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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe DreamTown, Mark Franley
Mark Franley

DreamTown


Die Selektion

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1 Sacramento/USA

Professor Dr. Paulsen blickte gebannt auf seinen Monitor. Er ignorierte das wiederholte Klingeln seines Handys, seine ganze Aufmerksamkeit galt den Daten, die nun Zeile um Zeile erschienen. Natürlich wusste er, dass seine Frau zu Hause gerade kurz davor war, irgendetwas kaputt zu machen, doch das hier war eindeutig wichtiger. Der neuartige Impfstoff würde nicht nur Millionen von Menschenleben retten, er wäre auch eine realistische Chance, für den Nobelpreis nominiert zu werden. Als er bei der Firma angefangen hatte, war die Rechenleistung der hier versammelten Computer eine Offenbarung, jetzt wünschte er sich einen dieser neuen Großrechner. Die Bilder seiner Simulation schienen sich heute besonders langsam aufzubauen. Doch nun, eine gefühlte Ewigkeit später, waren sie endlich vollständig und fügten sich wie von Geisterhand zu einem kompliziert aussehenden Konstrukt. Paulsen hielt den Atem an. »Yes«, murmelte er begeistert, als sich auch der letzte DNA-Strang in das Gefüge einpasste. Es war noch nicht der Durchbruch, aber ein Meilenstein in seiner Forschung war es allemal. Die große Digitaluhr des Labors sprang auf 19 Uhr und sein Handy meldete den Eingang einer neuen Nachricht. Mit dem Hochgefühl eines Gewinners griff er zu dem Gerät, ging nicht weiter auf die böse Nachricht seiner Frau ein und schrieb gut gelaunt, dass er sie in einer halben Stunde direkt vor dem Opernhaus treffen werde. Aus gutem Grund hatte er bereits am Morgen geahnt, dass es heute später werden könnte, und in weiser Voraussicht seinen Anzug gleich mitgenommen. Nachdem er seine Arbeit doppelt gesichert hatte, verließ er das Labor durch die Sicherheitsschleuse und bestätigte durch die Eingabe eines Codes, dass sich nun keiner mehr in dem Hochsicherheitstrakt der Forschungseinrichtung befand. Zwanzig Minuten später stieg er in den neuen Sportwagen, rollte langsam bis zu dem Pförtnerhäuschen und wünschte William ein schönes Wochenende. Der alte Mann grüßte mürrisch zurück, öffnete die Schranke und widmete sich wieder dem Kreuzworträtsel. Auf den ersten Metern musste Paulsen noch langsam fahren, da man zum Schutz der Einfahrt eine Barrikade aus schweren Betonklötzen aufgestellt hatte. Dann bog er auf den Highway ab und genoss die Beschleunigung des Elektroantriebs seines Teslas. Um kein Aufsehen zu erregen und wohl auch, um keine Nachbarn zu gefährden, hatte man die kleine Forschungseinrichtung vierzig Meilen außerhalb von Sacramento mitten in die trostlose Landschaft gebaut. Im Grunde waren Anschläge ausgeschlossen, aber der 11. September 2001 hatte gezeigt, dass es keine absolute Sicherheit gab. Gegen das Licht der untergehenden Sonne blinzelnd, erkannte er die schwarze Limousine erst, als deren Bremslichter aufleuchteten. Fluchend trat er auf das Bremspedal und suchte nach einer Möglichkeit zum Überholen. Ein Stück weiter endete die lang gezogene Kurve, er setzte den Blinker und stieg gleichzeitig aufs Gas. Die Freude über die nun freie Straße vor ihm hielt nicht lange an, da die Sirene hinter ihm nichts Gutes verhieß. Laut fluchend stellte er die Musik leiser, ließ den Wagen langsam ausrollen und hielt dann an einer Bushaltestelle, die offenbar nur eine einzige Farm bediente. Die beiden Männer, die ohne jede Eile aus dem Fahrzeug stiegen, sahen aus, wie einem Agententhriller entsprungen. Lässig setzten sie ihre verspiegelten Sonnenbrillen auf und stellten sich jeweils auf eine Seite seines Wagens. Paulsen ließ die Scheibe nur so weit wie nötig herunter. »Wie kann ich helfen?«, fragte er den Mann, der neben seine Fahrertür getreten war. Dieser streckte ihm einen FBI-Ausweis entgegen und antwortete ruhig: »Aussteigen wäre ein guter Anfang.