Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Stein der Finsternis
Belletristik Bücher
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Stein der Finsternis, Michael Kerawalla
Michael Kerawalla

Stein der Finsternis



Bewertung:
(0)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1199
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Buchhandel.de
Drucken Empfehlen

Gegen Mittag erreichten sie schließlich ein breites Tal, dessen Eingang von zwei riesigen, dunklen Basaltsäulen begrenzt wurde. Direkt davor blieb das Einhorn stehen und meinte: »Dies ist der Eingang zur Schmiede des Donners. Ab hier müsst ihr nun alleine weiter, denn ich darf dieses Gebiet nicht betreten.« So ließen sich Keh und Hri vom Rücken des Einhorns gleiten und standen zuerst auf wackligen Beinen da. Nach dem langen Ritt war es ein seltsames Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. »Durchquert einfach das Tal bis ihr die Schlucht an seinem Ende erreicht. Geht dann immer am Rande der Schlucht entlang. Sie führt euch direkt zum Meer des Feuers. Doch seid auf der Hut! Dies ist ein gefährlicher Ort voller Hitze und giftiger Dämpfe. Haltet euch nicht zu lange darin auf, sonst nehmt ihr gesundheitlichen Schaden. Weicht vor allem nicht von den festen Wegen ab, sonst könntet ihr euch schwer verletzen oder sogar sterben! Ich wünsche euch viel Glück und Erfolg auf eurem Weg! Kehrt einfach hierher zurück. Ich werde so lange auf euch warten«, sprach das Einhorn zu den Velben und verneigte sich dann zum Abschied höflich.
»Vielen Dank für deine Hilfe und deinen Rat!« antwortete Keh. Dann verneigten sich die beiden Velben vor dem Einhorn. »Ich hoffe wir sehen uns bald wieder!« Dann gingen sie zögernd auf den Eingang zwischen den Basaltsäulen zu. Blieben davor kurz stehen, winkten dem Einhorn noch einmal zu und betraten schließlich das Tal. Die Umgebung änderte sich schlagartig. Hier bestand alles aus dem gleichen dunklen Gestein. Überall dampfte, kochte und brodelte es zu beiden Seiten des Weges. Vertiefungen, angefüllt mit kochendem, widerlich stinkendem, gelbem Schlamm, zischende, braune Rauchfontänen, brodelnde Wasserbecken und fauchend Geysire säumten den Weg. Ein permanenter, unangenehm stechender Geruch lag in der Luft und machte das Atmen schwer. Dampf behinderte immer wieder die Sicht und die zunehmende Hitze erschwerte das Gehen. Dieser Ort wirkte ziemlich furchteinflößend auf die beiden Velben und sie blieben eng beieinander, um nicht versehentlich vom Weg abzukommen. Manchmal tränten ihnen von den giftigen Dämpfen die Augen oder sie mussten heftig husten, während sie das Tal durchquerten. Nach einiger Zeit schwächte sich jedoch der unangenehme Gestank ab, als sie direkt von vorne einen Luftzug verspürten, der die Wolken aus giftigen Gasen vertrieb. Schließlich erkannten sie in einiger Entfernung einen schmalen Durchgang, der das Tal auf dieser Seite begrenzte und von dem aus auch der Luftzug kam. Als sie ihn durchquerten bot sich ihnen ein atemberaubendes Bild. Sie standen auf einem kleinen Hochplateau am Rande einer tiefen Schlucht, auf deren Grund ein glühender, heißer Strom träge dahinfloss, aus dem immer wieder glühende Fontänen hervorspritzten und Rauch aufstieg. Die Luft war erfüllt von permanent an- und abschwellendem Donner. Überall waren mächtige Berge zu erkennen, aus deren Spitzen glühende Fontänen sprühten. Mächtige Krater mit glutflüssigem, waberndem Inhalt gefüllt, dazwischen weitere Schluchten mit glühend heißen Strömen durchzogen die Landschaft. Keh blickte sich fasziniert um, ließ seinen Blick über die schaurig schöne Landschaft gleiten, bis er bemerkte, wie Hri sich an ihn klammerte. Erst jetzt bemerkte er, wie sie zitterte, sah die Angst in ihren Augen. Für einen Moment war er über ihre heftige Reaktion verwundert, dann wurde ihm klar, warum sie plötzlich so verängstigt war. Sie hatte erst vor kurzem ausgesprochen schmerzhafte Erfahrungen mit dem Feuer gemacht und hier war sie plötzlich von lauter Hitze und Feuer umgeben. Kein Wunder, dass sie die Umgebung ängstigte. Er wandte sich um und schob sie zurück durch den Ausgang in das Tal, aus dem sie gekommen waren. Dort nahm er sie in den Arm und sprach beruhigend auf sie ein. Ihr Zittern ließ nach und die Angst wich langsam aus ihren Augen. »Geht's wieder?« fragte er sanft und streichelte ihr über den Kopf. Sie nickt nur und sah ihn dann entschuldigend an. »Ist schon gut Hri«, meinte er beruhigend. »Wenn du nicht weiter kannst, bring' ich dich zurück zum Einhorn und mache mich alleine auf den Weg. Dort bei dem Einhorn bist du in Sicherheit.«
