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Kinderbücher
Buch Leseprobe BesundHeit, rieder elmar
rieder elmar

BesundHeit



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(Berufs)genossenschaften


Vom Adler zum Geier


Wenn sich ein Adler in die Luft erhebt


als stolzes Ziel die Jagd im Sinn


bald fett und träge wie ein Geier schwebt


statt Beute ist nun Aas Gewinn


Rasch bildeten solche Genossen


zusammen eine Kraft


fett und faul genossen


sie die Hinterlassenschaft.


 


Zu Jagen gibt es längst nichts mehr


die Pfründe sind verteilt


der weite Raum ist Beute leer


echte Adler längst enteilt.


 


So mancher von den Geierbossen


hält trotzig noch die Adlerfeder hoch


und so hacken die Berufsgenossen


stolz geschwellt ins letzte Loch.


 


Seht, was uns´re Arbeit schafft


wir frohlocken – über Brösel, kleinste Brocken


selbst Aas wird von Kollegen und Genossen


als Festmahl gern verspeist und sehr genossen.


 


Wir sehen also den Beweis


Aas, Brösel und der letzte Scheiß


geben Geiern zuviel Kraft


- zum Kotzen, was so ein Genosse schafft...


 


 


Aldi wo´s all die schönen Sachen gibt... da zog´s mich neulich hin. Hatte ich doch in einem Prospekt ein Super-Sonderangebot gesehen. Einer dieser Wurfzettel, die einem den Briefkasten verstopfen und irgendeinem Schüler pro 1000 Stück € 5.- einbringen. Oder so. Eigentlich gehe ich nicht in einen Supermarkt, bei mir erledigt das die Freundin. Höchstens, dass ich bis vor die Ladentüre fahre und dort dann auf einem Behinderten-Parkplatz parke. Mit diesen verdammten Krücken und den ewigen Schmerzen kann ich mir eh höchstens eine Tüte um den Hals hängen. Und alles nur, weil mir auf der Autobahn ein Reifen geplatzt ist. Und mir platzt öfters der Kragen, seit ich in die Kategorie "Behindert" gehöre und immer wieder feststellen muss, wie wenig doch an uns gedacht wird. Immerhin, in dem Supermarkt öffnen sich wenigstens die Türen automatisch, sowohl beim Eingang als auch beim Ausgang. Ein echter Fortschritt, wenn man bedenkt, dass die Brüder bis vor kurzem sogar am Telefon gespart haben. Heißes Wasser für´s Personal gibt´s bis heute nicht. Nicht mal ein Faxgerät. Nur zum Verkauf. Und genau deswegen machte ich mir die Mühe, dorthin zu fahren. Irgend jemand würde mir schon helfen, den riesigen Karton zu schleppen. Solche Geräte sind immer verpackt wie für nen Mondflug. Aber der Preis ist unschlagbar und die Qualität passt auch, also musste ich unbedingt so ein Faxgerät haben. Ich hangle mich mit meinen Krücken Richtung Eingang, die Türe öffnet sich automatisch und ich denke, hoffentlich gibt´s die Geräte noch. Normalerweise sind solche Angebote immer ruckzuck vergriffen, aber ich bin früh dran und baue auf mein Glück. Der Boden ist aalglatt, pflegeleichte Fliesen, häßliche Farbe, aber keiner der recht zahlreich anwesenden Kunden interessiert sich dafür. Ich tapse in den Mittelgang, dorthin, wo solche Angebote stehen und sehe schon von weitem die großen Kartons. Ganze 3 Stück stehen da noch. Und ne Menge Leute in der Nähe. Jetzt aber hurtig. 360° Rundumblick - da steht ja ein Krawattenträger am Kühlregal und füllt Ware auf. 2. Gang, tocktack, tocktack, die linke Krücke scheppert ein bisschen, brauch ich mal eine neue. Und ein freundliches Wort an den Herrn: ...ich hätte gerne eines von den Faxgeräten, kann aber den Karton nicht tragen, wären Sie bitte so freundlich? Natürlich ist er, und seinen kurzen mißbilligenden Blick übersehe ich ebenso wie das Schildchen an der Brusttasche "Filialleiter". Mir doch egal. ER steigt von seinem Schemel und geht mir voraus zu den Geräten. Noch 2 Kartons. "Welche Farbe?", fragt er, dabei sieht ein Blinder, dass es nur noch schwarz gibt, aber es sei ihm entschuldigt, er steht im Stress. "Egal", sage ich, "Hauptsache, es funktioniert". Er nimmt einen Karton und trägt ihn Richtung Kasse. Ich auf meinen Krücken hinterher. Leute beobachten uns. Der nette Filialleiter sieht einen Jungverkäufer und ruft ihn an: "Herr Meier, kommen Sie doch mal, kurze Pause - bitte!" Herr Meier kommt und erhält die mündliche Anweisung, den Karton auf das Laufband einer freien Kasse zu tragen, diese in Betrieb zu nehmen, den Kaufpreis zu kassieren, die Kasse zu schliessen und mir den Karton ans Auto zu tragen. Gesagt, getan, Herr Meier nimmt den Karton und legt ihn auf das Laufband der Kasse. An der Nachbarkasse steht eine lange Schlange meist ungeduldiger Hausfrauen und beobachten mich. Herr Meier sagt mir, er müsse schnell den Schlüssel für die Kasse holen, ich möge doch bitte solange warten. Sehr freundlich. Hätte ich sowieso getan. Bleibt mir ja gar nix anderes übrig. Ich beobachte das Damenrudel an der Nachbarkasse. Dort macht sich Nervosität breit und fast bilde ich mir ein, dass ein paar mit den Füssen scharren wie Rennpferde vor dem Start. Wird "meine" Kasse nun geöffnet oder nicht? Natürlich wird sie. Zu diesem Entschluß kommt zumindest eine der Ladies, die im Rudel nicht nur ziemlich weit hinten sondern im Leben wahrscheinlich auch ziemlich weit unten steht. Ohne Zögern wechselt sie die Fronten und stellt sich hinter mich. Pure Höflichkeit, dass ich ihr jetzt erkläre, dass die Kasse eigentlich nicht...., nö - warum eigentlich? Ich grinse ganz freundlich - wer mich kennt, hätte gesagt: süffisant! Mein Grinsen verstärkt sich mit dem Anwachsen der Schlange hinter mir. Komisch, grad eben gings mir doch noch schlecht, immer dieses um Hilfe bitten, auf andere angewiesen sein - und plötzlich geht´s mir saugut. 9 mehr oder wenige nette Damen stehen schon hinter mir. Toll! Und dann kommt Herr Meier, etwas hektisch, nimmt hinter der Kasse Platz, hantiert etwas umständlich mit einem großen Schlüsselbund, das Display leuchtet auf, er schiebt den Kasseneinsatz in die Schublade und fängt an zu tippen. DM 298.-. Ich geb ihm 300, schliesslich trägt er ja noch den Karton bis zu meinem Auto. Er bedankt sich ganz artig, gibt das Geld in die Kasse und schließt sie ab. Dann steht er auf. "Diese Kasse ist geschlossen", sagt er und geht um die Kasse herum. Nimmt meinen Karton und geht vor mir her. Ich werfe 9 Frauen mein süßestes Lächeln zu und folge ihm. Ich spüre meinen Schmerz nicht mehr, die Farbe des Fußbodens ist mir total egal - wie konnte ich nur mit einem Schlag neun Frauen so enttäuschen...


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