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Kinderbücher
Buch Leseprobe Kurtchen, Wuschel und Nanni, Marianne C. Kruse
Marianne C. Kruse

Kurtchen, Wuschel und Nanni


Drei Geschichten - drei spannende Abenteuer

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Teddy Kurtchen


Eines Tages ging Marie mit ihrer Mutti in die Stadt zum Einkaufen. Sie kamen auf ihrem Weg zum Supermarkt an einem großen Kaufhaus vorbei. Ein Schaufenster war gerade neu dekoriert und in diesem Schaufenster saß zwischen vielen kleinen und großen Stofftieren ein allerliebst ausschauender hellbrauner Teddy. Als Marie den Teddy sah, rief sie begeistert aus: „Mutti, Mutti schau nur, da sitzt ja mein Kurtchen“. Mutti wusste nicht, wer oder was Kurtchen war, aber Marie behauptete, Kurtchen wäre in der letzten Nacht bei ihr im Bett gewesen, sie hätten zusammen gespielt und er sagte zu ihr, er wäre immer so alleine, und sie solle ihn nun niemals verlassen. Marie hat es ihm auch versprochen, aber plötzlich war er wieder fort. Heute Morgen im Bett hatte sie ihn noch vergebens gesucht. Marie bettelte: „Mutti kauf mir doch bitte mein Kurtchen, ich werde ihn auch immer gut behandeln und ganz lieb zu ihm sein, ich habe es ihm doch in der letzten Nacht versprochen“. Die Mutti war im Augenblick ratlos, am Teddy war noch nicht einmal ein Preisschild angebracht. So überlegte sie, „naja, du hast bald Geburtstag, und ich werde mit dem Papa mal darüber sprechen“. Marie war nun glücklich und unglücklich zugleich, denn sie hatte furchtbare Angst, dass ihr Kurtchen dann schon verkauft sein könnte, ehe Mutti mit dem Papa darüber sprechen kann. Aber es blieb ihr nun nichts weiter übrig, bis zu ihrem Geburtstag zu warten. Am Nachmittag ging die Mutti allein in das Kaufhaus, um sich zu erkundigen, was der Teddy kosten sollte. Die Verkäuferin sagte, „der Teddy ist nicht verkäuflich, er ist nur ein Ausstellungsstück“. Die Mutti erzählte der Verkäuferin nun von der kleinen Marie und ihrem Traum, woraufhin die Verkäuferin entgegnete, „eigentlich gehört der Teddy ja mir. Er lag schon lange bei mir in der Wohnung in einem Karton, und da dachte ich, zum Herumliegen ist er zu schade und deshalb sitzt er nun hier mitten im Schaufenster“. „Also, nicht verkäuflich“, antwortete Maries Mutti, „das ist sehr schade“, und sie ging traurig nach Hause. Zu gerne hätte sie ihrer kleinen Marie ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt. Am nächsten Tag kamen Marie und die Mutti wieder an dem Schaufenster vorbei. „Kurtchen sitzt noch immer da“, rief Marie erleichtert aus. Da erzählte ihr die Mutti, dass der Teddy nicht zu verkaufen ist. Marie bettelte, „aber dann lass uns doch bitte in den Laden gehen, dann kann