»Das ist wirklich lieb von dir, Keh«, antwortete Hri verlegen. »Aber lass mich bitte bei dir bleiben. Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, dich dort in Gefahr zu wissen, während ich nicht bei dir bin. Ja, ich habe Angst vor dem Feuer, aber so lange du bei mir bist, ist die Angst erträglich.« Dabei warf sie ihm einen schon fast flehenden Blick zu.
»Glaubst du wirklich, dass du das auch schaffst?« fragte Keh besorgt. »Du brauchst dich wirlich nicht dafür zu schämen, wenn du nicht mitgehen kannst!«
»Ich weiß, Keh!« bestätigte Hri dankbar. »Aber ich will wirklich lieber bei dir sein und ich schaffe das auch, solange du in meiner Nähe bist!« Wieder warf sie ihm einen um Verständnis bittenden Blick zu.
Keh zögerte kurz und stimmte schließlich zu. »Aber versprich mir rechtzeitig Bescheid zu sagen, wenn du nicht mehr weiter kannst!«
»Das tue ich ganz bestimmt!« versprach Hri dankbar.
Keh blickte sie mit einer Mischung aus Stolz und Mitleid an. »Mein tapferes Mädchen...« sprach er dann zu ihr und in seiner Stimme schwang eine ganze Menge Stolz mit, worauf Hri verlegen den Blick senkte. Keh drückte sie noch einmal kurz an sich und meinte dann behutsam: »Komm, lass uns gehen.« Dann traten sie wieder durch den Ausgang auf das Felsplateau hinaus, von dem aus sich ein schmaler, aber befestigter Weg am Rande der Schlucht fortsetzte. Bevor Keh ihn betrat, blieb er noch einmal stehen. »Schaffst du es wirklich?« fragte er Hri noch einmal besorgt. Hri nickte nur tapfer und versuchte entschlossen zu wirken, was ihr aber nicht ganz gelang. »Also gut, dann komm«, sprach er freundlich und reichte ihr die Hand. Sie griff dankbar danach und folgte ihm dann auf den Weg in die Schlucht hinein. Keiner von beiden bemerkte den hoch über ihnen kreisenden Stymvalis. Am Anfang war der Weg, der direkt an der Wand der Schlucht entlanglief und langsam nach unten führte, noch breit genug, dass sie nebeneinander gehen konnten, aber allmählich wurde er immer schmäler, manchmal sogar so schmal, dass die beiden Velben nur noch eng an die Felswand geschmiegt vorwärts kamen. Keh hielt sein Versprechen und blieb immer ganz nahe bei Hri, sonst hätte sie diese Engstellen niemals durchqueren können. Zusätzlich machte ihnen die zunehmende Hitze und der heftige Wind zu schaffen. Als sie etwa auf halber Höhe der Schlucht angekommen waren, fehlte ein Stück des Weges. Es war einfach weggebrochen und in die Tiefe gestürzt. Zwar war es nur ein kurzes Stück, das man ohne weiteres mit einem kräftigen Sprung überwinden konnte, aber der heftige Wind machte die Sache zu einem gefährlichen Unternehmen. Außerdem konnten die Velben nicht genau erkennen, ob das andere Stück des Weges nicht zu porös war und sie beim Aufsetzen nicht einfach in die Tiefe stürzen würden. Auch war die Stelle, an der sie gerade standen ziemlich schmal, so dass sie nur hintereinander eng an die Felsen geschmiegt stehen konnten. Es würde schwierig sein, von hier aus richtig abzuspringen. Auch konnten sie keinen Anlauf nehmen. Die Sache war also alles andere als einfach. Hri blickte ängstlich über den Wegesrand hinaus. Obwohl sie bereits zur Hälfte abgestiegen waren, befanden sie sich immer noch in Schwindel erregender Höhe. Unter ihnen wälzte sich der glühend heiße Strom träge dahin. An seiner Oberfläche zerplatzten immer wieder riesige Gasblasen und glühende Fontänen sprühten in die Höhe. Der heftige Wind zerrte an ihren Gewändern und die Hitze erschwerte das Atmen beträchtlich.
