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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Faule Fische, Birgit Krohn
Birgit Krohn

Faule Fische



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Im Glashaus des Präsidiums saß Hermann Kolbe, auch Bazille genannt. Er hatte vor jeglicher Krankheit Angst und schluckte Unmengen von Vitaminpillen und sonstigem Zeug, damit er sich keine Viren oder Bakterien anlachte. Platte hatte es erwischt und lag mit einer schweren Grippe im Bett. Wahrscheinlich hatte Bazille den Glaskasten erst einmal ordentlich mit Desinfektionsmitteln gereinigt. Harry grüßte kurz und ging in die Kantine, um eine Kanne Kaffee zu bestellen. Sein Büro im ersten Stock war noch dunkel, nur das funzlige Licht einer Straßenlaterne warf undeutliche Schatten an die Wand. Harry setzte sich gut gelaunt an seinen Schreibtisch, knipste Lampe und Computer an und begann die Akten zu unterzeichnen. Gestern hatte er keine Lust mehr gehabt, dieser stupiden Arbeit nachzugehen. Es war ruhig in Dithmarschen, keine besonderen Vorkommnisse. Der letzte Mordfall lag vier Monate zurück. Die Zerschlagung einer Sekte brachte landesweit viele Schlagzeilen und nicht zu vergessen der grandiose Auftritt von Ernst im Fernsehen. Die drei neuen Anwärter für den Polizeidienst hatte Harry ausgewählt, der Obermuffti Dr. Heiner Schmidt gab ihm freie Hand. Derzeit waren die Neuen im Streifendienst. Harry gähnte herzhaft und streckte seine Glieder. Das Jahr verging wie im Fluge, die Geschäfte hatten ihre Schaufenster schon teilweise mit Weihnachtskitsch geschmückt. Ob er sich dieses Jahr einen Tannenbaum in die Wohnstube stellte, wusste er noch nicht so genau. Petra sagte immer, dass sich so ein bisschen Weihnachten doch gut mache und sie mochte den frischen Geruch vom Wald im Haus. Apropos seine Verlobte, sie hatte vorhin angerufen. Alles war wieder in Butter. Sie hatten sich beide entschuldigt am Telefon, heute Abend wollte sie mit dem Zug in Heide ankommen. Harry freute sich sehr, nein, er fühlte sich fantastisch. Langsam erwachte der Tag, die Sonne blinzelte vorsichtig durch die dicken Kumuluswolken. Im Gebäude wurden Türen auf- und zugeschlagen und leben kam in die Bude. Heinz betrat sein Büro und setzte sich in den Besucherstuhl vor seinen Schreibtisch.


»Moinsen«, rief er und stellte eine Flasche Wasser auf den Tisch.


»Moin Ernst. Alles klar?«


»Jo.«


»Sach ma, trinkst du immer noch Leitungswasser?«


»Ja. Warum sollte ich denn nicht?«


»Eine wissenschaftliche Studie hat folgendes ergeben: Wenn du ein Jahr lang mehr als drei Liter Leitungswasser pro Tag trinkst, hast du  mehr als ein Kilogramm Kolibakterien am Jahresende zu dir genommen. Das bedeutet, dass du ein Kilo Scheiße getrunken hast.«


Verdattert blickte Ernst ihn an. »Äh, und was ist mit Bier? Wird doch auch mit Wasser gebraut.«


»Kolibakterien überleben den Herstellungsprozess nicht. Also ich finde Bier trinken und Scheiße labern besser als Scheiße trinken und nix sagen.«


Ernst starrte auf seine Wasserflasche, als könnte er die Bakterien ausfindig machen. »Das wusste ich nicht. Danke für den Tipp. Hast`n Bier?«


»Soweit kommt's noch«, lachte Harry. »Lass uns in die Kantine gehen. Meine Kaffeekanne steht dort.«


Gemeinsam schlenderten sie die Treppe herunter.


»Bin gleich wieder da«, sagte Ernst plötzlich. »Geh schon mal vor.«


Harry saß schon einige Minuten mit Kaffee und Brötchen bewaffnet am kleinen Resopaltisch, als Ernst breit grinsend dazukam.


»Was los?«


»Ich habe der Bazille die wissenschaftliche Studie unterbreitet. Der gurgelt jetzt bestimmt mit grüner Seife.«


»Mann, du bist so fies.«


»Gut, ne?«


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