ich mit Kurtchen wenig-stens sprechen und ihm mitteilen, dass ich ihn von nun an öfter besuchen werde, und er deshalb auch nie mehr alleine ist“. Die Mutti ließ sich überreden und so gingen beide in das Geschäft. Die gleiche Verkäuferin ist wieder im Laden und Marie sagte zu ihr, „ich möchte nur mal mit Kurtchen sprechen, damit er weiß, dass ich immer zu ihm herreinschaue, er soll nicht mehr traurig sein“. Jetzt wusste die Verkäuferin, dass es ihr Teddy bei der kleinen Marie sicher gut haben würde. Kurze Zeit später ließ sie sich dann von Maries Mutti das Geburtstagsdatum und die Anschrift nennen. Marie verabschiedete sich von Kurtchen und der Verkäuferin und sagte, „also dann bis morgen“. Jeden Tag ging nun Marie mit der Mutti kurz in das Geschäft, um einen Augenblick mit Kurtchen zu sprechen. Aber eines Tages, es war furchtbar, oh je, Kurtchen war nicht mehr da. Marie rannte verzweifelt die Treppe zum Geschäft hoch und lief zu der Verkäuferin. Sie weinte beinahe vor Schreck und Verzweiflung und fragt nach Kurtchen. Die Verkäuferin tröstet Marie mit den Worten, „Kurtchen wollte nur mal gebadet werden und sich hübsch kämmen lassen, denn er will morgen, wenn du Geburtstag hast, besonders hübsch aussehen“. Damit war Marie zufrieden, aber sie hatte sich doch sehr gewundert, dass Kurtchen schon wusste, wann ihr Geburtstag war. So verabschiedete sich Marie wieder mit den Worten, „na dann bis morgen“. Am nächsten Tag war Maries Geburtstag und sie hatte sich vorgenommen, gleich nach dem Frühstück mit der Mutti ihr Kurtchen zu besuchen. Wenn der schon wusste, wann sie Geburtstag hatte und sich extra dafür fein machen wollte, musste sie ihn auch besuchen. Marie hatte auch einen Geburtstagstisch, den sie sich erst einmal ansehen musste. Als erstes sah sie ein Paket, das in einem wunderschönen Papier eingewickelt dort lag. Auf dem Papier waren viele kleine Püppchen und Tiere. Das Paket sah aus wie ein buntes Bilderbuch. Mutti schnitt das Papier ganz vorsichtig auf, damit es nicht zerriss, und Marie öffnete vorsichtig den Karton. Sie traute ihren Augen nicht, in dem Karton saß sauber und gekämmt ihr Kurtchen. Meine Güte war das eine Freude, sie nahm ihn in den Arm, knuddelte ihn und wollte ihn nicht mehr loslassen. Ihr sehnlichster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Sie hopste und sprang vor Freude in der Stube herum und sang, „wenn man sich etwas ganz doll wünscht, geht es auch in Erfüllung“. Etwas später gingen die Mutti und Marie zu der Verkäuferin in das Geschäft, und Marie zeigte der Verkäuferin ihr Geschenk. „Schau mal“, sagte sie, „Kurtchen ist nach dem Baden gleich zu mir gekommen, weil er wusste, ich habe Geburtstag. Darf ich ihn denn nun auch …


