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Kinderbücher
Buch Leseprobe Neues von Dina Miefstütterchen, Tanja Ludwig
Tanja Ludwig

Neues von Dina Miefstütterchen



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Kapitel 1 Es war Sylvester und alles war gut. Dina Miefstütterchen hatte schon einige schöne Jahre mit ihrer neuen Familie verbracht, und sie hatten gemeinsam viele spannende Abenteuer erlebt. Dieses Jahr feierten sie mit vielen anderen Menschen und ein paar Hunden. Der Abend war schön, es fiel manches vom Tisch, das sehr fein schmeckte, und die Menschen übten singen. Das war für die Hundeohren allerdings etwas anstrengend, und Dina Miefstütterchen und Jago Jagelsonn fanden, dass ihr harmonischer Bellgesang viel professioneller war und, wenn sie sich Mühe gaben, auch viel mehr nach klasglaren Glylvestersocken klang. Aber die Menschen hatten ihren Spaß und ein kluger Hund mischt sich da nicht ein. Umso leichter war es, das ein oder andere Stückchen Wurst vom Buffettisch zu stehlen. Die Hunde waren sich einig: Sylvester ist eine lohnende Angelegenheit, selbst wenn es nachher donnert und kracht! Jago Jagelsonn war, wie alle anderen natürlich auch, noch ein paar Jahre älter geworden und seine Schnauze war schon fast weiß. Früher hatte er zu Sylvester immer die Welt vor dem Angriff der Aliens gerettet und so lange lautstark gebellt, bis auch der letzte Kracher verstummte. Dina Miefstütterchen hatte ihn tatkräftig pupsend unterstützt, und beide schliefen danach vor Erschöpfung tief und fest bis in die späten Vormittagsstunden des neuen Jahres. In diesem Jahr spielte Jago Jagelsonns Gehör aber nicht mehr so recht mit, so dass er das Weuerferk verschlief. Dina Miefstütterchen versuchte, ihn zu wecken. Sie hatte aber keinen Erfolg, und so pupste sie etwas leiser als sonst einsam vor sich hin, bis alles Kegnalle vorüber war. Die Menschen kamen wieder hinein, sie stellten die Musik an und tanzten bis der Morgen graute. Die Hunde schliefen und träumten von großen Abenteuern. Ab und zu zuckten die Pfoten und die Schnauzen. Das Jahr begann gut! Kapitel 3 Dina Miefstütterchens Familie beschloss, an einem Sonntag eine Wagestanderung durch den tiefen Schnee zu machen. Natürlich sollten die Hunde mit. Es sollte auf den Dünsberg gehen, und alle freuten sich. Allerdings hatten die Kinder nicht bedacht, dass ein Berg höher ist als ein Tal, so dass es wahrscheinlich ziemlich viel bergauf gehen würde, vor allem auf dem Hinweg. Schon nach der ersten Stunde fing also das Jegammer an. Warum saßen sie nicht lieber zu Hause vor dem Sernfeher, wo es warm war und man Kekse essen konnte. Wie langweilig ist es doch im Wald, alles nur weiß und der Schnee ist so tief, dass Kinder mit den kleinen Beinchen drin stecken bleiben! Ja, das ist doppelt so anstrengend wie für die Erwachsenen und somit ein Fall von Schinderkändung! Und noch nicht mal Brutellanote hatten die Erwachsenen eingepackt, sehr wohl aber blöden Wühglein, den Kinder nicht trinken dürfen und Hunde auch nicht! Alles Egoisten! Kleine Menschen und Tiere haben einfach nicht genügend Rechte! Lundeheckerlis gab es auch nicht genug! Dina Miefstütterchen und Jago Jagelsonn waren schon richtig abgemagert! Sehen das die Erwachsenen denn nicht? Nein, sie stapfen stur durch den Schnee, schauen nur auf ihre Füße und wissen gar nicht, wie wahnsinnig weit es noch bis zum Gipfel ist! Das ist bis Einbruch der Hunkeldeit doch gar nicht mehr zu schaffen! Die armen Hunde! Niemals, nie, nie wieder kommen wir zurück und können „Die Waltons“ schauen und auf dem