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Kinderbücher
Buch Leseprobe Das zweite Auge, Ulla Hesseling
Ulla Hesseling

Das zweite Auge



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Felix irrte richtungslos durch den Wald. Bei jedem Schritt musste er seinen Fuß aus dem knietiefen Schnee ziehen, nur um beim nächsten Schritt wieder darin zu versinken. Seine Beine bewegten sich inzwischen wie von allein, doch er spürte, dass er diese Art der Fortbewegung nicht mehr lange durchhalten würde. Immer stärker wurde das Verlangen, sich hinzusetzen, nur ganz kurz auszuruhen und ein wenig Kraft zu schöpfen …


Aber was, wenn er hier draußen erfror und ihn keiner jemals lebend wiedersehen würde?


Nein, weiter! Er senkte den Kopf, vergrub die Nase in seinem dicken Schal und fand für einen winzigen Augenblick Trost in dem heimeligen Geruch nach warmer, feuchter Wolle.


Doch dann sah er seine Mutter vor sich, wie sie auf dem Sofa gesessen und an dem Schal gestrickt hatte, und das Gefühl hoffnungsloser Verlorenheit überfiel ihn mit einer Wucht, die sein Herz zusammenpresste und es wie einen kleinen, schlaffen Beutel zurückließ.


Unter trockenen Schluchzern stolperte er weiter.


Dass die Abstände zwischen den Tannen immer größer wurden, bemerkte er nicht – bis er mit einem Mal aus dem Wald heraustrat.


Vor ihm erstreckte sich eine weite, schneebedeckte Fläche, und in einiger Entfernung zeichnete sich inmitten der Dunkelheit ein noch dunklerer Umriss ab.


Felix schleppte sich weiter, und ganz allmählich, mit jedem weiteren Schritt, nahm der Umriss die tröstliche Gestalt eines Heuschobers an.


Endlich an dem kleinen Holzgebäude angekommen, lehnte Felix sich kraftlos gegen die Tür.


Hätte er noch halbwegs klar denken können, dann wäre ihm aufgefallen, dass er schon seit einiger Zeit seine Zehen nicht mehr spürte. So aber kämpfte er nur minutenlang mit der Versuchung, sich einfach an dem Holz herunterrutschen und in den Schnee fallen zu lassen.


Doch dann riss er sich ein letztes Mal zusammen, und nach dem vierten Versuch gelang es ihm endlich, mit der steifen Hand in dem schneefeuchten Handschuh den Riegel zur Seite zu schieben. Mit seinem ganzen Gewicht lehnte er sich gegen die Tür, drückte sie auf und stolperte hinein.


Drinnen empfing ihn Heu, bergeweise Heu! Es duftete intensiv; nur viel wärmer als draußen war es hier auch nicht. Denn an beiden Dachgiebeln gab es Öffnungen, um das Heu zu belüften.


Etwas sagte Felix, dass er gut daran täte, die Tür zu schließen und sich im Heu einzugraben. Doch erschöpft wie er war, taumelte er nur ein paar Schritte über die knisternden, zu einer weichen Schicht aufgeschütteten Halme, sank dann zu Boden und blieb regungslos liegen, wie eine Marionette, die jemand achtlos hingeworfen hat. Gern hätte er geweint vor lauter Verzweiflung. Aber nicht einmal mehr dazu reichte seine Kraft.


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