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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Im Netz der Deutschlandclique, Erik J. Roberts
Erik J. Roberts

Im Netz der Deutschlandclique


Politthriller

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4


 


Nach dem Abendbrot fuhr Gregor noch einmal zu Maria Steinhagen, wobei er den Höllenweg bis zum Auto mit bis zum Äußersten gereizten Nerven absolvierte. Er achtete auf jede Schattierung der Dunkelheit. Etwa hundert Meter weiter parkte ein verdächtiger silbergrauer Mercedes unter einer Gruppe von Kiefern, in dem er zwei finstere Gestalten ausmachte. Zweifelsfrei handelte es sich um seine brutalen Peiniger, was ihm einen Schock versetzte. Es bedurfte einiges an Konzentration, um sein wild hämmerndes Herz unter Kontrolle zu bekommen und die geschundenen Beine gehorchen zu lassen. Er startete den lädierten Volvo, dessen Motor mal wieder stotterte. Ein prüfender Blick in den Rückspiegel offenbarte, dass sich die veraltete Luxuskarosse tatsächlich vom Fleck schob und ihm im exakt gleichen Abstand folgte. Erst kurz vor dem Haus der Steinhagens verschwand das Verfolgergespann in einer Seitenstraße. Gregor parkte den Volvo genau an der Stelle, wo am Morgen sein verhängnisvoller Hausbesuch begonnen hatte. Sträucher und Bäume warfen durch das Licht der Straßenlaternen bedrohlich lange Schatten auf das Zweifamilienhaus. Nervös stieg er aus dem Auto und sog kühle Frühlingsluft in seine überhitzten Lungen. Irgendwo in der Ferne donnerte ein Sattelschlepper vorbei. Nach einer halben Minute fand er die Kraft, sich zu überwinden und den Klingelknopf zu drücken. Im Flur des Hauses und im Garten gingen Lichter an, die die Schattendämonen vertrieben. Maria schob die Tür auf. Aus ihren tiefdunkelgrünen Augen durchdrang Gregor ein forschender Blick.


„Guten Abend", sagte sie überrascht und gab ihm verbindlich die Hand.


„Ich wollte Ihnen noch einmal mein aufrichtiges Beileid ausdrücken."


„Danke, das ist sehr nett von Ihnen", antwortete Maria mit einem von Traurigkeit belegten Lächeln, das Gregor faszinierte. „Kommen Sie doch erst einmal herein."


„Danke." Er humpelte ins Haus und zog sich die Jacke aus, was ihn vor Schmerzen aufstöhnen ließ.


„Was ist mit Ihnen los?"


„Das erzähle ich Ihnen besser später. Schläft Max schon?" Max war ihr achtjähriger Sohn, der mit Willi zusammen in die dritte Klasse ging.


„Ich hoffe doch, aber er schläft heute bei meinen Eltern." Sie senkte den Kopf und hielt für einen Moment inne, bis sie Gregor wieder fest in die Augen sah. „Er weiß noch nichts. Ich hatte noch nicht die Kraft, es ihm zu sagen. Wissen Sie, ich kann es selber noch nicht fassen. Es ist so eine große Ungerechtigkeit."


„In der Tat", bestätigte Gregor, „und vermutlich noch viel mehr." Er hielt sich den linken Zeigefinger auf den Mund und beschwor sie heftig gestikulierend zu schweigen. Maria verstand zunächst nicht die Zeichensprache und sah ihn fragend an. Vorsichtig näherte sich Gregor ihrem linken Ohr, wobei er den Duft ihres Parfüms inhalierte. „Ich glaube nicht an einen natürlichen Tod Ihres Mannes. Ich wurde bedroht, geschlagen und außerdem werden wir abgehört", flüsterte er.


Verzweifelt ließ sie den Kopf hängen, den sie mit vor das Gesicht gehaltenen Händen schüttelte, sodass ihr die schwarzen Haare in dicken Strähnen übers Gesicht fielen. Gregor musste seine Gefühle für die Anmut dieser Gesten unterdrücken, während sie zitternd um Fassung rang.


„Tut mir leid", flüsterte er.


Sie nickte, wischte sich mit einem Taschentuch ein paar Tränen aus dem Gesicht und strich sich die Haare wieder nach hinten.


„Wo sind die Telefone?", fragte Gregor.


