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Inmitten von Sommerblumen hockte Trine auf einer Wiese. Für die bunte Pracht um sich herum hatte sie keinen Blick. Trine war wütend, nicht nur wütend, sondern auch traurig. So wütend und traurig, dass dicke Tränen über ihre Wangen kullerten. Trines kleines Herz war vor Kummer schwer, es lag wie ein kleiner, harter Stein in ihrer Brust. Sie fand sich selbst hässlich. Als wenn es nicht reichte, dass sie pummelig war, standen Trines rote Haare wie Stacheln vom
Kopf ab. Dauernd machten sich die anderen Kinder über sie lustig. So wie vorhin, als Jan und die anderen blöden Jungs auf dem Heimweg von der Schule hinter ihr her rannten, um sie zu ärgern. „Rote Haare, Sommersprossen, sind des Teufels Bundgenossen", riefen sie. Hässlich lachend zog Jan sie an den Haaren. Trine biss sich auf die Lippen, um nicht zu weinen. Als sie am Hof von Bauer Petersen vorbei kamen, eilte der alte Mann, so rasch ihn seine krummen Beine trugen, Trine zur Hilfe. Er mochte das Mädchen gern, gerade weil sie nicht vorlaut und
frech war wie die anderen Kinder. Der Bauer schüttelte drohend seine erhobene Faust und rief:
„Lasst Trine in Ruhe, sonst binde ich Hasso los! Ihr solltet euch schämen!" Oha, da bekamen die Bengel Angst. Mit Bauer Petersen und seinem immer schlecht gelaunten Schäferhund legten sie sich lieber nicht an. Sie nahmen die Beine in die Hand und machten, dass sie heim kamen. Aus sicherer Entfernung riefen sie: „Glaub bloß nicht, dass wir vor diesem blöden Hund Angst haben!" Sie stießen sich gegenseitig die Ellbogen in die Rippen und bogen sich vor Lachen.
So kam es, dass Trine an diesem schönen Sommertag weinend im Gras saß und nicht wahrnahm, wie die bunten Blumen um die Wette leuchten. Dabei liebte sie die Natur. Ihre
Eltern besaßen eine große Gärtnerei. Sie lehrten ihre Kinder Respekt vor jedem Lebewesen, sei es noch so klein. Heute war der letzte Schultag vor den Sommerferien! Nach den Ferien kam Trine in die zweite Klasse. Sie wünschte sich, der Sommer möge nie enden. Ach, Trine wusste genau, morgen und jeder Tag würde ebenso grässlich werden. Es half nicht, wenn ihre Mutter sagte: „Lach einfach darüber. Du kannst nun mal an deinem Aussehen nichts ändern." Ihre Mutter musste wissen, wovon sie sprach. Trine glich ihr bis zur letzten Sommersprosse. Nur mit dem Unterschied, dass die Mutter immer lachte und Fröhlichkeit versprühte. Trine wünschte sich, sie wäre ebenso. Aber wie sollte sie lachen, wenn sie im Kummer fast versank?
Zornig rupfte Trine eine der vielen Pusteblumen ab, die um sie herum wuchsen. Mit aller Kraft blies sie die kuschelweichen Sporen in die Luft. In jeden Atemzug legte Trine ihre ganze Wut. Sie stellte sich vor, jede einzelne Spore wäre einer ihrer Peiniger und sie würden sich in Luft auflösen. Eine Pusteblume nach der anderen pflückte sie, bis die Luft mit Sporen gefüllt war wie mit Schneeflocken. Erschöpft und atemlos warf Trine sich laut schluchzend der Länge nach ins Gras.
„Au, pass doch auf!" Wer redete denn da? Trine vergaß einen Moment lang ihren Kummer und
lauschte. Hm, sie hörte nichts mehr und weinte weiter. Wütend über ihr Aussehen und die Jungen und überhaupt auf alles, schleuderte sie ihre Sandalen von den nackten Füßen und trommelte mit den Fersen auf den weichen Boden. „Jetzt hör endlich auf damit!", mahnte die feine Stimme wieder. Trine setzte sich hin und schaute sich um. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. „Hier unten an deinem Fuß bin ich." Alles, was sie entdeckte, war eine dicke,
grüne behaarte Raupe. Keck hockte sie auf Trines großem Zeh. Mit einem Satz sprang das Mädchen auf die Füße und schüttelte das Kriechtier angeekelt ab. „Na, vielen Dank! Was soll denn das? Erst versuchst du mich zu zerdrücken. Dann mache ich einen Satz, dass mir fast die Sinne vergehen." Trine ließ sich verblüfft auf die Knie sinken und starrte die Raupe an.
„K-k-kannst du sprechen?", flüsterte sie. Insgeheim befürchtete sie, dass sie einem bösen
Scherz der Dorfkinder aufgesessen war. Sie blickte sich erneut zu allen Seiten um. Sicher würde im nächsten Augenblick Jan aus seinem Versteck kommen und sich kaputt lachen. Doch nichts geschah. „Stottere nicht, das ist ja furchtbar. Natürlich kann ich sprechen. Komm mal zu mir herunter Riesenkind." Das klang etwas freundlicher. Trine traute dem, was sie gerade erlebte, nicht recht. Trotzdem legte sie sich der Länge nach in das Gras und starrte die Raupe an. Was sollte ihr schon geschehen? „Wieso kann ich dich hören? Das verstehe ich nicht", sagte sie.
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Trine ist ein achtjähriges Mädchen, das nicht nur aufgrund ihrer roten Haare oft zur Zielscheibe des Spottes für andere Kinder wird. Eines Tages lernt sie auf der Sommerwiese die Raupe Franz und andere Wiesenbewohner kennen und lieben. Überraschend versteht sie deren Sprache. Trine erlebt die Verpuppung der Raupe. Einige Zeit später schlüpft Franz als Zitronenfalter und wird zum neuen Wiesenkönig gekrönt. Karl, ein Tagpfauenauge, hat sich ebenfalls Hoffnungen auf das Amt gemacht.
Verbittert sinnt er auf Rache, aber Trine kann das Schlimmste abwenden. Aber damit ist noch lange nicht Schluss.
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