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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Der Schinder, Nadine d′Arachart und Sarah Wedler
Nadine d′Arachart und Sarah Wedler

Der Schinder


Thriller

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Die Erinnerung ist das einzige Paradies,


woraus wir nicht vertrieben werden können.


-Jean Paul-


 


Prolog


Ich lehnte an einem der Tische und schaute ihm zu. Ich hatte es nicht eilig, also bemühte ich mich, jede einzelne Sekunde abzuspeichern, um sie im Gedächtnis behalten zu können. Seine bloßen Arme waren weit über den Kopf gestreckt, er atmete schnaufend und dünne Rinnsale aus Schweiß perlten über die weiche Haut unterhalb seiner Achseln. Wo würde ich beginnen? Ich war mir nicht sicher. Es gab viele verschiedene Möglichkeiten und ich wollte die beste unter ihnen wählen.


Während er – ich kenne seinen Namen nicht, also nenne ich ihn ab hier den Namenlosen – mit den nackten Füßen nach dem Boden hangelte, stieß ich mich von meinem Tisch ab und kam näher. Es war fast lustig, was er da für ein seltsames Ballett aufführte. Ich ließ den Blick über seinen angespannten Oberkörper wandern, das spärliche Brusthaar, den vor Anstrengung geröteten Hals. Dort wirkte die Haut dick und rau vom vielen Rasieren. An dieser Stelle würde es einfach sein, genau wie in den unteren Gesichtspartien. Um die Augen herum jedoch … Ich fragte mich, was mit den Lidern passieren würde. Mit den Brauen.


»Was starren Sie mich so an?«, fragte der Namenlose. Seine Stimme klang zu hoch für einen ausgewachsenen Kerl.


»Ich starre nicht«, erwiderte ich. »Ich plane.« Dann näherte ich mich ihm, roch den säuerlichen Angstgestank, den er absonderte, und streckte die freie Hand aus. Ich kniff in die Haut oberhalb seines Brustbeins. Elastisch. Fest. Nicht zu dünn. So konnte es funktionieren.


»Lassen Sie mich los!«, schrie der Namenlose und zappelte, aber es brachte ihm nichts. Er hing gut zehn Zentimeter über dem Boden und die Handschellen, mit denen seine Hände gefesselt waren, wanden sich um ein Rohr an der Decke, das einen äußerst stabilen Eindruck machte. Eine alte Wasserleitung, die früher dafür gesorgt hatte, dass sich die Sektionstische nach der Arbeit einfach mit dem Schlauch abspritzen ließen. Zuletzt aber schien hier niemand richtig sauber gemacht zu haben. Ich bildete mir ein, den alten Leichengeruch noch wahrzunehmen, und irgendwie gefiel mir das. So wie mir der ganze Ort gefiel. In Bruchbuden wie dieser habe ich mich immer zu Hause gefühlt. Und sie haben den Vorteil, dass man einigermaßen ungestört ist.


Ich zog die Hand zurück und sah den noch immer zappelnden Mann an. »Ich habe dir doch noch gar nichts getan, du solltest mit deinen Kräften haushalten. Denn glaub mir, ich habe dich nicht hergebracht, um dich zu kneifen.«


»Was haben Sie dann mit mir vor? Was kann ich tun, damit Sie mich laufen lassen? Bitte, sagen Sie doch etwas!«


Auf einmal kam mir der nackte, strampelnde Mann vor wie ein hübsch verpacktes Geschenk, das das Schicksal mir überreicht hatte, und ich konnte mich endlich entspannen.


»Du kannst gar nichts tun«, sagte ich. »Halt einfach still, dann wird es für uns beide leichter.«


»Bitte … bitte töten Sie mich nicht«, stammelte der Namenlose.


»Oh, keine Sorge, das mache ich nicht. Sobald dein Körper die Schmerzen nicht mehr aushält, wirst du ganz von allein sterben.«


Damit setzte ich das Messer an seiner Brust an.


