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Doppelte Gefahr


Mini-Buch 10,5 x 14,5

von Hans Lebek

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9783941839243
Ausstattung:
Mini-Buch 10,5 x 14,5 cm
Preis:
9.95 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
AAVAA-Verlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
verlag@aavaa.de
Leseprobe

Es war wieder einer der nervigen Arbeitstage für Max Finder gewesen.

Er war inzwischen 29 Jahre alt und kannte dieses Phänomen nur zu gut.

Sein Leben schwankte stets irgendwie zwischen erträglich und unerträglich.

Über den Spruch: »Jung, dynamisch, erfolglos« konnte er

schon lange nicht mehr lachen, denn er traf allzu oft auf ihn zu.

Er war für seine Firma, eine kleine Spedition, unterwegs. Sie gehörte

seinem Freund Gerd. Er selbst besaß nur einen kleinen Anteil. Das Unternehmen

hielt sich nur mit Mühe und Not am Leben. Gerade heute

hatte er wieder eine Abfuhr bei einem Kunden in Ludwigslust einstecken

müssen. Zwar hatte ihn der Chef des Unternehmens, welches er

vor wenigen Stunden besucht hatte, ein aalglatter und gewienerter Typ

in dunkelgrauem Anzug, freundlich lächelnd verabschiedet und ihm

versichert, ihn bei der anstehenden Auftragsvergabe auf alle Fälle zu

berücksichtigen, aber er war erfahren genug, um zu wissen, dass er nie

auch nur einen Auftrag erhalten würde.

Dies ging ihm durch den Kopf, als er mit seinem altersschwachen,

dunkelgrauen Passat kurz nach Mitternacht auf der B5 Richtung Berlin

fuhr. Es war Vorsicht angesagt, denn die kalte Novembernacht war nebelverhangen.

Der Asphalt schimmerte matt im Scheinwerferlicht. Die

Straße war um diese nachtschlafende Zeit wie ausgestorben. Schon seit

Perleberg war er keinem anderen Verkehrsteilnehmer mehr begegnet.

Die Situation war gespenstisch. Sein Fahrzeug fuhr wie gedämpft durch

die diffusen Nebelschwaden, und seine Laune wurde von Kilometer zu

Kilometer schlechter. Bald mussten die langen Strecken durch den Wald

kurz vor Gumtow auftauchen, vermutete er. Jetzt hieß es besonders

aufpassen, denn gerade dort konnte es höllisch glatt werden, da am Beginn

derartiger Waldschneisen große Temperaturunterschiede auf dem

Boden herrschen konnten.

Gewohnheitsmäßig warf er einen kurzen Blick in den Rückspiegel und

zuckte merklich zusammen, als er hinter sich ein hell aufgeblendetes

Lichterpaar unverhältnismäßig schnell aufholen sah.

»Ist der verrückt, bei solch einem Sauwetter so zu rasen«, schimpfte er

laut vor sich hin.

Sicherheitshalber nahm er den Fuß vom Gas und zog noch etwas mehr

an den rechten Rand der baumbesäumten Landstraße, um den sich

schnell nähernden Wagen überholen zu lassen. Er war ein erfahrener,

sicherer Fahrer und wusste, dass es in solchen Situationen besser war,

besonders defensiv zu fahren und kein unnötiges Risiko einzugehen.

Immerhin fuhr er selbst trotz schlechter Sicht fast 80 Kilometer pro

Stunde.

Mit einem tiefen Aufbrummen rauschte eine dunkle, schwere Limousine

an ihm vorbei und schleuderte eine feine Wasserfontäne gegen seine

Frontscheibe. Wütend schaltete er den Scheibenwischer ein.

»Ihr Rindviecher! «, brüllte er hinter dem Wagen her, »ich seh´ doch

ohnehin kaum was, und jetzt auch das noch! «

Er wusste zwar, dass derartige Ausbrüche ungehört verhallen würden,

aber sie beruhigten ihn gewaltig. Mühsam putzten die Scheibenwischer

den Schmierfilm von der Frontscheibe seines Wagens, bis er endlich

wieder etwas besser sehen konnte.

Was er nun allerdings wahrnahm, machte ihn stutzig. Der schwere

Wagen vor ihm war bereits mehrere Hundert Meter entfernt und hatte

offensichtlich zusätzlich ein Nebelschlusslicht angeschaltet, sonst hätte

er ihn bereits nicht mehr sehen können. Und gerade dieses zeigte ihm

deutlich, dass der Wagen ins Schleudern gekommen sein musste, denn

das Licht bewegte sich hektisch von links nach rechts und wieder zurück,

um anschließend noch einmal deutlich nach rechts abzudriften

und kurz darauf abrupt zu verschwinden.

