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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Seele des Bösen, Dania Dicken
Dania Dicken

Die Seele des Bösen


Flucht in die Freiheit

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Waterford


 


Beim Verlassen der Küche wäre Sadie beinahe mit Joanna zusammengeprallt, die sich beeilte, über die Treppe nach oben zu kommen. Die beiden grinsten einander an, bevor Joanna sich abwandte und nach oben lief. Michelle weinte herzzerreißend laut, das war trotz Weihnachtsmusik und dem allgemeinen Stimmengewirr im Wohnzimmer noch gut zu hören. 


Sadie ging am Esstisch vorbei zum Sofa und setzte sich neben Matt, der es sich mit einer Dose Bier bei Gary gemütlich gemacht hatte. Unter dem Weihnachtsbaum fuhr Ben Wettrennen mit seinen neuen Spielzeugautos. 


Tessa, die gerade von der Toilette zurückkehrte, durchquerte das Wohnzimmer und ließ sich schwungvoll neben Sadie auf das Sofa fallen. Sie stöhnte theatralisch und strich sich über den Bauch. 


„Schon wieder überfressen“, stellte sie nüchtern fest. 


„Trotzdem bist du dürr“, sagte Gary, nachdem er sie mit einem Seitenblick bedacht hatte. 


„Wir waren eben nie füreinander bestimmt.“ Tessa grinste ihn breit an, woraufhin Gary lauthals lachte. Matt verzog kurz die Lippen zu einem Lächeln und nahm dann noch einen Schluck Bier. Nachdem er die Dose wieder weggestellt hatte, verlor sein Blick sich im Nichts. 


Bens Rennauto kollidierte mit Sadies Turnschuh. Betroffen blickte er zu ihr auf und sie nutzte die günstige Gelegenheit, sich ihren Neffen zu schnappen. 


„Komm her, du“, sagte sie und hob ihn auf ihren Schoß. Mit seinem schönsten und breitesten Milchzahnlächeln grinste Ben seine Patentante an, die seine Nase mit ihrer anstupste und dann begann, ihn ohne Ankündigung durchzukitzeln. Lautes Kreischen übertönte alle anderen Geräusche im Wohnzimmer. 


„Wer wird hier geschlachtet?“, fragte Norman, während er aus der Küche kam und sich den anderen gegenüber in seinen Sessel setzte. Inzwischen war seine Haarpracht wieder deutlich dichter, er wirkte gesünder. Wenn alles so blieb, hatte er den Krebs besiegt. 


„Schlachten ist eine gute Idee“, sagte Sadie, drehte Ben auf den Bauch und winkelte sein linkes Bein an. Der Kleine begann zu johlen und zu quieken, als sie vorgab, seine Wade anknabbern zu wollen. In diesem Moment erschienen Sandra und Joanna wieder im Wohnzimmer, die beide nach ihren Kindern geschaut hatten. Michelle und Nicolas schliefen oben – zumindest war das der Plan. 


Sandra setzte sich lächelnd neben Gary auf das kleinere Sofa und beobachtete, wie Sadie Ben bis zur Atemlosigkeit lachen und schreien ließ. Schließlich ließ sie Gnade walten und strich ihm über den Kopf. Joanna gesellte sich zu Sandra und lächelte Sadie zu.


„Schläft die Kleine wieder?“, fragte Norman. 


„So gut wie“, erwiderte Joanna. „Ist wahrscheinlich die fremde Umgebung.“ 


„Das ist Nicolas ja völlig egal, der schläft überall wie ein Stein“, sagte Gary zufrieden und bedachte Ben mit einem skeptischen Blick. „Anders als der kleine Rabauke hier ...“ 


„Sei nicht so hart zu meinem Neffen“, nahm Sadie Ben in Schutz. 


„Du bist seine Patin, du bist voreingenommen“, sagte Gary nicht ganz ernst gemeint. Im Augenwinkel beobachtete Sadie Joanna, die jedoch nicht darauf reagierte. Das musste sie auch nicht, denn sie war Patentante von Nicolas – so wie Matt sein Patenonkel war. 


Ben rutschte von Sadies Schoß und lief hinüber zu seiner Mutter. Sadie entging nicht, mit welch liebevollem Blick Norman seinen Enkel dabei beobachtete. 


„So ein süßer Fratz“, murmelte auch Tessa. 


Sadie nickte zustimmend. Sie hatte eine Schwäche für ihren Neffen – und er umgekehrt für sie. Schon an Thanksgiving hatte sie festgestellt, dass sie ihn plötzlich mit anderen Augen sah. 