 


Kapitel 1


 


Betreff..................................................................Absender


 


Einladung zur Antrittsvorlesung....................Prof. Julius Marquardt


Nachfrage bzgl. span. Inquisition................ Anne Petzold


Wasserfolter im 14. Jhdt.?..............................Eugen Ducomy


 


Die lange Liste verschwamm vor Maxims Gesicht. Er hatte Mühe, sich überhaupt erst auf die Namen der Absender zu konzentrieren. Wer waren diese Leute und was wollten sie von ihm? Er scrollte herunter, aber das war gar nicht nötig, um ihm das Ausmaß seiner Versäumnisse deutlich zu machen. 2059 ungelesene E-Mails stand in dicken Lettern auf dem Monitor. Zu viele, um überhaupt erst anzufangen. Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und es blieb nichts als Leere, schwarz und bedeutungslos, wie die Mattscheibe eines kaputten Fernsehers. Genau da lag Maxims Problem: In der Leere, die immer dann Überhand nahm, wenn er sich nicht auf etwas Sinnvolles zu fokussieren versuchte.


Er suchte wie so oft in den vergangenen zwei Jahren nach irgendetwas, das in seinem Kopf auf die Dinge reagierte, wegen denen er angeschrieben wurde. Inquisition. Mittelalterliche Hinrichtungen. Doch nichts geschah.


Maxim zwang sich aufzustehen, ehe ihn das Meeresrauschen, das durchs gekippte Fenster in sein Arbeitszimmer drang, einlullen konnte. Nur zu gern ließ er sich davon ablenken. Er trat an die Scheibe und zwang sich, seine halbtransparente Spiegelung im Glas zu ignorieren. Dann blickte er nach draußen. Direkt vor seinem Haus, hinter der Hecke, die es umgab, erhoben sich dicht bewachsene Dünen, die in den Strand übergingen. Die See war heute aufgewühlt, die Wellen brandeten gewaltiger an Land als sonst. Doch alles in allem veränderte sich die Brandung kaum, und genauso wenig tat es der Ausblick, die ungetrübte Sicht auf den weiten Ozean. Es spielte keine Rolle, ob er das Meer vor einer Woche oder vor dreißig Jahren zum ersten Mal gesehen hatte. Er konnte es heute vergessen und es würde morgen immer noch dasselbe sein. Vielleicht war das der Grund, aus dem er hierher gezogen war.


Widerwillig riss er sich von dem Anblick los und wandte sich wieder dem Schreibtisch zu, der auf dem hellen Parkett des großen Arbeitszimmers viel zu wuchtig wirkte. Er fuhr den Laptop herunter und nahm sich vor, sich morgen ganz in Ruhe seinem Postfach zu widmen. Kaum hatte er den Gedanken beendet, schellte unten im Haus das Telefon. Nach einem Moment reagierte der Hörer, den er von der Station mit hierher genommen hatte, und schrillte ebenfalls.


Flüchtig verzog er das Gesicht. Um zu wissen, wer dran war, musste er noch nicht einmal einen Blick aufs Display werfen. Julia. Ihr täglicher Kontrollanruf. Er griff nach dem Hörer und unterbrach die Verbindung. Sie würde nicht sauer darüber sein, schließlich hatte sie ihm diese Option selbst angeboten: Auch wenn du mich wegdrückst, bekomme ich wenigstens ein Lebenszeichen und weiß, dass es dir gut geht.


Sie war immer so besorgt. Oder so bemüht darum, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Er wusste es nicht. Rund neun Jahre war er mit ihr verheiratet gewesen und hatte nicht die geringste Ahnung, was für ein Mensch sie war.


Das Klingeln unten verstummte mit einer Sekunde Verzögerung, dann wurde es wieder ruhig im Haus. Nur der Wind, der vom Ozean hereinströmte, pfiff durch die Räume und ließ ab und zu eines der großen Fenster in den Angeln beben. Maxim lauschte genau auf jedes dieser Geräusche – man wusste nie, was oder wen der Wind mit sich brachte. Wer vielleicht gerade ins Haus zu gelangen versuchte. Bei dem Gedanken fing sein Herz unwillkürlich an zu rasen. Er versuchte es zu ignorieren. Doch als sich die Böen nach und nach zu einem Sommersturm auswuchsen, nahm seine Nervosität Überhand und er beschloss, die Sicherheitsvorkehrungen am Haus zu überprüfen. Während er das Zimmer verließ, warf er einen schuldbewussten Blick aufs Bücherregal. Es hatte Zeiten gegeben, in denen er produktiver gewesen war.


