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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe GHOROMARI, Moira Ashly
Moira Ashly

GHOROMARI


Das Vermächtnis

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Es gab in allen Räumen keine Uhren und auch die Menschen trugen keine. Alles schien hier zeitlos. Man richtete sich nach dem Stand der Sonne und dadurch, dass niemand eine Zeit ablesen konnte, ging vieles gemächlicher und ruhiger vonstatten.


Ich frühstückte am nächsten Morgen in meinem Zimmer und begab mich daraufhin in den Garten. Ich war mir sicher, dass Arjo mich finden würde, sollte er nach mir suchen. Ich saß auf der Bank, auf der wir gestern Nacht gesessen hatten, und blickte über die paradiesische Anlage. Immer noch tobte dieses Gefühlschaos in mir. Ich war jedoch etwas versöhnlicher geworden und es war mir bewusst, dass nicht ich, sondern er der Großmeister war und somit sicher genau wusste, was er tat. Wenn dieser »Jemand«, den er gestern Nacht erwähnte, wirklich er selbst war, hatte er mir mit dem Satz einen tiefen Einblick in sein Gefühlsleben gewährt. Das war, dessen war ich mir absolut sicher, nicht üblich bei ihm.


Weiterhin versuchte ich, alle meine Eindrücke, die ich seit meiner Ankunft hatte sammeln können, zu ordnen. All die Bilder, die sich in meinem Kopf angesammelt hatten und die ich immer noch nicht begreifen konnte. Es fiel mir nach wie vor schwer mir zu vergegenwärtigen, dass ich mich in einer ganz anderen Zeitzone befand. Noch vor einigen Tagen hätte ich jeden ausgelacht, der mir dies geweissagt hätte. Allein der Anblick der üppigen Vegetation, der Anlage hier und der stets freundlich lächelnden Menschen ließ mir langsam ins Bewusstsein sickern, dass dies alles genau so real war, wie meine eigene Zeitzone. Mir wurde klar, dass ich alles dafür tun wollte, diese Zeitzone zu verstehen und vor allem, sie zu bewahren. Es war wahrhaftig wie ein Traum. Ein Traum, aus dem ich nicht so schnell wieder aufwachen wollte. Versunken in diese Gedanken hatte ich nicht bemerkt, wie Arjo sich näherte.


»Das scheint offenbar dein Lieblingsplatz zu werden«, stellte er fest und blieb einen Moment neben mir stehen.


»Hier ist es aber auch schön«, versuche ich, ganz unverfänglich Konversation zu machen. Gerade hatte ich wieder an ihn gedacht und versucht, mir seinen Anblick von gestern Abend ins Gedächtnis zu rufen. Ich fühlte mich dabei ertappt, als er so plötzlich neben mir stand. Er setzte sich und meinte nach einer Weile:


»Wenn wir noch meinen Lieblingsplatz aufsuchen wollen, müssen wir bald los. Du weißt, dass nach dem Mittag noch eine Ratssitzung stattfinden soll.«


»Ich weiß. Also, auf.« Ich erhob mich etwas zu rasch. Arjo war ebenfalls aufgestanden und ich rannte beinahe blind gegen seine Brust, was ihm ein Schmunzeln entlockte. Er überging die für mich etwas peinliche Situation, indem er meinte:


»Gut, dann auf. Wir haben einen ansehnlichen Weg vor uns.«


Arjo ging voraus. Er trug heute das Haar ganz offen. Auch sein Gewand war nicht so prächtig wie das gestern Abend. Es war zwar nach wie vor tiefschwarz, hatte aber weniger Verzierungen an den Ärmeln und am Ausschnitt und wirkte leichter.


‚Demnach gibt es doch so etwas wie Festtagskleidung‘, stellte ich für mich fest, während ich hinter ihm herging. Ich hatte Mühe, mit Arjo Schritt zu halten und behielt diese Frage im Sinn um sie zu stellen, wenn wir unser Ziel erreicht haben würden. Wir gingen ein ganzes Stück durch den Garten, bis wir zu dem Hügel gelangten, der zunächst sanft anstieg. Ich war jetzt schon außer Puste und Arjo fragte:


»Du willst tatsächlich da hinauf?«


»Das will ich wirklich!«, nickte ich.


Ich wollte mir nicht anmerken lassen, dass ich bereits nach einem Stück des Weges schon schwächelte. Also ging ich tapfer neben ihm her. Nach einer Weile wurde der Weg steiler. Wir mussten über einige recht grobe Felsen klettern, bis wir auf einer naturbelassenen Plattform ankamen. In der Mitte derselben stand ein kleiner, kreisrunder Bungalow, der zu allen Seiten hin offene Fenster hatte. Er wirkte wie das Miniaturabbild des großen Tempels unten in der Anlage. Links und rechts davon gab es Wald, aus der Richtung, aus der wir gekommen waren, nur Steine. Was aber geradeaus sein würde, entzog sich noch meinem Blick.


Arjo steuerte geradewegs auf das kleine Bauwerk zu. Ich folgte ihm und ließ mich mit letzter Kraft auf einer der Steinbänke innerhalb dieses kleinen Tempels sinken.


»Du hast tapfer mitgehalten«, meinte Arjo und setzte sich neben mich.


