|
Die Geburt Rotglühend schimmerte die Sonne durch die Baumwipfel des Waldes, an dessen Rand das kleine germanische Dorf friedlich im Licht des frühen morgens lag. Seine Bewohner schliefen noch tief und fest in ihren Behausungen. Es war einer dieser herrlichen, windstillen Spätsommertage, an dem kein Wölkchen das helle Blau des Himmels trübte. Nur die Vögel zwitscherten, nachdem sie auf ihren Schlafplätzen erwacht waren.Feiner Nebeldunst schwebte über dem Fluß, der träge in seinem Kiesbett dahinfloß. Das gegenüberliegende Steilufer des breiten Flusses bildete nach Westen hin mit seinen dichten Wäldern einen natürlichen Schutzwall für das Dorf. Aber der Fluß war nicht nur Schutzwall, sondern sorgte mit seinem Fischreichtum für Nahrung und versorgte das Dorf mit Wasser.Weit unterhalb des Dorfes, hinter einer Flußbiegung, begann der Tag nicht so friedlich. Die morgendliche Idylle wurde jäh durch das Schreien eines Kindes gestört. Das Weinen ertönte unter der fleckigbraunen Lederplane eines Ochsenkarrens, der auf dem mit weißen Kieseln durchwirkten sandigen Uferstreifen stand.Wiebke, die Frau des Unfreien Anthelm, hatte soeben unter starken Schmerzen einem Jungen das Leben geschenkt. Nachdem sie das Kind abgenabelt hatte, hielt sie es freudestrahlend ihrem Mann entgegen.»Sieh nur, Anthelm. Was für ein schöner Knabe.«»Mhm«, murmelte Anthelm und betrachtete mit kritischen Augen das Kind.»Willst du ihn nicht auch einmal halten?«»Nein, Wiebke. Der Knabe ist zu schwach. Er wird uns im Leben keine Freude bereiten«, winkte er ab. »Außerdem wird er uns bei der Flucht nur behindern.«»Aber Anthelm. Er ist zwar jetzt noch klein, aber mit den Jahren wird er ein kräftiger junger Mann werden.«»Nein, nicht mit diesem dürren Körperchen.«»Wenn ich ihm ordentlich zu essen gebe, wird er kräftig genug werden.«»Nein, aus dem wird nie was. Gib Ruhe und schaff ihn fort«, sagte er tonlos. Dann wandte er sich unwirsch ab und verließ den Ochsenkarren, in dem seine Frau das Kind geboren hatte.Wiebke schossen die Tränen in die Augen. Sie wußte nur all zu gut, was die Gesten und Worte ihres Mannes bedeuteten. Nach germanischem Recht erkannte der Vater ein Kind erst als rechtmäßig in Familie und Sippe an, wenn er es nach der Geburt auf den Arm nahm. Schwache oder ungestaltete Kinder setzte man aus oder tötete sie.In Wiebkes Innerem sträubte sich alles dagegen, ihren Sohn zu töten. Plötzlich erinnerte sie sich daran, warum sie das Kind hier und nicht in ihrem Heimatdorf geboren hatte.
|
|
Die abenteuerliche Geschichte zweier Jugendlicher in einem germanischen Dorf. Ragin, das Findelkind, muss sich gegen den körperlich überlegenen Warin durchsetzen. Dies fällt ihm nicht immer leicht, denn Warin ist der Sohn des Gaufürsten und gleichzeitig Wortführer einer der Dorfjugend. Mit pfiffigen Ideen, Mut und Durchhaltevermögen gewinnt er neue Freunde und findet seine Liebe und sein Glück.
Herrlich spannende Fantasy-Literatur mit packenden Charakteren und tolldreisten Abenteuern. Für Jugendliche ab 12 Jahren, aber auch für Erwachsene.
|