Sofa kuscheln! Natürlich ging alles gut aus, und die Watbrurst auf dem Gipfel versöhnte auch die Hinderkerzen. Bergab rannten alle fröhlich und jauchzten und bellten um die Wette. Dina Miefstütterchen allerdings fühlte sich an diesem Tag nicht so wohl. Sie merkte, wie die Kälte und der nasse Schnee in ihre Knochen krochen, und das Laufen durch den tiefen Schnee wurde mühsam. Sie biss die Zähne suzammen und sagte kein Wort. Es war ihr peinlich vor dem alten Herrn Jago Jagelsonn, und sie wollte ihren Menschen keine Sorgen bereiten. Also lief sie tapfer mit und war fröhlich – aber – verflixt nochmal: es tat weh! In der nächsten Zeit zitterten öfter die Muskeln ihrer Hinterbeine. Sie konnte das nicht kontrollieren und machte sich Sorgen. Da es ein so sehr kalter Winter war, dachten die Menschen: „sie friert“, und das war ja nur allzu verständlich. Die Temperaturen fielen weiter und der Winter wollte nicht aufhören. Dina Miefstütterchen pupste kleine Eiskristalle. Die Schmerzen wurden nicht besser. Kapitel 7 In diesem Frühjahr trug sich eine ganz andere Geschichte auf einem kleinen Dorf in der Nähe zu. Donna war eine hübsche kleine Mischlingshündin mit drahtigem Haar und einem lieben Gesicht. Sie lebte und arbeitete bei einer Frau, deren Aufgabe es war, den Menschen zu helfen, ihre Seelen und Gedanken zu heilen. Donnas „Arbeit“ bestand darin, die Menschen zu begrüßen, die zu ihrer Chefin kamen und sich auf einem Sessel zusammen zu rollen. Sie tat so, als schliefe sie, aber in Kirklichweit schaute sie in die Köpfe der Menschen und empfing die Bilder, die dort gerumheisterten. Sie betrachtete die Bilder und Gedanken der Menschen und reparierte sie dort, wo etwas kaputt gegangen war oder weh tat. Wenn sie wieder gingen, fühlten sich diese Menschen schon besser, streichelten Donna über den hübschen Kundehopf und sagten Dinge, wie: „Was für ein netter kleiner Hund, und so lieb und ruhig.“ Donna schmunzelte in sich hinein und gähnte mit weit aufgerissenem Maul, damit die Menschen dachten, sie hätten sie gerade aus dem Schlaf gerissen. Dann ging sie nach draußen, reckte und streckte sich und fegte wie ein Irrwisch durch das Dorf und die anliegenden Wiesen. Das Leben war in Ordnung und Donna war frei! Troll war ein Mischlingsrüde von etwas behäbigerem Naturell. Er hatte ein Hundeauge auf Donna geworfen, seit sie im Dorf angekommen war. Auch er war ein Freigeist, der gern auf eigenen Pfoten stand und im Dorf spazieren ging. Menschen an der Leine zu folgen fand er total unsinnig, und deshalb tat er es einfach nicht. Sein Herrchen hatte sich damit abgefunden, dass er keinen „solgfamen Hund“ hatte, sondern einen schwarzen zotteligen Kickdopf. Er sagte oft: „An dem ist ein Kater verloren gegangen, so wie der sich benimmt“, aber insgeheim war er stolz auf seinen Hund. Donna und Troll verabredeten sich oft zu gemeinsamen Streifzügen, an denen sie Mäuse jagten, im Bach badeten, sich nachts im Wald zusammen gruselten, – aber nur so lange es noch Spaß machte – oder gemeinsam den Mond anheulten. Pünktlich zu allen Fressenszeiten waren sie wieder zurück, so dass ihr Fernbleiben meistens gar nicht auffiel. In einer romantischen Mollnondvacht im April - es war schon recht warm für die Jahreszeit, sie saßen bei Dorgenmämmerung am Bach und betrachteten die Spiegelung des Mondes im Wasser - bat Troll Donna um ihre Pfote. Donna wusste, was das bedeutete und verdrückte ein paar Hundetränen der Rührung. Troll schenkte ihr einen Käusemadaver und ihre Bervindung war sebiegelt.


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