In Zusammenarbeit mit Dr. Maxim Winterberg, brüllte ihm ein Sticker von einem der Titel entgegen. Anerkannter Experte für mittelalterliche Folter. Ein weiterer schrie: Mehrfach ausgezeichneter Buchautor und enger Mitarbeiter der Polizei.


Experte. Bestsellerautor. Polizeiberater. All das mochte er einmal gewesen sein, doch er erinnerte sich nicht an diese Zeit. Seine früheste Erinnerung führte zu einer Nacht vor zwei Jahren, in der er halbtot und blutverschmiert im Krankenhaus erwacht war, mit einer fremden Frau an seiner Seite – die sich später als seine Frau herausgestellt hatte. Alles, was vor jener Julinacht geschehen war, war fort. Für immer, wie er befürchtete.


Kapitel 2


Daria Storm wandte sich einmal um die eigene Achse. Vernagelte Fenster und Türen, wohin sie auch schaute. Das frühere Speisehaus der Nationen war mehrere Stockwerke hoch und jeder Zugang war mit morschem Holz oder alten Spanplatten versperrt worden. Hier und da bröckelte der Putz von den Wänden, an einigen Stellen hatte sich Moos ausgebreitet.


Noch einmal drehte Daria sich langsam im Kreis. Sie war umringt von Gebäudemauern, die vergeblich versuchten, dem Verfall zu trotzen. Der Anblick hatte etwas Beklemmendes und zugleich Faszinierendes an sich.


»Hier geht’s lang.« Martins Stimme hallte mehrfach gebrochen von den Wänden wider. Er stand am einzigen Durchgang, der vom Innenhof in den Rest des ehemaligen Olympischen Dorfes führte, und wedelte ungeduldig mit der Hand. »Die Trottel haben uns zum falschen Platz geschickt.«


Daria unterdrückte ein Stöhnen und riss sich von der morbiden Schönheit des alten Gebäudes los. Mit raschen Schritten kam sie auf ihren Partner zu.


»Wir müssen außen herum.« Martins Hand beschrieb einen großen Halbkreis in der Luft. »Untere Dorfaue. Wo auch immer das ist.« Mit diesen Worten verschwand er durch das Portal.


Schweigend passierten sie die früheren Sportlerunterkünfte, deren Fenster größtenteils zugemauert und deren Dächer löchrig waren. Sie standen so verloren auf dem ungepflegten Rasen, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass einst Menschen darin gewohnt hatten. Nach einigen Metern blieb Martin stehen und deutete durch die angrenzende Baumgruppe hindurch. »Da liegt die obere Aue. Wenn ich mich nicht täusche, müssen wir weiter runter.«


Daria blickte hinab auf ihre Schuhe, dann auf die matschige Wiese, die zu allem Unglück auch noch abschüssig war. Ihre wäre es lieber gewesen, wenn sie auf den befestigten Wegen geblieben wären, doch erstens hatten sie schon genug Zeit vertrödelt und zweitens konnte sie auf einen hämischen Kommentar bezüglich ihres falsch gewählten Schuhwerks verzichten. Also nickte sie nur und versuchte, den Rasen auf Zehenspitzen zu überqueren.


Hinter sich hörte sie Martin leise lachen, dann hakte er sie unvermittelt unter. »Ganz schön rutschig.«


»Du hättest keine Turnschuhe anziehen sollen.« Daria konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.


