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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe IN DEN TOD GETRIEBEN, Michael Dullau
Michael Dullau

IN DEN TOD GETRIEBEN


Vergessene und verschwiegene Todesfälle

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IN DEN TOD GETRIEBEN


Gesamtausgabe »Verschwiegene und vergessene Todesfälle an der deutsch-deutschen Grenze« – Teil 1 bis Teil 4


 


1  |  UNTER FOLTER


 


Die Anweisung des sowjetischen Verbindungsoffiziers war so eindeutig wie nachdrücklich gewesen.


»Sie müssen wachsamer sein, Genosse Leutnant! Viel wachsamer!«, hatte der Major zum Leiter des Grenzkommandos Römhild gesagt.


»Die angloamerikanischen Agenten sind gewissenlose Subjekte – aber äußerst geschickt. Sie benutzen alles und jeden für ihre Zwecke.«


Der altgediente NKWD-Offizier, der schon 1937 Stalins Säuberungen im Gebiet Tula geleitet hatte, zündete sich eine Zigarette an.


»Die angloamerikanischen Geheimdienste werben nicht mehr nur Physikprofessoren, Rechtsanwälte oder Ärzte an. Nein, Genosse! Die einfachen Leute sind es, auf die sie es abgesehen haben. Ich habe das in den 30er Jahren immer wieder erlebt: Die Konterrevolution kommt – wie sagen Sie doch gleich im deutschen? – in Gestalt der kleinen Leute daher: Handwerker, Arbeiter, Bauern, Hausfrauen – dass sind die, auf die es ankommt! Jeder von ihnen kann ein Spion sein. Männer, Frauen, Kinder, ganz gleich, alle sind verdächtig – vor allem hier im Grenzgebiet. Sie müssen lernen, ihre Leute hier mit anderen Augen zu sehen! Jeder kann ein Agent der Amerikaner sein!«


Der sowjetische Major zog an seiner Zigarette und fixierte den Leutnant mit seinen eng stehenden Augen.


»Am Ende des Monats will ich fünf Agenten aus Ihrem Zuständigkeitsbereich!«


»Eine Quote?«, fragte der Leutnant überrascht.


Der Major lachte.


»Wenn Sie das so nennen wollen – ja, eine Quote, Tovarisch Leutnant! Ihr habt komische Wörter für eine einfache Sache.«


»Aber, wie soll ich dies anstellen, ich meine...«


Der sowjetische Geheimdienstoffizier schnitt ihm hart das Wort ab.


»Chto ty govorish! – Was reden Sie da? Sein Sie kreativ, Genosse Leutnant! Vor zehn Jahren fiel Ihnen und Ihren Landsleuten das doch auch nicht schwer – ponimayete?!«


 


* * *


 


Am 19. Juli 1950 wurde Herta Amm, eine blonde, sportliche junge Frau in die Grenzkommandantur Römhild einbestellt. Vor gut einem Monat hatte sie ihren 26. Geburtstag gefeiert. Herta stammte aus einer alteingesessenen Behrunger Familie. Der Vater, der als selbstständiger Zimmermann arbeitete, betrieb im Nebenerwerb eine Gastwirtschaft, in der Herta half und die sie später einmal übernehmen sollte.


Ihre Mutter war sehr früh verstorben. Deshalb hatte die kleine Herta während der Vorkriegs- und Kriegsjahre lange bei einer Pflegefamilie in Wiesbaden gelebt, zu der sie auch danach noch engen Kontakt unterhielt. Erst im Jahre 1949 war sie von einem längeren Aufenthalt bei ihren Pflegeeltern zurückgekehrt. Ihr Bruder war gerade zum neuen Bürgermeister von Behrungen gewählt worden.


Bevor Herta in die Grenzkommandantur ging, hatte sie sich Rat bei ihrem Bruder geholt, wie sie sich dort am besten verhalten sollte. »Mit der Wahrheit kommst du immer am weitesten«, hatte ihr der Bruder geraten und das entsprach auch Hertas Charakter.


 


* * *


 


»Setzen Sie sich doch bitte, Fräulein Amm«, sagte der Kommandant und wies ihr den Stuhl vor seinem mächtigen Eichholzschreibtisch zu.


»Sie sind doch noch Fräulein, oder?«


»Ja«, antwortete Herta mit einem Lächeln.


»Na, so hübsch, wie sie sind«, wird das wohl nicht mehr lange so bleiben«, versucht der Leutnant ein Kompliment, von dem er aber an Hertas Gesichtsausdruck merkte, dass es nur mäßig angekommen war.


