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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Turoon, Michael Kerawalla
Michael Kerawalla

Turoon



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Der nächste Arbeitstag verlief ebenso ereignislos. Obwohl Torg die Lingits zu noch höherer Leistung nötigte, um Cherous Fehlen auszugleichen, fand Saira nach der Arbeit noch genug Kraft, um ihre Suche nach einer geeigneten Stelle zur Flucht fortzusetzen. Wieder streifte sie so vorsichtig wie möglich an den magischen Barrieren entlang, achtete darauf, von niemandem beobachtet zu werden. Zum Schutz legte sie noch einen Wach-Zauber um sich, der ihr die Annäherung anderer Lebewesen melden würde. Ihre Suche blieb auch diesmal längere Zeit erfolglos. Sie wollte schon für den heutigen Tag aufgeben und zur Schlafhöhle zurück schwimmen, als sie auf einmal die Signatur eines bekannten Zaubers spürte. Vorsichtig näherte sie sich der Stelle und sah sich um. Das Gelände war hier völlig offen und kein Lebewesen konnte sich unbemerkt anschleichen. Zwar war Saira nun auch gut zu sehen, aber so weit von der Schlafhöhle entfernt war ihr bisher noch kein größeres Lebewesen begegnet. Vorsichtig tastete sie den Zauber ab, prüfte seine Funktion und seine Grenzen. Er war kompliziert, aber Saira war durchaus in der Lage, ihn soweit zu begrenzen, dass eine Öffnung entstand, durch die sie unbemerkt entwischen konnte. Triumphierend rieb sie sich die Hände. Endlich hatte sie eine Möglichkeit zur Flucht gefunden! Schon wollte sie sich auf den Zauber konzentrieren, um ihn soweit zu begrenzen, dass sie in der Lage war, hindurch zu schlüpfen. Da alarmierte sie plötzlich ihr Wach-Zauber über die Annäherung eines fremden Lebewesens! Saira sah sich erschrocken um, konnte aber zuerst nirgends etwas erkennen. Erst, als sie den Kopf hob, sah sie einen großen Galanx direkt von oben auf sie zu schwimmen. Er hatte sie wohl noch nicht entdeckt, weil er so gemächlich dahin schwamm, aber er konnte sie jeden Moment erspähen! Panik stieg in ihr auf. Hier in dem offenen Gelände gab es keinerlei Versteckmöglichkeiten. Wenn dieser Wächter sie bemerkte, hätte das bestimmt sehr unangenehme Folgen für sie, denn sie durfte sich hier eigentlich nicht aufhalten! Der Galanx kam immer näher! Was sollte sie nur tun? Verzweifelt sah sie sich um, aber es gab wirklich keine Möglichkeit sich zu verstecken! Schon war der Galanx so nah, dass er sie jeden Moment entdecken würde! Da tat Saira das einzig Richtige. Sie ließ sich auf den Sand sinken und wirkte einen Zauber, der sie unsichtbar machte. Das Problem war nur, dass dieser Zauber sehr viel Kraft kostete, so dass sie ihn nicht lange aufrecht erhalten konnte. Ausserdem beherrschte sie ihn noch nicht vollständig. Solange sie sich nicht bewegte, war alles in Ordnung. Doch jede noch so kleine Bewegung würde zumindest ihre Konturen sichtbar machen, weil am Rand des Zaubers geringe Unregelmäßigkeiten auftraten, die nur ein erfahrener Magier unterbinden konnte. Dazu würde jedes leichte Flackern ihre Leuchtorgane durch den Zauber hindurch schimmern und sie verraten! Der Galanx war nun genau über Saira. Sie spürte sogar die Wasserströmungen, die sein Körper verursachte. Trotz ihrer Panik versuchte sie ruhig zu bleiben. Jetzt nur nicht bewegen und ja kein Licht abgeben! Der Galanx schien sie nicht bemerkt zu haben, denn er musterte nur scheinbar gelangweilt die Umgebung. Dann blickte er genau in ihre Richtung. Hatte er doch ihre Konturen bemerkt? Sein Blick blieb länger auf sie gerichtet. Saira wagte kaum zu atmen. Da entsann sie sich, dass der Zauber sie nur rein optisch schützte. Wenn er jetzt seinen Sonar benutzte, würde er sie sofort entdecken! Der Blick des Wächters war immer noch auf sie gerichtet. Saira konnte kaum noch ein Zittern unterdrücken. Zudem entzog ihr der Zauber immer mehr Kraft, so dass sie ihn bald nicht länger aufrecht erhalten konnte, aber der Galanx bewegte sich nicht von der Stelle. Sie ließ ein Stoßgebet los, dass er endlich weg schwimmen sollte, doch erst als Saira schon einer Ohnmacht nahe war, zog der Galanx schließlich mit langsamen Bewegungen weiter. Völlig entkräftet löste Saira den Zauber auf und lag schwer atmend im Sand. Das war gerade noch einmal gut gegangen! Sie hob den Kopf und sah sich vorsichtig um, aber es war niemand in der Nähe. Selbst diese Bewegung kostete sie enorme Anstrengung, doch sie musste zurück schwimmen, bevor die Dunkelphase begann, sonst würde man ihr Fehlen bemerken. So mobilisierte sie schließlich all ihre Reserven und schleppte sich mit letzter Kraft zur Schlafhöhle. Der Weg schien unendlich weit zu sein. Allmählich begann ihr sogar schon die Sicht zu verschwimmen. Sie sah den Eingang der großen Höhle nur noch als unscharfe, leuchtende Kontur und hoffte, mit keinem anderen Lingit zusammen zu stoßen, während sie hindurch schwamm. An der nächstmöglichen Stelle ließ sie sich in den Sand sinken, dann brach sie bewusstlos zusammen.


 


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