Verwundert rieb er sich die Augen, bremste vorsichtig ab und versuchte

das Nebelschlusslicht wieder zu erspähen. Sein Wagen wurde immer

langsamer. Als er ungefähr an der Stelle ankam, wo er vermutete, dass

die Lichter verschwunden waren, fuhr er fast im Schritttempo. Es war

die Stelle, wo die Straße eine leichte, lang gezogene Linkskurve machte

und zu beiden Seiten ein dichter, grauer Nadelwald begann.

Der Boden war hier, genau wie er vermutet hatte, gefährlich glatt. So

intensiv er auch den Straßenrand musterte, er konnte durch die wallenden

Nebelschwaden kaum etwas erkennen. Er war schon mehrere Meter

im Waldbereich, als er für einen Moment ein hellrotes Aufblitzen zwischen

den Bäumen wahrnahm. Aber so konzentriert er auch ausschaute,

es war nichts mehr zu erkennen. Als er noch am Überlegen war, ob er

einfach weiterfahren oder mit seinem Handy sicherheitshalber der Polizei

von seinen Beobachtungen berichten sollte, bemerkte er einen kleinen,

schmalen Waldweg. Ohne weiter nachzudenken, fuhr er einige Meter

hinein und stellte den Motor ab. Mit der einen Hand griff er nach

seinem dunkelblauen, gefütterten Anorak, der auf dem Beifahrersitz

lag, mit der anderen öffnete er das Handschuhfach und nahm eine längere

Stabtaschenlampe heraus. Er war in diesem Augenblick froh, dass

er stets ausreichend Werkzeug und andere Hilfsmittel im Fahrzeug hatte,

die er immer wieder mal benötigte, wenn eines seiner Fahrzeuge liegen

geblieben war.

Behände öffnete er die Wagentür und fuhr fröstelnd zusammen, als

ihn eine nasskalte Windböe erfasste. Seine dunkelblonden, halblangen

Haare wirbelten durcheinander, die schmucklose Krawatte wehte vor

seinen Augen, so dass er verärgert brummend die Jacke anzog und die

störende Krawatte hineinstopfte. Hastig warf er die Tür zu und stapfte

frierend zur B5 zurück. Während er langsam Richtung Perleberg ging,

beobachtete er aufmerksam den Straßenrand. Bereits nach wenigen

Schritten sah er deutlich die Radspuren eines schweren Personenwagens

an der Böschung, die in den Wald führten. Es stand für ihn fest,

dass genau an dieser Stelle das Fahrzeug von der Straße abgekommen

sein musste. Neugierig richtete er den Strahl seiner Taschenlampe in

den Wald, in der Hoffnung, den Wagen zu erspähen. Aber durch den

wabernden Nebel war nichts zu sehen. Kopfschüttelnd stellte er fest,

dass der Fahrer des Wagens unglaubliches Glück gehabt haben musste,

dass er durch derart dicht stehende Bäume durchfahren konnte, ohne

daran zu zerschellen. Langsam, um nicht auszurutschen oder zu stolpern,

folgte er den markanten Radspuren in den Wald hinein. Nach einigen

Metern stockte ihm der Atem. Direkt vor seinen Füßen, tief im

weichen Waldboden eingesunken, befand sich das Heck des schweren

Fahrzeuges. Wie er mit Kennerblick schnell feststellte, handelte es sich

um einen ziemlich neuen, schwarzen Mercedes der S]Klasse.

»Hallo, ist da jemand?«, rief er, so laut er konnte, in Richtung Fahrzeug

und erstarrte vor Schreck.