»Was sollen wir nur tun?« rief Hri verängstigt und klammerte sich an Keh.
»Uns bleibt keine Wahl!« antwortete Keh und musste dabei fast schreien, um gegen den starken Wind überhaupt hörbar zu sein. »Wir müssen springen!«
»Ich weiß nicht, ob ich das schaffe!« rief Hri schon fast verzweifelt.
»Keine Sorge, ich springe zuerst rüber und fange dich auf!« antwortete Keh beruhigend. Als er Hris besorgten Blick bemerkte nahm er ihre Hand und drückte sie zärtlich. »Wird schon gut gehen!«
Hri löst schließlich ihren Griff um seinen Arm. »Pass bitte auf!« rief sie und warf ihm einen flehenden Blick zu.
»Ganz bestimmt!« versicherte Keh und nickte ihr noch einmal aufmunternd zu. Dann drehte er sich um, maß die Entfernung noch einmal ab, spannte seinen Körper und sprang schließlich mit einem mächtigen Satz auf die andere Seite. Als er aufkam, rutschte sein einer Fuß ab und er schlug der Länge nach hin. Beinahe wäre er über den Rand des Weges gerutscht und in die Tiefe gestürzt, doch im letzten Moment gelang es ihm noch, sich irgendwo festzukrallen. Hri hatte die Szene mit einem entsetzten Aufschrei verfolgt. Für einen kurzen Moment blieb Keh schwer atmend liegen. Der Schreck saß ihm in allen Gliedern und für einen Moment war er nicht fähig, sich zu bewegen. Erst als Hri verzweifelt seinen Namen rief, löste sich die Starre und er rappelte sich vorsichtig hoch. »Alles in Ordnung!« rief er zu Hri hinüber. »Mir ist nichts passiert!« Hri stieß erleichtert die Luft aus und entspannte sich etwas, während Keh wieder festen Stand suchte. Schließlich streckte er seine Arme in ihre Richtung aus und rief: »Komm Hri, spring!« Doch noch zögerte sie. »Keine Angst, ich fang dich auf!« rief er beruhigend. Doch Hri blickte ängstlich zu ihm herüber und wollte gerade den Kopf senken, als Keh bestimmend rief: »Nein Hri, sieh nicht nach unten! Schau immer zu mir herüber! Komm, du schaffst das!« Doch Hri schüttelte nur verzweifelt den Kopf. »Keine Angst, es ist wirklich ganz leicht! Ich bin doch da und fang dich auf!« rief Keh beruhigend. »Nun komm, ich weiß du kannst das!« Aber Hri zögerte immer noch. »Hab Vertrauen, ich lass dich ganz bestimmt nicht fallen! Bitte Hri, dir wird nichts passieren! Ich halt dich fest! Na los, du kannst das, das weiß ich doch!« Er machte mit seinen Armen noch einmal eine auffordernde Geste. Endlich drehte sich Hri herum und machte sich sprungbereit. Dann warf sie ihm noch einmal einen flehenden Blick zu und zögerte. »So ist's gut, ja weiter! Sieh einfach zu mir herüber und spring!« Er streckte ihr noch einmal auffordernd die Arme entgegen und blickte ihr entschlossen in die Augen. Mit einem letzten verzweifelten Blick stieß sich Hri schließlich ab. Ihr Sprung war etwas zu kurz, so dass sie mit am Rand aufkam und mit einem entsetzten Schrei abrutschte, doch Keh griff beherzt zu, zog sie zu sich hinauf und stellte sie auf die Füße. Als er sie schließlich an sich drückte, zitterte sie am ganzen Körper. »Schon gut, ist nichts passiert«, sprach er beruhigend auf sie ein. Ihre Erregung legte sich allmählich wieder. »Das hast du gut gemacht«, lobte er sie und löste behutsam seine Umarmung. Hri schenkte ihm darauf ein dankbares Lächeln. »Alles in Ordnung?« fragte er freundlich.