„Was macht das Studium?“, erkundigte Norman sich bei Tessa. 


„Sagen wir so: Es ist zum Glück nicht mehr lang“, erwiderte sie und lachte. 


„Du kannst stolz auf dich sein.“ 


„Danke.“ Sie errötete. 


„Doch, im Ernst. Ich weiß, wie schwierig das ist. Ich habe auch erst spät und neben dem Beruf studiert“, sagte Norman. 


„Ja, das hat Sadie mal erzählt.“ 


Während die anderen sich über die verschiedensten Dinge unterhielten, stand Sadie auf und ging an Rusty vorbei nach draußen auf die Veranda. Im Wohnzimmer war es ihr deutlich zu warm. Sie schob die Tür hinter sich wieder zu, verschränkte die Arme vor der Brust und atmete tief durch. Draußen war es angenehm frisch, der dunkle Garten lag still vor ihr. Unwillkürlich musste sie an ihre Katzen denken, die jetzt zu Hause waren und von den Nachbarn versorgt wurden. Sie hätte sich ein Leben ohne die beiden gar nicht vorstellen können. Sie gehörten einfach dazu. 


Es war schön, in diesem Moment in der alten Heimat zu sein. Norman hatte noch Tessa eingeladen und er hätte sich auch über Besuch von Phil gefreut, aber der war mit Amelia bei ihrer Familie. Am nächsten Tag würden Sadie, Matt und Norman Matts Vater und Tammy in Patterson besuchen, darauf freute sie sich auch schon. Sie war nur nicht sicher, ob das ebenso für Matt galt. 


Als die Tür hinter ihr geöffnet wurde, war sie nicht überrascht, Tessa zu sehen. Wortlos trat Tessa neben sie und lehnte sich bäuchlings an das Geländer der Veranda. 


„Alles okay mit Matt?“, fragte sie. 


Sadie nickte stumm und starrte in die Dunkelheit. „Weitgehend.“ 


„Ist ja auch noch nicht so lang her. Und bei dir?“ 


„Mir geht es gut“, sagte Sadie. 


„Vorhin hatte ich das Gefühl, er weicht mir aus.“ 


„Kann sein. Ich habe ihm ja gesagt, dass du es weißt.“ 


„Der kann sich vielleicht anstellen.“ 


Sadie seufzte. Damit hatte es nichts zu tun, sie konnte Matt verstehen. Und ehrlicherweise hätte sie sagen müssen, dass nicht alles okay mit ihm war. Er litt noch immer unter Schuldgefühlen, hatte Alpträume. Er hatte nicht durchblicken lassen, ob ihm klar war, dass sie es wusste, denn er redete mit ihr nicht darüber. Wann auch immer sie es angesprochen hatte, hatte er es abgeblockt, deshalb hatte sie es irgendwann gelassen. 


„Wir müssen ja nicht darüber reden, dass die Frau mehr als nur eine Schraube locker hatte“, sagte Tessa ins Schweigen hinein. 


„Nein, sicher ... aber das hat seine Welt zerstört. Ich weiß, wie sich das anfühlt.“ 


„Ja ... schon klar.“ Die Blicke der beiden trafen sich und Sadie wusste, sie musste Tessa nicht sagen, dass sie den Tod ihrer Familie meinte. Den und ihre Entführung durch Sean. Sie wusste, wie es sich anfühlte, in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos fremd zu sein. 


„Er hat mich heute nicht einmal angesehen“, stellte Tessa fest. 


„Vielleicht ist dir aufgefallen, dass es bei Norman kaum besser ist.“ 


Die Tür wurde erneut geöffnet, zum Vorschein kam Joanna. Tessa ließ sich nichts anmerken, während Sadie ihrer Cousine zulächelte. 


„Ich hoffe, ich störe nicht“, sagte Joanna. 


„Gar nicht“, behauptete Sadie. 


„Plötzliches Schweigen“, stellte Joanna trotzdem fest. Sie setzte sich hinter den beiden auf die Hollywoodschaukel. „Angenehm hier draußen.“ 


„Ziemlich.“ Sadie drehte sich zu ihr um und lehnte sich gegen die Brüstung. 


„Du warst süß vorhin mit Ben“, sagte Jo. 


„Wie meinst du das?“, fragte Sadie irritiert. 