« Entgegen seinem ersten Impuls hinterfragte Paulsen die Sache nicht, schnallte sich ab und öffnete die Tür. In der Firma hatte man ihn bereits vorgewarnt, dass aufgrund einiger Ungereimtheiten in den Bilanzen auch Mitarbeiter vom FBI befragt werden könnten. Dass dies allerdings auf offener Straße stattfinden sollte, erschien ihm ein wenig übertrieben. Daher fragte er nun erneut: »Also, wie kann ich helfen? Meine Frau erwartet mich.« Der Mann, dessen Ausweis ihn als Mr. Smith auswies, wartete, bis sein Kollege um das Auto herumgekommen war. Dann forderte er ohne jede weitere Erklärung: »Bitte verschließen Sie Ihr Fahrzeug, wir haben den Auftrag, Sie mitzunehmen. Aber keine Sorge, in circa zwei Stunden werden Sie selbstverständlich hierher zurückgebracht.« Innerlich kochend brachte Paulsen mehr Spannung in seinen Körper und blaffte: »Einen Scheißdreck werde ich tun. Was fällt Ihnen ein, so mit unbescholtenen Bürgern umzugehen. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich meinen Wagen hier im Nirgendwo stehen lasse und mit Ihnen komme.« Der junge Agent hatte offenbar eine gute Ausbildung genossen. Völlig ruhig und kontrolliert erklärte er: »Ich glaube, Sie haben mich nicht richtig verstanden. Wir haben die Anweisung, Professor Dr. Paulsen in die Zentrale zu bringen, und wir werden Professor Dr. Paulsen in die Zentrale bringen. Es wäre jetzt wirklich besser, Sie tun, was ich sage. Alles andere würde die Sache nur unnötig verzögern.« Paulsen ging seine Optionen durch, kam aber leider zu dem Schluss, dass ihm gar nichts anderes übrig blieb. Mit Wut in der Stimme bat er: »Kann ich wenigstens meiner Frau noch eine Nachricht schicken? Sie macht sich sonst Sorgen und schaltet vielleicht sogar die Polizei ein.« Die beiden wechselten einen schnellen Blick, bevor der hinter Paulsen stehende Beamte antwortete: »Okay, aber schreiben Sie, dass Sie eine Panne haben. Diese Aktion ist streng vertraulich, dazu wird Ihnen später mehr erklärt.« Widerwillig und unter den strengen Augen der beiden FBI-Leute holte Paulsen sein Handy aus dem Wagen und tippte einen kurzen Text. Doch bevor er auf »Senden« drücken konnte, nahm ihm der Agent das Gerät ab, kontrollierte die Nachricht und schickte sie auch gleich ab. Anschließend schaltete er das Handy aus und ließ es in seine Jackentasche gleiten. Die angebliche Zentrale der beiden Agenten stellte sich als ziemlich improvisiert heraus. Das schmucklose Bürohaus stand am äußersten Rand von Sacramento und hatte schon bessere Zeiten gesehen. Nachdem sie das Gebäude betreten hatten, folgten sie dem Treppenhaus bis hinauf in das dritte Stockwerk. Auf dem Schild an der schweren Holztür, die Mr. Smith nun aufschloss, stand »Maklerbüro Mayer & Son«. Dass man beim FBI gern Scheinadressen benutzte, kannte man ja aus einschlägigen Filmen. Im Gegensatz zum Äußeren des Gebäudes schien man drinnen Wert auf eine ordentliche Einrichtung zu legen. In vielen der menschenleeren Büroräume lagen Malerplanen aus, und neben den zahlreich herumstehenden Farbeimern standen nur wenige Möbel. »Wir sind gerade dabei, uns hier neu einzurichten«, erklärte der Agent, der vor ihm herging. Er blieb vor einer offenen Tür stehen und bat: »Hier hinein bitte.« Der Raum war fensterlos, ebenfalls mit einer dicken Plane ausgelegt und unterschied sich von den anderen Büros nur dadurch, dass es hier zwei Einrichtungsgegenstände gab. In der Mitte des Zimmers stand ein alter Sessel und dem gegenüber ein ziemlich moderner Fernseher. Paulsen, der irgendwie Kameras und Mikrofone erwartet hatte, beruhigte das auf eigenartige Weise. Nachdem er den Raum etwas unsicher betreten hatte, deutete der Agent zu dem Sessel. »Bitte nehmen Sie Platz.« Paulsen tat, was ihm gesagt wurde, und sah nun dabei zu, wie der Mann einen USB-Stick in den Fernseher steckte. Danach drückte er mehrere Tasten auf einer Fernbedienung und sagte: »Sehen Sie einfach nur zu, wir warten draußen.« Dann war Paulsen auch schon allein in dem Zimmer und schaffte es sogar, sich ein wenig zu entspannen. Die folgenden dreißig Minuten vergingen wie im Flug, und exakt zu dem Zeitpunkt, als der Film endete, öffnete sich auch die Tür. Mr. Smith schaltete den Fernseher ab, drehte sich zu Paulsen und fragte: »Und? Was sagen Sie?