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> Krimi Thriller > Detektivbüro Kalt.
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Detektivbüro Kalt., Roland Zingerle
Roland Zingerle

Detektivbüro Kalt.


längere und kürzere Kriminalgeschichten

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Die gelb-schwarze Aprilia RSV 1000 jagte über die Wörthersee-Norduferstraße. Mit einer Eleganz, die Mühelosigkeit vermittelte, schlängelte sie sich im Slalomkurs über die Mittellinie und überholte jene Fahrzeuge, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten. Es machte den Anschein, als sei das Motorrad durch ein gefedertes Scharnier mit dem Boden verbunden.


Es war erst 9.30 Uhr, doch die Straße war schon so heiß, dass die schmal profilierten Reifen geradezu auf ihr zu kleben schienen. Kärnten erlebte einen ungewöhnlich heißen Juli. Die Luft waberte in der Hitze und das sonst so satte Grün der Hügel, die den Wörthersee umrahmten, erschien grell und durstig.


In Pörtschach pulsierte das Leben. Urlauber in luftiger Kleidung schlenderten der Hauptstraße entlang oder eilten mit Badesachen bepackt in Richtung Strand. Zwischen den Porsches und Mercedes' mit ausländischen Kennzeichen bog die Aprilia von der Hauptstraße ab und rollte schließlich vor der Eingangstür zum Kochwirt Joainig aus.


 


Burgi Kalt zog sich den schwarzen Vollvisierhelm vom Kopf und schüttelte ihre brünetten Naturlocken. Sie schirmte ihre Augen mit einer Maui Jim-Sonnenbrille und durchschritt zielstrebig den Empfangsbereich. Als sie den Gastgarten betrat, hielt sie inne und sah sich um. Dabei entging ihr nicht die Begehrlichkeit in den Blicken der Männer, die sie taxierten.


Burgi brauchte nicht lange zu suchen, um den richtigen Tisch zu finden. Es gab nur einen, auf dem das Erkennungszeichen stand: eine kleine Vase mit einer Lilie darin. Doch die Dame, die an diesem Tisch saß, passte so gar nicht zu der Stimme, die die Detektivin zu diesem Treffen gebeten hatte. Burgi hatte eine Frau zwischen fünfunddreißig und fünfundvierzig Jahren erwartet, in ihrem Erscheinen lebendig und jugendlich. Stattdessen saß hier eine Frau Anfang fünfzig mit einem erschreckend verbrauchten Gesicht und dunklem, grausträhnigem Haar, das sie streng nach hinten gekämmt hatte.


„Frau Mayr?"


Die Dame am Tisch sah zu Burgi hoch. Ihr Blick verriet, dass sie sich eine Detektivin anders vorgestellt hatte. Burgi reichte ihr die Hand.


„Kalt", sagte sie kurz. „Burgi Kalt."


„Antje Mayr", erwiderte die Frau mit weicher Stimme und norddeutschem Akzent. „Angenehm!"


Burgi legte ihre Lederjacke ab und setzte sich. Unter der Jacke trug sie ein ärmelloses, schwarzes Top. Das gelbe Tuch, das sie beim Motorradfahren immer um den Hals trug, legte sie nicht ab.


„Sie haben mich am Telefon neugierig gemacht", gestand sie. „Erzählen Sie mir, was ich für Sie tun kann."


Eine Kellnerin kam und Burgi bestellte einen hellen Milchkaffee. Frau Mayr orderte ein Glas Prosecco mit Pfirsichsaft; nicht ihr erstes heute, wie das leere Glas vor ihr verriet.


„Sie sind mir vom Bürgermeister empfohlen worden", begann Antje Mayr. „Es scheint, als hielte er große Stücke auf Sie."


Burgi schmunzelte und erwiderte hintergründig:


„Ich konnte ihm vor einiger Zeit aus einer Verlegenheit helfen."


„Ah, ja." Ein Lächeln verjüngte Antje Mayrs Gesicht. „Ich beginne am besten ganz von vorne: Ich stamme aus Lübeck und lebe seit inzwischen sechzehn Jahren hier in Pörtschach. Das verdanke ich meinem Mann Frank - wie so vieles."


„Ihr Mann stammt aus Pörtschach?"


„Nein, er ist ... er war Schweizer. Er ist vor einigen Jahren verstorben."


„Das tut mir leid", erwiderte Burgi. „Wie hat es Sie dann nach Pörtschach verschlagen?"


„Ich ... ich weiß gar nicht! Ich glaube, mein Mann war früher einmal hier auf Urlaub gewesen und hatte sich in den Ort verliebt. Als er aus seiner Firma ausschied, haben wir uns hier eine Villa gekauft."


„Was war Ihr Mann denn von Beruf?"


Burgis Frage kam nicht von ungefähr, sie kannte die Immobilienpreise in Pörtschach!


„Er war Bankier. In Zürich. Wir haben uns in Nigeria kennengelernt, im Urlaub. Das heißt: Ich war auf Urlaub, er hatte geschäftlich dort zu tun." Antje Mayr legte eine Pause ein, ehe sie fortfuhr: „Ich erzähle Ihnen das, weil ich glaube, dass es mit den Drohbriefen zu tun hat, die ich bekomme."


Sie griff nach ihrer Handtasche, kramte einige zerknitterte, aber sorgfältig gefaltete Zettel hervor und reichte sie Burgi.


Was Burgi zu sehen bekam, war ein Papier gewordenes Klischee: Zeitungsbuchstaben unterschiedlicher Größe waren einzeln auf Papierbögen geklebt worden und bildeten Worte.


„Wir wissen, dass Sie den Schatz des Fürsten besitzen!", stand auf einem Blatt, „Geben Sie den Schatz des Fürsten zurück!", auf einem anderen.


Burgi blätterte die Briefe durch, insgesamt fünf Stück, alle mit ähnlichem Inhalt. Die Detektivin versank in Gedanken.


„Der Schatz des Fürsten ..."


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