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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Rauklands Sohn, Jordis Lank
Jordis Lank

Rauklands Sohn


Raukland Trilogie Band 1

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KAPITEL 1


 


„Was hast du getan?“ Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit. Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück.


Der Schatten war sein Vater.


Ronans Herz pochte so wild gegen seine Rippen, dass es schmerzte. Er konnte sich nicht rühren, es war, als läge eine tonnenschwere Felswand auf ihm. Nichts ergab einen Sinn.


Sein Vater schlug ihm ins Gesicht.


„Du bist betrunken!“


Nein, das nicht. Niemals. Die Erinnerung an die letzten Stunden war dennoch fort.


„Wie ein Bauerntölpel hast du dich von diesem Mädchen abfüllen lassen! Hast du nicht ein einziges Mal daran gedacht, dass Bellingor sie dafür bezahlt hat?“


Noch ein Schlag ins Gesicht. Sein Kopf flog zur Seite. Alles war verschwommen. Er lag in seinem Zelt. Hinter seinem Vater stand Jasimo, ein Schwert in der Hand. Getrocknetes Blut klebte in seinem Haar.


Die Schlacht gegen König Bellingor!


Im Morgengrauen hätten sie auf dessen Heer stoßen sollen. Es war taghell. O Himmel ...


Vater schüttelte ihn. „Ein Viertel der Männer hat uns deine Dummheit gekostet! Bellingor hat uns überrannt! Und warum? Weil der Hinterhalt, den wir für ihn erdacht hatten, gar nicht existierte! Wieso existierte er nicht, Ronan?“


Sein Magen zog sich zusammen. Ein leiser, krächzender Laut kam aus seiner Kehle. Er war derjenige, der die Männer an den Ausgang der Tsorsa-Schlucht hätte führen sollen, in den Rücken von Bellingors Heer. Stattdessen war er immer noch hier.


Ronan wälzte sich zur Seite und erbrach. Sein Magen war eine flammende Kugel und er rang krampfhaft nach Luft, die Hände gegen die Brust gepresst.


Gott, war ihm schlecht.


„Bringt mir Zhodan!“, schrie Vater. „Sofort, mein König“, kam die Antwort.


Ronan schloss die Augen.


 


Sie brachten ihn nach draußen.


Er versuchte zu gehen, aber er konnte es nicht. Also packten sie seine Hände und Füße und schleiften ihn über den Boden. Auf einem freien Platz ließen sie seinen Körper fallen.


Langsam, ganz langsam legten sich die Nebelschleier in seinem Kopf. Er lag in der Mitte eines Feldlagers, unweit einiger kleiner Feuer. Mehrere Dutzend Pferde standen mit hängenden Köpfen da, gesattelt und gezäumt, die Leiber dampfend. Dahinter Zelte, eine ganze Stadt davon. Über dem Größten wehte die Flagge Rauklands.


Eine Handvoll Männer bildete einen Kreis um ihn, weitere kamen hinzu. Blut klebte an Händen und Kleidern, trocknete auf den metallenen Ringen der Kettenrüstungen. Die Blicke der Umstehenden sprachen Bände. Da lag er bäuchlings zu ihren Füßen: der Sohn des Königs, siebzehn Jahre alt, jünger als die meisten von ihnen. Der Einzige, der hier im Lager von dem geheimen Hinterhalt gewusst hatte. Heute Morgen hätte er einen Teil des Heeres an die Tsorsa-Schlucht führen müssen, und er hatte es nicht getan. Dass es Tote und Verwundete gegeben hatte, war seine Schuld. Königssohn hin oder her, es wurde Zeit, dass jemand für die verlorene Schlacht bestraft wurde.


An den Halmen vor seinen Augen hingen Tautropfen. Ronan wollte sie vom Gras lecken, um das saure Brennen in seinem Hals zu lindern. Warum war ihm so elend? Nachdem der Trupp seines Vaters vorausgeritten war, um vor Bellingors Heer zu gelangen, war es im Lager ruhig geworden. Nur dann und wann kam ein Bote. Die meisten Männer schliefen, und er hatte sie schlafen lassen. Mit Jasimo hatte er vor seinem Zelt gesessen. Und dann? Da war kein Mädchen gewesen. Keines, an das er sich erinnern konnte.


Der Boden erzitterte unter stampfenden Pferdehufen. Die wenigen erbeuteten Tiere wurden mit dem Zeichen Rauklands gebrandmarkt. Ein Schimmel bäumte sich in den Seilen, die seinen Kopf hielten, aber es nützte ihm nichts. Noch während das Pferd die Männer umherzerrte, zwang einer von ihnen das glühende Eisen auf das weiße Fell. Der Schimmel schrie.


Der Geruch von verbrannten Haaren wehte herüber. Ronan drehte den Kopf, bemüht, den erdigen Geruch des Grases einzuatmen.


Ein Schatten fiel auf ihn. „Ronan.“


Zhodan kniete sich an seine Seite. Der ältere Mann blickte auf ihn herab. Das lange Schwert an seiner Seite berührte das taubedeckte Gras.


„Was, zum Teufel, ist in dich gefahren?“


Eine ungewohnte Schärfe war in seiner Stimme.


„Weiß nicht“, flüsterte Ronan.


Es tat weh zu sprechen, aber Zhodans Blick schmerzte noch mehr. Dachte er etwa, es wäre Nachlässigkeit gewesen, die seinen Schüler in diese Lage gebracht hatte?


Zhodan setzte einen schlanken Krug ins Gras. Ronan schob die Arme unter die Brust. Verständnislos betrachtete er erst den Krug, dann den Mann neben ihm.


„Du bist betrunken“, sagte Zhodan. Nicht auch noch er!


„Nein! Bin ich nicht ...“


Zhodans Augen wurden schmal. „Der Krug dort lag neben deinem Lager. Deine Decke ist mit Wein besudelt. Ebenso, wie du es bist!“


Ronan schlug mit dem Kinn ins Gras, als Zhodan seinen Arm verdrehte und ihm den Stoff seines Hemdes ins Gesicht presste. Süßlicher Geruch stieg ihm in die Nase. Er warf den Kopf zur Seite und würgte. Tief aus seinem Inneren loderte Furcht empor. Die Nacht fehlte in seiner Erinnerung. Alles war unwirklich, fremd. Er selbst war sich fremd. Niemals in seinem Leben war er so betrunken gewesen, dass er nicht mehr wusste, was er getan hatte!


Er presste eine Hand an seinen Hals und holte zitternd Luft. Der Mann, der seit seinem fünften Lebensjahr sein Lehrmeister, Begleiter und oft genug sein Beschützer gewesen war, beugte sich vor und berührte seine Schulter.


„Sie bereiten den Pflock vor.“


Ronan schloss die Augen. Er hatte es geahnt. Zhodans Hand drückte leicht zu.


„Du bist stark. Du wirst es hinter dich bringen ...“


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