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> Kinderbücher > Der Mondsichel-Ohrring
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Der Mondsichel-Ohrring, Ulla Hesseling
Ulla Hesseling

Der Mondsichel-Ohrring



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Die Kiste


„So, das reicht jetzt aber!“


Während der Laptop surrend die Mathe-CD auswarf, schwang ich mich mit einem Seufzer auf meinem Schreibtischstuhl herum und ließ den Blick durch das neue Zimmer schweifen. Sofort hellte sich meine Miene auf: Da stand ja, mitten auf dem Flickenteppich, immer noch die Kiste! Vor lauter Lernen hatte ich sie ganz vergessen.


“Hier, die haben wir eben auf dem Dachboden gefunden. Scheint ja wohl für dich zu sein!“, mit diesen Worten hatte vorhin einer der Möbelpacker den offenbar ziemlich schweren Karton in meinem Zimmer abgestellt.


Total verstaubt war er, nur der Zettel, der auf einer Ecke klebte, wirkte neu und sauber. Diesen Zettel sah ich mir nun näher an


.‚Für Fanny‘, stand darauf und: ‚Ich glaube, sie sind für dich bestimmt‘. Die Handschrift erkannte ich sofort wieder, es war nämlich dieselbe wie auf der Liste unten in der Küche. Da hatte Frau Mayer uns ein paar Tipps aufgeschrieben: Wie die Heizanlage funktionierte,die Adresse des Gärtners, der jeden Winter den großen Ahorn auf der Wiese stutzen sollte – lauter Sachen, die mich wenig interessierten. Bis auf eins: ‚Ab Mitte August Pflaumen ernten‘, das klang ziemlich gut!


„Was da wohl drin ist?“, murmelte ich, während ich mich vor der Kiste hinkniete, die dicke Staubschicht mit dem Arm wegwischte und den Deckel aufklappte.


Bücher! Bücher waren da gestapelt, bestimmt zehn oder mehr. Aber wieso für mich bestimmt?! Neugierig nahm ich den obersten Band heraus.Die Farben des Einbanddeckels waren ganz verblichen, und ein bisschen muffig roch das Buch auch.


‚Na, kein Wunder nach so vielen Jahren auf dem Dachboden‘, dachte ich. ‚Sicher schrecklich altmodische Geschichten.‘ Der Titel allerdings erschien mir gar nicht mal schlecht, irgendwie geheimnisvoll: „Der Mondsichel-Ohrring“.


Ich setzte mich bequem zurecht und musterte gleichzeitig noch einmal zufrieden mein Zimmer. Gut, dass ich gestern sofort als erstes den Schrank und die Regale eingeräumt hatte; jetzt sah es hier schon richtig gemütlich aus.Ich zwirbelte das Ende meines Zopfes um den rechten Zeigefinger, schlug das Buch auf und begann, den Rücken gegen die Kiste gelehnt, zu lesen.
                                                                             ☾
Am Morgen des 18. Juli erwachte Felix mit dem unbestimmten Gefühl, dass irgendetwas anders war als sonst. Taghell leuchtete schon die Sonne durch die Vorhänge, und von unten klangen gedämpft dieStimmen seiner Eltern und das Klappern von Frühstücksgeschirr herauf, in unregelmäßigen Abständen übertönt vom krähenden Singsang des dreijährigen Mathis.


Verschlafen angelte Felix auf dem Bücherbord über seinem Kopf nach der Armbanduhr; dann aber war er mit einem Schlag hellwach und starrte entgeistert das Zifferblatt an: Schon halb neun – und niemand hatte ihn geweckt! Dabei müsste er doch längst in der Schule sein!


Mit einem Ruck richtete er sich auf und wollte gerade die Decke von sich werfen, als sein Blick an dem rot umkringelten Datum auf seinem Saurier-Kalender hängen blieb: Mann, heute war ja Freitag, der 18., – erster Ferientag!


Mit einem wohligen Seufzer ließ Felix sich wieder ins Kissen zurückfallen. Genüsslich räkelte er sich und kratzte ein bisschen an dem Mückenstich unter seinem linken Fuß.


Jetzt lagen sie also vor ihm, sechs lange, vielversprechende Sommerwochen, verlockend wie das neue Dinosaurier-Buch, das schon in der Buchhandlung für ihn bereit lag.


Bei diesem Gedanken verspürte Felix plötzlich überhaupt keine Lust mehr, auch nur eine Sekunde länger liegen zu bleiben. Also schwang er sich aus dem Bett, trat hinaus auf den Flur und warf einen Blick über das Geländer nach unten in die Essdiele.


Alle saßen sie schon da: Seine Mutter bemühte sich gerade, eine verklemmte Brotscheibe aus dem Toaster zu angeln, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen. Sein jüngerer Bruder Tobi, den blondenSchopf hell beschienen von einem Streifen Sonnenlicht, kaute versonnen sein geliebtes Müsli. Hin und wieder hielt er inne, um mit der Zunge die Zahnlücke zu befühlen, die von seinem Fahrradsturzv orgestern herrührte. Er war noch im Schlafanzug, genau wie Mathis,der wegen seiner durchdringenden Stimme und seines niemals stillstehenden Mundwerks in letzterZeit von allen nur noch „Schnatti“ genannt wurde.


Herr Jansen erhob sich gerade von seinem Platz, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen.„Moorgen!“ Ausgelassen sprang Felix die Wendeltreppe hinunter, so dass seine nackten Füße auf die Holzstufen niederklatschten und die ganzeTreppe noch leise dröhnend vibrierte, als er sich schon an seinen Platz auf der Eckbank zwängte.


„Iih! Mensch, Schnatti!“ Ahnungslos, aber mit Schwung war Felix in einem dicken Klacks Quark gelandet, den Mathis kurz zuvor auf die Bank hatte fallen lassen. Augenblicklich drang es kalt und glitschig-nass durch den dünnen Stoff von Felix‘ Schlafanzughose.


Hastig fuhr er von der Bank hoch, wobei er unglücklicherweise Mathis’ Kakaobecher umstieß. Und schon ergoss sich die braune Soße über den Frühstückstisch und bahnte sich in Windeseile ihren Weg um die Butterdose herum, zwischen den Marmeladengläsern hindurch und unter den Brotkorb.„


Felix hat in die Hos‘ demacht“, jauchzte Mathis, und Tobi schrie vor Lachen und spuckte dabei ein paar matschige Müsliflocken quer über den Tisch.


Das brachte Frau Jansen endgültig aus der Fassung: „Kann man hier denn nicht einmal in Ruhe frühstücken?!“ Ihre Stimme wurde schrill vor Ärger: „Geh‘ sofort nach oben und zieh‘ dir eine andere Hose an!“


Felix wehrte sich empört: „Aber ich kann dochüberhaupt nichts daf “-


„Schluss jetzt“, fuhr Herr Jansen dazwischen, „ab nach oben!“


„Darum ist sein Po so zart: Täglich eine Quark-Kur“, säuselte Tobi mit verklärtem Blick.


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