Nach einer Sekunde des Unverständnisses begriff sie und dirigierte ihn in die Nähe des Sofas. Gregor folgte ihr hinkend. Wieder legte er den Zeigefinger auf den Mund, denn mit ISDN-Telefonen bestand eine hervorragende Abhörmöglichkeit. Er beugte sich über die Lehne des Sofas und zog den Stecker aus der Dose.


„Wo noch?"


„Im Arbeitszimmer."


Am mutmaßlichen Tatort, dachte Gregor und nickte ihr verständnisvoll zu. Maria ging mit ihrer zurückhaltend wippenden Taille voran, was des Doktors Blick fesselte. Ihre strahlende Aura verwirrte ihn einmal mehr. Er bemühte sich, diese Gefühle in Einklang mit seiner Aufgabe zu bringen, auf welche er sich konzentrierten musste. Im Arbeitszimmer Steinhagens sah alles so aus wie am Morgen - bis auf den leeren Schreibtischsessel. Gregor sah Maria fragend an.


„Hinter dem Schreibtisch", sagte sie.


Mit Bedacht und einer gewissen Ehrfurcht hockte er sich hin, um das Telefonkabel zu seinem Ursprung zu verfolgen. Schließlich kniete er sich nieder und rutschte unter den Arbeitsplatz des Verstorbenen. Konsequent kappte er dort die Drähte der potenziellen Lauscher.


„Das hätten wir. Haben Sie irgendwelche Handys?"


„Natürlich."


Mit einer Geste bat er sie, die Mobiltelefone zu holen. Mit besorgter Miene verschwand Maria im Flur, wo sich offenbar ihre Handtasche befand. Währenddessen knipste Gregor im Arbeitszimmer das Licht aus und schlich zum Fenster. Er schob den Vorhang einen Spalt weit auf, spähte behutsam auf die Straße und sah vor dem nächsten Grundstück die silbergraue Limousine. Nach wenigen Augenblicken kam Maria zurück und hielt ihm ihr Handy entgegen, was er umgehend ausschaltete.


„Ich müsste mir dringend im Bad die Hände waschen - nach dem ganzen Dreck des Tages", wandte sich Gregor laut und deutlich an die vermutlich von außen auf ihn gerichteten Richtmikrophone. Maria nahm er sanft am Arm und schob sie den Flur entlang. „Zeigen Sie's mir, bitte!" Im Bad riss er entschlossen die Hähne für Dusche und Waschbecken auf, was einen Geräuschpegel wie in einer öffentlichen Badeanstalt verursachte. Befriedigt von diesen Unternehmungen nahm er auf dem Toilettendeckel Platz. „Das hätten wir."


So langsam wie sich Japaner zu einer Teezeremonie auf einem Kissen niederlassen, fand Maria ihren Sitzplatz auf dem Rand der Badewanne, die sich derweil mit Wasser füllte. Mit ängstlicher Beunruhigung fragte sie: „Ist es so ernst mit der Bedrohung und Verfolgung?"


„Ja", antwortete er, stützte seinen Kopf auf den Handflächen ab und atmete tief durch. Er raufte sich die Haare und ergänzte: „Das ist bittere Realität."


„Was genau?"


„Irgendwelche Leute von Nanobit Software versuchen, uns abzuhören. Deren Chef rief mich an, weil ich den Totenschein Ihres Mannes manipulieren sollte, was ich aber abgelehnt habe. Daraufhin schickte er mir ein paar finstere Schlägertypen, die mich verprügelten und bedrohten. Meine Schulter und Knie schmerzen immer noch." Mit dem Zeigefinger wies er in Richtung Ausgang. „Und jetzt sitzen diese Typen draußen vor Ihrem Haus in einem Auto und warten auf mich."


„Was wollen die von Ihnen?", fragte Maria bestürzt.


„Das alles legt den Schluss nahe, dass es etwas zu verbergen gibt und Ihr Mann vielleicht ermordet wurde." Gregor hielt die Hand unter den kalten Wasserstrahl und wischte sich seine heiße Stirn ab. „Gibt es etwas, was Ihrem Mann Feinde eingebracht haben könnte?"


„Ich weiß nicht. Sicher gingen einigen Leuten die Ziele der PBF zu weit. Aber das Establishment fühlt sich von Andersdenkenden immer bedroht. Was ist schon die PBF - eine Nullkommafünf-Prozent-Partei." Sie hielt nun ihrerseits die linke Hand in die gut gefüllte Wanne, wobei ihr Mund schmollte und ihr Gesichtsausdruck nachdenklich-konzentriert wirkte. Vielleicht ist sie mit dieser Situation überfordert, dachte Gregor, der die feinen schwarzen Flaumhaare ihrer zerbrechlichen Arme bestaunte. „Oder es lag an seiner Arbeit - was weiß ich. Es ist alles so furchtbar."


