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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Randár, Kilian Braun
Kilian Braun

Randár



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An Eodarns Tisch stand ein Mann in gehobenem Alter und blickte ihn freundlich aus einem faltigen Gesicht an.


„Verzeiht, werter Herr, auf ein Wort?“


Eodarn musterte den Mann kurz. Die Tonsur auf seinem Haupt, wie auch der üppige Vollbart war gänzlich ergraut. Er trug eine schlichte, abgetragene Tunika in erdbrauner Farbe. Da Eodarn in der Rechten seine glimmende Pfeife hielt, wies er mit der linken Hand auf einen Stuhl. „Gern, nehmt Platz. Mit wem habe ich das Vergnügen?“


Der Alte setzte sich. „Ich bin Ragnar.“


Eodarn stutzte. „Ragnar? DER Ragnar?“, vergewisserte er sich.


Der Alte lächelte verschmitzt. „Ihr kennt mich trotz eures jugendlichen Alters. Das hätte ich nicht gedacht.“


„Ich bitte Euch!“, hob Eodarn protestierend an. „Wer kennt nicht unzählige Märchen von Ragnar, dem Zauberer, dem Gelehrten, dem Wahrsager und Geschichtenerzähler.“


Ragnar winkte müde ab. „Das war einmal und ist Vergangenheit. Nun bin ich alt und meine goldenen Jahre sind vorüber“. Einen Moment lang blickte Ragnar mit einem Anflug von Traurigkeit ins Leere und vor seinem geistigen Auge schienen Erinnerungen an längst vergangene Tage zu erscheinen. Doch dann hellten sich seine Gesichtszüge wieder auf. „Aber noch bin ich nicht gänzlich von der Bühne dieser Welt verschwunden! Und mir wird sogar noch die Ehre zuteil, den Spross unseres ehrwürdigen Königs Eodor persönlich zu treffen.“


Eodarn neigte respektvoll sein Haupt. „Die Ehre ist ganz auf meiner Seite! Viele Geschichten über Euch habe ich als Kind erzählt bekommen. Nun bekomme ich vielleicht eine von Euch selbst direkt erzählt?“


Ein schelmisches Funkeln zeigte sich in den Augen des Alten und er lächelte. „Oh, in der Tat habe ich eine Geschichte für Euch. Sie wurde mir zugetragen vom wispernden Wind, vom Rauschen eines Baches und vom Prasseln eines Lagerfeuers.“


Eodarn lehnte sich entspannt zurück und paffte an seiner Pfeife. Dies war genau die Art Unterhaltung, die er nach einem langen Reisetag brauchte. Der alte Mann sammelte sich kurz und begann dann mit angenehmer Stimme zu erzählen. „Es ist wohl eher der philosophische Gedanke vom Gleichgewicht der Welt, von dem ich Euch, junger Eodarn, berichten möchte. Stellt es Euch vor wie eine Waage, mit der Händler beispielsweise Korn, Mehl oder andere Dinge wiegen. Erst wenn beide Seiten der Waage gleich hoch sind, ist der Handel für alle Beteiligten akzeptabel. Und so verhält es sich auch mit unserer Welt: Wir sind nur eine Seite der Waage! Es gibt noch eine Welt, fernab von den Drei Splittern. Für die einfachen Bürger Ulmias ist dies einfach zu absurd, als dass sie es verstehen könnten, doch Leute wie Ihr haben die Klugheit hinter die Kulissen zu blicken und die Welt als Ganzes zu sehen. Was meint Ihr, Eodarn, ist unsere Welt ein friedlicher Ort?“


Der Heermeister gewann etwas Zeit auf die unerwartete Frage, in dem er von seinem Bier nippte. „Keineswegs. Die Orks aus dem Karator-Gebirge im Osten werden immer aggressiver und wir müssen uns ihnen entschlossen entgegenstellen. Und wie man weiß, ergeht es den anderen Völkern auf dem Linken und Rechten Splitter nicht anders. Elfen und Trolle sind ebenso verfeindet wie Zwerge und Drachen. Unsere Welt ist leider nicht sonderlich friedlich, werter Ragnar.“


Ein wissendes Lächeln zeichnete sich auf Ragnars Lippen ab. Er schien mit dieser Art Antwort gerechnet zu haben. „Ihr habt recht mit dem, was Ihr sagt und dennoch liegt Randár im Licht der Welt. Wir leben in einer guten, liebenswerten Welt, die zwar rau aber herzlich ist, doch wo Licht ist, muss es auch Schatten geben, denn weder Licht noch Schatten darf die jeweils andere Seite übertrumpfen – in beiden Fällen wäre die Welt dem Untergang geweiht. Unsere Welt, die wir als Randár kennen, ist daher bei Weitem nicht alles! Ich habe die Schattenwelt erblickt, Eodarn, und wenn Ihr gesehen hättet was ich gesehen habe könntet Ihr vielleicht nie mehr ruhig schlafen. Die Schattenwelt ist ein Ort immerwährender Dunkelheit und ihre Völker sind grausam, fremdartig und tödlich.“


„Ihr sprecht von den Ramak, den schwarzhäutigen Dunkelwesen, die dereinst vom Gott Ranhír persönlich verbannt wurden?“, unterbrach Eodarn.