»Nächstes Mal greife ich auch zu meinen High Heels.«


Sie lachten beide, dann schwiegen sie wieder und es wurde gespenstisch still. Lediglich ein Rabe krächzte hin und wieder im Geäst über ihnen. Zu sehen war der Vogel jedoch nicht, dafür waren die Bäume um diese Jahreszeit zu dicht bewachsen. Nach einigen Augenblicken wurde es um sie herum etwas lichter und sie erkannten weitere Häuserruinen zwischen all dem Grün.


»Da vorne.« Martin deutete auf eine schmale Gasse zwischen zwei Baracken.


Daria hatte Mühe, an ihrem hünenhaften Partner vorbei zu spähen, dann entdeckte sie es auch. Auf einer Lichtung hatten sich zahllose Beamte der Spurensicherung und einige Streifenpolizisten versammelt.


»Dann wollen wir doch mal sehen.« Martin ließ sie los und machte sich auf den Weg.


Daria ließ ihm ein paar Schritte Vorsprung, dann folgte sie ihm.


Der Arm war mit Stacheldraht an einem der vernagelten Bungalowfenster angebracht worden. Obwohl es nahezu windstill war, baumelte er sanft hin und her.


Daria trat näher und betrachtete den Körperteil genauer. Die Dornen des Drahtes waren teilweise durch die letzten Reste von Gewebe gedrungen, doch Blut war nirgends zu sehen. Den Nägeln mit dem abgeplatzten Lack und den schlanken Fingern nach zu urteilen, handelte es sich um eine Frauenhand. Um das Handgelenk hing ein Kettchen, das sicher einst geglänzt hatte – nun war es rostig und angelaufen. Daria ließ ihren Blick weiter wandern. Faules Fleisch wand sich um einen teils blanken Knochen, der knapp vor dem Ellbogen abgesägt worden war.


»Sieht alt aus.« Martin war neben sie getreten. »Ich habe gerade mit Frau Doktor Seidel gesprochen. Sie meint, sie kann erst Genaueres sagen, wenn sie den Arm im Labor hat, aber spontan würde sie mir zustimmen.«


»Also gibt es keinen frischen Leichnam dazu?«


»Wohl eher nicht.« Martin schüttelte den Kopf, bevor er sich abwandte. »Okay Leute, wenn wir alle Fotos im Kasten haben, könnt ihr das Ding jetzt runternehmen.«


Daria blendete das Stimmengewirr aus, das auf Martins Worte folgte, und konzentrierte sich ganz auf den Frauenarm. Er war waagerecht angebracht worden. Jemand hatte den Draht dazu um das Handgelenk gewickelt, sowie zwischen Elle und Speiche geklemmt. Es wäre leichter gewesen, den Körperteil einfach senkrecht hängen oder gleich auf dem Rasen liegen zu lassen – doch wer auch immer den Arm hier hinterlassen hatte, hatte diese Position gewählt.


»Moment bitte.« Daria hielt mit einer raschen Handbewegung einen der Beamten zurück, der drauf und dran war, Martins Anweisung Folge zu leisten. »Ich möchte mir das noch kurz ansehen.« Sie beugte sich zu dem Arm herunter und blickte zuerst nach rechts, dann nach links. Der Zeigefinger der Hand schien gestreckt zu sein, während die anderen Finger der Skeletthand leicht gekrümmt waren. »Sie zeigt uns etwas …«


»Bitte?« Der Beamte verstand offenbar kein Wort.


Daria schüttelte den Kopf und spähte in die Richtung, in die der Finger wies. Er deutete eine kleine Allee herunter, an dessen Ende sich ein Gebäude befand.


»Das ist kein Zufall«, murmelte Daria wieder, dann fügte sie lauter an: »Ich bin gleich wieder da!«


Niemand hielt sie zurück, als sie sich erhob und zu dem Gebäude eilte, von dem sie glaubte, dass es das Hindenburghaus des ehemaligen Olympischen Dorfes war. Die Zugänge und Fenster, die der U-förmige Bau an beiden Seiten aufwies, ignorierte sie – schließlich hatte die Hand geradeaus gedeutet – und steuerte die drei Türen an, die sich nun direkt vor ihr befanden. Das Holz war zerkratzt, teils waren Namen in die Oberfläche geritzt worden.


