen Jahren Oberkommissar des ansässigen Präsidiums, doch so ein Fall war ihm in seiner gesamten Amtszeit noch nicht vorgekommen. Nun war es schon weit nach Mitternacht, und er kam mit seinen Ermittlungen einfach nicht voran. Eigentlich waren es mehrere Fälle, die er im Laufe der letzten Wochen zu einem großen zusammengefügt hatte. Vier junge Frauen, in voller Blüte ihres Lebens, alle spurlos verschwunden, als ob der Erdboden sie verschluckt hätte. Außer, dass sie wunderschön waren, alleinstehend und aus der gleichen Gegend stammten, teilten sie keine Gemeinsamkeiten. Jede einzelne von ihnen verschwand aus ihrer eigenen Wohnung ohne jegliche Gewalteinwirkung von außen. Als vor acht Wochen Ines Tripton, die Erste der vier Frauen, verschwand, dachte jeder noch, sie hätte genug von ihrem Leben und wäre abgehauen. Nur eine Woche später kamen Angehörige von Larissa Krumbach ins Präsidium und gaben eine Vermisstenanzeige auf. Zwei junge Frauen, unauffindbar in kurzen Zeitabständen, könnte auch ein dummer Zufall sein. Als jedoch nach einigen Tagen Marina Talbach verschwand, war mit Sicherheit damit zu rechnen, dass alle drei Frauen einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Nun wurde seit fünf Tagen auch noch Saskia Milker vermisst. Sie hatten schon alles getan, Nachbarn, Freunde, Kollegen und Verwandte mehrmals befragt. Die gesamte Gegend kilometerweit abgesucht, aber nichts, keine Spur. Langsam wurde der Druck für Peter groß, wo könnten die Frauen nur sein, was ist ihnen zugestoßen. Er rechnete damit, dass zumindest drei von ihnen getötet wurden, aber wo um alles in der Welt waren ihre Leichen. Irgendwo müssten sie doch auftauchen. Ein Leichnam wäre wenigstens ein Anfang, vielleicht würde eine Autopsie Aufklärung über den Aufenthaltsort der anderen geben. Peter war am verzweifeln, niemand hatte die Frauen gesehen, keinerlei merkwürdiges Verhalten vor dem Verschwinden, null Anhaltspunkte, einfach nichts. So einen Fall hatte Peter noch nie, er war komplett überfordert. In seiner Ausbildung hatte er dies zwar gelernt, jedoch sah die Theorie der Praxis gegenüber vollkommen anders aus. Ihm blieb im Augenblick nichts anderes übrig, als die Akten zum tausendsten Mal Wort für Wort und Foto für Foto durchzugehen und sich wieder einmal die Nacht um die Ohren zu schlagen. Als er die erste Akte aufschlug, konnte er nicht ahnen, welche Dramatik sich nur wenige Kilometer von seinem Büro entfernt, zeitgleich ereignete. Kapitel 2 - Sie und er - Sie saß geknebelt, gefesselt, völlig nackt in einem dunklen Keller und wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit es früh morgens an ihrer Tür geklingelt hatte und ein Fremder sie überwältigte. Dabei hatte ihre Mutter ihr schon als Kind beigebracht, immer erst zu fragen, wer da ist, bevor sie öffnet. Wie konnte sie nur so nachlässig gewesen sein. Sie war der festen Überzeugung es wäre der Paketdienst. Sie wartete schon seit Tagen auf ihr bestelltes Sommeroutfit und nun hatte sie Bedenken, den kommenden Sommer überhaupt zu erleben. Er würde sie mit Sicherheit umbringen, sie musste sich dringend etwas einfallen lassen. Er kam mehrmals täglich zu ihr in ihr kleines Kellerloch, brachte ihr Essen und Trinken oder setzte sich einfach direkt vor sie hin und betrachtete sie Ewigkei-ten, ohne auch nur ein Wort zu sagen. In der Zeitung hatte sie von drei weiteren verschwundenen Frauen gelesen, die bestimmt schon tot waren, sie wusste, sie würde die Nächste sein. Ihre Angst war unbeschreiblich groß. Wenn sie es nur schaffen würde, diese verdammten Fesseln loszuwerden. Mehrmals versucht hatte sie es schon, doch nun setzte sie nochmals ihre gesamten Kräfte frei, zog mit aller Kraft nach vorne und hörte hinter sich ein Geräusch. Ja, das Heizungsrohr, an das sie gefesselt war, gab ein kleines Stückchen nach. Jetzt ganz kurz ausruhen und verschnaufen, dann nochmals mit voller Kraft. Sie hatte es tatsächlich geschafft, das