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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Ausgekegelt!, Roland Zingerle
Roland Zingerle

Ausgekegelt!


Klagenfurter Kneipen-Krimi

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Verlag Johannes Heyn GesmbH & Co KG, Friedensgasse 23, 9020 Klagenfurt,%
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„Nicht schon wieder! Nicht schon wieder!"


Ludwig Melischnig hörte die Worte, war sich aber nicht sicher, ob sie ihm galten. Der junge Bierführer-Assistent hatte gerade das Wirtshaus „Zum Goldenen Kegel" betreten und dies waren die ersten Worte, die er hier hörte:


„Nicht schon wieder! Nicht schon wieder!"


Melischnig befand sich auf der Suche nach seinem Chef, dem Bierführer Peppi Ramsbacher, der heute Morgen nicht zur Arbeit erschienen war. Mit dem, was er stattdessen vorfand, hatte er nun wirklich nicht gerechnet: Der sonst so rüpelhafte Freddy Münzer, seines Zeichens Wirt und Inhaber des „Goldenen Kegels" samt dazugehöriger Kegelbahn, saß zu einem Häufchen Elend zusammengekrümmt auf einem Barhocker und murmelte unzusammenhängende Wörter vor sich hin. Zwischendurch wiederholte er immer wieder sein zweifaches „Nicht schon wieder!"


Ludwig Melischnig, der sich aufgrund seiner Körpergröße von mehr als 1,90 Meter zu Freddy Münzer hinunterbeugen musste, fragte diesen:


„Was ist denn passiert?"


Freddy zuckte nur mit den Achseln, deutete mit der Hand in Richtung Hinterausgang und presste ein „Tot!" zwischen seinen Lippen hervor.


Ehe er wusste was er tat, bewegte sich Melischnig schon in die gezeigte Richtung. Seine Muskeln verkrampften sich, als er die Tür zum Hinterhof öffnete und sich Schritt für Schritt den Mülltonnen näherte. Sein Atem wurde schwer und er spürte ein Brennen in der Brust. Sein Gefühl sagte ihm, dass ihn etwas Schlimmes erwarten würde!


Und dieses Gefühl täuschte Ludwig Melischnig nicht. Als er sah, was Freddy Münzer in diesen Schockzustand versetzt hatte, begann er zu zittern: Zwischen den Mülltonnen lag der leblose Körper seines Chefs Peppi Ramsbacher. Der Körper des stämmigen Mannes war über und über voll Blut. An seinem Hemd konnte Melischnig eine Reihe von Einstichen sehen, sechs oder mehr.


Melischnigs Magen verkrampfte sich. Sein Blick wanderte zum Gesicht des Toten. Erschrocken wich der junge Mann zurück, denn was er hier sah, ließ sein Blut in den Adern gefrieren! Peppis Unterkiefer war ausgerenkt und zwar aufgrund eines Kegels, der ihm mit offensichtlicher Brutalität in den Rachen gedrückt worden war.


Das war für den sensiblen Melischnig eindeutig zu viel. Er torkelte benommen zur Seite, stolperte über die Beine des toten Bierführers und stürzte plump zu Boden, nicht ohne sich zuvor den Kopf kräftig an der Mülltonne angeschlagen zu haben. Mühevoll rappelte er sich wieder auf und schleppte sich zurück in die Wirtsstube.


 


Einige Minuten später traf Gruppeninspektor Leopold Ogris mit einer Tatortgruppe im Wirtshaus Zum Goldenen Kegel ein. Während seine Leute den Fundort der Leiche sicherten, befragte der Gruppeninspektor den Wirt Freddy Münzer:


„Schon wieder ein Gewaltverbrechen bei Ihnen? Das ist aber kein Zufall, oder?"


Münzer reagierte nicht auf den Kriminalpolizisten. Sein Blick war gleich geistesabwesend wie sein Murmeln und Stottern.


Ogris seufzte und wandte sich an Melischnig, der krampfhaft versuchte, die schmerzende Stelle an seinem Kopf zu ignorieren:


„Was tun Sie hier?"


Melischnig begann zu erzählen, wobei er sich immer wieder die wunde Stelle am Kopf rieb:


„Ich wollt' eigentlich nur den Peppi ... also den Herrn Peppi Ramsbacher - das ist mein Chef, der ist nämlich Bierführer - suchen, weil wir zwei am Freitag nach der Arbeit da beim Freddy waren und da haben wir ein bisserle gefeiert und dann sind die ‚lustigen Bierbuam' gekommen, weil die kegeln wollten. Die sind nämlich eine Kegelmannschaft, wo nur Bierführer dabei sein dürfen und weil ich ja nur Assistent bin, bin ich da nicht dabei und da bin ich dann einfach gegangen und deshalb ..."


„Stop!", unterbrach Gruppeninspektor Leopold Ogris. Er konnte ja verstehen, dass auch in einem so wuchtigen Kerl eine zarte Seele wohnte, doch ging es hier um Mord und diesen konnte er nur aufklären, wenn er Fakten bekam!