»Alles in Ordnung«, bestätigte Hri. »Mir geht's gut. Nur meine Knie sind noch etwas weich.«
Keh lächelte verständnisvoll und stellte sich dann vor sie, um sie vor dem starken Wind zu schützen. Es dauerte noch eine Weile, dann hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie weiter gehen konnten. Wieder schoben sie sich Stück für Stück an der Felswand den schmalen Weg entlang, der kein Ende zu nehmen schien. Je tiefer sie kamen, desto heißer wurde es. Als sie schließlich das Ende der Schlucht erreichten, waren selbst die Felsen so heiß, dass man sie kaum noch anfassen konnte. Sie liefen nun schon ziemlich nahe an dem glühenden Strom entlang, der die ganze Schlucht durchzog. Die Hitze war kaum zu ertragen und machte jeden Schritt zu einer Qual. Kurz vor dem Ausgang der Schlucht verbreiterte sich der Weg noch einmal zu einer größeren Terrasse, an deren innerem Rand der glühende Strom fauchend und brodeln dahin zog. Von hier unten wirkte die Schlucht noch größer und ihr oberer Rand war nur undeutlich zu erkennen, da die gesamte Luft vor Hitze flirrte. Dann öffnete sich die Schlucht auf einmal zu einem gigantische Krater hin, dessen Boden ein gewaltiges, glühend heißes Meer bildete, aus dem ständig riesige, fauchende Gasblasen und Feuerfontänen aufstiegen. Der Anblick nahm den beiden Velben den Atem. Selbst Hri war von dem schaurig schönen Schauspiel fasziniert und vergaß für einen Moment ihre Angst vor dem Feuer. Dann entdeckte Keh zwischen den Felsen der Kraterwand einen Höhleneingang in unmittelbarer Nähe. Sie zogen sich dorthin zurück, in der Hoffnung, dass die Hitze dort nicht so extrem war. Tatsächlich war es in der Höhle etwas kühler, was beide als sehr angenehm empfanden.
»Das muss das Meer des Feuers sein, von dem Churea sprach!« sagte Keh begeistert.
»Ja, sieht ganz so aus«, bestätigte Hri und setzte sich mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf den Boden. »Ach, endlich können wir uns eine Weile ausruhen!«
Keh ließ sich neben ihr nieder und kramte einen Wasserbehälter aus dem Vorratsbeutel. Er öffnete ihn und reichte ihn dann Hri, die gierig einige Schlucke daraus trank. Danach gab sie den Behälter an Keh zurück, der ebenfalls seinen Durst stillte.
»Danke, das hat gut getan!« sagte Hri, während Keh den Behälter wieder verstaute und es sich dann bequem machte.
»Ein wirklich schauriger Ort«, sagte Keh vor sich hin.
»Allerdings!« bestätigte Hri. »Ich hoffe, dass wir hier bald wieder draußen sind!«
»Das hoffe ich auch, aber zuerst müssen wir den Sonnenstein finden«, sagte Keh. »Da wir ja nun das Meer des Feuers erreicht haben, bin ich mal gespannt, wann wir auf Croon, den Herrscher des Feuers treffen.«
»Wahrscheinlich früher als uns lieb ist«, behauptete Hri alles andere als begeistert.