Rohr brach durch. Einige Freudentränen stiegen auf und die neue Hoffnung, die in ihr aufkam, verhalf ihr zu neuen Kräften. Sie schaffte es, die Handfesseln an der Bruchstelle des Rohres durchzuschnei-den. Jetzt nur noch den Knebel und die Fußfesseln, dann war sie frei. Sie versuchte aufzustehen und sackte wieder zusammen. Ihr Kreislauf, sowie die Muskulatur spielten verrückt nach der langen Zeit, die sie gefesselt auf dem Boden verbracht hatte. Jetzt nur nicht durchdrehen, ruhig bleiben und nochmals ganz langsam versuchen. Wie im Zeitlupentempo stand sie auf, stützte sich dabei an der Wand ab. Als sie sicher stehen konnte, tastete sie sich zur Tür vor. Sie lauschte, hörte jedoch nichts. Als sie sich sicher war, dass er im Augenblick nicht in der Nähe war, drückte sie die Klinke nach unten. Die Tür war verschlossen, das hätte sie sich auch denken können. Was nun, wie konnte sie hier herauskommen, nur nicht die Fassung verlieren. Als erstes suchte sie den Boden nach einer brauchbaren Waffe ab, fand jedoch nichts. Doch dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Das Heizungsrohr. Ja, das wäre hilfreich. Sie riss es mit aller Wucht aus der Wand und prüfte es sorgfältig. Dieses Teil könnte auf jeden Fall erstmal ausreichen, ihm einen kräftigen Schlag zu versetzen. Sie stellte sich mitten in den Raum und übte ihre Schlagtechnik, indem sie mehrmals kräftig ausholte, dann versteckte sie sich hinter der Kel-lertür und wartete. Lange dauerte es nicht, kurz darauf hörte sie ihn kommen. Er pfiff eine fröhliche Melodie vor sich hin bevor er von außen das Licht anschaltete, die Tür aufschloss und eintrat. Das Pfeifen verging ihm jedoch schlagartig, als er den leeren Platz sah, an dem sie eigentlich gefesselt und geknebelt liegen sollte. Fassungslos trat er einen Schritt nach vorne, bekam einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf und sackte zu Boden. Sie lief schnell aus dem Keller, die Treppe hinauf und nichts wie hinaus. Nur nicht umdrehen, einfach schnell weg hier. Sie war völlig nackt, und es regnete in Strömen, aber das war ihr vollkommen egal, es ging um Leben und Tod. Es war dunkel draußen, wie viel Uhr genau konnte sie nicht sagen. Dies spielte im Augenblick auch keine große Rolle für sie. Sie lief schnurstracks in einen nahe gelegenen Wald, sie hatte keine Schuhe an, ihre Füße schmerzten, doch dank des Adrenalins spürte sie es kaum. Das Haus war nun in einem sicheren Abstand, sie lehnte sich gegen einen Baum und versuchte ihren Atem unter Kontrolle zu bekommen. Aus einiger Entfernung hörte sie Autogeräusche, vermutlich war sie in der Nähe der Autobahn, weit konnte es nicht sein. Allerdings vernahm sie noch ein Geräusch, Schritte und knackende Äste, er war ihr dicht auf der Spur. Eigentlich waren ihre Kräfte vollkommen aufgebraucht, doch im Angesicht des nahen Todes rappelte sie sich ein weiteres Mal auf und lief weiter in Richtung der vermuteten Autobahn. Sie wurde langsamer, stolperte und rutschte einige Male über den nassen, schlammigen Boden, rappelte sich jedoch wieder auf. Ihr Vorsprung wurde immer geringer, er war nur knapp hinter ihr. Nur wenige Meter vor ihr erspähte sie endlich die Lichter der vorbeifahrenden Autos. Sie mobilisierte nochmals ihre letzten Kräfte und rannte los. Sie sah eine Autobahnüberführung und direkt dahinter die hell erleuchtete Raststätte. Wenn sie es über diese Brücke schaffen würde, war sie gerettet. Sie weinte vor Glück beim Anblick der Lichterflut und zog sich am Brückenge-länder entlang. Als sie ein kleines Stück geschafft hatte, sah sie vorsichtig zurück. Da stand er, völlig unbeweglich und starrte sie an. Nur schnell weiter, ja nicht mehr umdrehen. Gleich war sie in Sicherheit. Doch weit gefehlt, direkt vor ihr tauchte ein großer Hund auf, der ihr drohend und knurrend den Weg ver-sperrte. Er fletschte bei jeder ihrer Bewegungen furchteinflößend die Zähne. Sie war eingekreist, vor ihr der bedrohliche