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Kinderbücher
Buch Leseprobe Hilfmir - mein kleiner Freund und s, Monika Baitsch
Monika Baitsch

Hilfmir - mein kleiner Freund und s



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Anne  und der alte Mann im Park


Jeden Nachmittag, wenn Anne mit ihren Hausaufgaben fertig war, ging sie mit ihrem Hund Bobby in den Park. Sie spielten und tollten herum und hatten beide großen Spaß dabei.
Bobby war ein sehr lebhafter Mischlingsrüde und, da er gerade erst zwei Jahre alt war, auch noch sehr verspielt.
Sie hatte heute Glück! Es war ein wundervoller, sonniger Tag, die ersten
Sonnenstrahlen waren schon schön warm undsie hatte richtig gute Laune!
Auf dem Weg zur Hundewiese kam sie immer an einer Parkbank vorbei, auf der jeden Tag ein alter Mann saß. Man konnte die Uhr nach ihm stellen. Er saß da alleine, hatte einen alten Hut auf dem Kopf und las immer in einer Zeitung. Sein Gesicht machte einen traurigen Eindruck, aber wenn Anne vorbei kam, hob er kurz den Kopf, schaute sofort viel freundlicher und grüßte sie.
Sie sagte dann auch immer höflich: „Guten Tag“ und ging weiter.

Als sie an diesem Tag Bobby auf der Hundewiese von seiner Leine ließ, um ihm seinen Ball zu werfen, kam plötzlich ein großer schwarzer Hund, wie aus dem Nichts auf sie zugeschossen. Mit fliegenden Ohren rannte er auf Bobby zu und ihn schließlich um. Bobby winselte hilflos und ergriff die Flucht, der große Hund hinter ihm  her.


Anne konnte vor lauter Schreck überhaupt nichts machen. Sie stand da, wie erstarrt.
Als sie sich endlich wieder rühren konnte, rief sie laut: „Bobby, Boooobby!“, aber weit und breit war nichts von ihm zu sehen.
Bobby, der normalerweise sehr gut auf sie hörte, kam nicht. Sie rief immer und immer wieder – nichts! Anne bekam augenblicklich Bauchschmerzen und hätte losheulen können.
Wo war Bobby? War ihm etwas passiert?
Wenn der große Hund ihm etwas getan hatte und er nun irgendwo verletzt im Gebüsch lag?
Ihre Gedanken überschlugen sich.


Anne griff in ihre Hosentasche und drückte ihren Hilfmir.
„Bitte, bitte lieber Hilfmir, lass´ Bobby nichts passiert sein und hilf mir ihn wieder zu finden. Bitte Hilfmir!“.
Sie wusste nicht was sie tun sollte!
Immer wieder rief Anne Bobbys Namen, aber er war und blieb verschwunden.
Sie suchte etwa eine halbe Stunde. Sie rief und rief, aber Bobby kam nicht. Sie rannte kreuz und quer und schaute hinter jedem Busch.
„Was wäre gewesen, wenn dieser Riesenhund über sie hergefallen wäre?“, dachte sie.
Und was hatte er mit ihrem armen Hund gemacht?
Es half nichts. Anne konnte Bobby nirgendwo finden. Traurig setzte sie sich auf die nächste Bank. Was sollte sie tun? Sie wusste keinen Rat mehr. Noch einmal rief sie: „Bobby, Boooobby!“, aber er blieb verschwunden.


Als sie gerade auf dem Weg zum Ausgang war, um ihre Mutter um Rat zu fragen, kam ihr der alte Mann von der Parkbank entgegen. Er trug etwas, aber Anne konnte nicht erkennen, was es war.


Erst, als sie sich näher kamen, sah sie, dass es ihr Bobby war. Anne rannte los und in diesem Moment kullerten ihr Tränen der Erleichterung über die Wangen.
„Bobby, was machst du für Sachen! Wo warst du denn? Ich habe dich überall gesucht!“, rief sie und nahm Bobby dem alten Mann vom Arm. Sie untersuchte ihn, aber es schien ihm zum Glück nichts passiert zu sein.
Glücklich drückte und liebkoste sie ihn. „Wo haben Sie ihn gefunden?“, fragte sie den alten Mann, der die ganze Zeit stumm daneben stand.
„Er kam an mir vorbei und ich habe mich gewundert, dass er alleine war“, erwiderte dieser. „Danke!“, Anne war sichtlich erleichtert. „Aber er hört doch gar nicht auf Fremde?“, wunderte sie sich.
„Naja, ich habe da mit einem kleinen Trick arbeiten müssen und es hat trotzdem eine ganze Weile gedauert, bis unser kleiner Ausreißer mir endlich vertraute. Ich habe nämlich immer noch ein paar Hundedrops in meiner Tasche. Sie sind noch von meiner alten Hundedame Bine und denen konnte er irgendwann nicht mehr widerstehen.“
„Wo ist denn Ihre Bine?“, wollte Anne wissen.
„Bine ist leider vor einem halben Jahr gestorben.
Sie war schon über 14 Jahre alt und das ist schon ein beachtliches Alter für einen Hund. Wollen wir uns nicht für einen Moment setzen und du erzählst mir, was eigentlich passiert ist?“, fragte er.


Anne setzte sich mit dem alten Mann auf die nächste Bank. Immer noch drückte und streichelte sie Bobby erleichtert und erzählte dem alten Mann von dem großen, schwarzen Hund, von ihrem Hilfmir und wie sie ihn immer wieder gedrückt hatte und sich so bei der Suche nicht alleine fühlte. Erschrocken hielt sie sich die Hand vor den Mund.
Noch nie hatte sie jemand von Hilfmir erzählt, warum tat sie das jetzt gerade bei dem alten Mann?


„Da hast du aber Glück gehabt, dass dieser Hund dich in Ruhe gelassen hat! Die Leute sollten besser auf ihre Hunde achten oder sie besser erziehen“,
er schüttelte verständnislos den Kopf.
Er hatte wohl ihren Schreck nicht bemerkt.

„Wie heißt du eigentlich? Mein Name ist Ferdinand Mahler, aber alle Kinder nannten mich Onkel Ferdinand.
„Ich war nämlich Musiklehrer, weißt du!“

„Ich heiße Anne Gruber“, antwortete Anne und ließ Bobby von ihrem Schoß.
Der rollte sich im Gras und hatte sich wohl inzwischen auch von dem Schreck erholt.


„Wieso sitzen Sie hier jeden Tag alleine im Park?“, wollte Anne neugierig wissen.
„Ach weißt du, wenn man so alt und alleine ist, wie ich, muss man irgendwie unter die Leute. Ich war hier jeden Tag mit meiner Bine. Als meine liebe Frau, die Greta, vor 14 Jahren gestorben ist, habe ich Bine aus dem Tierheim geholt, damit ich nicht so alleine bin.
Aber jetzt will ich keinen neuen Hund mehr, denn wahrscheinlich würde er länger leben als ich. Was sollte dann mit ihm geschehen? Ich bin inzwischen 83 Jahre alt“, antwortete er, „aber erzähle mir mehr von deinem Hilfmir. Das scheint eine sehr interessante Geschichte zu sein!“


Anne schaute Herrn Mahler an und wusste, ihm konnte sie ihre Geschichte von Hilfmir anvertrauen. So erzählte sie ihm, wie er zu ihr gekommen war und was er schon alles für sie getan hatte.


 


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