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> Kinderbücher > Der Bund der Wächter.
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Der Bund der Wächter., Jürgen Riering
Jürgen Riering

Der Bund der Wächter.


Entführung in Stiepel,

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Der Tag war gelaufen.


Absolut. Langsam zog Phillip die Tür des Hallenbades hinter sich zu.


Alle hatten sich über seine hilflosen Schwimmversuche vor Lachen gebogen, selbst Herr Schneider, der Sportlehrer, hatte sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Phillip schwang seine Tasche über die Schulter. Welcher elfjährige Junge konnte schon nicht richtig schwimmen? Er kannte da nur einen – sich selbst.


Phillip nieste. Verdammte Allergie. Er verfluchte jeden Baum und jede Blume und wünschte, es wäre Winter, wenn alles, was Pollen hervorbringen konnte, unter einer dicken Schneeschicht begraben lag.


„Hatschi.“


„Gesundheit!“, sagte eine Stimme hinter ihm.


Gekicher war zu hören. Phillip drehte sich um. Marek und seine drei Kumpane. Ausgerechnet. Die Schadenfreude darüber, jemanden für ein paar derbe Scherze gefunden zu haben, stand ihnen in den Gesichtern. Phillip kannte das Spielchen nur zu gut. Er musste sich die Gemeinheiten der vier Älteren gefallen lassen.Er konnte eh nichts gegen sie ausrichten.


Marek lächelte finster. Unwillkürlich wich Phillip einen Schritt zurück. Sofort umringte ihn die Bande. „Hatschi.“ Er nieste erneut. Die anderen lachten. „Gesundheit“, rief Spider, den manche Mareks rechte Hand nannten.


„Gesundheit brauchste dem nicht zu wünschen.“ Marek grinste. „Was dem fehlt, ist Intelligenz.“ Er baute sich direkt vor Phillip auf. „Ja, Intelligenz, du Loser. Die haste nötig.“


Phillip fand es albern, dass ausgerechnet Marek von Intelligenz sprach. Der war in Phillips Augen zwar ein Fiesling, aber ein ziemlich dämlicher. Er wagte aber nicht, das laut auszusprechen. „Warst du schwimmen? Ich staune, dass du nicht abgesoffen bist. Obwohl du mit deinem Hohlraum in der Birne bestimmt an der Oberfläche bleibst. Luft schwimmt immer oben.“


Mareks Bande lachte lautstark über den Witz ihres Anführers, während Phillip sich wie ein Kaninchen fühlte, das vor einer Schlange verharrt. „Was ist, du Opfer?“, fragte Marek. „Heulst du immer noch deinem Handy nach?“


Phillip starrte zu Boden. Sein Handy, es war sein allererstes Handy überhaupt, hatten sie ihm vor zwei Wochen abgenommen.


„Damit telefoniere jetzt ich“, johlte Spider.


„Zeig doch mal deine Badehose.“ Marek griff nach Phillips Schwimmtasche und riss sie ihm grob von der Schulter. „Du trägst bestimmt eine in rosa mit Blümchen drauf.“


Marek zog den Reißverschluss der Tasche auf, eine Flasche Shampoo fiel heraus.


„Uuups, das tut mir aber leid. Was ist? Willst du das nicht aufheben?“


Phillip bückte sich steif und griff nach der Plastikflasche, obwohl er genau wusste, was passieren würde. Bevor er sie zu fassen bekam, kickte Marek sie weg. Die anderen johlten. Spider trat die Flasche weiter. Die vier spielten sich das Shampoo zu, während Phillip in der Mitte stand und hilflos zusah.


 


„So was hat die Welt noch nicht gesehen. Vier Idioten, die zu blöd sind, eine Plastikflasche von einem Fußball zu unterscheiden.“


Phillip drehte sich um. Ein Junge lehnte gegen eine Sitzbank. Lässig schlenderte der Fremde zu Spider, der ihn mit offenem Mund anstarrte, und nahm die Flasche direkt von seinem Fuß


weg. Mareks Blick verfinsterte sich. „Wer bist du denn, du Zwerg?“


Der Fremde antwortete nicht. Er drückte Phillip die Flasche in die Hand.


„Was mischst du dich ein?“ Marek war deutlich anzumerken, dass es ihm nicht gefiel, ignoriert zu werden.


Der Fremde lächelte Phillip an. „Du solltest darauf achten, mit wem du dich abgibst“, sagte er. „Ein guter Ruf ist schnell ruiniert.“


Marek schnaubte. Er warf Phillips Tasche zu Boden und stapfte auf den Fremden zu. Dieser trat zwei Schritte zurück. Er hob die Hände, um einen Angriff abzuwehren. Phillip nutzte die Gelegenheit und schnappte seine Tasche. Er warf einen schnellen Blick auf Mareks Freunde. Anscheinend hielten sie es für unnötig, einzugreifen. Wozu auch? Marek gegen diesen Jungen, das war ein Kampf wie David gegen Goliath.


„Gib´s ihm!“, feuerte Spider seinen Anführer an. Marek richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er griff nach der Schulter des anderen, aber dieser reagierte blitzschnell.


Er packte Mareks Arm, stellte ihm ein Bein und riss ihn um. Marek plumpste mit der ganzen Masse seines dicken Körpers auf das Hinterteil und blieb verdutzt sitzen.


„Renn!“, schrie der Unbekannte Phillip zu, drehte sich um und lief los. Phillip brauchte eine Sekunde, dann flitzte er hinterher. Er hörte Marek fluchen, achtete aber nicht darauf, sondern rannte, so schnell er konnte.