„Hat mich an mich selbst erinnert. Ich konnte mit Ben wenig anfangen, bis ich schwanger wurde. Inzwischen ist alles anders.“ 


„Sicher.“ Sadie lächelte. 


„Ich hoffe, es ist okay, dass Dad es mir gesagt hat.“ 


„Was meinst du?“, fragte Sadie. Sie spürte, wie ihr heiß wurde und auch Tessa neben ihr war plötzlich vollkommen angespannt. 


„Dass er fast noch ein Enkelkind gehabt hätte.“ 


„Oh. Ach so.“ Sadie lachte verlegen. „Hat er gar nicht erwähnt.“ 


„Nein, wir sind zufällig drauf gekommen. Ich habe dir nie etwas gesagt, weil du es auch nicht angesprochen hast. Ich dachte, es ist dir vielleicht unangenehm.“ 


„Nein, gar nicht“, sagte Sadie und verschränkte die Arme vor der Brust. Tessa entspannte sich wieder. 


„Ist nur eine traurige Sache“, fügte Sadie noch hinzu. 


Joanna musterte sie neugierig. „Dass du das so sagen würdest.“


„Schon.“ 


„Ich sehe uns noch hier stehen und über Paolo und Michelle reden. Damals hätte ich nie geglaubt, dass dir das auch mal passiert.“ 


Sadie lachte kurz. „Da bist du nicht allein. Im ersten Moment war es auch ein Schock. Wie das ist, weißt du ja ... aber dann ...“ 


„Ja, ich weiß. Ging mir ja auch so.“ Joanna lächelte und ergänzte: „Wollt ihr es wieder versuchen?“ 


Sadie nickte stumm. Tatsächlich hatte sie schon vor Weihnachten die Pille abgesetzt – Matt zuliebe. Sie hatte es da nicht eilig, aber in einem seiner schwachen Momente hatte sie ihm ganz konkret gesagt, dass sie sich immer noch vorstellen konnte, mit ihm eine Familie zu gründen. Jederzeit. Sie hatte es von sich aus angeboten und er hatte genickt. Sie hoffte, dass ihm dieser Gedanke ein wenig Zuversicht gab. Außerdem sollte es ihm beweisen, dass sie immer noch an ihre Liebe glaubte. 


„Viel Glück“, sagte Joanna. „Es würde mich für euch freuen. Aber das ist schon eine ziemliche Überraschung. Wie wollt ihr das machen?“ 


Sadie erzählte ein wenig von dem, was sie sich schon überlegt hatten, als sie Matt das positive Ergebnis des Schwangerschaftstests gezeigt hatte. Schließlich seufzte Joanna sehnsüchtig. 


„Das klingt toll. Anders als Paolo ...“ 


„Feigling“, knurrte Tessa. 


„Ach, er kümmert sich schon um Michelle. Mehr, als ich erwartet hätte. Aber ganz ehrlich ... selbst wenn er jetzt zu uns zurückkehren wollte – das will ich nicht mehr“, sagte sie kopfschüttelnd. 


„Warum nicht?“ 


„Weil ich ihm diese Flucht nicht verzeihen kann“, sagte Joanna. „Er hat sich mit Händen und Füßen gesträubt. Jetzt, wo Michelle da ist und er sieht, dass es schön sein kann, gefällt es ihm. Aber so einfach ist das alles nicht. Das war ein Vertrauensbruch.“


„Kann ich verstehen“, sagte Sadie. 


„Als ob du das kennen würdest“, sagte Joanna stirnrunzelnd. „Matt trägt dich doch auf Händen. Er ist da einfach unglaublich!“ 


Sadie lächelte bloß, weil sie nicht wusste, was sie erwidern sollte. 


„Oder hängt bei euch etwa der Haussegen schief?“, fragte Joanna. 


„Nein, wie kommst du darauf?“, behauptete Sadie. 


„Ich dachte schon. Matt ist schon ein toller Mann. Du bist zu beneiden!“


Sadie schluckte hart und ballte die Hände zu Fäusten. Sie atmete tief durch und sagte: „Ich muss mal aufs Klo.“ 


Sie hatte die Tür noch nicht erreicht, als Tessa ihr folgte. „Ich brauche etwas zu trinken.“ 


Gemeinsam kehrten sie ins Wohnzimmer zurück und Sadie machte tatsächlich Anstalten, in Richtung der Toilette zu gehen. Als sie jedoch merkte, dass Tessa ihr folgte, blieb sie im Flur neben der Küche stehen und lehnte sich gegen die Wand. Tessa blieb vor ihr stehen. 


