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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Zentrale der Rache, Klaus Sebastian
Klaus Sebastian

Die Zentrale der Rache



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Am Tatort


Der oder die Mörder hatten sich große Mühe gegeben. Der tote Farang sah aus wie ein Schneemann. Er saß aufrecht auf einem schäbigen, senfgelben Ledersessel. In seiner rechten Hand hielt er einen Strohbesen - ein Reinigungsgerät, das in keinem Thaihaushalt fehlte. Der linke Arm der nur mit einer Unterhose bekleideten Leiche ruhte auf einem verbeulten Vogelkäfig. In den Sonnenstrahlen, die in einem flachen Winkel durch die Tür fielen, glitzerte die nackte Haut wie weißes Elfenbein.


„Was ist das für ein weißes Pulver?“ fragte Chaichet den verschüchtert in der Ecke stehenden Anurak. „Ist das Kokain?“


„Nein, das ist Zucker. Der oder die Täter haben ihn mit Zucker überstreut.“


Chaichet trat näher an die Leiche heran. Er überwand den hochkommenden Ekel, befeuchtete seinen Zeigefinger mit der Zunge und tupfte etwas von der weißen Substanz auf seine Fingerspitze. Der Geschmackstest ließ keinen Zweifel zu. Es handelte sich tatsächlich um ganz normalen, raffinierten Zucker.


Der Inspektor trat einen Schritt zurück und nahm das schreckliche Bild noch einmal in sich auf. Er hatte ja schon viel gesehen, doch er spürte, wie ihm bei diesem Anblick ein Schauer über den Rücken lief. Wie der fast nackte Mann dort saß - mit Stricken festgezurrt und mit den toten Augen ins Nichts starrend - woran erinnerte ihn das nur? Blitzartig hatte er ein anderes Bild vor Augen: Die Leiche des verstorbenen Königs. Sie war zwar nicht zur öffentlichen Besichtigung freigegeben, doch es brauchte nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, dass der Körper von Bhumibol in einer ähnlichen Position konserviert worden war.


Der tote Farang saß dort also wie ein König auf seinem Thron. Wenn die Täter dies beabsichtigt hatten, würden sie nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht kommen.


Den Platz rings um den Sessel, auf dem der unheimliche Tote thronte, hatte der Täter mit weißen Blütenblättern und quadratischen Plastiktütchen dekoriert. Der Inspektor hob eine dieser rosafarbenen Verpackungen auf und stellte fest, dass es sich um ein in Thailand fabriziertes Kondom handelte.


„Das waren Thais“, flüsterte ihm Pong zu, der angesichts der gespenstischen Situation automatisch seine Stimme gesenkt hatte.


„Wie kommst du darauf?“ fragte Chaichet. „Und wieso bist du sicher, dass es mehrere waren?“


„Wir Thais sind doch Weltmeister im Dekorieren“, antwortete Pong. „Egal ob es sich um eine Hochzeit, eine Trauerfeier oder eine Geburtstagstorte handelt.“


Insgeheim stimmte der Inspektor ihm zu. Der Schönheitswahn nahm in Thailand bisweilen neurotische Züge an. Sogar die Elefanten wurden an besonderen Feiertagen bunt bemalt wie Ostereier.


„Und weiter?“

„Na sieh es dir doch an: Der Blütenteppich zu seinen Füßen, die grünen Blätter, die sie ihm unter die Fesseln gesteckt haben - und sein Mund wurde auch noch rot geschminkt.“


Chaichet näherte sich der Leiche und erkannte, dass Sergeant Pong recht hatte. Der Mund des Farangs war mit rotem Lippenstift verschmiert. Er sah aus wie einer jener Horrorclowns, die seit einigen Wochen durch die Medien geisterten.


Doch was hatte diese theatralische Inszenierung zu bedeuten? Sie musste eine Bedeutung haben, denn ansonsten hätten sich die Täter wohl nicht solche Mühe gegeben.


„Was steckt denn da zwischen seinen Zähnen?“ fragte Chaichet.


„Vermutlich ist das ein Stück von seinem linken Ohr, das man ihm vor oder nach dem Sterbefall abgeschnitten hat“, meldete sich Anurak.


„Wie pervers ist das denn?“ fluchte Chaichet.

Voller Ekel wich er einen Schritt zurück. Er war froh, dass er den Toten nicht anfassen musste. Das konnte er den Jungs von der Spurensicherung überlassen.


„Ich denke, dass es mindestens zwei Täter waren“, fuhr Pong fort. „Die Ermordung, die Positionierung der Leiche, die Dekoration - das könnte man theoretisch allein hinkriegen. Aber es kostet natürlich viel Zeit.“


„Warten wir ab, was die Spurensicherung herausfindet“, schlug Chaichet vor.


Die rätselhafte Bedeutung der bizarren Installation beschäftigte ihn immer noch. Wie beim Anblick eines zeitgenössischen Kunstwerks musste man sich wohl die Frage stellen: Was soll das darstellen?


Der Inspektor verstand nicht viel von moderner Kunst. Doch sie würden die Elemente dieses Tatorts registrieren, analysieren und deuten - so wie ein Archäologe oder ein Kunstwissenschaftler, der ein verschlüsseltes Werk unter die Lupe nahm. Denn der oder die Täter hatten hier etwas verschlüsseln wollen. Das Opfer sollte offenbar zur Schau gestellt und noch im Tod lächerlich gemacht werden.


Kunstwissenschaft und Kriminologie. Zum ersten Mal sah er eine Verwandtschaft zwischen diesen beiden Disziplinen. Vielleicht würde er später seinen Cousin Niti anrufen. Der war Journalist in Bangkok und schrieb hin und wieder auch über Kunstausstellungen.


Als die drei Männer von der Spurensicherung eintrafen, überließ Chaichet ihnen das Terrain. Er trat vor die Tür des schlichten Steinhauses, atmete tief durch und spazierte dann zu Jirawan hinüber, die zusammen mit dem Dorfpolizisten Anurak einige Leute aus der Nachbarschaft befragte.


„Du wohnst gleich hier nebenan?“ fragte Jirawan einen älteren, ausgemergelten Thai, der nur mit einem blau karierten Hüfttuch bekleidet war. Sein Oberkörper war mit schwarzen, mystischen Ornamenten tätowiert, die sich kaum von der in der Sonne gegerbten Haut abhoben.


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