Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Kinderbücher > Elfrieda Elfenstein
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Kinderbücher
Buch Leseprobe Elfrieda Elfenstein, Riva Stern
Riva Stern

Elfrieda Elfenstein


das geheimnisvolle Gemälde

Bewertung:
(1)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
68
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Thalia, Hugendubel
Drucken Empfehlen

Nichts war vergleichbar mit diesem Gefühl der Frei-heit bei der Ankunft im Orangenhain ihrer Großtante Rosalind. Der Duft der reifen Früchte, der ihr entgegenström¬te, die Wärme des steinigen Bodens, der einzigartige Ge-sang der Zikaden. Alles zusammen eindeutige Zei¬chen dafür, dass sie endlich dort war, wo sie sich das ganze Jahr über hinträumte. Frieda im Som¬mer. Zu Beginn der Ferien. Der endlosen Sommer¬ferienzeit. Zeit um sich treiben zu lassen und, um ein¬fach Frieda zu sein. Das war vollkommen genug und eindeutig ausreichend. Die letzten Wochen zu Hause waren wieder einmal chaotisch und äußerst anstren¬gend gewesen. Aber daran wollte Frieda erst¬mal nicht mehr denken und verdrängte jeglichen Ge¬danken da¬ran sogleich - so gut sie eben konnte. Was für ein Glück, dass ihre Großtante Rosalind ge-nau hier wohnte, stellte Frieda immer wieder aufs Neue fest. Rosalind wohnte in einem etwas abgelegenen Steinhaus-Anwesen auf einem klitzekleinen bewalde¬ten Hügel. Mit Meerblick. Was für ein überhimmli¬sches Glück das doch war. »Dieser Elfenhügel hat mich gerufen«, pflegte Rosa-lind immer zu sagen, »deswegen wohne ich genau hier, schon solange ich denken kann.« Und seit Frieda denken konnte natürlich auch. Was das mit dem ›Ruf der Elfen‹ denn genau bedeutete, hatte Frieda noch nie zu fragen gewagt. Es war einfach so. Und zugegebenermaßen hatte ihre Großtante manch¬mal sehr eigenwillige Ansichten über die Welt und das Leben. Da konnte sie nicht immer alles nach¬fragen. Es würde irgendwann einfach zu viel werden. Außerdem war das jetzt alles auch nicht von Bedeu-tung, fand Frieda. In diesem Moment war nur wichtig, dass sie endlich wieder hier war. Genau an dem Ort, an den Frieda sich seit Wochen gesehnt hatte. Zu dem unver¬gleichlichen Zeitpunkt, an dem sie ihre Füße auf den Steinweg zu Rosalinds Garten setzen konnte, ih-ren kleinen abgewetzten Koffer abstellen würde und ein¬fach da war. Ihrem Ferienzuhause. Ihr Onkel, Ro-salinds Mann, hatte sie wie immer mit seinem klappri-gen Jeep abgeholt, den er besaß seit Frieda denken konnte. Mit offenem Verdeck waren sie wie immer über endlose Kurven auf den kleinen Straßen durch die dichtesten Bergwälder aller Zeiten gefahren und Frieda fühlte sich von der Fahrt durch die ver¬winkelte Landschaft noch immer wie benommen. Eigentlich war ihr regelrecht schlecht davon. Aber auch das störte sie nicht weiter. Alles war perfekt. Sie war jetzt bei ihrer Lieblings¬tante und wie erhofft, strömte ihr der Duft von fri¬schem Orangenkuchen entgegen. Frieda musste schmunzeln. Wie schaffte es ihre Tante immer wieder, genau diese Situation für sie herzuzaubern? So, dass alles genau so war, wie es sein sollte? Wieder beschlich Frieda dieses Gefühl eines Déjà-vus. Das Gefühl, dass sie genau