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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Unheimliche Begegnungen, Michael E. Vieten
Michael E. Vieten

Unheimliche Begegnungen


Aus der Zwischenwelt

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“Oh, dieser alte Wolf damals war ein schlauer Hund. Der Teusch hat ihn im Winter erschossen. Aber die Fähe nicht, und die hatte im Sommer einen Wurf Junge.”, antwortete der Alte.
“Sie haben diesen Förster gekannt?”, fragte ich ihn ungläubig und rechnete in Gedanken kurz nach, ob das möglich sein konnte.
 Es konnte nicht sein. Sonst wäre dieser alte Mann weit mehr als 100 Jahre alt.
“Nein, nein. Da war ich noch nicht geboren. Aber mein Großvater und mein Vater kannten ihn gut. Die beiden arbeiteten damals für den Teusch im Wald”, entgegnete er.
 Ich schaute Markus Vater kurz an, er erwiderte meinen Blick und der Alte erzählte weiter.
“Der alte Wolf schlich im Winter um die Häuser am Ortsrand von Deuselbach und Hilscheid. Das ist nicht weit entfernt von hier. In Hilscheid hatte man ihn sogar am untersten Brunnen, am Ortsausgang in Richtung Dhronecken gesehen. Alle Dorfbewohner hatten Angst und keiner fühlte sich mehr sicher. Dann hat man den Teusch beauftragt dem alten Isegrim eins zu verpassen, hahaha”, lachte der Alte und lebte sichtlich auf. Er genoss offenbar unsere Aufmerksamkeit.
“Na ja, und heute, in unserer lauten Welt, leben die Wölfe hier eben etwas zurückgezogen. Aber hier im Wald ist immer noch ihr Revier.”
Der Alte schien davon wirklich überzeugt zu sein.
 Nun ja, dachte ich. Der Wald ist groß. Vielleicht sind Wölfe auch aus dem nahe gelegenen Frankreich eingewandert. Wer weiß das schon? Aber konnte das wirklich sein? Rheinland-Pfalz gehört zwar zu den Bundesländern mit den größten, zusammenhängenden Waldgebieten in Deutschland, aber Wölfe? Die müssten doch irgendjemandem aufgefallen sein. Jägern, Spaziergängern oder Waldarbeitern. Sicher irrt sich der Alte oder will uns einen Bären aufbinden.
“Markus”, rief der Mann nach seinem Sohn. “Komm, wir müssen weiter.” Er wendete sich dem Alten zu und sagte: “Nicht weil wir Angst haben, guter Mann. Aber wir wollen heute Abend wieder in Malborn sein. Wir werden erwartet. Die Geschichte war spannend. Vielen Dank. Aber nun haben wir noch einen ordentlichen Marsch vor uns.”
Der Mann trank den letzten Schluck Kakao aus seinem Becher und stand auf. Er verstaute seine Brotdose in seinem Rucksack und schüttelte seinen Becher aus. Dann schraubte er ihn wieder auf die Thermoskanne und steckte sie ebenfalls in seinen Rucksack.
 Esther nahm wieder neben mir auf der Bank Platz. Durstig griff sie nach dem Becher Tee auf dem Tisch. Während sie trank, schaute sie Markus Vater über den Becherrand dabei zu, wie er den Rucksack schloss und ihn umhängte.
“Sie wollen doch jetzt nicht noch zu Fuß nach Malborn? Das schaffen sie vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr. Das ist viel zu gefährlich”, mahnte der Alte.
“Ach was. Das schaffen wir schon, nicht wahr Markus?”, entgegnete Markus Vater.
 Dabei legte er seine Hand auf Markus Schulter und zog ihn näher zu sich. Die beiden verabschiedeten sich und machten sich auf den Heimweg. Der Alte schüttelte wortlos den Kopf.
 Auch mir fiel es jetzt auf, dass die Sonne schon sehr tief stand. In weniger als einer Stunde würde sie untergehen und das Tageslicht schwinden. Ich musste mich auch auf den Heimweg machen. Ich hatte noch etwas mehr als eine Stunde bis zu meinem Auto zu laufen.


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