 


Benni und sein Hund Wuschel


Ein kleiner Blondschopf stand oben am Fenster und blickte träumend auf die Straße. Er wartete nun schon ein ganzes Weilchen, und während dessen unterhielt er sich wieder mit seinem Hundchen, das er im Arm hielt. „Ja Pföterchen, es sieht nicht so aus, als dass hier ein Storch vorüber fliegen würde, vielleicht hätte ich mir doch einen Zuckerwürfel besorgen sollen“. Sein Hundchen Pföterchen gab ihm keine Antwort, wie sollte er auch, Pföterchen war ja nur ein kleiner Stoffhund. Der kleine blonde Junge heißt Benni, und er wünscht sich schon so lange ein Geschwisterchen. Letzte Woche als er bei der Oma war, sah er einen schönen großen Storch fliegen. Die Oma erzählte ihm, dass die Störche die kleinen Babys bringen, wenn man sie darum bittet oder ein Stück Zucker ins Fenster legt. Aus diesem Grund nahm sich Benni vor, den nächsten Storch, der sich ihm zeigen sollte, zu rufen und diesen darum zu bitten, ihm doch ein Geschwisterchen zu bringen. Leider wartete er nun schon so lange vergebens. Flugs ging er hinunter zur Oma und bat um ein Stück Würfelzucker, schnell wieder hoch ans Fenster und den Würfelzucker hingelegt. Nun überlegte er, „warte ich hier am Fenster, oder gehe ich lieber wieder nach unten?“ Mitten in seinen Gedanken rief auch schon seine Mutti nach ihm, sie wollte mit dem kleinen Benni wegfahren. Sie schloss das Fenster und ging in eine andere Stube. Benni war völlig entsetzt, denn unter diesen Umständen fand der Storch doch den Zucker nicht. Also schnell noch einen Stuhl ans Fenster geschoben und das Fenster wieder geöffnet. Danach schärfte er seinem Pföterchen noch ein, auch ja aufzupassen, falls der Storch kommt und das Baby bringt. Er könne es in sein eigenes Bettchen legen. Einige Stunden später, es war schon beinahe dunkel, kehrten Benni und seine Mutti wieder heim. Sofort stürmte Benni die Treppe hoch und lief sofort in sein Zimmer. Ganz enttäuscht kam er wieder zurück, es war immer noch kein Baby da. Die Mutti ging zu ihm und wunderte sich über das offene Fenster und den Zucker. Benni klagte der Mutti nun sein Leid, er warte doch nun schon so lange auf ein Baby, aber der Storch kommt einfach nicht zu ihm. Lächelnd tröstete die Mutti ihren kleinen Jungen und erklärte ihm, es sei jetzt Herbst und alle Störche fliegen zu dieser Jahreszeit wieder in ihr Winterquartier, um sich auszuruhen. Sie haben nun keine Zeit, vorbei zu kommen und ihm ein Baby zu bringen. „Aber Benni, was würdest du dazu sagen, wenn dir der Nikolaus einen lieben kleinen Hund bringen würde“, fragt sie ihn und streichelt ihm dabei zärtlich über den Kopf. Benni dachte nach, „na ja, das ist zwar kein Ersatz für ein Baby, aber auch keine schlechte Idee“. Als er abends in seinem Bett liegt, unterhält er sich noch mit seinem Pföterchen über den Vorschlag der Mutti, dass der Nikolaus vielleicht einen kleinen lebendigen Hund mitbringen könnte. Pföterchen war damit einverstanden und von diesem Moment an warteten beide auf den Winter, dass endlich der Nikolaus kommt. Eines Morgens war es dann so weit. Vor Bennis Bettchen lag in einem Körbchen ein allerliebster kleiner Hund. Benni gab ihm sofort den Namen Wuschel, denn er hatte ein wunderschönes wuscheliges weißes Fell. Freudig nahm Benni ihn aus dem Körbchen. Der kleine Hund hatte keine Angst, im Gegenteil, er kuschelte sich sofort wohlig an Bennis Brust. Nun war Benni total glücklich, einen schöneren Hund hätte er sich gar nicht vorstellen können. Seine Mutti betrat sein Zimmer und sagte: „Ich denke, das kleine Hundchen wirst du genau so lieb haben wie ein kleines Geschwisterchen. Aber einen Vorteil hast du mit deinem Wuschel, mit ihm kannst du jetzt schon spielen. Mit einem Baby müsstest du mindestens noch bis zum übernächsten Jahr zu Ostern warten, bis es laufen und mit dir spielen könnte“. Das sah Benni sofort ein, und so war ihm sein Wuschel natürlich im Augenblick auch viel lieber. „Nun aber rasch aus dem Bettchen“, sagte Mutti, „sicherlich muss Wuschel mal an die frische Luft. Du musst doch morgens auch immer auf die Toilette, wenn du aufstehst“. Flupp zog Benni Hemd, Hose und Schuhe an und vernahm noch die Stimme seiner Mutti, „Jacke überziehen und dann geht’s raus in den Garten“. Wuschel flitzte sogleich los und suchte sich einen Baum. Benni musste herzhaft lachen, wie das Hundchen sein Bein hob, er war der Meinung, dass sah zu drollig aus. Wieder zurück im Haus sprach Mutti, „siehst du wie nötig es dein Wuschel hatte. Du musst jetzt alle zwei bis drei Stunden aufpassen und den Kleinen hinaus bringen. Wenn er mal größer ist, dann meldet er sich von selbst“, wenn er Gassi gehen möchte“. Benni versprach seiner Mutti aufzupassen. Wuschel lebte nun schon eine ganze Zeit bei Benni. Er war sogar um einiges größer geworden und rannte schon mit Benni um die Wette. Die Mutti hatte ihrem Benni bei der Erziehung des kleinen Hundes sehr geholfen, und nun kamen Wuschel und Benni sehr gut zurecht. Sie waren ein Herz und eine Seele. Wo Benni sich auch aufhielt, dort war auch Wuschel. Oft gingen die beiden auf Entdeckungstouren, denn die Zeit, in der sich Wuschel nur im Garten aufhielt, war längst vorüber. Des Öfteren spazierten Benni und Wuschel sogar bis an das Ende der Straße und gingen anschließend in den kleinen Wald.