Ragnar schüttelte den Kopf. „Nein. Ich spreche von Wesen, die frisches Blut trinken, um zu überleben, von Wesen, die sich in unnatürlich große Wölfe verwandeln können, von Wesen, die tot sind und dennoch leben, von Wesen die …“ Ragnar stockte kurz „… von Wesen, die ich nicht weiter benennen möchte. Es gibt sie, die Völker auf der anderen Seite der Waage, es gibt die Schattenwelt als unser dunkles Gegenstück!“


Eodarn klopfte seine ausgerauchte Pfeife aus. „Diese Geschichte kenne ich noch nicht und sie ist wohl auch nicht als Gutenacht-Geschichte für kleine Kinder geeignet.“


Ragnar lehnte sich mit weit aufgerissenen Augen vor. „Deswegen erzähle ich sie nur Euch!“, flüsterte er aufgeregt. „Es ist wichtig! Licht- und Schattenwelt existierten lange nebeneinander im Gleichgewicht doch ich erahne, dass die Waage sich bald verschieben wird. Und es obliegt Männern wie Euch, Eodarn, die ihr in diesen Zeiten lebt, sich dem Ungleichgewicht entgegenzustellen. Und Ihr werdet dabei bislang ungeahnte Wege gehen müssen.“


Eodarn schaute skeptisch. „Also bei allem Respekt aber ich glaube, ich muss Euch enttäuschen: meine Klugheit scheint nicht zu reichen Euren Ausführungen folgen zu können.“ Ragnar machte eine wegwischende Geste. „Ihr werdet verstehen, wenn es so weit ist. Seid einfach auf der Hut, denn mit dem Frieden ist es bald vorbei.“ Der Königssohn nickte, obwohl er die Bedeutung von Ragnars Worten nicht verstand. Meinte er den aufkeimenden Krieg mit den Orks sowie die angespannten Verhältnisse der restlichen Völker Randárs?


 


Der Wirt drehte gerade eine Runde durch den Schankraum und hielt auch bei dem Tisch von Eodarn und Ragnar. „Darf es noch etwas sein, hoher Herr Eodarn?“ Kaum hatte der Krieger den Kopf geschüttelt, da eilte der Wirt auch schon weiter. „Aber vielleicht mein Gast?!“, rief Eodarn verwundert hinter her. Der Wirt hatte Ragnar keines Blickes gewürdigt.


„Lasst nur“, sprach Ragnar leise. „Wie gesagt, meine Zeit ist vorüber.“ „Aber …“, begehrte Eodarn auf, doch Ragnar ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Denkt über meine Worte nach und behaltet sie im Gedächtnis. Nur gemeinsam kann die Gefahr gebannt werden.“


Jetzt war Eodarn völlig verwirrt und blickte Ragnar verständnislos an, während dieser sich mit einem leisen Ächzen erhob. „Ich habe Eure Zeit schon zu lange in Anspruch genommen. Gehabt Euch wohl und alles Gute auf Euren Reisen, mein Junge!“ Gemächlich schritt Ragnar von dannen und Eodarn behielt ihn im Blick, bis er durch die Eingangstür des Gasthauses verschwunden war. Eodarn schüttelte die Starre der Verwunderung ab und ging mit festen, schnellen Schritten zur Theke. Er fand es immer noch ungeheuerlich, dass der Wirt dem berühmt-berüchtigten Geschichtenerzähler keine Beachtung geschenkt hatte. An der Theke winkte er den Wirt mit ernster Miene zu sich.


„Verzeiht! Stimmt etwas nicht?“, fragte der Hausherr ängstlich. „Sagt, kommt der Geschichtenerzähler Ragnar öfter in Euer Haus? Dies wird wohl bald ein Ende haben, wenn Ihr ihm nichts anbietet!“ Der Wirt blinzelte verwirrt.


„Aber … bitte um Verzeihung, hoher Herr, aber Ragnar war schon seit vielen, vielen Gezeitenläufen nicht mehr hier. Man sagt, er sei längst auf einer seiner gefährlichen Pilgerfahrten verschollen.“


Eodarn stand da wie vom Donner gerührt. „Er saß doch gerade bei mir am Tisch!“


Der Wirt blickte hinüber zu Eodarns Tisch und anschließend wieder mit hilflosem Blick zu dem Königssohn. „Verzeiht, aber Ihr saßt die ganze Zeit alleine dort hinten.“


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