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Kinderbücher
Buch Leseprobe Ambrosius und seine sprechende, Helga Rikken
Helga Rikken

Ambrosius und seine sprechende


Biene ... die flotte Lotte

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Inhalt: Jahreskreislauf der Bienen / Jedes Jahr im Winter / * Die Zeit verging / Der Frühling war da / Der Schnee war schon längst geschmolzen * / Die Zeit verging / Der Sommer war da / Der Herbst ließ nicht mehr lange auf sich warten.


 


Er hat sechs Völker. Um zu hören, ob alles noch in Ordnung ist, holt er einen dünnen Schlauch hervor. Was macht er wohl damit? Behutsam nähert er sich seinen Bienenkästen. Die Fluglöscher, sechs an der Zahl, sind öd und leer. Doch jetzt steckt er diesen Schlauch in das erste Flugloch. Na nu! Ob er mit seinen Bienen telefoniert? So sieht es aus, denn das andere Ende des Schlauches hält er an sein Ohr. Wisst ihr, was er hört? Ein gleichmäßiges, leises Summen. Sie schlafen nicht seine Bienen. Sie sitzen wie eine Traube dicht beieinander. Und mitten in diesem dichten Bienengewimmel sitzt ihre Königin. Plötzlich hört er eine Stimme. Ganz leise wimmert etwas. „Hallo, ist da jemand?“, fragt Ambrosius. „Ja, hier spricht die flotte Lotte“. – „Wie bitte?“ – „Ich bin die Arbeitsbiene Lotte und spreche für alle meine Artgenossen. Wer bist du denn?“ – „Ich bin Imker Ambrosius!“ – „Und was machst du an unserem Flugloch?“ – „Ich möchte hören, ob ihr noch lebt!“ – „Ach so, das ist aber lieb von dir, und wie ich finde eine gute Idee. Wenn wir miteinander reden, kann ich dir die neusten Erlebnisse erzählen, und du brauchst dir keine Sorgen mehr um uns zu machen“. Imker Ambrosius war sprachlos. Eine sprechende Biene hatte er noch nie dabei. Er hört aufmerksam zu. Wenn er antwortet, muss er natürlich seinen Mund an den Schlauch halten. So hat er allerhand zu tun, um im richtigen Augenblick den Schlauch zu wechseln. Lustig sieht es aus. Hin und her … hin und her … „Bist du noch da, Ambrosius? Ich, die flotte Lotte, könnte noch ein wenig mit dir plaudern. Im Sommer habe ich keine Zeit“. – „Na, dann los, ich höre! Aber denke bitte daran, dass ich hier draußen in der Kälte sitze. Es schneit vom Himmel hoch. Die Schneeflocken tanzen vor meinen Augen. Bald bin ich ein Schneemann“. – „Was ist denn das?“ – „Schau einmal durch das Flugloch nach draußen, dann wirst du sehen, wer vor eurem Bienenhaus steht und dass in meinem Garten ein dicker, weißer Teppich liegt. Alle Bäume, Sträucher und Beeren sind mit Schnee bedeckt. Auch die Weiden haben einen weißen Mantel an“. – „Oh je, Ambrosius, Kälte ist nichts für uns Bienen! Wir haben hier in unserem Kasten 25 bis 30 Grad Wärme. Weißt du warum? Unsere hochverehrte Königin muss geschützt werden, Aber auch wir. Die Arbeiterinnen müssen überwintern, sonst stirbt unser Volk aus. Wir sind eine große Familie. Zu uns gehören auch noch die männlichen Bienen. Es sind die Drohnen. Im Winter sind sie allerdings nicht bei uns. Moment Ambrosius, ich rufe jetzt die Lissi, es ist meine Sekretärin. Sie ist für die schriftlichen Arbeiten zuständig und wird dir aufzeichnen, wie wir aussehen“. – „Wie bitte?“, sagt Ambrosius. „Ja, ja, nur noch einen Augenblick, dann wirft sie einen Brief durch das Flugloch zu dir nach draußen. Du darfst aber mit keinem Menschen darüber reden, denn es ist unser Geheimnis, mein lieber Freund“. Ambrosius hatte sich kaum von dem Schreck erholt, da schaute auch schon die größte Ecke des Briefes aus dem Schlitz hervor. „Das sind ja wunderbare Bienen“, dachte er. Er wusste doch genau, wie seine Bienen aussehen, wie sie leben und arbeiten. Zu Hause hatte er viele Bücher über die Bienenhaltung. Er hatte schon jahrelang gelesen, um das Leben der Bienen kennenzulernen. Das konnte die flotte Lotte natürlich nicht wissen. Er verabschiedete sich von ihr und stapfte mit dem Brief in der Tasche durch den tiefen Schnee nach Hause. Unterwegs überlegte er, ob er seiner Frau Marie und seinen Imkerfreunden von diesem sonderbaren Erlebnis erzählen sollte. „Nein, nein“, dachte er bei sich, „ich werde schweigen, sonst wird mir die flotte Lotte nichts mehr erzählen“. Er glaubte eigentlich auch, etwas ganz Neues zu erfahren, was nicht in seinen Büchern steht. So neugierig war er noch nie in seinem Leben. So kam es, dass er den Brief erst dann öffnete, als er ganz allein war. Vorsichtig faltete Ambrosius das Blatt auseinander. Seine Hände zitterten ein wenig, denn so etwas hatte er noch nicht erlebt. Bienenpost? Kennt ihr solche Post? Schaut euch das einmal an, was die kleine Lissi-Biene mit ihrem Rüssel gemalt und geschrieben hat!


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