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Kinderbücher
Buch Leseprobe Streets of London, Udo Fehring
Udo Fehring

Streets of London



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Am nächsten Tag rannte Tim nach der Schule so schnell er konnte zur Bahnstation, um so schnell wie möglich bei Tony zu sein. An der Victoria Station angekommen, stürmte er aus der Türe raus, die Treppe zur Straße hoch schnurstracks zur Waterloo Bridge. Tony war gerade dabei, an einem trockenen Ende Brot herumzuknabbern. Tim kam auf ihn zugelaufen und fiel ihm sogleich um den Hals. Tony hatte sich fast erschrocken, er hatte eigentlich erst in einer Viertelstunde mit Tim gerechnet.


„Hey, hey, hey, Timmy-Boy!  Was ist denn heute mit Dir los? Hast Du eine eins in der Schule geschrieben?" fragte Tony neugierig.


Tim schüttelte kräftig mit dem Kopf. „Nein, nein, es hat nichts mit der Schule zu tun." entgegnete Tim.


„Womit denn?" bohrte Tony weiter nach.


„Mit Dir!" Tim stupste dabei seinen Zeigefinger gegen Tonys Brust.


„Mit mir??????" fragte Tony ganz ungläubig.


„Ich möchte Dich etwas fragen, Tony" sagte Tim mit ganz ruhiger Stimme.


„Es wird doch bald sehr kalt hier unter der Brücke. Mittlerweile haben wir Mitte Dezember, und der erste Schnee ist auch schon gefallen...."


Tim stockte. Er wusste nicht, wie er es Tony beibringen sollte. Dann schlug er wieder seine altbewährte Methode ein, denn um den heißen Brei herumreden, war eh' nicht seine Art. „Tony, ich mache mir einfach Sorgen um Dich hier unter der Brücke, wenn es jetzt kälter wird."


Tony antwortete daraufhin: „Du brauchst Dir wirklich keine Sorgen zu machen. Ich kenne die Londoner Winter mittlerweile und denke, ich werde auch diesen Winter überleben."


„Tony, sei einmal vernünftig." Tim kam sich bei diesen Worten ganz altklug vor.


„Ich habe meine Eltern gestern überredet, dass Du bei uns wohnen kannst. Zumindest vorübergehend! Und ich würde mich sehr darüber freuen."


Nun hatte es Tony die Sprache verschlagen. So sehr er sich im Moment bemühte, er brachte keinen Ton hervor. Tim sagte auch nichts und wartete nur ganz gespannt auf eine Antwort. Als Tony eine Zeitlang gewartet hatte, kam seine Stimme wieder.


„Das ist jetzt eine ganz schwere Entscheidung." fing er an. „Das hier ist für mich so etwas wie eine Heimat geworden. Obwohl ich niemals einen Pfennig dafür bezahlt habe, so ist es mittlerweile doch mein Platz geworden, den mir auch so schnell keiner streitig machen kann. Andererseits hast Du schon recht, die Nächte hier draußen sind mittlerweile verdammt kalt. Dann sehnt man sich schon mal nach einem warmen Örtchen."


„Dann kannst Du ja mitkommen. Wo liegt das Problem?" fragte Tim. So richtig konnte er Tony wohl doch nicht verstehen.


„Das habe ich Dir gerade versucht zu erklären. Man will zwei Sachen, muss sich aber für eine entscheiden. Es ist für Dich bestimmt schwer zu verstehen, das weiß ich. Aber so ist es nun mal."


„Und nun?" fragte Tim etwas hilflos.


„Ich werde wohl eine kalte Nacht drüber schlafen müssen."


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