diesen Moment an diesem Ort schon kannte. Gut, sie war ja auch schon oft hier gewesen. Aber da war noch mehr. Es war, als kenne sie diesen Ort schlichtweg schon immer und noch viel länger. Frieda fühlte eine Art unsichtbaren Bands zwischen sich und diesem ma¬gi¬schen Ort. Es kam ihr manchmal vor, als spräche jeder Stein, jede Pflanze, einfach alles mit ihr. Manch-mal auch im Traum, wenn sie nicht hier war. Aber da-von hatte sie noch niemandem erzählt. Für sie war es das zauberhafteste Fleckchen Erde, das man sich vor-stel¬len konnte. Ein Ort, der außerhalb von Raum und Zeit zu existieren schien. Eine Zwischenwelt, die ganz anderen Gesetzen folgte, als alle Plätze, die Frieda kannte. Und ob Rosalind wieder nicht älter geworden war, wie Frieda beim letzten Besuch schon festgestellt hat-te? Ob das an der Luft lag? Dem Klima? Dem me¬di-terranen Essen? Oder etwa dem eigens hergestellten Orangen-Olivenöl? »Frieda-Kind!« Die Stimme ihrer Großtante riss sie aus ihren Gedanken. »Wie froh ich bin, dass du end-lich wieder hier bist. Wie hübsch du bist und wie groß und … oooohjeeee wie tantenhaft ich mich anhöre. Das ist ja furchtbar. Lass dich drücken!« Es gab nicht viele Menschen, von denen sich Frieda gerne drücken ließ. Aber Rosalind gehörte definitiv dazu. Sie war weich und stark zugleich und schaffte es immer nach Orangengarten und Keksen zu duften. Rosalinds meerfarbene Augen blinzelten fröhlich und verschmitzt zugleich. Frieda war so unendlich glücklich, endlich wieder hier zu sein, bei ihrer beson-deren sommerprossig-wunderlich-einzigartigen Groß-tante. Kein Ort der Welt war schöner als dieser hier. »Ich hab dir dein Zimmer schon hergerichtet. Es ist alles noch genauso, wie du es bei deinem letzten Be-such verlassen hast. Nur hat dir Onkel Fred die alte Truhe aus dem Speicher heruntergeholt und frisch gestrichen, weil er meinte, dass sie zu schade ist, um auf dem Dachboden zu verstauben. Und weil er wie-der Platz braucht für seine neuesten Funde aus der Kunstwelt. Du kennst ihn ja…«, lächelte sie und fügte hinzu: »geh’ doch schon einmal nach oben und richte dich in deinem Zimmer ein. Ich muss noch ein paar Sachen vorbereiten, weil wir doch Besuch erwarten.« Das war neu. Frieda war zutiefst schockiert. »Wel-chen Besuch?«, fragte Frieda leise und wie vor Schreck er¬starrt. Sollte das etwa heißen andere Menschen kämen hierher, in ihr Ferienparadies? Ihrem ureige¬nen Platz der Ruhe und des Friedens? Fremde Men¬schen, die sich zwi¬schen sie und ihre geliebte Gro߬tante drängen würden und zu guter Letzt Rosalind auch noch ständig in Be¬schlag nehmen würden? Was sollte das? Es war eine Katastrophe. »Schätzchen. Mach dir keine Sorgen. Bring’ erstmal deine Sachen nach oben und komm’ hier an. Bei Orangenkuchen und Tee erkläre ich dir alles und dann sieht die Welt gleich wieder anders aus, ja? Es gibt wahnsinnig viele Neuigkeiten«, erwiderte Rosalind Friedas Gedanken. Das war wieder typisch Rosalind, wie sie Friedas Ge-danken erraten hatte. Das war das Angenehme und zu¬gleich Anstrengende an Friedas Großtante Rosalind: Sie wusste immer, was in Frieda vorging und schien ihre Gedanken und Gefühle lesen zu können. »Als ob mir zu Hause nicht schon