Hund und hinter ihr stand er. Sie zweifelte keine Sekunde daran, dass der Hund ihr an die Kehle springen würde, sollte sie auch nur einen Schritt nach vorne treten. Sie sah den Hund an, dann schaute sie zurück und sah ihn an. Er stand immer noch völlig unbeweglich da und beobachtete das ganze Geschehen. Sie hätte schwören können, er hatte Gefallen an ihrer ausweglosen Situation. Mit Tränen in den Augen sah sie direkt unter sich die vorbeirasenden Autos, es gab für sie nur eine Möglichkeit. Kapitel 3 - Susanne und Klaus - Susanne Freiling fuhr schon seit Stunden mit ihrem neuen BMW durch die Nacht, und jetzt fing es auch noch an zu regnen. Eigentlich hatte sie mit Klaus vereinbart, er würde die Hälfte der Strecke übernehmen, aber er schlief schon tief und fest, seit sie die deutsche Grenze passiert hatten. Klaus schenkte ihr den BMW kurz vor Antritt ihrer Reise. Susanne mochte dieses Auto nicht, ein Geländewagen wäre ihr lieber gewesen. Sie tat ihm zuliebe aber so, als ob es das schönste Geschenk ihres Lebens gewesen wäre. Klaus, sie hasste alles an Klaus. Er war ein Spießer hoch zehn, hätte ihr Vater nicht auf eine Heirat bestanden, wäre sie heute noch die schöne Wilde von damals. Aber sie musste ja dummerweise nach einem One-Night-Stand mit einem Schlagzeuger einer bekannten Rockband schwanger werden. Klaus eignete sich prima dafür, ihm das Kind anzuhängen. Wenn sie sich schon für immer binden sollte, dann wollte sie wenigstens ein bequemes Leben haben. Klaus verdiente als angesehener Anwalt eine Menge Geld, und sie hatte keinerlei Verpflichtungen. Ja, Anwalt, das passte sehr gut zu diesem Spießer. Klaus und ihr Vater konnten sich die Hand geben. Susanne erinnerte sich noch gut an die Zeit, als sie kurz nach der Hochzeit das Baby verlor. Jeder bedauerte sie deswegen. Sie jedoch war heilfroh, es gab wohl nichts Schlimmeres auf der Welt als Kinder. Susanne konnte sich im Leben nicht vorstellen Mutter zu sein. Allerdings spielte sie das Spiel der trauernden Mutter mit. Sie war eine gute Schauspielerin und liebte es, die ganze Welt an der Nase herumzuführen. So schaffte sie es auch mit Leichtigkeit, die liebende Ehefrau vorzuspielen. Eigentlich sollte sie erholt sein, schließlich verbrachten sie die letzten zwei Wo-chen in einem Wiener Luxushotel. Urlaub mit Klaus bedeutete jedoch immer Stress. Er hatte grundsätzlich an allem etwas auszusetzen und nörgelte an jeder Kleinigkeit herum. Außerdem schliff er sie von Museum zu Museum und von Kunstausstellung zu Kunstausstellung. Susanne interessierte sich überhaupt nicht für Kunst, im Gegenteil, sie fand es furchtbar langweilig. Ihre Interessen waren ganz anderer Natur. Punkmusik, Horrorfilme und wilde Partys, dies war einst ihr Leben, welches sie nach der Hochzeit mit Klaus ablegen musste. Ihre Hobbies schickten sich einfach nicht als Frau eines angesehenen Anwalts. Der Regen wurde immer schlimmer, dennoch riskierte Susanne einen angewiderten Blick auf Klaus, der im Schlaf auf seinen immer dicker werdenden Bauch sabberte. Bah, dieser Typ ist ja so widerlich, dachte sie. Ihr wurde regelrecht schlecht bei seinem Anblick. Sobald wir zu Hause sind, werde ich zu deiner Konkurrenz gehen und die Scheidung einreichen, dachte sie so vor sich hin. Einfacher wäre es jedoch, ihm etwas Rattengift unters Essen zu mischen, oder die Marmortreppe mit Schmierseife einzureiben. Ach nein, zweiteres würde nicht funktionieren, dafür war Klaus einfach zu gut gepolstert. Susanne musste über ihre eigenen boshaften Gedankengänge kichern. Sie schaute in den Rückspiegel und kam zu dem Entschluss, sie sehe mit ihren 35 Jahren noch wirklich wunderbar aus. Top Figur, große Brüste und giftgrüne Augen. Am schönsten war jedoch ihr feuerrotes, lockiges, langes Haar. Sie stand noch in voller Blüte ihres Lebens. Susanne hatte noch viel vor, viele Pläne für die Zukunft und in keiner …………..
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