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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Von Sternenschein und Weltenglanz, Cayson Bendix
Cayson Bendix

Von Sternenschein und Weltenglanz


Roter Mond, du kamst so stille

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„Hey Einsiedlerkrebs, alles in Ordnung bei dir?“


Alexandra vernahm eine spöttisch klingende Stimme, gleich darauf spürte sie ein leichtes Rütteln an ihrer Schulter.


Als sie ihre Augen öffnete, erblickte sie direkt über sich das Gesicht ihres Bruders, der sie mit einer Mischung aus Erstaunen, Belustigung und Sorge anstarrte.


„Lass mich weiterschlafen, dann geht’s mir gleich viel besser“, murmelte Alexandra, streifte unbeholfen seine Hand von ihrer Schulter und während sie sich auf die Seite drehte, schloss sie wieder die Augen.


Plötzlich kitzelte sie etwas an ihrer Nase und zugleich nahm sie einen eigentümlichen Geruch wahr, der Erde und frischem Gras glich.


„Meine Güte, Philipp, lass mich einfach in Ruhe!“, maulte Alexandra schlaftrunken und schlug nach oben aus um ihren Bruder abzuwimmeln, der offensichtlich versuchte, sie zu ärgern.


„Das würde ich ja gerne, aber …“, antwortete dieser zögerlich, räusperte sich unbeholfen und griff wieder nach ihrer Schulter.


„Mensch, so schwer ist es doch nicht …!“, rief Alexandra aus und riss wütend die Augen auf. Gerade als sie ansetzen wollte, ihrem Bruder eine Standpauke zu halten, dass er sie nicht ständig ärgern solle, war ihr Zorn mit einem Schlag wie weggeblasen.


Was hatte das zu bedeuten?


Wie konnte so etwas sein?


Warum um alles in der Welt lag sie nackt im Garten?


Mit vor Scham hochrotem Kopf fuhr sie rasch in die Höhe, zog ihre Knie an und bedeckte mit den Händen die wesentlichsten Stellen, ehe sie ihren Blick verwirrt über den knöchelhohen Rasen, den Swimmingpool, die gepflegten Blumenbeete und die drei alten Eichen gleiten ließ, bis er schließlich an Philipp hängen blieb.


Ihr jüngerer Bruder zog die Augenbrauen in die Höhe.


„Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: ist alles in Ordnung bei dir?“


Alexandra atmete einige Male tief ein und aus und weil sie es selbst nicht so genau wusste, tat sie das Einzige, das ihr in diesem Moment richtig erschien: sie zuckte mit den Schultern.


Philipp neigte seinen Kopf zur Seite und musterte sie aufmerksam.


„Hast du bei deiner Geburtstagsparty gestern Abend eventuell … zu tief in Glas geschaut? Oder vielleicht … etwas anderes zu dir genommen?!“


Die Stimme ihres Bruders drang nur gedämpft an Alexandras Ohr, während sie fieberhaft zu rekonstruieren versuchte, was am Vorabend geschehen war. Sie konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass die Party eskaliert wäre oder dass sie zu viel Alkohol getrunken hätte. Alles war normal abgelaufen – eine lustige, gemütliche Feier, so wie geplant. Ihre wenigen auserlesenen, aber dafür umso wertvolleren Freunde waren da gewesen, sie hatten miteinander getanzt, gelacht und herumgealbert. Natürlich hatten sie auf Alexandras 22. Geburtstag angestoßen, aber bei einer Party im Elternhaus des Geburtstagskindes hätte sich ganz bestimmt niemand wirklich betrinken wollen, schon gar nicht Alexandra selbst. Und dass ihr jemand Drogen ins Getränk gemischt hatte, konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen – keiner ihrer Freunde hätte ihr so etwas angetan. Außerdem konnte sie sich noch ganz genau daran erinnern, dass sie sich von allen verabschiedet hatte und dass sie ein paar Minuten später nach einer kurzen Katzenwäsche wie ein Stein ins Bett gefallen war.