„Was wissen Sie über die Partei?"


„Einiges, aber mein Mann hat regalweise Unterlagen darüber im Arbeitszimmer."


„Kann ich mir die einmal ansehen?" Der kriminalistische Eifer war in Gregor erwacht. Maria nickte, woraufhin er die Wasserhähne zudrehte und das Wasser abließ. „Kommen Sie", forderte er sie zum Aufstehen auf.


Beide schlichen in das Arbeitszimmer Steinhagens, wohl wissend, dass sie vermutlich beobachtet wurden. Mit offenbar fundierter Kenntnis der Materie überflog Maria die Rücken der Aktenordner über die Partei für Basisdemokratie und Freiwirtschaft. Ihr rechter Zeigefinger tippte dabei immer wieder auf die beschrifteten Papierberge, bis sie gezielt zwei Ordner aus dem Regal zog. Auf deren Rücken stand: „Wirtschaftspolitische Überlegungen" und „Ziele PBF".


„Das sind die wichtigsten", erläuterte Maria und legte die Mappen auf den Schreibtisch.


„Wie gut kennen Sie sich damit aus?"


Sie lächelte verschmitzt und sah auf das Material. „Wollen Sie das im Bad studieren?"


Gregor wurde klar, dass sie detaillierte Einblicke in die politische Arbeit ihres Mannes hatte. Noch viel mehr bewunderte er die Glut ihrer Augen.


„Nein, besser an einem neutralen Ort." Mit einer gewissen Ehrfurcht betrachtete er die Ordner.


„Ich denke Sie werden verfolgt? Dann ist es doch egal, wo Sie das Material studieren."


„Das lassen Sie mal meine Sorge sein." Gregor rieb sich konzentriert das Kinn. „Ich meine mit neutral eigentlich sicher."


„Und wann wollen wir uns dazu verabreden?"


Aus der Hosentasche zog Gregor die Autoschlüssel und schüttelte diese. Das klappernde Geräusch ließ Maria aufschrecken.


„Ist das Ihr Ernst?"


„Natürlich." Gregor lächelte gewinnend.


„Sie sind hartnäckig."


„Sie etwa nicht?


„Doch, natürlich."


„Na, dann ziehen Sie sich an."


Beide waren nervös und kaum in der Lage, die Aufregung zu kontrollieren, als sie die beklemmende Dunkelheit vor dem Haus durchschritten. Der silbergraue Mercedes stand noch immer an der gleichen Stelle, wo ihn Gregor vorhin gesehen hatte. Sie stiegen in den Volvo, wobei Maria Gregor fragend-ängstliche Blicke zuwarf, da sie die Schlägertypen jetzt ebenfalls sah.


„Wir stehen günstig." In seinem Blick funkelte wilde Entschlossenheit auf. Die Delle auf der Motorhaube, die der Baseballschläger hinterlassen hatte, steigerte seine Wut. „Die Karre ist sowieso hinüber und so etwas wollte ich schon immer machen." Es gab für Gregor kein Halten mehr. Er sah sich um und schätzte die Entfernung zum Mercedes. „Schnallen Sie sich an, pressen Sie den Kopf gegen die Rücklehne und spannen Sie die Muskulatur an, das verhindert Verletzungen beim Aufprall." Er startete den störrischen Volvo, legte den Rückwärtsgang ein und atmetet zweimal tief durch. Maria umklammerte den Sitz, schloss die Augen und machte ansonsten, was Gregor ihr geraten hatte. Er ließ die Kupplung springen und gab Vollgas, sodass der lädierte Volvo auf die Luxuskarosse zuraste. Der Aufprall des Volvohecks auf die Fahrerflanke des Mercedes, dessen Vorderachse sich dabei irreparabel verzog, verursachte einen höllischen Knall. Hektisches Treiben nach der Kollision im einst so stolzen Gefährt. Die Fahrertür war eingedellt. Sven Pape bemühte sich vergeblich, das verkeilte Blech mit der Schulter aufzustoßen. Startbemühungen blieben nach der Kollision ohne Effekt, sodass die Verfolger bewegungsunfähig stehen blieben.


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