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Süd Salatonien


von Jan Michalsky

fantasy
ISBN13-Nummer:
9783941511057
Ausstattung:
490 Seiten, Paperback
Preis:
12.00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Zaria Prophetia
Kontakt zum Autor oder Verlag:
jan.michalsky@salatonien.de
Leseprobe

Pein Eppel wurde auf einmal aus irgendeinem Grund unwohl. Dieses Gefühl fand seine Begründung darin, dass die Masse der Einwohner ihnen offensichtlich zu folgen schien. Zumindest dachte er das … Doch dann gingen sie an ihnen vorüber und schritten hurtig zu einem riesigen weißen Gebäude in den äußeren, unbewohnteren Bezirken der Stadt, vor dem sich eine riesige Obst- und Gemüsemenge versammelt hatte. Ein Chor, gemischt aus den verschiedensten Stimmen, wurde mit jedem Schritt lauter und bald kristallisierte sich eine klare Forderung heraus:

»Schuldig! Schuldig! Schuldig!« Die imposanten Säulen, die Statue einer Karotte mit verbundenen Augen, einem Schwert und einer Waage in der Hand sowie die Ausrufe des Pöbels ließen keinen Zweifel daran, dass dies das Gerichtsgebäude Karotoniens war, und auf den Zehenspitzen versuchte Starvarius, dieselbe Erkenntnis zu erlangen.

 

Vorsichtig tippte er einer besonders wütend brüllenden Möhre auf die Schulter und fragte in gehobener Lautstärke, um gegen die Geräuschkulisse anzukommen: »Entschuldigung, aber könnten Sie mir sagen, was hier los ist?« Der alte Karotener stellte für einen Augenblick sein wildes Gebrüll ein und wandte sich der Sternfrucht zu. »Was hier los ist?! Sie machen heute mit der Zahnfee kurzen Prozess! Dieses Miststück!« Fragend schaute die schockierte Sternfrucht drein.‘

 

,Jetzt bin ich aber mal gespannt!‘ Scheinbar konnte sich der Spiegel diesen Einwurf nicht verkneifen. So unterbricht Schiel kurz ihre Geschichte und macht ein paar Blubberblasen mit ihrer Pfeife. ,Wie bitte?‘ ,Die Zahnfee war unter den Menschen immer sehr beliebt. Kinder legten ihre Milchzähne unter das Kissen und sie ließ etwas Geld da.‘ Schiel schüttelt seufzend den Kopf. ,Das hat sie immer noch gemacht. Leider kommt so etwas in Süd Salatonien nicht so gut an …

 

»Hängt sie auf!«, brüllte ein wütender Greis aus der Mitte der Masse. »Hängt sie auf!«, antwortete der aufgebrachte Pulk. »Warum sollte man die Zahnfee hinrichten?«, fragte der Leibwächter, während er versuchte, Pein Eppel vom Gehen abzuhalten. »Erinnert ihr euch noch an Kühe?« Starvarius nickte. Obwohl er lange in der Wildnis gehaust hatte, war es auch ihm nicht entgangen, dass Kühe die letzten Tiere waren, die noch köstliche Milch gaben. Ebenso bewusst war ihm auch, dass ihre Art unglücklicherweise vor ungefähr zehn Jahren ausgestorben war. »Die letzte Kuh ist ja vor zehn Jahren gestorben und jetzt kriegen wir das Zeug nur noch aus der Rückgewinnung von Milchzähnen. Wir haben alles versucht, um sie bis zur Kollektivabgabe vor dieser Hexe zu verstecken, doch selbst unter unseren Kopfkissen findet sie die Dinger und klaut das Zeug. Und was tut sie dann noch? Lässt nutzlose Papierfetzen da, um uns zu verspotten! Richtet sie! Schuldig!«

 