genügend Men-schen auf den Geist gehen würden«, murmelte Frieda noch vor sich hin, bevor sie tief durchatmete, ihren Koffer schnappte und nach oben ging. 2. Friedas Ferien-Zimmer! Ihr einzigartiges, für sie al¬lein eingerichtetes Zimmer. Ihr Nest, ihre Oase, ihr einzig wirklicher Rückzugsort. Wie sie es liebte! Der Raum war direkt unter dem Dach, neben dem Speicher. Wie durch ein Wunder war er schattig und kühl. Das musste an der toskanischen Bauweise liegen. Und wie sie ihren Onkel Fred dafür liebte, dass er altes Mobiliar sammelte. Denn nur so waren die wun-derschönen, fast schrulligen alten dunkelbraunen Mö-bel in ihrem Zimmer gelandet. Ein großer zweitüriger Schrank mit Spiegel und einem eingeschnitzten Schwa¬nenpärchen. Eine Frisierkommode mit Flügel-spiegel und ausziehbarem Bürstenhalter. Ein riesiges, schwe¬res Bett mit lavendellila und rosenrot gestreiftem Über¬wurf und endlos vielen Kissen zum Versinken und Lesen und einfach Vor-sich-hin-schauen. Dieses Zimmer war das Zimmer aller Zimmer. So gemütlich und so überhaupt nicht wie ein Kinderzimmer oder eines dieser rosarotkitschigen Teeniezimmer, wie Frie¬da sie von Freundinnen kannte. Ganz zu schwei¬gen von ihrer ungemütlichen Abstellkammer zu Hause. Daran wollte Frieda gar nicht denken. Hier gab es kein Plastik, keinen Krimskrams, absolut nichts was da nicht hingehörte - genauso wie Frieda es liebte. Es war das Zimmer, in das sie sich täglich mehrmals zu¬rück¬sehnte, sobald sie sich unglücklicherweise nicht mehr dort aufhielt. Und das war leider viel zu oft, wie Frieda fand. Dann stand da noch der kleine Schreibtisch mit den Minischubladen und dem Geheimfach. Der ein¬zige Schreibtisch, an dem Frieda vernünftig Briefe schrei-ben konnte. Außerdem baumelte noch die bunte Glas-lampe, die scheinbar uralt war, von der Decke. »Die ist echter Jugendstil Frieda-Kind«, pflegte On-kel Fred zu sagen. »Ein Schmuckstück, das seinen Preis hatte. Die hing schon bei Kandinsky 1901 in seinem Atelier. Doch ich zahlte ihm den Preis gerne. Dann konnte sich der arme Schlucker wenigstens wie-der Leinwände und Farbe kaufen«. 1901. Das war sehr lang her, fand Frieda immer, wenn Onkel Fred wieder damit anfing. Doch bisher hatte sie noch nicht darüber nachgedacht, wie alt On-kel Fred damals gewesen sein musste. Hatte er etwa als Kind schon Möbel gesammelt? Wie auch immer. Die Lampe leuchtete ganz wunderbar und warf bunte Farbflecken auf Wände und Boden und einfach über-allhin. Das Schmuckstück hing genau über der Truhe! Ja genau, DER neuen, alten Truhe, von der Rosalind gesprochen hatte. Sie stand nun direkt neben ihrem Bett. Wie hypnotisiert stand Frieda eine kleine Ewigkeit vor dem neuen Möbelstück und konnte ihren Blick nicht davon abwenden. Da war es wieder. Dieses Zwi-schenwelten-Gefühl. Dieses Déjà-vu-Gefühl. Das be-kannte Gefühl, wie benommen zu sein. Kam das von den geschnitzten Schnörkelelementen auf der Truhe oder doch nur von Onkel Freds abenteuerlicher Jeep-Fahrt? Woher kannte sie dieses Möbelstück? Es war ihr so vertraut wie … eine alte Freundin. Besser konn-te sie es nicht beschreiben. Wahrscheinlich lag es doch nur an dem frischen Klarlack, den Onkel Fred erst am Tag zuvor aufgetragen