Der Wagen stand leicht schräg nach oben zeigend an einer mächtigen

Fichte. Die Motorhaube war aufgewölbt, und feiner Dampf vermischte

sich mit den Nebelschwaden, gespenstig beleuchtet von dem einzigen

noch funktionierenden Scheinwerfer. Der Wind säuselte etwas - ansonsten

war Totenstille. Hastig drehte er sich um. Er hatte plötzlich das

Gefühl gehabt, jemand stünde hinter ihm. Das Licht seiner Taschenlampe

erlaubte ihm nicht, irgendetwas zu erkennen, denn die Nebelschwaden

warfen eine undurchsichtige, weißgraue Wand zurück. Mit seiner

dunklen, etwas hart klingenden Stimme fragte er laut in die Nacht hinein:

»Ist da jemand? Kann ich helfen?«

Aber niemand antwortete. Es blieb unnatürlich still. Ganz allmählich

beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Angst hatte er nicht, dafür fühlte er

sich zu stark und gewandt. Immerhin hatte er einige Jahre Kick]Boxen

und andere Nahkampfsportarten hinter sich und war dabei immer einer

der Besseren gewesen. Aber wohl fühlte er sich in diesem Augenblick

nicht. Langsam, sich nach allen Seiten umsehend, wandte er sich wieder

dem zerstörten Wagen zu und bewegte sich Richtung Fahrertür weiter.

Die Taschenlampe hatte er inzwischen wieder eingeschaltet. Die Tür

stand halb offen. Erstaunt nahm er wahr, dass die Scheiben ganz waren.

Normalerweise hätten sie bei solch einem heftigen Aufprall zerbersten

müssen. Überhaupt kam ihm die Tür extrem massiv vor. »Es muss sich

um eine gepanzerte Limousine handeln«, schoss es ihm durch den

Kopf, »ob es ein Diplomatenfahrzeug ist?« Diesen Gedanken verwarf er

aber sofort wieder, denn er hatte am Heck weder ein CD] noch ein CCSchild

entdecken können. Vielleicht war es eine Politikerfahrt gewesen.

Ein solches Gefährt war keine Stangenware. Nur wenige kamen an derartige

Sonderanfertigungen heran. Und nun lag solch ein Wagen zerschmettert

vor ihm.

Vorsichtig näherte er sich der halb geöffneten Fahrertür. Er ahnte bereits,

was er nun zu sehen bekommen würde. Kaum berührte der Lichtstrahl

seiner Lampe den vorderen Teil des Innenraumes, als er sich

auch schon bestätigt sah. Der Airbag hing wie ein schlapper, hellgrauer

Sack über dem verbogenen Lenkrad. Sogar ein kleiner Seitenairbag war

durch den Aufprall ausgelöst worden. Der Bildschirm eines integrierten

Satelliten]Navigationssystems war neben dem Lenkrad zu sehen.

Schräg zur Seite gelehnt, hing ein bullig wirkender, dunkelhaariger

Mann in feinem, schwarzem Smoking in seinem Sicherheitsgurt. Seine

starren Augen wirkten entsetzt. Der Kopf des Mannes war so stark verdreht,

dass Max schlussfolgerte, er müsse sich das Genick gebrochen

haben. Obwohl er auf ein derartiges Bild vorbereitet gewesen war,

durchlief ihn jetzt ein eisiger Schauder. Langsam ließ er den Lichtstrahl

weiter durch den Innenraum gleiten. Zuerst glaubte er, dass der Wagen

nur mit dem Fahrer besetzt gewesen war, da niemand sonst zu sehen

war. Aber als er die beiden weit offen stehenden rechten Seitentüren

des Fahrzeuges erblickte, war er sich nicht mehr so sicher. Ohne sich

weiter um den Toten zu kümmern, ging er behutsam um den Wagen

herum, bis er an den geöffneten Türen stand. Der hintere, rechte Kotflügel

schien ebenfalls kräftig mit einem Baum kollidiert zu sein, aber

von weiteren Fahrgästen war keine Spur zu sehen. Nur zwei kräftige

Schrammen an der Innenseite der hinteren Tür erregten seine zusätzliche

Aufmerksamkeit. Es sah aus, als hätte irgendjemand mit einem

scharfkantigen, massiven Gegenstand dicke Kerben in den Rahmen der

Tür geschlagen. Auch die Verkleidung der Tür war erheblich in Mitleidenschaft

gezogen worden. Ein Baum oder etwas Ähnliches konnte es

nicht gewesen sein. Im Innenraum befand sich ebenfalls nichts, was

diese Schrammen erzeugt haben könnte. Es war rätselhaft. Sogar der

Sitzbezug - immerhin bestand er aus sehr teurem Leder - war nahe

dem Ausstieg eingerissen. Es sah aus, als hätte jemand einen scharfkantigen,

schweren Gegenstand mit Gewalt aus dem Fond des Wagens gerissen.

Oder ein solcher Gegenstand war bei dem verheerenden Aufprall

aus dem Wagen geschleudert worden.