« »Was soll ich sagen?« Paulsen zog die Stirn in Falten. »Der Film ist gut durchdacht, allerdings frage ich mich, warum Sie mir das zeigen. Ich meine, Sie halten mich an, entführen mich hierher, und dann zeigen Sie mir die Rohfassung eines Katastrophenfilms. Wozu das Ganze?« Der junge Agent sah ihm direkt in die Augen. »Was, wenn es kein Unterhaltungsfilm war? Was, wenn wir nicht vom FBI sind? Und was, wenn Sie nun die Möglichkeit von uns bekommen, an dem eben Gesehenen teilzuhaben?« Paulsen konnte sich das Lachen erst nicht verkneifen, dann begann er zu begreifen, und sein Lachen wurde verzweifelter. Mit leicht schräg gelegtem Kopf deutete er zum Fernseher und antwortete mit ernster Stimme: »Mir reicht es jetzt langsam und ich bin absolut nicht zu Scherzen aufgelegt. Sie bringen mich jetzt augenblicklich zu meinem Wagen, und wir vergessen die Sache.« Der Versuch aufzustehen, scheiterte an der starken Hand auf seiner Schulter. Mr. Smiths Partner war unbemerkt hinter ihn getreten und zwang ihn so, zuzuhören. »Das, Professor Dr. Paulsen, war kein Unterhaltungsfilm, und wir neigen auch nicht zu Scherzen. Mein Kollege und ich gehen jetzt wieder nach draußen und geben Ihnen somit die Möglichkeit, darüber nachzudenken. In zehn Minuten sind wir wieder hier, und ich hoffe, Sie entscheiden sich für den richtigen Weg. Ihr Wissen wäre eindeutig eine Bereicherung für das Projekt, aber auf Sie angewiesen sind wir nicht.« Paulsen benötigte keine Bedenkzeit. Egal wie das hier ausgehen sollte, an diesem Wahnsinn konnte er unmöglich mitwirken. Wer dazu in der Lage war, musste jedes Fünkchen Moral verloren haben, und auf ihn traf dies ganz gewiss nicht zu. Er schüttelte den Kopf. »Für das, was Sie offenbar vorhaben, werden Sie weder mich noch irgendeinen anderen seriösen Wissenschaftler gewinnen können. Ob Sie jetzt hinausgehen oder nicht, es bleibt bei meinem Nein.« »Ich fürchte, da irren Sie sich!«, begann der falsche Agent, wurde aber von lauten Stimmen draußen auf dem Flur unterbrochen. Ohne eine Miene zu verziehen, ging er zur Tür, schloss diese von innen und kehrte wieder zurück. »Oder glauben Sie ernsthaft, dass ihr langjähriger Freund und Kollege Dr. Pattason tatsächlich mit Burn-out in einer Spezialklinik liegt? Er konnte sich durchaus mit unserer Vision anfreunden und hat sich schließlich bereit erklärt, mit uns auf diese Reise zu gehen. Aber egal …«, nun zeigte er zur Tür, »… wie Sie eben gehört haben, warten noch weitere Kandidaten auf uns, und Ihre Entscheidung ist ja bereits gefallen. Wir könnten Sie natürlich auch dazu zwingen, doch in Ihrem Fachgebiet können wir leider nur absolut loyale Leute gebrauchen. Zu groß wäre die Gefahr, dass Sie uns ein Kuckucksei unterjubeln.« Paulsen atmete durch und stellte die Frage, auf die er eigentlich keine Antwort hören wollte: »Und wie geht es jetzt weiter?« Smith zog drei Fotos aus seiner Innentasche und erklärte emotionslos: »Zuerst wird Ihre Frau diese Fotos finden.« Paulsen nahm die Bilder und begriff nur langsam. Auf der ersten Fotomontage erkannte er eine Frau, möglicherweise eine Prostituierte, und die ausgeschnittene Silhouette eines Freiers in sehr eindeutiger Pose. Das zweite Bild zeigte eine ähnliche Situation, und wieder war der Mann nur als weiße Fläche zu erkennen. Dann kam er zu dem letzten Foto. Dieses Mal lag die Silhouette des Mannes auf dem Boden, wobei sich um seinen Kopf ein großer roter Fleck gebildet hatte. Paulsen versuchte erneut aufzustehen, doch die Hand auf seiner Schulter duldete dies nicht. »Natürlich werden wir die weißen Flächen noch durch Bilder von Ihnen ersetzen«, hörte er den angeblichen Mr. Smith emotionslos sagen. »Morgen wird bei der Polizei ein Notruf eingehen, worauf man eine männliche und eine weibliche Leiche findet. Und weil ihr Doppelleben so offensichtlich und dabei moralisch so verwerflich war, hat niemand Lust, besonders viel Energie in den Fall zu investieren.« Noch während Paulsen versuchte, das Ganze zu begreifen, trat Smith einen Schritt zur Seite. 


 -Ende der Leseprobe-


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