Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Krimi Thriller > BLACK MOON PARTY
Belletristik Bücher
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Krimis & Thriller
Buch Leseprobe BLACK MOON PARTY, KLAUS SEBASTIAN
KLAUS SEBASTIAN

BLACK MOON PARTY



Bewertung:
(21)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1022
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Bod, amazon
Drucken Empfehlen

„Bitte essen Sie nicht die großen Pfefferminzbonbons!“
Der Spruch war gut. Er hing über den Pinkelbecken im Comfort Room der Margarita Station. Rusty betrachtete die dampfenden weißen Klosteine. Anscheinend traute der Inhaber der Bar seinen Besuchern alles zu. Rusty knöpfte seine Jeans zu und nahm sich vor, den Spruch demnächst auch auf dem Klo seiner eigenen Bar anzubringen.
Das Mojito war zwar kleiner als die Margarita Station, doch er hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, irgendwann in der ersten Liga mitzuspielen. In der Szene hatte es sich immerhin schon rumgesprochen, dass es bei ihm junge Mädchen und kalte Drinks zu akzeptablen Preisen gab. Anstelle der üblichen Technobeschallung ließ er eine Mischung aus Oldies und solider Rockmusik vom Band laufen.
Rusty wusch sich ausgiebig die Hände. Diesen Waschzwang hatte er erst, seit er auf den Philippinen lebte.
Danach nahm er wieder seinen Platz an dem ovalen Tresen ein. Das war sein Vormittagsritual. Frühstück in der Station. Er hatte schnell begriffen, dass es in Angeles ohne Regeln und einen festen Ablauf nicht ging. All die abgestürzten, schon am Morgen saufenden Kerle, die genauso zum Bild der Stadt gehörten wie die herumlungernden Tricyclefahrer, erinnerten ihn daran, was mit Leuten geschah, die nicht auf Regeln und Disziplin achteten.
Jon, der im selben Augenblick durch die Klapptür der Station in den Barraum gestolpert kam, zählte für Rusty noch nicht zu den hoffnungslosen Fällen. Aber er stand auf der Kippe.
Er berührte ihn an der Schulter, als er achtlos an ihm vorbeiging.
„Schon so blau, dass du alte Freunde nicht mehr kennst?“
Jon blinzelte ihn über die dunkle Sonnenbrille an.
„Oh mein Gott! He Rusty, sorry. Mit meinen Augen ist was nicht in Ordnung.“
Er nahm die Brille ab und zeigte Rusty das Desaster.
„Oh my Buddha! Das sieht aus wie Beulenpest. Wie ist das denn passiert? Schlägerei?“
„Bakterien. Frag mich nicht, wo ich mir die eingefangen habe.“

Die winzige Bedienung trug eine putzige Nikolausmütze und fragte Jon nach seinen Wünschen.
„Wie man sieht, geht es mal wieder auf Weihnachten zu. Sprite, please!“
Jon wandte sich wieder Rusty zu und deutete auf das Pflaster in seinem Gesicht.
„Du bist ja auch lädiert. Messerstecherei wegen einer Lady?“
Rusty lachte.
„Nein, ich muss dich enttäuschen. Nur beim Rasieren geschnitten.“
„Tja, Alkoholismus macht sich im Frühstadium an zittrigen Händen bemerkbar.“
„Scherzbold. Du weißt ja, dass ich mich im Griff habe. Was man nicht von jedem hier in Angeles behaupten kann. Ich hoffe, ich muss mir keine Sorgen um deine Gesundheit machen.“
„Du siehst doch, dass ich nur noch Softdrinks zu mir nehme.“
„Und - was gibt es Neues in der Szene?“
Jon deutete auf seine Sonnenbrille. „Keine Ahnung. Mir fehlt zurzeit der Durchblick.“


Er sah die Räume der Margarita Station wie durch einen Schleier. Der Laden erinnerte mehr an eine Fabrikhalle als an eine Bar. Jede Menge Stahlträger, Rohre und Beton – dekoriert mit Bierreklamen und billigem Weihnachtsschmuck. Das Mobiliar schien noch aus den 60ern zu stammen. Die grauen Polster der verdreckten Stühle waren seit jener Zeit mit unzähligen glühenden Zigaretten in Kontakt gekommen.