Nach einem kurzen, flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr begann

Max gründlich die nähere Umgebung des Aufprallorts abzusuchen.

Schon nach wenigen Metern fiel sein Lichtstrahl auf eine verkrümmt

liegende Gestalt. Die ohnehin dunkle Kleidung des Liegenden wirkte

durch die Feuchtigkeit in der Luft und auf dem Boden noch dunkler.

Ohne weiter nachzudenken, beugte er sich über die verkrümmte Person

und beleuchtete ihr Gesicht. Erschrocken fuhr er zurück. Das Gesicht

des Mannes wies kaum noch menschliche Züge auf. Lediglich ein Ohrring

ließ das Ohr vermuten. Der Mann musste bei dem Unfall mit hoher

Geschwindigkeit aus dem Wagen katapultiert worden sein und war mit

voller Wucht, das Gesicht voran, gegen einen Baum geprallt. Auch hier

kam jede Hilfe zu spät. Der Lichtstrahl glitt weiter über den massigen

Oberkörper, der ebenfalls mit einem eleganten Smoking bekleidet war,

aus dem das Griffstück einer kleinen Faustfeuerwaffe lugte. Der Mann

lag in einer Blutlache.

Max fühlte sich hundeelend. Was war das für eine kleine Gruppe gewesen?

Bewaffnet und gesichert wie Geheimagenten, gekleidet wie

Ballbesucher oder ... ? Er überlegte nochmals, ob er nicht umgehend die

Polizei verständigen sollte. Aber was für ein Gegenstand war da ebenfalls

aus dem Unglücksfahrzeug geschleudert worden?

Erst einmal weitersuchen, entschied er für sich, die Polizei konnte er ja

immer noch benachrichtigen, und Hilfe war ohnehin nicht mehr möglich.

Gründlich erforschte er in den folgenden Minuten die unmittelbare

Umgebung um den Mercedes, aber nichts war zu finden. Der Nebel ließ

allmählich etwas nach, und es begann zu regnen. Max war bereits stark

durchnässt, aber er bemerkte es nicht, so gespannt war er, ob er noch

etwas finden würde. Kopfschüttelnd musste er sich eingestehen, dass er

sich wohl getäuscht hatte. Es war doch kein schwerer Gegenstand aus

dem Fahrzeug herausgeschleudert worden. Also würde er den Rückweg

zu seinem Fahrzeug antreten und von dort aus die Polizei verständigen.

Nur kurz erwog er noch, ob er die Taschen der Toten durchsuchen

sollte. Er verwarf diesen Gedanken aber und machte sich achselzuckend

auf den Rückweg, wieder den Radspuren folgend, die jetzt

wegen des immer stärker werdenden Regens schon bedeutend undeutlicher

zu erkennen waren.

Er war kurz vor der B5, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel.

Er hatte vermutlich an der falschen Stelle gesucht. Der Gegenstand war

bereits vor dem Aufprall, nämlich in der schärferen Linkskurve im

Wald, herausgeschleudert worden, und zwar in dem Augenblick, als

das Heck mit dem rechten, hinteren Kotflügel gegen einen Baum geprallt

war. Also musste er nur noch einen beschädigten Baum suchen,

und dort musste dann auch der gesuchte Gegenstand liegen.

Bereits der dritte Baum auf der rechten Seite nach der Linkskurve wies

schwere Aufprallspuren auf. Jetzt kam nur noch das Gebiet um diesen

Baum in Frage. Das Jagdfieber hatte Max gepackt. Ort und Zeit waren

vergessen. Auch seine völlig durchweichten Lederschuhe interessierten

ihn nicht. Gründlich inspizierte er Meter um Meter. Das erste, was er

entdeckte, ließ ihn ungläubig erzittern. Vor ihm auf dem nassen Waldboden

lag eine Hand. Eine helle, leicht schrumpelige Hand, die von einem

nicht allzu scharfkantigen Gegenstand förmlich vom Arm abgerissen

wurde. Ein würgendes Gefühl machte sich in seiner Magengegend

breit. Sollte hier etwa noch ein Mensch, vielleicht sogar ein noch lebender,

zu finden sein?

Langsam ließ er den Lichtstrahl durch das vor ihm liegende Waldstück

gleiten. Ganz deutlich sah er einen Menschen, eingeklemmt zwischen

zwei stämmigen Fichten, auf dem Boden liegen. Nichts regte sich.

