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Kinderbücher
Buch Leseprobe Der Schatz der Dohlen, Margit Grabolle
Margit Grabolle

Der Schatz der Dohlen



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Das Mädchen aus dem Hexenhaus

Es war genau halb drei Uhr nachmittags. Und niemand war gekommen, um Jason vom Bahnhof abzuholen. Er nahm den schweren Koffer hoch und schleppte ihn ächzend ein Stück zur Straße.
Ein Junge und ein Mädchen mit einem Handwagen rannten auf ihn zu.
„Du bist ja schon da!", rief ihm der Junge atemlos entgegen. „Ist es denn schon so spät?"
„Du hättest eben nicht erst noch die Nele ärgern sollen", sagte das Mädchen vorwurfsvoll. „Dann wären wir auch pünktlich gewesen."
Der Junge winkte ab und blieb erschöpft vor Jason stehen. „Hallo, Jason Miller", sagte er und hielt ihm seine Hand entgegen. Auf seinem pfiffigen Gesicht lag jede Menge Schabernack. „Ich bin Lukas Brendel. Und das hier ist meine Schwester Maria."
Jason gab ihm die Hand, zog sie aber im nächsten Moment wieder zurück. „Igitt, was ist das denn?", schrie er auf. Seine Hand war voll mit grünem Schleim. Maria verdrehte die Augen. „Das ist eins von Lukas' albernen Spielchen. So was hat er dauernd drauf", sagte sie und gab Jason ein Taschentuch.
Er wischte sich verärgert den Schleim von der Hand.
Lukas grinste nur, nahm Jasons Koffer und hievte ihn in den Handwagen. „Wenn du bei uns Ferien machen willst, musst du immer auf der Hut sein. Die Säbelzahntiger hecken ständig neue Streiche aus."
„Säbelzahntiger?", fragte Jason verdutzt.
Maria zog ihn ungeduldig am Arm. „Das sind nur ein paar dumme Jungen aus dem Dorf", sagte sie. „Aber wir müssen jetzt endlich los. Unsere Eltern warten schon."
Lukas zog den Handwagen und erzählte ihm von dem, was ihn in den nächsten Tagen erwarten würde.
„Die Säbelzahntiger, das sind Leon Zahn und Mika Tiger. Sie stellen immer eine Menge Unsinn an. Du musst auf deine Schlüssel aufpassen. Hast du welche mit?"
Jason schüttelte den Kopf.
„Na, ist ja auch egal. Aber lässt man seinen Schlüssel aus Versehen in der Haustür oder sonst wo stecken, krallen sie sich ihn und schließen einfach die Tür ab und zack, ist man eingeschlossen. Oder sie lassen die Luft aus deinen Fahrradreifen raus, aber ein Fahrrad hast du ja auch nicht mit."
Jason schüttelte abermals den Kopf.
„Oder sie klauen Kirschen, Äpfel und sonstiges aus den Gärten. Sie beschmieren die Türklinken mit Kacke oder befestigen einen Eimer mit Pisse über der Haustür und wen es dann zufällig trifft ..."
„Igitt, Lukas, hör auf damit", unterbrach ihn Maria und verzog angeekelt ihr Gesicht. „Sie sind wirklich unmöglich. Und ihr Lieblingshobby ist Nele zu ärgern."
„Wer ist denn Nele?", fragte Jason.
Sie waren nun im Dorf angekommen und die Kirche war nicht mehr weit.
„Nele wohnt im Hexenhaus und ist genau so blöd wie die alte Hexe", flüsterte Lukas Jason zu.
Jason sah ihn verdutzt an.
„Sie wohnt mit ihrer Tante in einem kleinen Haus am Dorfrand", sagte Maria und warf ihrem Bruder einen ärgerlichen Blick zu. „Ihre Tante ist keine Hexe."
„Ist sie wohl", sagte Lukas bestimmt. „Sie hat einen krummen Rücken und einen Hexenbesen. Und sie kommt nie in die Kirche."
Maria verdrehte die Augen.

„Hör nicht auf ihn, Jason. Die alte Lore hat einen krummen Rücken, weil sie schon als Kind schwer arbeiten musste. Das hat Papa uns erzählt. Und mit dem Reisigbesen kehrt sie nur die Straße. Ich habe sie noch nie auf ihm fliegen gesehen."
Sie waren am Pfarrhaus, einem hohen Fachwerkhaus neben der Kirche, angekommen. Maria öffnete das hölzerne Hoftor und Lukas fuhr den Handwagen auf den Hof.
„Und Nele?", fragte Jason.
„Was interessierst du dich für die?" Lukas hievte den Koffer aus dem Handwagen. „Die ist genau so blöd wie ihre Tante. Nicht mal richtig laufen kann sie."
Maria knuffte ihn in die Rippen. „Sie hat einen Hinkefuß und dafür kann sie nun wirklich nichts. Und dass ihre Tante sie nicht mit uns spielen lässt, ist auch nicht ihre Schuld."
„Aber blöd ist sie, und das ist ihre Schuld", brummte Lukas und trug den schweren Koffer zur Hintertür des Fachwerkhauses. „So blöd wie die Dohlen, die sie verehrt."
„Wer sind nun schon wieder die Dohlen?", fragte Jason.


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