»Was nicht einfach war. Du machst einen Schritt, ich muss zwei tun, um den gleichen Weg zurückzulegen«, beschwerte ich mich atemlos.


Arjo lachte und ließ mich zu Atem kommen, ehe er sagte: »Komm, ich zeige dir die Stelle.«


»Geht es noch weiter bergauf?«, fragte ich erschrocken.


»Nein, es ist gleich da vorn.« Er zeigte entgegengesetzt der Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich rappelte mich also wieder auf und folgte ihm. Wir erreichten einen Abgrund. Hier, genau vor unseren Füßen, ging es etliche Meter steil bergab. Unten sah man ein üppig grünes Tal, durch den sich ein Fluss schlängelte. Im Sonnenlicht des jungen Tages glitzerte das Wasser genauso wie die Welle, die mich bei meiner Reise in diese Zeit fortgetragen hatte. Links konnte man auf einer leichten Erhöhung einen Teil der Tempelanlage sehen: den kreisrunden Bau, den Speise- oder Versammlungssaal und den Garten. Rechts unten beim Fluss standen ebenfalls einige Häuser. Auch sie hatten üppige Gärten. Weiter am Horizont konnte ich Felder erkennen. Das satte Grün der Natur war unbeschreiblich. Unterbrochen wurde es von den vielfältigen Farbtupfern blühender Pflanzen. Es war atemberaubend schön. Die Luft war klar und nicht so schwer wie in der Tempelanlage. Dennoch konnte man auch hier den leicht süßlichen Duft wahrnehmen, der in den Gärten des Tempels überall präsent war. Fern am Horizont erkannte ich weitere Berge, die sich blau aus dem Dunst des jungen Tages hervorhoben.


»Ich möchte nicht daran denken, dass wir den gleichen Weg wieder zurück müssen. Aber es ist wunderschön hier«, sagte ich leise. Ich hatte das Gefühl, dass lautes Reden die Natur stören würde. Unendlich viele Vogelstimmen waren zu hören und ich wollte die kleinen, gefiederten Freunde in ihrem Gesang nicht unterbrechen.


Arjo setzte sich einfach auf den Boden und lehnte sich an einen einzelnen, abgebrochenen Baumstamm, der hier dicht bei dem Abgrund stand. Ich ahnte, dass dies der Platz war, von dem er gesprochen hatte. Er hielt die Augen einen Moment geschlossen und das Gesicht der Sonne zugewandt, öffnete sie wieder und deutete neben sich.


»Setz dich doch zu mir«, bat er, ebenfalls sehr leise.


Ich tat es und strecke meine Beine auf dem warmen Boden aus. Arjo zog mich zu sich, bis ich meinen Kopf an seiner linken Schulter betten konnte. Wir schwiegen und ich lauschte dem Gesang der Vögel, dem Rauschen des Flusses unten im Tal und dem Wind, der sanft über die Bäume strich.


»Das klingt wie Musik«, sagte ich nach einer Weile.


»Es ist schön, wenn du das auch so hörst«, kam die Antwort. Wieder schwiegen wir. Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte Arjo:


»Ich habe das getan, was wir gestern Nacht besprochen haben.«


»Das ist in Ordnung«, meinte ich nur und schloss die Augen. Ich konnte, wenn ich ganz still saß, seinen Herzschlag hören. Es schlug ruhig und gleichmäßig, ganz im Gegensatz zu meinem. Innerlich schalt ich mich töricht und dumm, dass ich immer noch hoffte, er würde mehr als Freundschaft für mich empfinden. In diesem Fall müsste sein Herz doch, genau wie meines, jetzt fast aus seiner Brust herausspringen. Aber es schlug weiter gleichmäßig und ruhig. Ich lauschte und beschloss wohl zum tausendsten Mal, ihm fortan einfach eine gute Schülerin zu sein und das dankbar anzunehmen, was er mir geben konnte, auch wenn es mir unendlich schwerfallen sollte. Es war nicht an mir, Dinge vorantreiben zu wollen. Er alleine wusste, wie weit er gehen konnte, ohne die Gesetze zu brechen, denen er zweifellos unterworfen war. Ich kannte ihn inzwischen als einen Mann, der sein Tun, Reden und Denken stets genau nach dem ausrichtete, was er erreichen wollte. Sollte ich in seinem Plan nicht an dem Platz sein, den ich mir wünschte, so musste ich mich damit zufriedengeben, auch wenn ich gestern Nacht kurz die Hoffnung gehabt hatte, dass da mehr wäre. Ich öffnete die Augen und blinzelte in das helle Licht des Flusses unter uns.


»Er sieht so aus, wie die Welle die mich getragen hat. Auf dem Weg hier her. Wie unzählige Edelsteine«, meinte ich andächtig. »Und es ist hier noch schöner, als ich erwartet habe. Es wirkt so, - so heilig.«


»Das ist auch das, was ich empfinde«, hörte ich Arjo.


»Bist du oft hier?«, fragte ich.


»So oft ich kann.«


»Hier herzukommen ist ja schon ein ganz nettes Stück Arbeit und Kletterei.«


»Eine kleine Lektion, Jo: Am Ende eines steinigen Weges findest du immer etwas Wundervolles, wenn du bereit bist, es mit dem Herzen zu sehen.«


»Ein weises Wort, Sharo«, antwortete ich lächelnd ...


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