Kein Stöhnen. Kein Keuchen. Es war unheimlich. Allen Mut zusammennehmend,

näherte er sich dem Liegenden, - einem schmächtig

wirkenden Mann, der mit dem Gesicht auf dem Boden lag - und hockte

sich neben ihm nieder. Leicht hielt er seinen Finger an die Stelle am

Hals des Verunglückten, wo er die Halsschlagader vermutete, um zu

fühlen, ob noch Leben in ihm war. Aber nichts war zu spüren. Auch

hier schien der Tod schon sein Werk getan zu haben. Behutsam griff er

in das schüttere, weiße Haar des Toten und hob den Kopf an, leuchtete

mit der Taschenlampe in sein Gesicht und betrachtete es aufmerksam.

Der Mann hatte stark durchgeistigte Züge. »Er sieht aus wie ein Wissenschaftler

«, dachte Max traurig. Der Mann war mit Sicherheit bereits

älter als sechzig Jahre, hatte einen buschigen, weißen Schnauzbart und

ebensolche Augenbrauen. Das Gesicht war sehr blass und markant faltig.

Ein einprägsames Gesicht, fand Max und ließ den Kopf wieder auf

den Boden gleiten.

Nachdenklich untersuchte er den Liegenden weiter. Mit Entsetzen

stellte er fest, dass dem schmächtigen Körper beide Hände fehlten. Es

war unglaublich. Der Mann war offensichtlich verblutet, nachdem ihm

beide Hände abgerissen worden waren. Eine Hand hatte er bereits gefunden,

wo aber war die zweite?

Kopfschüttelnd suchte er weiter. Dann sah er sie. Nur wenige Meter

lag auch die zweite Hand im Unterholz und unmittelbar dahinter ein

silbrig glänzender Koffer. Während er sich dem Koffer näherte, verspürte

er eine beißende Übelkeit. Der gesuchte Koffer hatte eine Abmessung

von ungefähr 60 x 40 x 50 Zentimeter. Verwundert stellte er

fest, dass direkt neben dem Griff eine Handschelle angebracht worden

war. Die Handschelle war geschlossen. Nun verstand er, was mit dem

Toten geschehen war. Er war aus dem Auto herausgeschleudert worden

und zwischen den Bäumen hängen geblieben. Die Koffer aber waren

weitergeflogen und hatten die Hände mit brutaler Härte abgerissen. Die

Koffer? Es durchzuckte ihn wie elektrisiert. Zwei abgerissene Hände

bedeuteten auch zwei Koffer. Wo war der andere?

Auch ihn fand er nach kurzem Suchen in der Nähe des Toten. Dieser

Koffer war ungefähr so groß wie der erste. Und er war ausgesprochen

schwer. Er schätzte ihn auf 40 Kilogramm. Kein Wunder also, dass derart

schlimme Folgen bei dem Herausfliegen aus dem schleudernden

Wagen aufgetreten waren. Der alte Mann hatte keine Chance gehabt.

Aber was befand sich in diesen offensichtlich sehr bedeutenden Behältnissen?

Durch den immer stärker werden Regen glänzten sie im Licht der Taschenlampe.

Vergeblich suchte er etwas, das wie ein Schloss aussah um

die Koffer zu öffnen. Er wollte unbedingt einen Blick hineinwerfen. Lediglich

mehrere massive runde Scheiben mit kleinen Zahlen und Buchstaben

beschrieben, befanden sich unterhalb des Griffes auf der langen

Seite. Sie erinnerte Max an flach gepresste Zahlenräder eines Tresors.

Dass es sich hierbei um Spezialanfertigungen handelte, war ihm längst

klar geworden. So etwas gab es nicht im Supermarkt zu kaufen. Ein

Spalt zwischen Deckel und Unterteil war kaum zu erkennen, so perfekt

waren die Koffer verarbeitet.

Versonnen hockte Max vor den Koffern und bemerkte kaum den prasselnden

Regen. In kleinen Bächen rieselte das kalte Nass in seinen Nacken.

Plötzlich fuhr er erschrocken hoch. Deutlich sah er, wie ein weißlicher

Lichtstrahl von der B5 her durch das Geäst strich und die unwirkliche

Szene beleuchtete. Blinzelnd blickte er auf. Aber nur kurz

währte diese Erscheinung, dann war sie vorüber. Nach langer Zeit war

ein Fahrzeug an der Unfallstelle vorbeigekommen. Dieses kurze Ereignis

erinnerte ihn, dass er nun endlich irgendetwas unternehmen musste.

