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Holzerus


Rübezahls Floh

von Volker Helsand

kinder
ISBN10-Nummer:
3000179658
ISBN13-Nummer:
9783000179655
Ausstattung:
Hardcover, 70 Seiten, 11 Farbfotos
Preis:
12,80 €
Verlag:
M. Fritzsche Verlag, Hamburg
Leseprobe
1. Rübezahls Floh Wer Geschichten über Rübezahl gelesen hat, wundert sich nicht, wenn hier berichtet wird, dass der gutmütige Berggeist lange Zeit einen Floh hatte, den er nicht loswerden konnte. Der Floh ahnte oft Rübezahls Gedanken, denn als Blutsauger kam er dem großen Zauberer des Riesengebirges nach jeder Malzeit blutsbrüderlich, näher. So konnte der Berggeist, zusammen mit dem Floh, nicht einfach sein edles eigen Blut erschlagen. Kein anderer Floh war so mutig, auf dem Haupt des Riesen zu leben, um zauberhaftes Blut zu genießen. Der selbsternannte Blutsbruder hatte dadurch seine Flohgestalt bald verloren und die anderen Flöhe wollten ihn nicht mehr als einen aus ihrer Zunft anerkennen. Daher fühlte sich der Kleine immer sehr einsam. Er beschloss Rübezahls Sprache zu erlernen, mit der er sich auch bei Bären verständlich machen wollte, denn die Zottelpelzträger liebte er sehr. Eines Tages war der Floh so weit, dass er sich ins rechte Ohr des Berggeistes wagte: „Hallo Rübi“, sagte der Kleine, „erschrecke dich nicht, ich bin dein Blutsbruder!“ „Aha“, staunte der Große, „die Sprache hast du ja sehr schnell gelernt, nur nicht, dass deine Stimme den Ort verrät, wo du kleiner Schmarotzer sitzt. Blitzschnell drückte Rübezahl den Daumen auf sein Ohr und der Floh war darin gefangen. „So“, sagte der Riese, der keinem Tier etwas Böses antun konnte, „mein Blut sollst du nicht mehr lange saugen, weil es für kleine Insekten wie dich nicht gut ist, Zauberkraft zu bekommen. Du wirst bald lernen, dich vom Saft der Bäume und Altholz zu ernähren.“ Das Ohr, in dem der Kleine saß, vibrierte und wackelte gewaltig. Der Floh ahnte jetzt, in welche Gefahr er sich begeben hätte, wenn er einem der ängstlichen Menschen die Blutsbrüderschaft angeboten hätte. Der Berggeist kannte eine friedliche Methode, sich lästige Parasiten vom Leibe zu schaffen. Aber was Rübezahl so laut gesagt hatte, versetzte den Floh in große Furcht. Er sehnte sich zurück in den warmen, kuscheligen Pelz des Bären, in dem er geboren wurde. „Weil ich jetzt mit Rübis Sprache auch zu den Petzen sprechen kann“, dachte der Floh, „werde ich bei diesen gemütlichen Gesellen bestimmt einen guten Freund finden.“ Was er nicht wusste war, dass Rübezahl ihm diese Gesellschaft von ganzem Herzen gönnte. Der ließ das hochbegabte Insekt schmunzelnd frei.
Klappentext
Vor Flucht und Vertreibung aus der Heimat überlebten Kinder den Krieg abseits von Bombenterror gegen die deutsche Stadtbevölkerung oft wie "Ferien auf dem Lande". Den Autor erinnert das an seine Kindheit in Schlesien. Sechzig Jahre danach bewirkte die Öffnung des "Eisernen Vorhanges", dass Helsand mit seiner Floh-Fabel entkrampft erzählen kann, was bis dahin nicht fabelhaft war, aber so unglaublich endete. Verwoben mit dem Schicksal aller Heimatvertriebenen, inspiriert von einer mystischen Baumwurzel, schickt Volker Helsand den Leser mit Rübezahls Floh auf Zeitreise und wirbt mit seinen Fotos echter Skulpturen für Fantasie und Liebe zur Natur.