Mike was here.


Sina + Tom.


31.02.2004 – Arzu.


Daria machte sich nicht die Mühe, all die kleinen Texte zu lesen. Instinktiv drückte sie die Klinke der mittleren Tür herunter. Sie ließ sich problemlos öffnen.


Staubige Luft drang zu ihr nach draußen, tanzte im Zwielicht und ließ sie husten. Als der kurze Anfall vorbei war, tastete Daria nach der Pistole, die sie unter ihrem Sommermantel versteckt hielt und die ihr immer wieder ein Gefühl von Sicherheit verlieh. Dann trat sie ein.


Ein Spiel aus Licht und Schatten empfing sie im Foyer des Gebäudes und sie brauchte einen Moment, um sich an die Sichtverhältnisse zu gewöhnen. Zu ihrer Überraschung war die Halle gut erhalten. Die Säulen und Wände hatten wie die Außenfassade einen gelben Anstrich und auch die Decke war bis auf ein paar Stockflecken intakt. Doch all das nahm sie nur am Rande wahr. Etwas auf dem Boden erweckte ihre Aufmerksamkeit.


Sie trat näher. Tatsächlich. Sie hatte sich nicht geirrt. Dort, mitten auf dem großflächig gekachelten Grund, prangte ein blutiges X.


Mit einem lauten Knall flog die Holztür hinter Daria ins Schloss und sie fuhr erschrocken herum. Zuerst konnte sie nur Schwärze ausmachen, da, wo eben noch das Licht des wolkigen Sommertages durch die Tür gedrungen war. Doch dann erkannte sie, dass sie nach wie vor allein war. Sie lauschte, aber bis auf das Heulen des Windes, der durch die zugigen Flure pfiff, war da nichts.


Daria atmete durch, versicherte sich noch einmal, dass ihre Waffe griffbereit war, dann hockte sie sich zu dem blutigen Symbol am Boden. Es schien ganz frisch zu sein. Feucht und glänzend. Daria tastete ihren Mantel nach einem Taschentuch ab, fand jedoch nur ihren Lippenstift.


Pistole und Lippenstift. Siehst du nicht, dass sich das widerspricht?, fragte Robins höhnische Stimme in ihrem Kopf.


Frauen gehören nicht auf den Schießstand, sondern an den Herd, stimmte ihr Vater den Worten seines verhassten Fast-Schwiegersohns zu.


Daria verscheuchte beide, Vater und Exfreund, aus ihrem Kopf und angelte nach einem verdorrten Blatt, das offenbar noch vom letzten Herbst übrig war. Sie tunkte den Stiel in das Blut, hielt es sich dicht vors Gesicht und schnupperte.


Farbe! Am liebsten hätte sie aufgelacht. Doch ihre Erleichterung verflog sofort, als sie ein Knarren von der Treppe her hörte.


Mit einem Satz war sie auf den Beinen und starrte die Stufen hinauf, von denen das Geräusch gekommen war. Da war es wieder. Ein leises Knarzen, als würde jemand auf morschem Holz sein Gewicht verlagern. Doch sie konnte niemanden entdecken. Ein weiterer Windzug fegte durch das Haus und ließ die Dielen erneut ächzen. Und auch wenn Daria sich nun eigentlich sicher war, alleine im Gebäude zu sein, fühlte sie sich plötzlich beobachtet. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihr breit und sie konnte gar nicht schnell genug zurück ins Freie laufen.


Erst als sie die Holztür hinter sich zugeknallt hatte und ihre Kollegen wieder in Sichtweite waren, verlangsamte sie ihre Schritte und blickte zurück.


Die untere Etage des Gebäudes war vernagelt, auch an den oberen Fenstern nahm sie keine Bewegung wahr. Doch sie spürte ganz deutlich, dass ihre plötzliche Nervosität nicht unbegründet war. Irgendetwas Bedeutsames hatte gerade begonnen. Und nun, da sie das Kreuz auf dem Boden entdeckt hatte, gab es kein Zurück mehr.


 


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