„Vergiss es. Sie weiß es doch nicht.“ 


„Schon klar ...“ murmelte Sadie. „Trotzdem war das ein Volltreffer.“ 


Wortlos machte Tessa einen Schritt auf Sadie zu und umarmte sie ganz fest. Sadie erwiderte die Umarmung und genoss dieses sichere Gefühl einfach nur für einen Moment. Schließlich ließ Tessa sie wieder los und legte ihre Hände auf Sadies Oberarme. 


„Du hast mir nicht erzählt, dass ihr es wieder versuchen wollt.“ 


„Nein, ist noch ganz frisch ... ist keine große Sache“, sagte Sadie kopfschüttelnd. 


„Wäre bestimmt gut für ihn.“ 


„Das ist auch der Grund.“ 


Tessa seufzte. „Soll ich mal mit ihm reden?“ 


„Nein, lass mal. Da rennst du nur gegen die Wand. Er redet ja schon mit mir kaum.“ 


„Oh je, ehrlich?“ 


„Er redet generell nicht besonders viel“, versuchte Sadie, zu relativieren. 


Nachdenklich spähte Tessa in Richtung der Wohnzimmertür. „Das ist doch beschissen. Das hat er nicht verdient.“


„Nein“, sagte Sadie und lachte unwillig. „Nein, hat er nicht ...“ 


Tessa lächelte, legte Sadie kameradschaftlich eine Hand auf die Schulter und gab ihr zu verstehen, dass sie wieder ins Wohnzimmer gehen sollten. Sadie nickte und folgte Tessa wieder zum Sofa. Matt blickte die ganze Zeit nicht auf. Sadie setzte sich wieder neben ihn und griff unverzagt nach seiner Hand. Sie war warm, was sich wunderbar angenehm anfühlte. Nun hob er doch den Kopf und lächelte sie an. 


Es war schwer. Es war ein Kampf – jeden Tag. Sadie versuchte nach Kräften, ihm zu helfen, zeigte sich geduldig und gab ihm alle Zeit der Welt. Er war stark, das wusste sie. Er würde das schaffen und sie würde ihm dabei helfen, denn wenn es etwas gab, das sie kannte, dann war es eine solche Situation. Sie wusste, dass es vor allem Zeit brauchte, wenn man eine so schlimme Erfahrung machte. 


Doch dann korrigierte sie sich in Gedanken selbst. Es war ja gar nicht unbedingt nur, was Stacy getan hatte. Matt litt viel mehr unter dem, was er selbst getan hatte. Und das war etwas, wo sie nicht mitreden konnte. Sie hatte zwar schon Menschen erschossen, aber immer in Notwehr. Ihr war keine Wahl geblieben. Was Matt getan hatte, war jedoch etwas anderes. Sie sah jeden Tag, dass es an ihm nagte und er es rückgängig gemacht hätte, wäre es möglich gewesen. 


Gary und Sandra machten sich mit ihren Söhnen auf den Heimweg, als Ben müde und unleidlich wurde. Bislang war er aufgedreht gewesen und hatte es genossen, lang aufbleiben zu dürfen, aber irgendwann war Schluss. Joanna und Michelle begleiteten die kleine Familie, Gary hatte seiner Schwester eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Norman beherbergte immerhin schon Sadie, Matt und Tessa. 


„Jo gibt ja eine richtig gute Mutter ab“, sagte Tessa, als die anderen gegangen waren. „Hätte ich nicht gedacht.“ 


„Ich bin stolz auf meine Tochter“, sagte Norman, während er zu Rusty vor dem Kamin blickte. „Sie hat sich so verändert, und nur zum Guten.“ 


„Das stimmt allerdings. Ich weiß noch, wie ich damals in den Sommerferien bei euch übernachtet habe ... das war kurz nach Sadies Rückkehr aus dem Krankenhaus“, formulierte Tessa es diplomatisch und vermied es geschickt, das Wort Selbstmordversuch zu benutzen. „Da müssen wir fünfzehn oder so gewesen sein ... und ich weiß noch, dass es Fannys Idee war, mich über Nacht hierzubehalten.“ 


