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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Eingemachtes, Christine Richter
Christine Richter

Eingemachtes


Der Uterussammler

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In der Mitte des Waldes musste sie abrupt abbremsen, da urplötzlich dichte Nebelschwaden die Bäume und leider auch die Fahrbahn umschlangen.
„Was ist das jetzt wieder für eine Scheiße“, schimpfte sie lautstark. „Diese Suppe wird ja immer dichter, ich seh kaum noch was. Mein Gott, ich will endlich nach Hause, muss denn das auch noch sein“, wetterte sie etwas zornig in ihrem kleinen gelben Hustenbonbon, so nannte sie ihr Auto.
Eine kleine Portion Panik fuhr in ihre müden Glieder und sie hatte ein ungutes Gefühl. Irgendetwas war in dieser Nacht anders. „Mannomann, ich mache hundert Kreuzzeichen, wenn ich heute heil nach Hause komme. Der Nebel verdichtet sich ja immer mehr, und wenn ich weiter so dahinzuckele, bin ich in einer Stunde noch nicht daheim“, murrte sie.
Zu allem Unglück fing ihr Wagen auch noch zu stottern an. „Was ist denn jetzt los, elendige Karre, du warst doch erst zur Inspektion. Bleib jetzt bloß nicht stehen, tu mir das bitte nicht an“, schimpfte sie ein wenig kläglich. Kein Flehen und Betteln half, das Auto stand. So oft sie auch versuchte, neu zu starten, es rührte sich nichts mehr. „Um Gottes willen, was mache ich jetzt? Aussteigen kommt nicht in die Tüte, wozu gibt es Pannendienste“, brabbelte sie vor sich hin. Nach langem konfusen Handtaschengewühle musste Lola aber feststellen, dass ihr Handy leider noch auf dem Tresen im Lokal lag.
Bibbernd vor Kälte, da es ja schon Mitte November war, befiel sie auch noch eine seltsame Angst. „Jetzt hocke ich schon eine halbe Stunde in diesem eiskalten Wagen und bin völlig untätig. Kein Wunder, mein Gehirn ist anscheinend auch schon eingefroren“, motzte sie. Wirre Gedanken fuhren durch ihren Kopf. Trotz aller Ängste würde sie ihren Mut zusammennehmen müssen, aussteigen und den restlichen Weg zu Fuß bewältigen. Noch einmal tief durchgeatmet, dann stieg Lola aus, schlüpfte in ihren Anorak, nahm die Handtasche und ging zum Kofferraum, um das Gefahrendreieck rauszuholen. Nachdem sie das Dreieck richtig platziert hatte, schob sie ihr kleines Gefährt an den Straßenrand, verriegelte alles, schaute sich noch einmal furchtsam um und machte sich auf die Socken.
Der Nebel war kalt und feucht, sodass ihr langes dunkles Haar bereits nach einigen Minuten durchnässt war. Ohne sich umzudrehen, verschwand Lola in der Milchsuppe, die immer dichter wurde.
„Ich zünde mir jetzt eine Zigarette an, um mich etwas zu beruhigen“, dachte sie. Gedacht, getan. Sie hatte das Gefühl, dass dieser Suchtstängel noch nie so gut geschmeckt hatte. Sehr gierig zog sie daran.
Mittlerweile konnte sie die Straße, auf der sie ging, kaum noch sehen, so dicht war die Nebelwand. In ihrer Verzweiflung versuchte sie, den Weg mit ihrem Feuerzeug etwas auszuleuchten, was leider nur kurz gelang, da die niederfallende Feuchtigkeit die kleine, spärliche Flamme schnell löschte.
Aufgrund der fatalen Wettersituation kam die auffallend hübsche, attraktive dreißigjährige Frau nur sehr langsam voran. „Wenn ich doch endlich aus diesem verflixten Wald heraus wäre, dann hätte ich schon einiges gewonnen“, dachte sie.
Wie ein gesteuerter Roboter ging sie Schritt für Schritt. Mittlerweile fror sie so sehr, dass sie nichts mehr wahrnahm. Alles, was sie noch wollte, war, heil nach Hause zu kommen, ein heißes Bad zu nehmen und eine Tasse Kaffee zu genießen. Sie spürte und merkte nichts mehr. Alles, was ihr Körper noch machte, war gehen, gehen, gehen.
„Lieber Gott, falls es dich gibt, lass mich das hier bitte heil überstehen“, bettelte sie fast weinerlich. In dieser Apathie nahm sie nichts mehr um sich herum wahr. Was Lola leider nicht wusste geschweige denn überhaupt erahnen konnte, war, dass sich außer ihr noch jemand auf diesem Weg befand. Das Unheil nahte unaufhörlich und schleichenden Schrittes. „Der Mann“ hörte bereits ihr monotones Gehen, obwohl der Nebel viele Geräusche schluckte.
„Meine Herren, bin ich froh, die Bäume werden weniger und endlich lichtet sich diese Dunstbrühe, bald habe ich es geschafft“, dachte Lola und zündete sich mit ihren klammen
Händen eine weitere Zigarette an. Zitternd und wie eine Ertrinkende zog sie an ihrem Glimmstängel. In ihre Gedanken versunken, merkte Lola nicht, dass sich von vorn Schritte näherten.
Als sie ihren Kopf anhob, der den ganzen Weg nach unten geneigt war, um die Spur einzuhalten, war es bereits zu spät.


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