 


Nanni und ihre Erlebnisse


Nanni war ein kleines Mädchen, das so gerne groß sein wollte. Als sie 18 Monate alt war bekam sie ein Schwesterchen und war von nun an natürlich groß. Sie konnte den Kinderwagen mit dem Baby schieben, sie konnte ihre Puppe genau so wickeln wie die Mutti das Baby und natürlich konnte sie schon sprechen und singen, also sie war schon groß. Aus diesem Grund war sie auch der Meinung, bereits allein verreisen zu können. So ging sie dann eines Tages mit ihrem Puppenwagen, weil man damit besser laufen konnte als ohne, zum nahe gelegenen Bahnhof und wollte ohne Fahrkarte zu ihrer Oma fahren. Mit dem Einsteigen war das natürlich für ihre kurzen Beinchen doch noch etwas schwierig. Der Bahnhofsvorsteher sollte nun helfen. Da er aber keine Mutti sah, erkundigte er sich nach dem Namen des kleinen Mädchens. Diesen wusste sie natürlich, war sie doch schon groß. Der Bahnhofsvorsteher erklärte der kleinen Dame, es sei der falsche Zug und der nächste führe erst am nächsten Tag. So lange konnte Nanni aber nicht warten und ließ sich aus diesem Grund von dem Bahnhofsvorsteher lieber wieder nach Hause begleiten. Die Reise musste nun verschoben werden. Die Mutti war heilfroh, ihre große Tochter wieder zu haben. Als das Schwesterchen größer wurde und nicht mehr im Kinderwagen lag, gab sich Nanni alle Mühe, ihrer kleinen Schwester alle möglichen Dinge und auch das Sprechen beizubringen. Vor allem hatte sie aber nun jemanden zum Spielen. Die kleine Schwester ließ sich im Puppenwagen umher fahren, schaute zu, wenn Nanni Hopse spielte und schrie, wenn sie etwas wollte, was sie nicht gleich bekommen konnte. Um sie aber immer schnell zu beruhigen, wandte Nanni einen Trick an. Sie gab der Kleinen immer ihre Süßigkeiten, die sie sich extra dafür aufgehoben hatte. Da Mutti den Kindern öfter am Tag ein Bonbon oder ein Stückchen Schokolade gab, hatte Nanni immer etwas parat, da ihr Teil immer gleich in ihre Rocktasche für den Schreihals wanderte. Nanni war sehr geschickt, und als Große konnte sie auch schon viele Dinge, zum Beispiel Haare schneiden. Obwohl ihr Mutti immer wieder den Satz sagte: „Messer, Schere, Licht … taugt für kleine Kinder nicht“, war Nanni der Meinung, dieser Satz gelte nicht für sie – war sie doch schon groß. Aus diesem einfachen Grund musste Nanni auch eines Tages versuchen, der kleinen Schwester die Haare richtig zu schneiden. Das war doch klar, denn auch kleine Schwestern benötigen einen anständigen Haarschnitt. Natürlich funktionierte das am besten unter dem Tisch, denn an dieser Stelle wurde man am wenigsten gestört, benötigte man doch schließlich seine Ruhe. Nanni gefiel der neue Haarschnitt ihrer Schwester sehr gut, ihrer Mutti weniger und so schnitt sie noch etwas nach. Das hätte Nanni auch gekonnt, doch so viel wollte sie ja schließlich nicht abschneiden. Nun hatte die Schwester richtig kurze Haare, „die ziepen wenigstens nicht beim Kämmen“, meinte Nanni. Nach dem Haareschneiden musste die Schere aber noch mal zum Einsatz kommen, musste man auch mal probieren, wie sich Stoff schnitt. Sicherlich ganz anders als Haare. Die kleine Schwester durfte dabei ruhig zuschauen, denn sie sollte ja auch twas lernen. Nanni überlegt hin und her, was man dafür am Besten nehmen konnte. Tischdecke ging nicht, die musste ja erst vom Tisch herunter. Vom Schwesterchen konnte sie auch nicht schon wieder etwas nehmen, womöglich schrie sie dann wieder, und Nanni hatte keinen Bonbon mehr. „Naja, ich habe ja eine nagelneue Schürze bekommen. Diese hatte ich mir doch gewünscht, wenn ich in der Küche beim Plätzchen backen helfe. Ja, die Schürze geht, denn sie hat ringsherum eine hübsche Rüsche daran. Es reicht auch, wenn die nur oben herum ist“, entschied Nanni und entschloss sich letztendlich, an ihrer neuen Schürze unten herum die Rüsche abzuschneiden. Ihre