»Wie geht's dir denn?« fragte Keh nach einer Weile.
»Ach, ich bin nur müde und mir ist es viel zu warm«, antwortete Hri abwesend.
»Liegt das vielleicht an mir?« fragte Keh amüsiert.
Hri sah ihn zuerst fragend an, bis sie sein grinsendes Gesicht sah. Dann senkte sie verlegen den Blick und begann amüsiert zu lächeln, blieb ihm aber die Antwort schuldig. Nachdem sie sich eine Weile ausgeruht hatten, erhob sich Keh umständlich.
»Wir sollten uns besser noch etwas umsehen. Der Tag geht bald zu Ende und ich möchte hier nicht unbedingt die Nacht verbringen«, sagte er zu Hri gewandt und hielt ihr die Hand hin, um ihr auf zu helfen.
»Ich auch nicht«, antwortete Hri seufzend, ergriff seine Hand und rappelte sich ebenfalls auf. Draußen schlug ihnen wieder die Hitze entgegen und sie gingen ein kurzes Stück auf das Meer des Feuers zu. Kaum hatten sie ein paar Schritte zurückgelegt, als sich aus der wabernden Oberfläche donnernd eine mächtige Feuersäule erhob, die schnell riesige Ausmaße annahm. Die beiden Velben blieben erschrocken stehen und beobachteten, wie die Säule bis zum oberen Kraterrand anwuchs und dann pendelnd zum Stillstand kam.
Im nächsten Moment donnerte eine mächtige Stimme aus der Säule heraus: »Was wollt ihr hier?«
Die beiden Velben zuckten erschrocken zusammen. Keh fand als erster die Sprache wieder und antwortete: »Wir suchen den Sonnenstein! Wir sollen ihn befreien und wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückbringen!«
»Für diese Aufgabe müsst ihr euch erst als würdig erweisen!« donnerte die Stimme. Im gleichen Augenblick fauchte eine gewaltige Stichflamme aus der Feuersäule auf die Velben zu.
»Lauf!« brüllte Keh zu Hri, die wie angewurzelt da stand, rannte an ihr vorbei und riss sie mit sich. Im letzten Moment erreichten sie den Höhleneingang, wo sich Keh einfach zur Seite warf und Hri dabei mit zog. Durch den Höhleneingang zuckten kurz ein paar Flammen, die ihnen aber dort wo sie lagen nichts antun konnten. »Bist du verletzt?« fragte Keh besorgt.
»Nein, alles in Ordnung«, antwortete Hri verwirrt.
»Reizende Begrüßung!« knurrte Keh. »Wie sollen wir uns denn würdig erweisen? Sollen wir uns vielleicht von ihm braten lassen?«
»Ich...weiß...es auch nicht...« stammelte Hri immer noch etwas durcheinander.
Keh versuchte sich zu beruhigen, setzte sich auf und half dann auch Hri hoch. Nachdem sein Atem wieder normal ging, erhob er sich noch einmal und schlich zum Höhlenausgang.
»Pass auf!« rief ihm Hri noch nach, als er vorsichtig hindurchtrat. Doch kaum hatte Keh einen Fuß vor die Höhle gesetzt, als eine weitere Stichflamme auf ihn herabsauste. Mit einem erschrockenen Aufschrei wirbelte er herum, rutschte aus und stolperte in die Höhle zurück. Diesmal wurden ihm jedoch ein paar seiner Haare angesengt. Hri sog erschrocken die Luft ein und rief dann »Keh! Ist alles in Ordnung?«
»Bis auf ein paar Haare, fehlt mir nichts!« brummte Keh verärgert. »Ich schätze, wir sitzen hier fest und wenn uns nicht schnell eine Lösung einfällt, weiß ich nicht, wozu dieser Croon fähig ist. Mit einem hattest du zumindest recht, wir sind ihm schneller begegnet, als uns lieb ist!«
»Auf diese Art der Begegnung hätte ich gerne verzichtet«, entgegnete Hri kleinlaut. Dann begann sie zu grübeln. »Moment mal, was hat Churea noch einmal gesagt: Nur wer ein reines Herz hat und sich Croon furchtlos entgegen stellt, erweist sich als würdig, den Sonnenstein zu befreien.«
»Wenn ich mich ihm entgegen stelle, dann röstet er mich, das hast du ja gerade gesehen«, knurrte Keh. »Es ist immer das gleiche, wie bei den Wächtern des Lichtes. Ständig sprechen sie in Rätseln!«
»Du hattest aber bestimmt genau so viel Angst wie ich, als du gerade noch einmal rausgegangen bist, oder?« fragte Hri ziemlich direkt.