»Nun, zur Sache, Fräulein Herta. Ich darf doch Herta sagen?«


»Amm, wäre mir lieber«, entgegnete Herta.


»Auch gut – Fräulein Amm.«


Der Gesichtsausdruck des Kommandanten veränderte sich.


»Haben Sie sich wieder gut eingelebt?«, fragte er.


Herta sah ihn fragend an: »Wie meinen Sie das, Genosse Leutnant?«


Der Kommandant sprang auf.


»Sie wissen nicht, wie ich das meine?!«, brüllte er. »Sie sind doch erst vor einem Jahr von einem längeren Aufenthalt in der angloamerikanischen Besatzungszone wieder zurückgekehrt! Oder nicht?!«


Herta nickte.


»Antworten Sie gefälligst, wenn ich Sie etwas frage!«, herrschte der Kommandant sie an.


»Ja, ich bin vor einem Jahr zurückgekehrt.«


»Und – wo haben Sie sich dort aufgehalten?!«


Herta hatte solche Fragen nicht erwartet. Vor einem Jahr wäre ihr das vielleicht einleuchtend gewesen. Doch jetzt?


Irritiert antwortete sie: »Ich habe mich vor einem Jahr in der Gemeinde wieder ordnungsgemäß angemeldet.«


»Sie sollen auf meine Fragen antworten!«, brüllte der Kommandant.


»Ich ... ich war in Wiesbaden ... zu Besuch bei meinen Pflegeeltern«, antwortete Herta sichtlich eingeschüchtert.


»Aha! – Wiesbaden also! Hessen! Anglo-amerikanische Besatzungszone! Feindliches Gebiet!«


Der Leutnant zündet sich eine Zigarette an.


»Hatten Sie Kontakt zum amerikanischen Geheimdienst?«


»Nein ... nein«, gab Herta verunsichert zur Antwort.


»Keinen Kontakt?!«, der Leutnant schüttelte den Kopf. »Sie haben vor und während des Krieges dort fast acht Jahre gelebt! Mit einigen Unterbrechungen zwar, aber trotzdem – acht Jahre! Und Sie hatten keinen Kontakt zu einem Geheimdienst?!«


»Nein, aber ...«


»Sie hatten Kontakt!«


»Nein ... nein, wirklich nicht.«


Die Seitentür an der linken Wand des Kommandantenzimmers öffnete sich und ein sowjetischer Offizier im Rang eines Majors trat ein.


»Guten Tag, Fräulein Amm«, sagte der Offizier in fast akzentfreiem Deutsch. »Mein Name tut nichts zur Sache – wie man bei euch Deutschen so schön sagt.«


Auch er zündete sich eine Zigarette an.


»Ich bin hier – nun sagen wir – im Dienste der Wahrheit – so sagt man doch in Deutschland auch. Oder?«


Er lächelt.


»Und wir wollen doch immer schön bei der Wahrheit bleiben. Nicht wahr, Fräulein Amm?«


Er lächelte wieder und nahm einen tiefen Zug.


»Stehen Sie in Verbindung mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA?«, fragte er unvermittelt.


In Hertas Kopf hämmerten die Worte ihres Bruders: »Mit der Wahrheit kommst du immer am weitesten.«


»Nein, ich hatte und habe keinen Kontakt mit dem amerikanischen Geheimdienst. Das habe ich dem Genossen Leutnant schon gesagt.«


»Weshalb sind sie dann immer wieder über die Grenze nach Wiesbaden gefahren? Heimlich und ohne Interzonenpass?«


Herta wusste nicht, wie ihr geschah.


»Ja, da staunen Sie, Fräulein Amm! Ich bin bestens informiert. Unsere Freunde von der Deutschen Grenzpolizei haben mir alles erzählt. Auch ihre illegalen Grenzübertritte!«


»Ich habe nur meine Pflegeeltern besucht. Ich hatte keinen Kontakt zu irgendeinem Geheimdienst!«


Herta war den Tränen nahe.


»Sie hatten keine offizielle Genehmigung! Was haben Sie in Wiesbaden gemacht?! Dort ist eine Außenstelle der CIA! Sie waren dort! Geben Sie es zu!«, brüllte der NKWD-Offizier.


Sein Gesicht verzerrte sich dabei und man bekam eine Ahnung, zu was er in den 30er Jahren fähig gewesen war.


Herta begann zu weinen.


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