„Hab gehört, der Vulkan rührt sich wieder. Hast du nicht gestern Abend auch so ein Rumpeln gehört? Das wäre ein Ding, wenn der hochgeht und dieses Sodom und Gomorrha unter einer fetten Lavaschicht begraben würde.“
Jon seufzte. „Da wäre ich dann lieber woanders. Kannst du dir das Fiasko vorstellen? Ich meine, Zigtausende Filipinos in Jeepneys zu evakuieren? Das Chaos da draußen unterscheidet sich doch jetzt schon kein bisschen von einer Notstandssituation.“
„Bis dahin sollten wir unsere Zelte hier abgebrochen haben. Viel hält mich hier eh nicht mehr.“
„Aha? Was denn - die Mädels?“
Jon zog etwas von der zuckersüßen Sprite durch den Trinkhalm.
„Ob du´s glaubst oder nicht – irgendwie hat das alles an Reiz verloren. Bin vielleicht schon zu lange hier.“
„Wenn ich sehe, wie sich diese 35 Kilo leichten Hühner von unglaublich fetten Amis und Australiern abschleppen lassen, läuft mir auch die Galle über.“

(...)

Rusty seufzte, trank noch einen Schluck von dem kalt gewordenen Kaffee und verzog angewidert das Gesicht.
„Du warst übrigens schon lange nicht mehr in meiner Bar.“
„Ja. Wenn der Mist mit meinen Augen behoben ist, komme ich mal wieder rüber.“

Rusty steckte sich eine Camel an. In der hinteren Ecke der Margarita Station faltete ein Nikolausmädchen dünne Papierservietten in eine Dreiecksform.
„Viele Sachen machen sie hier so liebevoll – aber meist sind es die falschen. Wenn sie sich mit ähnlicher Hingabe dem Müll da draußen widmen würden wie dem Falten von Servietten, wäre ja schon einiges gewonnen.“

Jon hatte nicht hingehört. Er starrte auf die Lichterketten mit den winzigen Glühlämpchen, die wie vertrocknete Lianen schlapp von der Decke hingen. Der düstere Laden fing an ihn zu deprimieren. Er verabschiedete sich von Rusty und trat hinaus in die laute, von Abgasen grau gefärbte Luft.

„Boss! Viagra, Sir?“

„Nein danke.“

„Rolex? Shoeshine?“

Jon konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Kerl hatte gleich drei Jobs: Schuhputzer, Viagra-Händler und Uhrenverkäufer. Jon warf automatisch einen Blick auf seine Schuhe. Sie hatten sich farblich dem Straßenbelag von Angeles City angeglichen. Es war ein schmutziges Graubraun.

„Was kostet Shoeshine?“

„100 Pesos.“

„Zu teuer.“

Jon ging weiter.

„Ok. 60!“
Er machte kehrt und nahm auf dem Barhocker Platz, den sich der Schuhputzer von der nächstbesten Kneipe ausgeliehen hatte.

Der Mann ging in die Knie, schnappte sich eine Zahnbürste und fing an, Jons Slipper mit einer undefinierbaren Flüssigkeit einzureiben. Als er damit fertig war, erhielt der Schuh eine sanfte Massage mit Lederfett. Weil gerade kein Lappen zur Verfügung stand, trug der Schuhputzer das schmierige Zeug mit der bloßen Hand auf. Zur Unterhaltung des Kunden sang er auch noch einen alten philippinischen Schlager.
Die 60 Pesos haben sich gelohnt, dachte Jon, als er nach fünf Minuten in seine frisch polierten Schuhe schlüpfte.