Schwester schaute interessiert zu. Nanni erklärt: „Schau, die Rüsche wird immer länger, die ist jetzt schon länger als die ganze Schürze. Halt sie mal richtig fest, dann lässt es sich besser schneiden. Ach, das geht so schön, ritsche ratsche und schon ist die Rüsche ab“. Ihre Mutti war natürlich nicht so begeistert, als sie die neue Schürze zu Gesicht bekam, doch was konnte man noch tun? Hatte Nanni eben eine Schürze ohne Rüsche. Im Anschluss daran war Nanni auch wieder für eine Weile ganz lieb. Sie half überall mit und machte sich nützlich, wo sie konnte. Am Abend, wenn sie ins Bett sollte, war sie immer besonders beschäftigt. Sie ließ sich ohne ein Murren waschen, die Zähne putzen und musste dann natürlich noch ihrem Vati gute Nacht sagen. An diesem Abend hatte Vati noch im Garten zutun, und so vergaß Nanni natürlich, dass sie ins Bett sollte. Wenn Vati noch so viel Arbeit erledigen wollte, musste man doch helfen. Vati ließ sich auch gerne helfen, wenn er schon so eine willige Tochter hatte. Als Mutti sich darüber wunderte, wo ihre Nanni abgeblieben war und sie ihren Namen rief, hörte sie nur „ich habe keine Zeit, Vati sagte, ich muss ihm helfen“. Eines Tages half Nanni ihrem Vater auch, als er am Gartenzaun Weidenreiser steckte. Nanni wollte wissen, was das mal werden sollte und ihr Vati erklärte, „die Reiser bekommen alle, wenn es gut geht, einmal Wurzeln und dann schlagen sie aus, bekommen Blätter, und wir haben einen grünen Zaun“. Nanni wartete und wartete von einem Tag auf den anderen, aber es ließ sich nach mindestens drei Tagen immer noch kein Blatt an dem Reisig sehen. Nanni hielt diese Warterei nicht mehr aus, zog einen Reisigstab aus dem Boden und schaute nach, ob er schon Wurzeln hatte. „Na, kein Wunder, noch keine Wurzeln, also auch noch keine Blätter. Möglicherweise haben aber die anderen schon Wurzeln, also alle mal nachschauen, vielleicht ist doch ein Reisig mit Wurzeln dabei. Leider leider, alle ohne Wurzeln. Nun schnell alle wieder in die Erde hinein, vielleicht haben sie dann morgen Wurzeln, plauderte Nanni vor sich her. Nun musste sie sich aber auch darum kümmern und jeden Tag nachschauen. Einmal musste es doch etwas werden, Vati hatte es ihr doch gesagt, und wenn er nachschauen wollte, konnte Nanni ihm doch wenigstens gleich Bescheid geben. Eines Tages kam ihr Vati tatsächlich und wunderte sich, dass nicht ein Reisig ausgeschlagen hatte. Natürlich konnte Nanni ihn gleich aufklären, dass die Reiser alle noch keine Wurzeln hatten. Sie wusste es genau, denn sie zog sie jeden aus dem Boden und schaute nach. So gab es in diesem Jahr noch keinen grünen Zaun. An einem schönen Nachmittag versprach Mutti, zum Kasperletheater zu gehen. „Au fein, das wird ein Spaß“ freute sich Nanni, denn zum Kaspertheater wollte sie schon immer. Mutti hatte schon so oft vom Kasperle vorgelesen, aber richtig gesehen hatte Nanni ihn noch nie. Nanni und ihre kleine Schwester wurden extra für dieses Ereignis fein angezogen. So durfte Nanni sogar ein paar nagelneue Söckchen anziehen. Nanni war des Wartens überdrüssig. So war sie bereits fertig angezogen, doch verging die Zeit nicht bis sie endlich los gingen. Aus lauter Langeweile setzte sich Nanni wieder einmal unter den Tisch und begutachtete ihre neuen Söckchen. Diese waren aus schöner bunter Wolle und sahen wirklich fein aus. Nanni schaute und stellte fest, dass beide genau gleich aussahen, wirklich schön. Immer wieder musste sie die Söckchen angucken, doch plötzlich sah sie an einem oben an der Spitze einen kleinen Faden vorschauen. Nur an einem Söckchen, also waren doch nicht beide gleich. Sie wusste, dass eigentlich aber beide gleich sein sollten und überlegte, was sie tun konnte. „Das muss ich mir aber einmal genauer ansehen. Erst einmal das Söckchen


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