hatte und dessen Ge¬ruch ihr fast schon beißend in die Nase stach. »Frieda-Kind kommst du? Unsere Gäste sind schon da. Sandro und seine Familie wollen dich endlich ken-nenlernen«, schallte es aus dem Garten. Ihre Großtante! Das war typisch. Dabei wusste sie doch, wie sehr Frieda Menschenansammlungen hasste. Naja, hassen war vielleicht übertrieben. Sagen wir mal so: Sie versuchte sie zu vermeiden. Das war so unge¬fähr der größte Unterschied zwischen Frieda und ihrer Großtante. Rosalind liebte es, sich mit Menschen zu umgeben, sich regelrecht zwischen ihnen zu tummeln. Sie zog die Menschen ja auch förmlich an. Wie ein Magnet. Ein Menschenmagnet. Alle wollten Rosalind kennenlernen, ihr nahe sein, am liebsten ihre beste Freundin werden. Das war auch leicht nachzuvollzie¬hen: Rosalind liebte Menschen, interessierte sich wirk¬lich für sie und hatte ein so großes Herz, dass sie so¬fort alle unterstützte. Und sei es nur mit einem Lä¬cheln oder einer lustigen Geschichte. Frieda wurde das manch¬mal einfach zu viel. Nicht, dass sie die Men¬schen an sich nicht mochte. Aber sie wurden ihr ein¬fach sehr schnell zu viel. Ein Glück, dass ihr Onkel Fred ganz genauso tickte. Er hatte nur eine bessere Ausrede als sie. Als Professor im Ruhestand konnte er sich hinter seinen Büchern der Künste der Renais¬sance, in seiner kleinen Bibliothek, verstecken. Oder er machte sich einfach auf einen seiner künstlerischen Streifzüge durch die nahegelegenen Kirchen und Dör¬fer. Das störte nie-manden und niemand sagte etwas dazu. Bei Frieda war das anders. Sie sollte sich jetzt zum Kaffee¬klatsch be¬geben und am besten noch er¬zählen, wie es in der Schule ging oder ob sie schon einen Freund hatte. Mit dreizehn? Nun gut dreizehn-dreiviertel. Also bitte. Was hatten nur alle? Konnte man nicht einmal gepflegt in Ruhe gelassen werden und seine wohlver-dienten Ferien beginnen? Frieda schlich sich an den linken Fensterrand und warf, vorbei an einem der langen und unglaublich schweren Brokatvorhänge, einen Blick in den Garten. Von hier aus konnte sie mit Sicherheit niemand sehen. Sie er¬blickte zu ihrer Überraschung Onkel Fred, der sich, für seine Verhältnisse, überaus engagiert mit einem etwa gleich¬altrigen Mann mit Baskenmütze und Brille unterhielt. Vor ihm stand einer seiner berühmten Sta¬pel alter Bücherschinken. Sie mussten sich wohl über Kunst unterhalten, das stand außer Frage. Eine ältere Dame mit Strohhut saß auf der anderen Seite der langen Kaffeetafel. Frieda konnte ihr Gesicht nicht sehen. Dafür die Teller voll bunter Kekse, die direkt vor ihrer Nase standen und über die sie sich schon hermachte. Vielleicht sollte Frieda doch nach unten gehen? Was, wenn diese fremde Frau all ihre geliebten Orangen-Biscotti vertilgen würde? Gerade, als sie schon auf dem Sprung war, sich nach unten zu wagen, erblickte Frieda ihn. Den wahr¬schein-lich ungewöhnlichsten und unbekanntesten, gleichzei-tig wunderbar wunderschönsten und aberwit-zigerweise altbekanntesten Jungen, den sie je gesehen hatte. Und die Zeit stand still.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



Anzeige

Anzeige

© 2008 - 2017 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 2 secs