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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe 10 Krimis, Roland Zingerle
Roland Zingerle

10 Krimis



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Der Rauch hing an diesem Nachmittag wieder besonders tief in Chico Mickey's-Bar. Halblaute Hardrock-Musik aus den 1970er und -80er Jahren erfüllte die Szenerie, so wie immer. Freddy sah vom Billardtisch auf, als die Helligkeit des Tages in die diffuse Dämmerung der Bar einschnitt. Als er den zotteligen, ehemals semmel- jetzt schmutzigweißen Golden Retriever sah, der mit halb geschlossenen Augen langsam in die Bar getrottet kam, hellten sich seine Gesichtszüge auf.


Es schien ewig zu dauern, bis der Hund endlich den Türstock passiert hatte. Erst dann kam sein Herrchen herein, das ihm die Tür aufgehalten hatte: Hans Freytag. Was nun geschah, war ein Schauspiel, das Chico Mickey's-Bar fast täglich zu sehen bekam. Während Hans Halstuch und Nierengurt abnahm, beide in seinen Helm stopfte und diesen mitsamt seiner Motorradjacke an die Garderobe hängte, hob der Hund seine Nase in die knapp über ihm schwebenden Rauchschwaden und sog diese genüsslich ein. Als Hans sich dem Gastraum zuwandte, hatte sein Hund zumindest so viel Nikotin intus, dass er seine Augen etwas weiter öffnen konnte und sich in einer Art umsah, die man als „unternehmungslustig" bezeichnet hätte, wäre dieses Wort in Zusammenhang mit diesem Hund nicht ein Widerspruch in sich gewesen.


Auf die übliche Frage von Hans:


„Du kommst zurecht, Jauler?", antwortete der Hund mit einem kurzen Laut, der ebenso ein Bellen wie das Wort „ja" hätte sein können. Dann trennten sich die Wege der beiden.


Hans ging zu Freddy, der sich wie üblich bemühte, seine Freude über Hans' Ankunft zu verbergen und Jauler, der Hund, trottete auf das untere Ende des Tresens zu, wo Mickey hinter der Theke lehnte, der Inhaber der Bar. Geraume Zeit später - Hans und Freddy hatten längst schon mit ihrer ersten Runde Pool begonnen - kam Jauler endlich bei Mickey an, denn er bewegte sich mit der Geschwindigkeit einer Kreatur, die schon alles und jeden auf diesem Planeten gesehen hatte und deshalb nichts und niemandem mehr nachlaufen musste. Mickey war wie üblich in sein Pornoheft vertieft und tat so, als bekäme er nichts um sich herum mit.


Mit einem kurzen Laut, der wie eine Mischung von Bellen und „Hi" klang, machte der Hund auf sich aufmerksam.


„Hi, Jauler", erwiderte Mickey und zeigte dem Hund das Bild einer nackten jungen Frau, das er soeben in seiner Zeitschrift aufgeschlagen hatte. Das Bild war verblasst und die Frisur des Mädchens stammte augenscheinlich aus den 1980er Jahren.


„Wie gefällt dir die Miss Oktober 1985?", fragte Mickey.


Jauler quittierte die Frage mit einer Lautfolge, die gleichermaßen asthmatisches Husten oder keuchendes Lachen hätte sein können.


„Hast recht, ich bin ein alter Sack", lenkte Mickey ein. Dann wandte er sich ab, um Jauler den gewohnten Begrüßungshappen zu geben. Dazu trottete der Hund in seiner ganz persönlichen Langsamkeit um die Theke herum, während Mickey eine Handvoll Hundekuchen aus einer Schachtel auf eine Untertasse leerte und diese Jauler hinstellte. Daneben stellte er einen mit Wasser gefüllten Napf, auf dem groß die Worte „Jack Daniels" prangten.


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