„Schwesterchen, was ist passiert?“, wiederholte Philipp seine Frage mit Nachdruck und riss sie damit wieder aus ihren Gedanken.


Alexandra blickte ihn mit großen Augen entgeistert an und zuckte nochmals mit den Schultern. Sie öffnete den Mund, doch bevor sie auch nur ein Wort sagen konnte, fing sie an zu zittern und einige Tränen kullerten über ihre Wangen.


„Wir bringen dich besser rein“, murmelte Philipp nun ernsthaft besorgt, legte ihren Arm um seine Schultern um sie hoch zu ziehen und wickelte sie in eine Decke, die er in einem Anflug von Weisheit mitgenommen hatte.


Alexandra nickte nur stumm und ließ mit sich geschehen. Auch wenn ihr siebzehnjähriger Bruder und sie oftmals stritten, war sie in diesem Moment heilfroh, dass Philipp bei ihr war und ihr zur Seite stand.


Unbeholfen tapste sie mit seiner Hilfe ein paar Schritte Richtung Elternhaus, ehe sie ruckartig stehen blieb.


„Oh mein Gott, wenn Mama und Papa …!“, wandte sie sich hastig an Philipp und abermals wurden ihre Augen feucht.


Gerade als ihr Bruder ansetzen wollte, sie zu beruhigen, vernahm Alexandra das wohlbekannte Knarren der sich öffnenden Terrassentüre. Ihr Blick wanderte rasch in die Höhe, wo sie ihre Mutter Johanna sah, die gerade auf den Balkon trat um die Blumen zu gießen.


Gerade als diese ansetzte, die Pelargonien mit Wasser zu versorgen, fiel ihr Blick auf die seltsame Szenerie vor ihr: ihre Tochter, die in einer Decke eingewickelt im Garten stand, gestützt durch ihren kleinen Bruder, der versuchte, ein gequältes Lächeln aufzusetzen.


Mit einem lauten Knall fiel die vollgefüllte Gießkanne auf den Boden, während Johanna den Kopf schief legte und die Augen zusammen kniff, ehe sie in den Garten hinunter rief: „Junge Dame, kannst du mir mal erklären …!“


Den Abschluss des Satzes hörte Alexandra gar nicht mehr, denn plötzlich wurde ihr schwarz vor Augen, die Kraft in ihren Beinen ließ nach und um sie wurde es still.


***


„Ich versichere dir, Johanna, Alexandra hat gestern Abend bestimmt nicht zu viel getrunken – du kennst doch deine Tochter! Wir haben nur mit zwei, maximal drei Gläsern Sekt auf ihren Geburtstag angestoßen, mehr waren es bestimmt nicht. Alexandra ging es wirklich gut, als wir gegangen sind!“


Amelie, Alexandras beste Freundin aus Kindergartenzeiten, redete hastig und ließ ihren Blick immer wieder rastlos zwischen Alexandras Mutter und Alexandra selbst schweifen. Ihre Augen waren weit geöffnet und ihre Hand hielt Alexandras‘ fest umschlossen, welche noch immer leicht verwirrt auf der Couch lag. Tobias, Alexandras Studienkollege und seit einer Sommernachtsparty vor zirka zwei Jahren auch Amelies Freund, bestätigte die Aussage und nickte dabei heftig.


„Außerdem wollten wir einen klaren Kopf bewahren, weil wir schon wussten, dass heute herrliches Wetter sein würde – perfekt um noch einmal an den See zu fahren und die Badesaison ausklingen zu lassen“, fuhr Amelie fort, ehe ihr von Alexandras Vater Reinhard signalisiert wurde, dass sie still sein solle.


„Habt ihr vielleicht … nun ja … etwas geraucht … oder irgendetwas anderes genommen?“, fragte er leise und beugte sich nach vorne um sie eindringlich zu mustern.