Mit den letzten Worten fiel er zurück in das übliche Grölen und wandte sich der Masse zu, als die Tür des Gerichts aufschwang und der Karotenenrichter, gefolgt von zwei Wachen, welche die Zahnfee gefesselt mit sich führten, hinaustrat. Feierlich hob der Richter die Hände in die Höhe, woraufhin die Gemeinschaft in freudiger Erwartung seiner Entscheidung verstummte. »Das Urteil ist gefallen.« Schweigen auf dem Platz. »Tod durch Hai!« »JAAAA! SCHULDIG! RICHTET SIE!« Die Masse war außer sich und Starvarius stand handlungsunfähig zwischen ihnen. Pein Eppel allerdings war wieder voll in seinem Element und schrie freudig mit: »Hängt sie auf! Schuldig!«, ehe die Sternfrucht ihn mit einem Ellbogenstoß zum Schweigen brachte. Das war das Zeichen für die Gerichtsdiener. Unter tosendem Applaus schoben sie ein riesiges Aquarium auf den Platz, in dem sich zwei gewaltige Haie grazil tollend dem Publikum präsentierten. Die beiden Wächter zogen die Zahnfee herbei. Sie sah ein wenig aus wie die Menschen aus den Bilderbüchern, nur mit ein paar zierlichen Flügel, die aus dem langen weißen Gewand ragten, und dass sie kaum größer als die Früchte war. »Lasst mich! Ich hab doch nichts Böses getan!« Doch ihre Rufe gingen in der jubelnden Masse unter. Als die Wachen die Verurteilte kopfüber in das Becken steckten, wandte Starvarius den Blick ab – und mit einem Happs ging ein »Hurra!« durch die Reihen der Bewohner. Die Sternfrucht packte ihren enthusiastischen Begleiter am Arm, der wie ein kleines Mädchen kichernd in die Hände klatschte, und zog ihn hinter sich her.

Klappentext

Viele Jahrtausende nach dem Untergang der Menschheit erhebt sich die nächste Stufe intelligenten Lebens auf der Erde: Die Salatonier! Zwei dieser skurrilen Bewohner sind der melancholisch-depressive Choleriker und Hobby-Sadist Pein Eppel und sein idealistischer Begleiter und selbsternannter Leibwächter Starvarius.

 

Während die beiden versuchen, sich in ihrer chaotischen und kuriosen Welt zurecht zu finden, gelangen sie durch schieren Zufall an die Prophezeiung des mysteriösen Propheten Nostradanuss. Mit Hilfe der unvorstellbaren Geschöpfe Süd Salatoniens und nicht zuletzt der Unterstützung des Gottes des Wahnsinns selbst, kommen sie ihrem Ziel, der Höhle des Schicksals, immer näher.

 

Doch nicht nur mächtige Feinde wie der groteske Mutantengeneral Krudding, halb Krähe, halb Pudding, stellen sich ihnen in den Weg, sondern auch die bizarren kulturellen und politischen Konflikte der widersprüchlichen Einwohner ihrer Welt führen sie von einem Schlamassel in das nächste.

 

Mit unerschütterlicher Motivation jedoch treibt die optimistische Sternfrucht ihren störrischen Begleiter von Abenteuer zu Abenteuer ihrem scheinbar unerreichbaren Ziel entgegen.

Rezension

"Süd Salatonien" ist ein herrlich verrücktes Abenteuer, in dem die Menschheit ,ihr Fett wegbekommt'. Wenn Tomaten, Gurken und Ananas wegen der Prophezeiung einer Nuss - Verzeihung: "Nostradanuss" die Krise kriegen, wird die Fabel artige Geschichte schnell zu einem Spiegel unserer heutigen Gesellschaft. Pflanzenfressende Vögel, die stark an Immobilienhaie, Vertreter verschiedener Versicherungen oder Autoverkäufer erinnern, machen den eigenen Charme dieser absolut genialen Story aus. Immer wieder finden sich kleine Seitenhiebe auf uns Menschen. Diese Story beweist, intelligentes Leben, ob aus Fleisch und Blut oder aus Fruchtfleisch und Fruchtsaft, bedeutet nicht unbedingt, dass man mit Sorgfalt mit diesem ,Geschenk' des Daseins umgeht.

 

Dem Autor ist mit dieser satirischen ,Obstsalat-Salat-Mix-Parodie' ein phantastischer Treffer gelungen. Jan Michalsky, Jahrgang 1987 und seit 2010 Student des Fachs Master Germanistik, beweist mit pechschwarzem Humor und einem guten Schuss Satire, dass sich sein Debüt-Werk durchaus mit Klassikern wie "Quer durch die Galaxis und dann links ." messen kann. Das Cover erinnert an die Figuren um "Sponge Bob Schwammkopf", so dass dieses Buch auch in Comicform reißenden Absatz finden würde.

 

Alle Jugendlichen und jung gebliebenen Lesern ab 16 Jahre, gleich welchen Geschlechts, die gute Satire mit schwarzem Humor lieben, werden an dieser Story ihre helle Freude haben. (Petra Weddehage, Rattus Libri)