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Kinderbücher
Buch Leseprobe Wer glaubt denn noch an Märchen?, Ines Benkenstein
Ines Benkenstein

Wer glaubt denn noch an Märchen?



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Max saß grübelnd über seiner Mathematikhausaufgabe. So richtig hatte er keine Lust dazu und zeichnete lieber Comicfiguren auf seine Schreibtischunterlage.


Ganz vertieft malte er vor sich hin, als es plötzlich laut hinter ihm zischte. Erschrocken sprang er blitzschnell auf und schaute sich um. Sein Herz hämmerte wild gegen seine Brust und seine Beine waren ganz weich vor lauter Schreck. So schnell war er noch nie von einem Stuhl hochgesprungen.


Was war das denn gewesen? 


Max hatte das Gefühl direkt neben einer laut zischenden Dampflok zu stehen.


Irritiert suchte er den ganzen Raum ab, konnte aber nichts Außergewöhnliches feststellen. 


Seltsam! Irgendetwas musste doch diesen lauten Krach verursacht haben! 


Max schaute sich weiter um, aber da war nichts. Alles sah ganz normal in seinem Zimmer aus, so wie immer.


Hatte er sich das etwa nur eingebildet? Vielleicht nur geträumt? Merkwürdig! 


So langsam beruhigte sich sein Puls wieder, nur die Beine waren noch etwas wacklig. Er atmete tief durch und wollte sich gerade hinsetzen, als der Spuk von vorn begann. Abermals zischte es so laut, dass sich Max die Ohren zuhalten musste. Zusätzlich verteilte sich dieses Mal eine riesige, schwarze Rauchwolke im ganzen Raum. 


Max bekam keine Luft mehr und rannte hustend zum Fenster um es zu öffnen. Luftschnappend hielt er seinen Kopf hinaus. Es dauerte mehrere Minuten, bis der Qualm sich langsam verzog und er wieder tief durchatmen konnte. 


Doch es kam noch schlimmer. Als Max sich umdrehte, loderten plötzlich kleine Flammen direkt auf seinem Teppich. Was sollte das denn? Wo kam nur dieses Feuer her? 


Schnell sprang Max zum Teppich und fuchtelte wild mit den Armen umher. Aber es nützte nichts, immer neue kleine Flämmchen erschienen. Schließlich zog er seine Trainingsjacke aus und versuchte sie damit zu ersticken. Und tatsächlich, langsam, nach und nach, erloschen die Flammen. 


Geschockt ließ sich Max auf die Knie sinken und starrte auf den verkohlten Teppich, in dessen Mitte jetzt ein großes, schwarzes Loch prangerte. Verzweifelt griff er sich an die Stirn. Wie sollte er das nur seiner Mutter beibringen? Die würde sicher toben, wenn sie den Brandfleck sah. Bevor er sich jedoch weitere Gedanken darüber machen konnte, blitzte, krachte und knallte es erneut. Abermals zog eine riesen Rauchwolke durch Max´ Zimmer. Dieses Mal hätte er fast die Feuerwehr gerufen, wenn nicht jemand hustend und prustend aus dieser schwarzen Wolke herausgesprungen wäre.


Was für ein Auftritt! Kein Zauberkünstler hätte so eine Darbietung besser inszenieren können. Max war ungewollt beeindruckt. 


Er wusste zwar noch nicht, wer oder was da auf ihn zukam, war sich aber sicher, dass es nichts Gutes bedeutete. 


Wie gebannt starrte er auf die Person, die da vor ihm stand. Als sich der Rauch schließlich so langsam verzog, sah er, mit wem er es zu tun hatte.


Heiliges Kanonenrohr! Max konnte es kaum glauben. Vor ihm stand doch tatsächlich eine alte Bekannte. Dieser wildgewordene Handfeger war für ihn unvergesslich geblieben. 


Es war die Waldfee aus der Märchenwelt. 


Vor einem Jahr hatte ihm eine unbekannte Frau auf dem Weihnachtsmarkt eine Kugel geschenkt. Durch dieses Ding war er direkt in eine fremde Welt voller Märchenfiguren und verrückter Wesen geraten. Er hatte es mit einem bösen Zauberer aufnehmen müssen, aber auch wirklich viele, nette Leute dort kennen gelernt. 


Eine davon war diese kleine Waldfee gewesen, die nun gerade vor ihm stand. In letzter Zeit hatte er oft an sie denken müssen. Und nun ... stand sie in voller Pracht vor ihm - noch genauso wild und schrill, wie er sie in Erinnerung hatte. Jeder Zentimeter an ihr schien einen eigenen, ganz speziellen Farbton zu haben. 