Sowohl Amelie als auch Tobias blickten ihn für einen Moment entgeistert an. Dann legte Alexandras Freundin den Kopf schief, holte tief Luft und erwiderte mit fester Stimme:


„Reinhard, in unserer Gruppe raucht niemand – weder normale Zigaretten noch Gras, wenn du das meinst. Und ich denke, nach 22 Jahren kennst du deine Tochter auch schon so gut, dass du weißt, dass sie mit Drogen nichts am Hut hat!“


Alexandras Vater ließ ihre Worte einen Moment auf sich wirken, ehe er leise seufzte und sich zustimmend nickend wieder nach hinten in den Stuhl fallen ließ. Offenbar hatte ihn Amelies Reaktion überzeugt.


„Also gut, ich will euch mal glauben. Danke, dass ihr vorbeigekommen seid … und dass ihr uns gegenüber ehrlich wart“, brummte Reinhard nach einem kurzen Moment der Stille und stand dann auf um die Freunde ihrer Tochter zur Haustüre zu begleiten. Beide erhoben sich, doch bevor sie den Raum verließen, drückte Amelie Alexandra noch einmal fest an sich.


„Erhol dich gut, Süße, und komm schnell wieder auf die Beine!“, murmelte sie ihr beklommen ins Ohr und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.


Alexandra nickte und setzte ein gekünsteltes Lächeln auf.


„Wird schon wieder – Unkraut vergeht nicht, wie es so schön heißt!“


Ihre beste Freundin seufzte und schüttelte bedrückt den Kopf, ehe sie Tobias an der Hand nahm und Beide mit einem „Bis bald“ den Raum verließen.


Alexandra blieb mit ihrer Mutter alleine zurück, welche sie eingehend musterte. Erst jetzt fiel der jungen Frau auf, dass Johanna während der gesamten Unterhaltung kein Wort gesagt hatte und sie wusste nicht, ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen war. Kurzerhand fasste sie sich ein Herz und setzte sich auf.


„Mama, bitte, du …“, setzte Alexandra an, doch ihre Mutter deutete ihr mit einer Handbewegung, still zu sein.


„Also gut, nehmen wir an, ihr habt wirklich nicht viel getrunken, ihr habt nicht geraucht und auch sonst nichts genommen, was dazu führen könnte, dass du ohne jede Erinnerung vollkommen nackt im Garten aufwachst. Welchen Grund könnte es deiner Meinung nach sonst noch geben, dass du dich mitten in der Nacht aus dem Haus stiehlst?“


Johanna betrachtete ihre Tochter aufmerksam, doch ihr Blick hatte sich von einem skeptischen zu einem sorgenvollen verändert. In ihrem Inneren wusste die Mutter, dass ihre Tochter so verantwortungsbewusst war, dass sie sich gestern Abend nicht volllaufen hatte lassen. Manchmal, so schien es Johanna, war sie sogar ein wenig zu verantwortungsbewusst für ihr Alter. Und Drogen kannte ihre eher introvertierte, zurückhaltende Tochter wohl eher auch nur aus Büchern, in die sie gerne stundenlang ihre Nase steckte. Da musste sie, Johanna, bei dem Jüngeren der Beiden, Philipp, ein wenig mehr aufpassen, dass er nicht auf die schiefe Bahn geriet.


Alexandra bemerkte den sorgenvollen Blick ihrer Mutter, die ihr und den beiden anderen ebenfalls zu glauben schien.


„Ich weiß es nicht, Mama, ich habe leider wirklich keine Ahnung. Wie gesagt, nachdem alle weg waren, bin ich nur noch schnell ins Bad um Zähne zu putzen und danach bin ich direkt in mein Zimmer gegangen, weil ich so müde war. Dort habe ich mir noch meine Schlafhose und ein T-Shirt angezogen und dann bin ich eingeschlafen – in meinem Bett“, antwortete Alexandra kopfschüttelnd und schluckte schwer.