„Ich erinnere mich“, sagte Norman. „Du warst eine ganze Woche hier, oder?“ 


„So ungefähr. Sadie wollte schwimmen gehen, aber wegen der Wunden ging das nicht. Deshalb ging nicht besonders viel. Aber das war nicht schlimm, wir hatten keine Langeweile. An diesem einen Abend haben wir uns erst einen Film angesehen und es gab eine riesige Diskussion, weil Jo unbedingt ihre Lieblingsserie ansehen wollte ... eine Wiederholung. Du hast sie weggeschickt, Norman. Später waren wir dann auf Sadies Zimmer und haben uns über Gott und die Welt unterhalten, vielleicht um kurz vor Mitternacht ... und auf einmal stand Jo in der Tür und hat uns angezickt, wir seien zu laut!“ 


„Das weiß ich noch“, sagte Norman. „Sie selbst hatte ja auch nachts um halb drei die Musik noch laufen ...“


„Und sie hat theatralisch über den Flur gerufen, dass das jetzt mein Selbstmordbonus sei“, sagte Sadie schonungslos. In diesem Moment blickte Matt auf und lehnte sich auf dem Sofa zurück. Sadie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. 


„Was auch immer daran ein Bonus sein sollte“, sagte Tessa kopfschüttelnd. 


„Du warst die Einzige, die mich nicht mit Samthandschuhen angefasst hat“, sagte Sadie. 


„Nein, ich wollte dafür sorgen, dass es dir besser geht und ich wusste noch, dass du es nicht leiden kannst, wenn alle übervorsichtig sind.“ 


„Wir haben es nur gut gemeint“, sagte Norman. 


„Ich weiß. Das habt ihr immer“, sagte Sadie. 


„Wenigstens hat Gary dich so schnell gefunden“, sagte Matt auf einmal, ohne dabei irgendjemanden anzusehen.


„Das ist lange her“, sagte Sadie. 


„Ich bin froh, dass ihr euch alle so gut um Sadie gekümmert habt“, sagte Matt. „Nur deshalb habe ich heute eine so tolle Frau.“ 


Niemand wusste, was er darauf erwidern sollte. Unbehaglich rieb Matt seine Handflächen über seine Knie und stand auf. 


„Ich denke, ich werde schlafen gehen. Irgendwie bin ich müde. Bleib du ruhig noch hier“, sagte er und hatte den letzten Satz dabei an Sadie gerichtet. Sie wollte schon protestieren, aber während die anderen ihm eine gute Nacht wünschten, ging Matt einfach nach oben und verschwand. 


„Das war wohl kein gutes Thema“, sagte Norman. 


„Nein, es ist euretwegen“, sagte Sadie. „Ich glaube, er schämt sich vor euch.“ 


„Ach, das muss er nicht. Er ist in meinem Haus willkommen.“ 


„Das weiß er, aber er macht sich einfach Vorwürfe.“ 


„Also, ich mache ihm die nicht“, sagte Tessa. „Die Frau hatte es nicht anders verdient.“ 


„Du warst ja immer schon kompromisslos“, stellte Norman mit gutmütiger Miene fest. 


„Ja, was denn? Die wollte Sadie umbringen und was Matt zu ihrem Liebeswahn meint, war ihr doch völlig egal. Die Frau war doch krank. Oder, Sadie?“ 


„War sie“, sagte Sadie und nickte. 


„Ich meine das nicht als Entschuldigung“, präzisierte Tessa. 


„Lass uns davon aufhören.“ 


„Ich glaube, ich rede morgen noch mal auf der Fahrt mit ihm“, überlegte Norman. Sadie war nicht sicher, ob das eine so gute Idee war, aber sie hatte keine Einwände. Vielleicht half es ja doch. 


Sie saß noch ein wenig bei Norman und Tessa und unterhielt sich mit ihnen über Familienangelegenheiten und ähnliche Dinge, bis die Unruhe sie ebenfalls nach oben trieb. Sie wollte wissen, ob bei Matt alles in Ordnung war. 


 


Als sie das Gästezimmer betrat, lag er bereits im Bett. Sadie hörte ruhige, gleichmäßige Atemzüge, die den Eindruck machten, als würde er bereits schlafen. Sie wusste nicht, ob es stimmte, aber sie schnappte sich ihre Sachen und zog sich im Bad um, bevor sie ihre Zähne putzte. Schließlich legte sie sich ins Bett neben Matt und lauschte auf seinen Atem. Unverzagt schmiegte sie sich an ihn und bettete ihren Kopf auf seine Brust. Als er sich dann leicht bewegte, merkte sie, dass er tatsächlich schlief. Wenigstens etwas, dachte sie, bevor sie die Augen schloss. 




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