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> Krimi Thriller > Der Tod wird dich vermissen
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Der Tod wird dich vermissen, Mark Franley
Mark Franley

Der Tod wird dich vermissen



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Leseprobe: Der Tod wird dich vermissen


 


Kai war nicht unbedingt ihr Typ, und sie hatte nicht vor, ihm wirklich näherzukommen. Es war schlicht und einfach schön, endlich jemanden kennenzulernen, dem es so ging wie ihr selbst. Frisch getrennt bestand die Welt gleichermaßen aus alten, schmerzhaften Erinnerungen und der Hoffnung auf neue Erfahrungen. Sie redeten, tranken und beschlossen irgendwann, das Hotel gegen eine der kleinen Bars einzutauschen. Es war eine traumhaft warme Sommernacht, und der Anblick des im Mondlicht glitzernden Meeres erzeugte ein Gefühl der Freiheit. Beschwingt schlenderten sie die Uferpromenade entlang. Bald setzten sie sich in eine Strandbar und redeten über Gott und die Welt. Unschlüssig, was sie danach tun sollten, wurden sie wenig später von rhythmischer Musik in eine kleine Disco gelockt. Nach ein paar weiteren Drinks schaffte es Sabrina, endlich einmal wieder aus sich herauszugehen. Kai übertrieb nichts, und doch schmolz die anfängliche Distanz zwischen ihnen unmerklich dahin. Aus flüchtigen Berührungen wurde ein Flirt, und aus dem Flirt erwachte eine neue Lebenslust. Wie in Trance folgten sie den Klängen der Musik, die den emotionalen Stau der letzten Wochen in Luft auflöste. Vom Alkohol beschwingt half Sabrina ihrer Urlaubsbekanntschaft dabei, die schüchterne Zurückhaltung aufzugeben. Ein kleiner Tanzschritt nach hinten genügte, um seinen Körper an ihrem Rücken zu spüren. Kai nahm die Aufforderung an, legte seine Hände an ihre Hüften und stellte sich auf ihren Takt ein. Die bewusste Berührung mit den Händen stellte eine neue Stufe der Intimität her. Was bis jetzt nur flüchtig erschien, wurde zu einem Gefühl der Verbundenheit und der Lust auf mehr. Sabrina spürte die Hitze seines Körpers, der sich nun dicht an sie drängte. Im Rausch der Bässe und des Lichts wurde die Umgebung unwichtig. Für einen langen Augenblick gab es nur noch diese beiden Körper mit dem unbedingten Wunsch, sich noch näher zu kommen. Der lang gezogene Schrei einer Seemöwe kündigte den Morgen an, denn nur um diese Zeit stiegen die Vögel bis zu den kargen Gipfeln unweit der Küste hinauf. Sabrina versuchte, an den süßen Erinnerungen festzuhalten, doch der Traum ging, und damit erwachte das Grauen. Ihr trockener Mund zeugte von zu viel Alkohol und der steife Rücken von einer unbequemen Schlafstätte. Sie versuchte, sich an den Ausgang des Abends zu erinnern, doch irgendetwas schien ihre Gedanken zu blockieren. Ihr Hirn arbeitete quälend langsam. Mühsam folgte eine Erinnerung der nächsten, und selbst das Erwachen schien sich Zeit zu nehmen. Im ersten Moment schob sie ihre Bewegungsunfähigkeit auf diesen Zustand der Lethargie, bis sie endlich die Augen aufschlug und plötzlich überhaupt nichts mehr verstand. Dass sie sich in einem Auto befand, war dabei noch die harmloseste Feststellung. Warum direkt über ihrem Gesicht eine kleine Kamera sowie ein durchsichtiger Plastikschlauch hingen, konnte sie sich dagegen erst erklären, als sie versuchte, ihre Hände zu bewegen. Die Handschellen gewährten ihr nur wenige Zentimeter Bewegungsspielraum und klimperten bei jeder Bewegung. Eine Hand links oben neben ihrem Kopf, die andere rechts, lag sie da, wie Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Sie versuchte, ihre Beine anzuziehen, doch im Grunde ahnte sie es