Von Kopf bis Fuß war sie mit allen nur erdenklichen Farben übersät. Es war immer noch derselbe Farbtopf, sogar die Haare standen nach wie vor genauso unsortiert und leuchtend in sämtliche Himmelsrichtungen vom Kopf ab. Allerdings verlor Max dieses Mal nicht vor lauter Schreck seine Fassung, sondern stand kurz vor einem Lachanfall bei ihrem Anblick. 


Kaum zu glauben! 


Er täuschte einen Hustenanfall vor, nur um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Dieses verrückt aussehende Huhn war immer wieder eine Bereicherung. 


Sie hatte ihm damals zum Abschied etwas ganz Besonderes geschenkt.


Es war ein tolles Armband, das in wunderschönen verschiedenen Farben glänzte, das einzige reale Andenken, das ihm von seinem verrückten Abenteuer geblieben war.


In den Momenten, in denen die Zweifel an dieser mysteriösen Märchenwelt am größten waren, holte er stets seine Schatztruhe aus dem Geheimversteck. Darin verbarg er dieses Armband, der einzige Beweis für die Existenz dieser anderen Welt. 


Sobald er dieses außergewöhnliche Teil in seinen Händen hielt, fühlte er eine starke Verbundenheit. Max konnte nicht beantworten, wovon er sich magisch angezogen fühlte. Diese Empfindung war einfach da und schwer zu beschreiben, wenn er dieses einzigartige Schmuckstück berührte. Die fantasievolle Märchenwelt mit ihren verrückten Bewohnern würde für ihn immer etwas ganz Besonderes bleiben. 


Alles in allem betrachtet, war es das Abenteuer seines Lebens gewesen. Und mal ehrlich, wer konnte schon von sich behaupten einmal in einer Welt gewesen zu sein, in der es echte, lebendige Märchenfiguren gab? Welchem normalen Jungen passierte so etwas? 


Zugegeben, die Erlebnisse im Märchenwald hatten auch bei ihm Spuren hinterlassen. Sofort nach seiner Rückkehr hatte er sich ein Märchenbuch nach dem anderen gewünscht. 


Auf keinen Fall wollte er noch einmal unvorbereitet in so einen Schlamassel geraten. 


Seine Mutter war aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen, als er seine Wünsche äußerte. 


Es hatte ihr wahrhaftig minutenlang die Sprache verschlagen, so überrascht war sie von seiner Bitte gewesen. Sie so sprachlos zu sehen, hatte schon seinen Reiz. 


Nach dem ersten Schock folgte Erheiterung und schließlich ignorierte sie Max sogar, wenn er über Märchenbücher redete. 


Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings hinzufügen, dass Max bis zu diesem Zeitpunkt Märchen nur für erfundenen Blödsinn hielt und Bücher auf seiner Beliebtheitsskala auf dem letzten Platz rangierten. Lesen war für ihn die reinste Höchststrafe. Somit war ihre Fassungslosigkeit teilweise nachzuvollziehen. 


Nur seiner Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass seine Mutter ihm schließlich doch die gewünschten Märchenbücher kaufte. 


Er hatte alles gelesen, was er in die Finger bekommen konnte. Und so war aus dem bekennenden Antileser und Computerfreak eine Märchenleseratte geworden. 


Von nun an war er zu einhundert Prozent auf diesem Gebiet gerüstet. Nicht, dass Max dies jemals öffentlich zugegeben hätte. 


Nein, das wäre einfach zu peinlich. Das blieb sein Geheimnis. Genauso, wie er niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen von seinem Ausflug in die Märchenwelt erzählt hatte. Nicht einmal sein bester Freund Lucas wusste davon. Das konnte er einfach nicht bringen. Schließlich wollte er sich nicht total lächerlich machen. 


Wer sollte ihm auch glauben, dass er Hänsel und Gretel und sogar Rotkäppchen persönlich kannte und sie noch dazu ziemlich nett fand?


Er war ungewollt in diese Märchenwelt hineingeraten und hatte erlebt, wie es dort tatsächlich zuging. Vieles war so ganz anders, als es in den Büchern stand. Die Märchenerzähler mussten beim Aufschreiben ganz schön gepfuscht haben. Aber wem sollte er das erzählen? 


Max konnte sich lebhaft die Gesichter vorstellen. Niemand würde ihm glauben. Jeder würde ihn für komplett verrückt halten. Seinen Eltern traute er dabei die Favoritenposition zu. Mit Sicherheit hätten sie mindestens einen Seelenklempner auf ihn angesetzt oder ihn in die Klapsmühle gesteckt.


Nee, das wollte er nun wirklich nicht. 



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