 


Phillip schnappte nach Luft. Er spürte heftige Seitenstiche. Marek und seine Bande waren ihnen nicht gefolgt, stellte er erleichtert fest. Gut so. Immerhin waren die in der Überzahl.


Der Fremde lehnte gegen eine Mauer. Phillip beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Er mochte in seinem Alter sein. Sein Haar trug er ganz kurz, bis auf eine blondierte Tolle, die er lässig über die Stirn hängen ließ. Es sah ziemlich cool aus. Der Fremde grinste. „Du siehst richtig. Ich komme wirklich vom Mars“, sagte er. „Was?“, entfuhr es Phillip. „Na, weil du mich so anglotzt“, lachte der andere. „Wie heißt du?“ „Phillip. Und du?“ „Luke!“ „Luke? So wie Lucky Luke?“ „Jepp. Eigentlich heiß ich Lukas, aber nenn mich Luke, okay.“ „Kannst du Judo? Oder war das vorhin Karate?“, fragte Phillip.Phillip schnappte nach Luft. Er spürte heftige Seitenstiche. Marek und seine Bande waren ihnen nicht gefolgt, stellte er erleichtert fest. Gut so. Immerhin waren die in der Überzahl.


Der Fremde lehnte gegen eine Mauer. Phillip beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Er mochte in seinem Alter sein. Sein Haar trug er ganz kurz, bis auf eine blondierte Tolle, die er lässig über die Stirn hängen ließ. Es sah ziemlich cool aus. Der Fremde grinste. „Du siehst richtig. Ich komme wirklich vom Mars“, sagte er.


„Was?“, entfuhr es Phillip.


„Na, weil du mich so anglotzt“, lachte der andere. „Wie heißt du?“


„Phillip. Und du?“


„Luke!“ „Luke? So wie Lucky Luke?“


„Jepp. Eigentlich heiß ich Lukas, aber nenn mich Luke, okay.“


„Kannst du Judo? Oder war das vorhin Karate?“, fragte Phillip.


„Meinst du den Griff, mit dem ich diesen Gorilla umgeworfen habe? Ein einfacher Trick. Hat mein Onkel mir gezeigt.“


Phillip schnäuzte in ein Taschentuch. Er ließ es in der Tasche seiner Jeans verschwinden und betrachtete seine Fingernägel. „Danke für die Hilfe“, sagte er leise.


Luke schwieg und starrte geradeaus. Schließlich fragte er: „Machen die das öfter mit dir?“


„Wer?“


„Diese Typen.“


Phillip wusste nicht so recht, was er sagen sollte. „Ach, so schlimm war das doch nicht.“


Luke blickte ihn an. „Es sah aber schlimm aus.“


Phillip verschränkte die Arme. Er hatte wenig Lust, über Marek zu sprechen. Luke zog die Nase hoch.


„Dieser eine Kerl hat gesagt, sie hätten dir dein Handy weggenommen.“ „Das stimmt“, antwortete Phillip leise. „Und du wehrst dich nicht?“


Phillip riss die Augen auf. „Ich wäre ja verrückt, wenn ich das täte. Die machen mich fertig.“ „Was hast du deinen Eltern gesagt? Wegen der Sache mit dem Handy?“


„Die sind geschieden. Ich wohne bei meiner Mutter.“


„Und was hast du ihr erzählt?“


„Dass ich das Handy verloren hab.“


„Oh Mann“, entgegnete Luke.


Phillip zuckte mit den Schultern. Von Marek hatte er seiner Mom nie erzählt. Auch von dem geklauten Handy wusste sie nichts. Sie wäre sofort in der Schule aufgetaucht und hätte mit dem Rektor sprechen wollen. Das wollte Phillip unbedingt vermeiden. Er beschloss, das Thema zu wechseln. „Warum hast du mir geholfen?“


Luke sah ihn spöttisch an. „Es sah aus, als hättest du Hilfe dringend nötig gehabt.“


Er kicherte, dann wurde sein Blick wieder ernster. „Außerdem habe ich was gegen Typen wie diesen Grobian.“


„Marek heißt der.“


„Marek also. Es hat ihm Spaß gemacht, dich zu quälen.“


Phillip schnäuzte sich erneut.


„Sag mal, besteht deine Nase nur aus Rotz?“


„Das ist eine Allergie. Habe ich immer während dieser Jahreszeit.“


„Sowas muss ziemlich nervig sein.


Phillip versuchte zu lächeln. „Man kann es aushalten.“


„Ich muss jetzt los“, sagte Luke. „Hast du morgen um vier Zeit?“


Phillip nickte. Zeit hatte er immer. Sein einziges Hobby war sein Computer und wirkliche Freunde, die etwas mit ihm unternahmen, hatte er sowieso nicht. Aber über Lukes Frage wunderte er sich. „Kennst du das gelbe Zelt im Ruhrpark?“


Natürlich kannte Phillip das Zelt, das einen Abschnitt in Deutschlands zweitältestem Einkaufszentrum überdachte.


„Dann sei morgen um vier da.“ Luke stand auf und nickte Phillip noch einmal zu. „Bis dann.“ Phillip sah ihm nachdenklich hinterher. Warum sollte er morgen in den Ruhrpark kommen? Luke schien überzeugt zu sein, dass Phillip morgen wirklich ins Einkaufszentrum gehen würde. Und er hatte Recht. Phillip war neugierig geworden.


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