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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Flucht ins Viertel, Cord Buch
Cord Buch

Flucht ins Viertel


Ein Schanzenviertelkrimi

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Freitag (1. Woche), 14:10 Uhr


Auf dem Holztisch in der Küche liegen verstreut Papiere: unregelmäßige deutsche Verben, Deklination von Sub­stantiven und Grundregeln der Pluralbildung. Nele hat diesen Streifzug durch die deutsche Grammatik ausgedruckt und wartet auf Ngana.


                                               Vier Wochen ist es her, dass ihr Sohn Cairo abends vorbeikam und sie mit einer Bitte überraschte: Ob sie nicht einem Freund Deutsch beibringen könnte? Sie als Journalistin kenne sich doch aus mit allem, was Sprache betrifft.


                                               »Wer ist dieser Freund?«, hatte sie ihn gefragt. Sie erinnerte sich noch immer ungern daran, wie Cairo ein halbes Jahr vorher mit Joe vor ihrer Tür gestanden hatte. Und was anschließend passiert war.


                                               »Er ist einer der Flüchtlinge aus Lampedusa, die in die Stadt und ins Viertel gekommen sind. Du weißt, ich arbeite in der Unterstützergruppe mit.«


                                               Augenblicklich wusste Nele, dass ein Nein nicht infrage kam, und auch, dass Cairo ihr keinen lukrativen Nebenjob vermittelte, sondern dass sie aus Solidarität zusagen musste. Sie sagte zu.


                                               Als ihr Sohn die beiden einander vorstellte, brach er in lautes Gelächter aus. Seine kleine und stämmige Mutter stand vor einem großen Mann, der mit geschätzten zwei Metern Körpergröße Cairo knapp überragte, und sie musste ihren Kopf in den Nacken legen, um dem Gast ins Gesicht schauen zu können.


                                               Das Klingeln an ihrer Wohnungstür reißt Nele aus ihrer Erinnerung. Ngana ist gekommen, wie immer mit einem breiten Lachen im Gesicht. Seine Augen, die noch dunkler als Neles sind, blitzen fröhlich. Wie kann ein Mensch, der so viel Schreckliches erlebt hat – und Nele weiß nicht, was er erlebt hat, sie ahnt nur, dass es schrecklich gewesen sein muss –, wie kann so ein Mensch fröhlich sein, Lebensmut und Optimismus ausstrahlen?


                                               »Komm herein«, begrüßt sie ihn.


                                               »Ich lerne heute Deutsch.« Ngana lacht. Zum Glück beherrscht er die englische Sprache, sodass Nele ihm Vokabeln und Grammatik verständlich erklären kann. Bambara, seine Heimatsprache aus Mali, und Arabisch beherrscht sie nicht. Sie spricht weniger Sprachen als Ngana, der gerade seine vierte lernt, lernen muss.


                                               Sie stellt für jeden einen Teebecher auf den Holztisch, die sie aus einer Thermoskanne befüllt. Nele beginnt mit Alltagskonversation. Sie glaubt, dass man sich auf diese Weise am einfachsten in eine fremde Sprache hineinfindet. Nebenbei versucht sie, die Regeln der deutschen Sprache zu erklären.


                                               »Bei maskulinen und sächlichen Hauptwörtern hängst du ein e dran. In siebzig Prozent der Fälle hast du dann den richtigen Plural.«


                                               »Ich will aber hundert Prozent.« Ngana zeigt sein optimistisches Lachen, und ohne dieses zu unterbrechen, mit ernster Miene auf seine Uhr. Zwei Stunden nehmen sie sich zweimal jede Woche, um Nganas Sprachkenntnisse zu erweitern, um ihn zu befähigen, in diesem kalten europäischen Land zu überleben. Heute unterbricht er Nele nach gut einer Stunde.


                                               »Ich muss los. Es ist etwas zu tun. Du weißt, meine Freunde verlassen sich auf mich.«


                                               »Ja, ich weiß.« Nele ist enttäuscht, sie hat mit Ngana nicht alle vorbereiteten Themen durchsprechen können. »Nächste Woche haben wir mehr Zeit. Dann koche ich für uns, ein Gericht aus meiner Heimat.« Ngana hat ihre Enttäuschung bemerkt.


                                               »Eine schöne Idee.« Auf Neles Gesicht zieht ein Lächeln ein.



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