Aber was befand sich in den Koffern? Wer waren die mysteriösen Toten?

Politiker? Mafia? Handelte es sich um einen Werttransport? Sollte

er noch einmal den Wagen und vielleicht auch die Toten genauer untersuchen?

Bei diesem Gedanken zuckte er angeekelt zusammen und

schüttelte unbewusst heftig den Kopf. Je mehr er nachdachte, desto sicherer

war er, dass sich etwas ausgesprochen Wertvolles in den Metallkoffern

befinden musste, denn sonst wären die Handschellen und das

gepanzerte Fahrzeug unnötig gewesen.

Sollten mit diesem grausigen Fund seine finanziellen Nöte vorbei

sein? Wer wusste denn, dass er hier war? Wer sollte es je erfahren? Er

hatte doch nichts angefasst und niemand hatte ihn gesehen. Den Leichen

konnte ohnehin keiner mehr helfen, also konnten sie getrost noch

einige Zeit liegen bleiben, bis sie irgendjemand anderes fand. Außerdem

stand zu erwarten, dass der Wagen aufgrund seiner eingebauten

Satelliten]Navigation ohnehin von den entsprechend interessierten

Kreisen geortet und bald gefunden werden würde. Sein im Waldweg

geparkter Wagen konnte zwar von dem Fahrer des soeben vorbeigefahrenen

Fahrzeuges bemerkt worden sein, doch hielt er das für unwahrscheinlich.

Niemand würde wissen, wer die beiden Koffer hatte - und

er könnte sich vielleicht ein für alle Male sämtliche Sorgen vom Hals

schaffen.

Als er gerade die Koffer anheben wollte, vernahm er ganz deutlich ein

Stöhnen in seinem Rücken. Erschrocken drehte er sich um. Der Totgeglaubte

zwischen den Bäumen bewegte sich kaum spürbar. Ohne zu

überlegen ließ Max die Koffer liegen, eilte zu dem alten Mann und

leuchtete ihm ins Gesicht. Gequält blickten ihn zwei wässrige, graue

Augen an. Aus dem Mund des Mannes floss ein dünnes Rinnsal Blut.

Scheinbar wollte ihm der Sterbende irgendetwas mitteilen. Hastig beugte

sich Max zu ihm hinunter und hielt sein Ohr dicht an die Lippen des

Mannes.

»Danger«, glaubte er deutlich zu verstehen. Er ging noch dichter an

den Mund des Sterbenden heran und lauschte angespannt. Aber der

grauhaarige Alte schien nichts mehr sagen zu wollen oder zu können.

»Danger«, kam es plötzlich doch wieder brüchig und undeutlich über

die Lippen des Mannes, »be careful. Donʹt use them without special

knowl...

Mehr war nicht mehr zu verstehen....

Klappentext

Max Finder wird Zeuge eines Autounfalls, bei dem alle Insassen des Fahrzeugs ihr Leben lassen. Er entwendet aus dem Unfallfahrzeug einen Metallkoffer, in dem er Geld vermutet. Doch eines der sterbenden Unfallopfer lässt ihm mit letzter Kraft eine Warnung in englischer Sprache zukommen. Leider befolgt Max diese Warnung nicht und sehr eine sehr mächtige und todgefährliche Organisation macht sich auf die Suche nach den Koffern.

 

Auch Max´s Freund Gerd zieht den Zorn einer mächtigen Organisation auf sich. Er lässt sich dort einschleusen, um ihr das Handwerk zu legen. Er bringt es bis zum Vertrauten des Anführers. Max erkennt das Motiv dieser Menschenhandelsorganisation. Es lässt sich an Perversion kaum noch überbieten...

 

Beide Handlungsstränge, geschickt miteinander verwebt, sind mit normalem Menschenverstand nicht zu begreifen. Bleibt zu hoffen, dass so etwas nie passieren wird. Zart besaitete Gemüter sollten nicht im Dunkeln lesen!

Rezension

Leserbewertungen bei www.beam-ebooks.de:

  • Ein großer,turbulenter und hochunterhaltsamer Thriller.Einfach Super!!!
  • Wahnsinnig spannend.Der Autor hat hier ein kaum vorzustellendes Szenario beschrieben.Lesen Sie das Buch lieber nicht abends.Konnte es nicht weglegen und hatte lange Nächte,bis ich es ausgelesen hatte.