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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Finito!, Roland Zingerle
Roland Zingerle

Finito!


Klagenfurter Kneipen-Krimi

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Verlag Johannes Heyn GesmbH & Co KG, Friedensgasse 23, 9020 Klagenfurt,%
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Ludwig Melischnig sah sich hastig um, als sein Mobiltelefon läutete. Er sprang in die Werkstatt und ging dort hinter der Tür in die Hocke. Schnell hob er ab und meldete sich flüsternd mit seinem Namen.


„Was ist los, Ludwig?", fragte Hubert Pogatschnigs Stimme am anderen Ende der Leitung. „Du siehst doch am Display, dass ich anrufe."


„Ich hab' nicht draufgeschaut", erklärte Melischnig im Flüsterton. „Ich versteck' mich gerade, weil mich der Chef zum Lagerauskehren eingeteilt hat."


„Verstehe ich nicht", erwiderte Pogatschnig nach einer kurzen Pause. Melischnig erklärte:


„Der Chef hat gesagt, ich soll im Lager zusammenkehren. Das will ich aber nicht. Ich bin Bier-Ausführer, kein Lager-Zusammenkehrer. Und weil der Chef das weiß, ist er mir ganz zuckersüß gekommen und ‚lieber Ludwig', und ‚niemand kann das so gut wie du', und ‚wenn wir dich nicht hätten' und so weiter. Weißt eh: Einen Deppen muss man loben, dann arbeitet er besser.


Aber nit mit mir! Ich bin ja nit blöd! Wenn der glaubt, nur weil er mir Honig ums Maul schmiert, dass er dann was erreicht, dann ist aber er der Depp! Da hilft nur eins: Einmal so richtig zeigen, wie faul ich sein kann - dann will der nie wieder was von mir!"


Hubert Pogatschnig lachte ins Telefon und erwiderte:


„Ich habe mir was einfallen lassen, das dich aus deiner misslichen Lage befreit. Du kennst doch die Fahrschule Hörtenhuber in Klagenfurt? Ich habe mit dem Eigentümer gesprochen und der ist bereit, dir persönlich dabei unter die Arme zu greifen, dass du den Lkw-Führerschein schaffst. Was sagst du dazu?"


„Das hilft mir heute auch nicht weiter!"


„Das nicht, aber vielleicht in Zukunft? Dann bist du nicht mehr so von mir abhängig."


Pogatschnig spürte fast, wie unangenehm Melischnig die Sache war. Dieser hatte tatsächlich Angst vor Fahrschulen! Doch Pogatschnig war sich sicher, dass Werner Hörtenhuber Ludwig richtig anpacken würde, um einen Lkw-Fahrer und damit einen vollwertigen Bierführer aus ihm zu machen. Pogatschnig wechselte das Thema:


„Eigentlich wollte ich dich nur fragen, wie es dir heute geht."


 


Am Tag davor hatte Melischnig Pogatschnig schwer verstört angerufen. Bettina Ogris' Quasi-Heiratsantrag hatte ihn in eine nachhaltige emotionale Unruhe versetzt, weshalb er Pogatschnig um Rat gefragt hatte.


 


„Mir geht's schon viel besser", erklärte Melischnig nun. „Ich bin schon in der Werkstatt."


„Warum in der Werkstatt?"


„Na, weil ich deinen Rat ausprobieren will."


„In der Werkstatt?", fragte Pogatschnig verständnislos nach. „Von was für einem Rat redest du?"


Melischnig war so ungehalten darüber, dass sich sein bester Freund anscheinend nicht an dessen eigene Worte erinnerte, dass er vergaß, leise zu sprechen und stattdessen rief:


„Na, das mit dem Schweißen!" Und als ihm nur Schweigen antwortete, setzte er nach: „Du hast doch gesagt, ich soll schweißen üben!"


„Was redest du für einen Blödsinn, Ludwig?", rief Pogatschnig zurück, gleich ungehalten wie sein Freund. „Nie im Leben habe ich dir geraten, dass du schweißen sollst! Schon gar nicht, um deine Beziehung zu retten!"


„Wohl", beharrte Ludwig Melischnig, „du hast gesagt, ich soll Übungen mit dem Autogen-Schweißer machen, damit ich mich nicht so aufreg'."


Nach etwa einer Sekunde Stille begann Hubert Pogatschnig zu schreien, wie jemand, der sich in seiner Verzweiflung nicht mehr anders zu artikulieren weiß. Nach einer weiteren Sekunde verwandelte sich sein Schreien in ein Gelächter, das nicht mehr aufhören zu wollen schien.


Ludwig Melischnig sah verwundert sein Telefon an. Nach einiger Zeit nahm er es wieder ans Ohr und fragte:


„Hubert? Geht's dir gut?"


Es dauerte noch eine Weile, ehe Pogatschnig wieder zu gewöhnlichen Worten fähig war, dann erklärte er:


„Autogenes Training, Ludwig! Autogenes Training habe ich dir empfohlen, damit du dich beruhigst! Nicht Autogen-Schweißübungen!"


Ludwig Melischnig sah wieder verwundert sein Telefon an, dann fragte er hinein:


„Was ist da anders?"


„Absolut alles, Ludwig", erwiderte Pogatschnig. „Hör zu, ich erklär dir das später, ich muss jetzt zum Ogris ins Sicherheitszentrum. Aber geh bloß nicht zum Werkstattleiter und frag ihn, ob er dir den Autogen-Schweißer leiht, weil ich gesagt habe, dass du damit deine Ehe retten kannst! Der glaubt sonst, wir verarschen ihn."


Melischnig versprach es, auch wenn er es nicht verstand.


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