„Noch einmal von vorne und schön langsam", versuchte er, dieses Riesenbaby zu beruhigen.


Melischnig nickte benommen. Die Wunde an seinem Kopf schmerzte immer mehr und er sah kleine schwarze Pünktchen vor seinen Augen. Er begann erneut zu sprechen, diesmal jedoch betont langsam, wie der Polizist es befohlen hatte:


„Heute Morgen ist der Peppi nicht zur Arbeit gekommen und das ist überhaupt nicht dem Peppi seine Art, weil der Peppi kommt immer zur Arbeit, weil der ist nämlich fleißig und ..."


Während Melischnigs Redefluss hatte ein gedrungener, etwas dicklicher Mann mit Halbglatze den Raum betreten und verfolgte nun aufmerksam das Verhör.


„Wer zum Teufel sind Sie?", fragte Gruppeninspektor Ogris, als er auf ihn aufmerksam wurde.


„Ich bin Vertreter eines Großhändlers für Lebensmittel", antwortete der Mann. „Ich habe geschäftlich mit Herrn Münzer zu tun, mein Name ist ..."


„Ja, ja, schon gut", schnitt ihm der Kriminalist das Wort ab und wandte sich wieder Ludwig Melischnig zu, welcher weitersprach:


„Na ja, jedenfalls hab ich den Peppi auch telefonisch nicht erreichen können und die ‚Bierbuam', die ja auch schon bei der Arbeit waren, haben erzählt, dass das am Freitag noch ein ziemliches Besäufnis war und dass alles ein bisserle aus dem Ruder gelaufen ist. Ich hab den Depotleiter gefragt, ob er mir erlaubt, dass ich den Peppi suchen geh' und der Depotleiter hat gesagt ja, aber nicht zu lang, weil wir müssen dann Bier noch ausliefern."


Gruppeninspektor Leopold Ogris bemerkte erst jetzt die dicke Beule an Melischnigs Kopf.


„Wenn Sie fertig erzählt haben, wird Sie der Notarzt untersuchen", versprach der Polizist und seine Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren erstaunlich sanft. „Haben Sie den Herrn Münzer schon in diesem Zustand vorgefunden?" Ogris deutet auf den noch immer vor sich hinstarrenden und -brabbelnden Wirt. Melischnig nickte. Der Gruppeninspektor fragte weiter:


„Und dann sind sie zur Hintertür hinaus und haben die Leiche gesehen?"


Melischnig nickte erneut und die Erinnerung daran ließ ein Grauen durch seinen Blick flackern.


In diesem Moment kam der Notarzt zur Hintertür herein. Er zog sich die Plastikhandschuhe von den Fingern und deutete Gruppeninspektor Ogris, er müsse mit ihm sprechen. Ogris entfernte sich ein paar Schritte von Melischnig und der Notarzt raunte ihm seinen ersten Befund zu:


„Unzweifelhaft Mord", meinte er, „und eines sage ich Ihnen: Wer den Mann umgebracht hat, der hatte eine ziemliche Wut im Bauch! Ich habe selten eine so entstellte Leiche gesehen."


In kurzen Worten schilderte der Mediziner einige weitere Beobachtungen, dann schickte er sich an zu gehen. Der Gruppeninspektor bat ihn, Ludwig Melischnig zu untersuchen. Der Notarzt sah sich die Beule an und stellte Melischnig ein paar Fragen nach seinem Befinden.


„Könnte eine Gehirnerschütterung sein", meinte der Arzt abschließen. „Am besten wird sein, ich bringe Sie bei der Rückfahrt im Krankenhaus vorbei, dort soll man Sie gründlich untersuchen."


Der Notarzt verließ mit Melischnig im Schlepptau das Wirtshaus. Melischnig stieg in das Auto des Notarztes und war froh, endlich den Ort dieses grausamen Geschehens verlassen zu können.


 


„Wollen Sie den Großen wirklich einfach so gehen lassen?", meldete sich nun der gedrungene Mann mit Halbglatze aus dem Hintergrund. „Mit dem stimmt doch etwas nicht."


Gruppeninspektor Leopold Ogris musterte den Lebensmittelvertreter erstaunt und fragte:


„Bitte was?"


„Pogatschnig, Hubert Pogatschnig", stellte sich der Mann eifrig vor und trat schnellen Schrittes auf den Polizisten zu. „Ich wollte Herrn Münzer geschäftlich sprechen." Der Gruppeninspektor ignorierte die Hand mit den Wurstfingern, die Hubert Pogatschnig zum Gruße ausgestreckt hatte. „Aber wie mir scheint", sprach dieser weiter, „wird heute nichts daraus werden."


„Tun Sie nur Ihre Arbeit", entgegnete Ogris kalt, „ich tue meine." Damit wandte er sich ab.


Pogatschnig schnaubte verärgert.


„Na gut", meinte er, „wenn Sie das Offensichtliche nicht sehen wollen, dann nehme ich die Sache selbst in die Hand."


Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ das Wirtshaus in der Absicht, dem Notarztwagen - und damit diesem Melischnig - ins Krankenhaus zu folgen.


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