Keh sah sie überrascht an. »Äh, durchaus...« gab er dann kleinlaut zu.
»Das hat sie wahrscheinlich gemeint. Man darf keine Angst haben, wenn man sich Croon entgegen stellt« vermutete Hri.
»Leicht gesagt!« schnaubte Keh. »Wer hätte keine Angst vor diesem brennenden Ungeheuer da draußen?«
»Ich glaube aber, wir haben keine andere Wahl, wenn wir hier nicht sterben wollen«, antwortete Hri ernst. »Wir müssen einfach endlich damit anfangen, an uns selbst zu glauben! Churea hat nämlich auch noch gesagt: Nur wenn du an dich selbst glaubst und niemals an dir zweifelst, kannst du es schaffen. Sie mal Keh, du bist doch auch völlig furchtlos in die schwarze Burg eingedrungen und hast mich befreit.«
»Gegen einen Craggot zu kämpfen ist aber längst nicht das gleiche, wie gegen dieses Ungeheuer da draußen!« antwortete Keh.
»Nein Keh, da gibt es keinen Unterschied! Beides erfordert viel Mut, beides kann man nur schaffen, wenn man nicht an seinen Fähigkeiten zweifelt! Sieh mal, wir haben doch zusammen schon so viel geschafft. Du hast doch überhaupt keinen Grund an dir zu zweifeln!«
Keh zögerte kurz und sah sie dann schon fast verzweifelt an. »Tut mir leid Hri, aber ich schaffe das nicht, da noch eimal raus zu gehen.«
»Du brauchst da nicht alleine raus zu gehen«, antwortete sie verständnisvoll. Ich habe dir doch damals im Baumhaus, wo unsere Reise begann versprochen, dass wir das gemeinsam durchstehen. Ich werde dich auch jetzt nicht im Stich lassen! Es ist unsere einzige Chance, da raus zu gehen und uns Croon zu stellen und wenn wir dabei sterben sollen...« Sie schluckte kurz. »Dann sterben wir wenigstens gemeinsam...« Sie ließ den Blick sinken, als ihr die Tränen in die Augen stiegen.
Keh setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. »Du hast wohl recht. Alleine schaff ich das ganz bestimmt nicht, aber vielleicht schaffen wir es zusammen!«
»Bestimmt...« flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme. Keh drückte sie behutsam an sich, während sie heftig schluckte. Schließlich wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und meinte mit rauher Stimme: »Dann lass uns gehen, bevor ich es mir noch anders überlege.« Keh blickte ihr ein letztes Mal in die Augen, aber diesmal war sie wirklich entschlossen zu gehen. Er nickte bestätigend und erhob sich mit ihr zusammen. Dann nahmen sie sich an den Händen und gingen mit entschlossenen Schritten aus der Höhle. Draußen schlug ihnen wieder die Hitze entgegen und die Feuersäule schwebte immer noch zuckend über dem Meer des Feuers. Kaum hatten die Velben die Höhle verlassen zuckte auch schon eine neue Stichflamme auf sie zu. Doch diesmal blieben die Velben einfach stehen und blickten ihr trotzig entgegen. Hri spannte sich an und kniff die Augen in Erwartung der schrecklichen Hitze und des entsetzlichen Schmerzes zusammen. Donnernd fuhr die Stichflamme auf sie nieder.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



Sponsoren

www.spinde.com

© 2008 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!
suchbuch.de wird unterstützt von loadplanet.de


ExecutionTime: 1 secs