„Also … Zähne geputzt … in dein Zimmer gegangen … umgezogen … ins Bett gelegt … eingeschlafen“, wiederholte Johanna nachdenklich und biss sich auf ihre Unterlippe.


„Genau so war’s. Und heute Morgen wache ich auf und …“, setzte Alexandra an, doch ihre Stimme brach und sie musste dagegen ankämpfen, die aufkeimenden Tränen zu unterdrücken.


Was war nur los mit ihr?


Wurde sie verrückt?


Ihre Mutter stand rasch von ihrem Sessel auf, setzte sich auf die Sofakante und fuhr ihr sanft durch die Haare und über ihr Gesicht.


„Ruhig mein Schatz, ganz ruhig. Es ist alles gut. Nun bist du ja hier und wir passen auf, dass so etwas nicht noch einmal geschieht. Wir werden schon herausfinden, was passiert ist. Ich denke, das Beste wird sein, du schläfst jetzt noch einmal ein wenig und ich wecke dich dann für das Mittagessen auf. Du wirst sehen, in ein paar Stunden sieht die Welt gleich ganz anders aus.“


Alexandra nickte kraftlos und ließ ihren Kopf wieder auf die weichen Polster sinken.


Ihre Mutter hatte sicher recht. Ein wenig Schlaf würde ihr und ihren angespannten Nerven ganz bestimmt gut tun. Und vielleicht wäre ihr Kopf danach wieder ein wenig freier – möglicherweise könnte sie sich dann auch an weitere Details von gestern Abend erinnern.


Die junge Frau seufzte noch einmal tief und schloss die Augen, während sie spürte, dass ihre Mutter etliche Male sanft über ihren Kopf streichelte. Mit jedem Atemzug und jeder Berührung von Johannas warmen Händen löste sich die Anspannung in Alexandras Körper und nur wenige Minuten später ging ihr Atem regelmäßig und tief und sie fiel in einen traumlosen, erholsamen Schlaf.


Als sich Johanna sicher war, dass ihre Tochter im Land der Träume schlummerte, erhob sie sich vom Sofa und zog die Vorhänge zu um das Licht im Wohnzimmer zu dämpfen. Nach einem letzten prüfenden Blick auf die schlafende Alexandra ging sie in die Küche, wo sie am Fenster stehen blieb und nach draußen in den Garten blickte.


Was war gestern Nacht bloß passiert?


War ihre Tochter vielleicht schlafgewandelt?


Gerade als sie sich kopfschüttelnd wieder abwenden wollte um mit dem Kochen zu beginnen, fiel ihr Blick auf den kleinen Stehkalender, der neben der Kaffeemaschine stand. Neben einigen alltäglichen Einträgen stand ″22. Geburtstag Alexandra″ als Notiz bei dem gestrigen 27. September.


Gerade als Johanna sich wegdrehen wollte, fiel ihr Blick plötzlich auf ein Kalender-Symbol, das neben dieser handschriftlichen Notiz angebracht war.


Augenblicklich wurden ihre Augen größer, ein Seufzen entglitt ihren Lippen und mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.


Natürlich.


Das musste ihrer Tochter widerfahren sein.


Einen Moment lang zögerte sie.


Es würde sie nur einen Anruf kosten, um die Bestätigung dafür zu bekommen, was sie vermutete, doch Alexandras Leben wäre danach nicht mehr dasselbe.


Doch hatte sie das Recht, ihre Tochter im Dunkeln tappen zu lassen?


Sie in dem Glauben zu lassen, dass sie verrückt würde?


Sie atmete schwer aus und griff dann zu ihrem Handy. Das Freizeichen ertönte zwei Mal, danach knackte es kurz und eine ältere, aber dennoch fest klingende Stimme am anderen Ende der Leitung war zu hören: „Hallo?“


„Mutter, ich bin es, Johanna. Ich denke, es ist soweit – deine Enkelin braucht dich!“


Ende der Leseprobe


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