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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Apokalyptiker, Michael Reich
Michael Reich

Apokalyptiker



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Er ging zum Bücherregal und zog zielsicher einen Band aus einer langen Reihe. Sanft glitt seine Hand über den Einband aus weichem Leder. Baudelaire, 'Die Blumen des Bösen'.


Wie ein dunkler Schatten kam die Erinnerung. Er hörte eine sanfte Stimme, die Verse las aus diesem Buch. Er blätterte, bis er die Seite fand, die er gesucht hatte, ging zum Schreibtisch, nahm ein Blatt Papier und einen Füllfederhalter und schrieb sie auf.


Er würde einen Weg beschreiten, von dem es kein Zurück mehr gab. Er gedachte der Jahre in der er zur Einsamkeit verdammt gewesen war, und fand sich in seiner Entscheidung bestärkt. Für ungesühntes Unrecht gibt es kein Vefallsdatum. Er hatte schon zu lange gewartet. Seine Hand zitterte, als er zum Telefonhörer griff.


 


Sein Herz raste, er bekam keine Luft mehr. Er schwankte, ging einige Schritte rückwärts, bis er die Wand in seinem Rücken spürte. Es dauerte einige Augenblicke, bis sein Blick wieder klar war. Fahles Mondlicht drang durch das Fenster ins Zimmer und malte ein helles Rechteck auf den Boden, Staubflocken vollführten einen irrsinnigen Tanz.


So viel Blut! Aus der Wunde am Hals sickerte es auf den Boden. Ein Leben entrann, schnell bildete sich eine Lache.


Hugo Winters' Augen waren weit geöffnet und starrten zur Decke. Der Mörder faßte in seine Manteltasche und holte einen gefalteten Zettel hervor, bückte sich und nam die Hand des Toten. Sorgfältig legte er den Zettel hinein und schloss die noch warmen Finger darum. Als er das Zimmer verließ, so leise, wie er gekommen war, hörten ihn die Seelen des Hauses leise flüstern:


 


O namenloser Schmerz! Die Zeit frisst unser Leben


Indes der finstre Feind, der uns das Herz zerfleischt,


Wächst und gewaltig wird vom Blut, das wir


Vergeben.


 


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