bereits: Die Fesseln ließen eine leichte Drehung ihres Körpers zu, mehr aber auch nicht. Sie spürte die aufkeimende Panik, die schließlich ihr Nervensystem erreichte. Angst, Beklemmung und das Gefühl völliger Hilflosigkeit vermischten sich zu einem gefährlichen Cocktail. Ihr Puls begann zu rasen, und gleichzeitig verweigerten ihre Lungen, das Blut mit genügend Sauerstoff anzureichern. Schwindel und Weinkrämpfe brachten sie an den Rand einer erneuten Ohnmacht. Ihre Arme und Beine rissen und zerrten an den Fesseln, doch die Gepäcksicherungsösen des Autos hielten diesen Kräften mühelos stand. Der Anfall endete mit einem kraftlosen Schrei und dem kurzen Aussetzen ihres Verstandes. Sekunden vergingen, reihten sich zu Minuten, in denen sie versuchte, eine Erklärung zu finden. Was war geschehen, was war heute Nacht nur passiert, sie wusste es einfach nicht. »Alles gut … Ich lebe, also ist alles gut«, flüsterte sie irgendwann leise in die Stille ihres Gefängnisses. Nach der dritten Wiederholung dieses Satzes öffnete sie erneut die Augen und versuchte, ihre Situation analytisch anzugehen. Sie war nicht irgendwer, sie war Polizistin und hatte gelernt, mit Stress umzugehen. Das redete sie sich so lange ein, bis es tatsächlich wirkte. Sabrina atmete so ruhig wie möglich und erfasste zunächst das, was sie aus dieser Position erkennen konnte. Sie blickte auf das Dach eines Autos, der Größe nach vermutlich eine Art Minibus oder Transporter, denn für einen Kombi war das Dach zu hoch. Die Deckenverkleidung war schmutzig und wies einige Kratzspuren auf. Direkt über ihrem Kopf hing ein durchsichtiger Schlauch von der Decke, den sie eventuell mit dem Mund erreichen konnte. Dreißig Zentimeter weiter zum Heck hin, in Höhe ihrer nackten Brust, klebte ein Kameraauge, dessen Linse auf ihren Kopf gerichtet war. Die Innenraumbeleuchtung war ausgeschaltet und das Fenster auf der linken Seite einen kleinen Spalt weit geöffnet. Das Licht, das von außen hereinschien, wurde immer heller und war natürlichen Ursprungs, folglich stand der Wagen im Freien. Nun drehte sie den Kopf in Richtung des offenen Fensters und glaubte, einen kühlen Luftstrom wahrzunehmen, der ein wenig nach Lavendel roch. Die Welt hinter der Scheibe war wenig aufschlussreich. Da waren die obersten Zweige eines dieser dürren Bäume, wie es sie hier in Südspanien überall gab. Dahinter das milchige Blau des Himmels, das den Beginn eines neuen Tages ankündigte. Das Geräusch kam so unvermittelt, dass Sabrina einen leisen Schrei ausstieß. Steif vor Angst lag sie einfach nur da, hielt den Atem an und lauschte. Klack, klack, es schien direkt über ihr zu sein. Nach einem kurzen Augenblick der Stille, dieser absoluten Stille, ertönte es wieder, dieses leise Klack-klack-klack. »Wer ist da?«, fragte sie leise und mit kehliger Stimme. Keine Antwort. »Hallo?«, fragte sie in Richtung des offenen Fensters und fügte hinzu: »Bitte, ich brauche Ihre Hilfe.« Nichts geschah. Das plötzliche Kreischen ging ihr durch Mark und Bein. In einem neuen Anfall von Panik schnitten sich die Handschellen noch tiefer in ihre Haut. Verzweifelt brüllte sie: »Nein, nein, nein … Hören Sie auf damit!« Dann sah sie den Grund für die Geräusche und brach in Tränen aus. Die Seemöwe stieß sich ab, breitete ihre großen weißen Schwingen aus und erhob sich anmutig und frei in die Luft. Dort drehte sie noch eine Runde über dem Baum und verschwand schließlich aus ihrem Blickfeld. Sabrina blieb alleine zurück, und das Gefühl absoluter Einsamkeit durchströmte sie wie eiskaltes Wasser. -Ende der Leseprobe-


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