An der nächsten Ecke, neben der Las-Vegas-Bar, stemmte Cock seine Betonhanteln in die Höhe. Sein Tricycle war auf Hochglanz poliert. Als er Jon erkannte, legte er die Gewichte beiseite, wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Wohin soll es gehen, Sir Jon? Oder Schuheputzen?“

„Ich hatte schon Shoeshine.“

„Ah ja, ich sehe.“
Auch Cock war Multi-Unternehmer. Sein Tricycle war ein Taxi, er putzte Passanten die Schuhe, organisierte Ausflugstouren zum Vulkan, konnte alles besorgen, was das Herz der Touristen begehrte: Mädchen, Potenzpillen, Zimmer in Stundenhotels.

„Wohin soll es gehen?“ wiederholte er.

„Das ist die Frage unseres Lebens“, antwortete Jon.
„Yes! Und wir Fahrer helfen dabei, sie zu lösen“, konterte Cock.
„Direkt in die Hölle, was?“
„Yes. Highway to hell.“

Cock lachte laut und schob mit einer automatischen Bewegung sein verschwitztes T-Shirt hoch, sodass sein muskulöser, flacher Bauch sichtbar wurde.

„Henson Clinic!“
„Okay. 100 Pesos.“
„Cock, wie lange kennen wir uns? Was soll das Theater mit dem überhöhten Fahrpreis?“
Cock grinste, wischte mit einem Lappen die Chromstange an dem kleinen Beiwagen des Motorrads sauber und fabrizierte eine übertriebene Geste, die wie die Einladung zu einer Kutschfahrt in einem Vierspänner aussah.

„Weil bald Weihnachten ist. Also gut – 60 Pesos.“
Jon klemmte seine 185 Zentimeter in die winzige Kabine und saß nun auf Auspuffrohrhöhe.
„Dass ich mich hier in deiner Schrottkarre vergiften lasse und dafür auch noch bezahle, ist sowieso ein Witz“, maulte er.
Cock ließ den Motor an, der Auspuff knallte dreimal in ohrenbetäubender Lautstärke, dann setzte sich das Dreirad in Bewegung.
„Welcome to the Philippines!“ dachte Jon.

* * *

„Was machen die Augen?“
Doktor Santos klopfte seinem ausländischen Patienten jovial auf die Schulter und bat ihn, auf dem Behandlungsstuhl Platz zu nehmen.
Er hob Jons rechtes Augenlid hoch und leuchtete den Augapfel mit einer Lampe aus.
„Immer noch schön blutig. Unsere Bakterien lieben dich, Jon. Feiern eine Party auf deiner Bindehaut.“
Jon mochte die lockere Art des Doktors. Trotzdem war ihm nicht zum Lachen zumute. Ein jüngerer Assistenzarzt notierte den Befund auf seinem Klemmbrett.
„Wir Filipinos werden mit dieser Spezies in drei Tagen fertig. Nur ihr Ausländer kommt mit dem fremdartigen Feind nicht zurecht. Hast du die Augentropfen genommen?“
Jon nickte.
„Und Finger weg vom Alkohol!“

Draußen ertönte das Sirenengeheul eines Krankenwagens.

„Bin gleich wieder da“, sagte der Arzt. „Könnte ein Notfall sein.“
Jon rappelte sich aus dem Stuhl hoch und folgte dem Doktor.
Er sah, wie zwei Sanitäter eine Bahre in den Emergency room trugen. Der Körper auf dem altmodischen Tragegestell war mit einem grauen Laken bedeckt. Unten lugten zwei kleine Füße mit rosa lackierten Nägeln heraus.
„Warte hier!“ sagte der Doktor.
Jon nahm auf einer abgeschabten Holzbank Platz. Die Frau neben ihm rückte ein wenig von ihm ab, als sie sein lädiertes Gesicht entdeckte.

An den Wänden gab es nicht viel zu sehen. Ein Plakat warnte vor Aids, ein buntes Poster zeigte einen Bilderbuchstrand auf Boracay.
Nach weniger als fünf Minuten erschien der Doktor wieder in der Tür und winkte Jon heran.
„Das Mädchen ist tot. Wahrscheinlich Opfer eines Verbrechens. Hast du gute Nerven, um dir das anzusehen? Vielleicht kennst du sie zufällig.“


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



Sponsoren

erotische geschichten

© 2008 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!
suchbuch.de wird unterstützt von loadplanet.de


ExecutionTime: 0 secs