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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Dem Himmel verbunden, Angela Zimmermann
Angela Zimmermann

Dem Himmel verbunden



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Weil ich die letzten zwei Stunden allein mit den Kindern war, hatte ich keine Zeit, aus einen der vielen Fenster zu schauen. Jetzt stehe ich auf dem Spielplatz vor dem Kindergarten, wo wir heute gerade mal eine Stunde mit den ihnen waren, weil es wieder zu heiß geworden ist. Zum Schutz der Kinder entschieden wir uns die Zeit in den klimatisierten Räumen zu verbringen.


Nun geht mein Blick hinauf zum Himmel und mir schwant Übles.


Eine fast schwarze Wolkenwand kommt genau aus der Richtung, wo der Heimweg entlang führt.


Warum bin ich nicht mit dem Auto gefahren? Gerade heute bin ich gelaufen und nun das nahende Unwetter.


Ungefähr fünfzehn Minuten brauche ich bis nach Hause, vielleicht zwölf, wenn ich mich beeile. Oder noch weniger, dann muss ich aber durch den Park laufen. Ungünstig bei den vielen hohen Bäumen. Man bekommt das doch schon als Kind gesagt, dass die Blitze gerade da einschlagen können und wir predigen es heute selbst den Kleinen.


Gefährlich? Wenn ich schnell genug bin, könnte ich es schaffen und höre nicht auf meine innere Stimme, die augenscheinlich etwas dagegen hat. Ich verbanne sie ganz nach hinten in den Kopf, entscheide mich für den Park und laufe los. Wenige Minuten später bekomme ich schon die ersten Tropfen ab. Einen Schirm habe ich natürlich nicht, warum auch, es hat tagelang nicht geregnet. Er liegt in meinem Auto, wo man ihn am wenigsten braucht.


Ich würde mir am liebsten in den Hintern beißen. Warum bin ich heute früh nur auf Arbeit gelaufen.


Ganz einfach. Es war zu heiß und ich bin zeitig aufgestanden. Die Hitze und der Schweiß auf meinem Körper haben mich aus dem Bett getrieben. Ich hatte so viel Zeit wie lange nicht mehr. Eine wohltuende Dusche und ich fühlte mich wie ein neuer Mensch. Mit einer Tasse Kaffee und einem Croissant habe ich den Sonnenaufgang auf meiner Terrasse genossen. Die klare Morgenluft und das Zwitschern der Vögel nehme ich ansonsten gar nicht wahr. Aufstehen, kurzes Frühstück und mit dem Auto auf Arbeit. So sieht es eigentlich tagtäglich aus.


Heute wurde mir klar, was ich so alles verpasse. Wie den kleinen Spatz, der anscheinend so hungrig war, dass er ganz nahe an meinen Füßen ein paar Krümel von dem Croissant aufpickte.


Zudem flog mein Blick über den Garten, der nicht zu groß ist und darüber bin ich froh, denn ich habe wenig Zeit mich darum zu kümmern. Die Rosen blühen in voller Pracht und an den Hortensien sind so viele Blütenbälle, dass man sie kaum noch zählen kann. All das habe ich meinen Eltern zu verdanken. Plötzlich kamen Gedanken in mir hoch und mein Herz wurde schwer und ich musste an das Unglück vor zwölf Monaten denken. Da sind sie durch einen Autounfall viel zu früh gestorben. Ich habe das hübsche und sehr gepflegte Haus geerbt und bin nach zehn Jahren wieder in mein ehemaliges Heim eingezogen. Zwischendurch hatte ich eine kleine Wohnung, nur ein paar Straßen weiter.


Ich sollte wohl öfter an ihnen gedenken. Wie schnell ist das Jahr vergangen und der Alltag hat mich wie gehabt in sich gefangen. Viel Arbeit kann von dem Schmerz ablenken, aber irgendwie öffnet sich immer wieder mal das tiefe Loch und du drohst abermals einzustürzen. Meine Freundin Thea ist bis heute stets diejenige gewesen, die mir zurück auf die Beine geholfen hat. Wir haben uns im Kindergarten kennengelernt und in den letzten acht Jahre sind wir zu besten Freundinnen geworden.


Heute früh war ich gehalten allein klarzukommen. Thea hat Frühschicht und somit ist sie schon auf Arbeit.


Die angenehme Morgenfrische brachte mich letztendlich dazu, das Auto stehen zu lassen. Zu einem konnte ich den Kopf freibekommen, die Gedanken an meine Eltern wieder in den Erinnerungen ablegen und zudem hatte ich keine Einkäufe zu erledigen.


Ein unbehagliches Gefühl und ein quietschendes Geräusch holt mich zurück in die Gegenwart. Der Weg ist inzwischen schon mit Wasserlachen übersät und ich selbst bin bis auf die Haut durchnässt. Die Sandalen fühlen sich aufgequollen an und es drückt bei jedem Schritt Wasser durch meine Zehen. Ich bleibe stehen und ziehe sie kurzer Hand aus. Die kleinen Kieselsteine unter den Fußsohlen piksen zwar etwas, aber ich habe es nicht mehr weit. Die Bäume lichten sich schon und ich erkenne die Laternenlichter von der Straße, auf die ich zulaufe.


Ein Blitz zuckt in den immer dunkler werdenden Wolken und ich werde automatisch schneller, ohne auf meine Füße zu achten.


Aber ich werde abgelenkt, denn es kommt mir jemand entgegen. Ein junger Mann, den Kopf eingezogen, als würde das gegen den immer stärker werdenden Regen helfen und ebenso durchnässt wie ich, jedoch läuft er wesentlich langsamer.


Fast auf gleicher Höhe, hebt er seinen Kopf an und unsere Blicke treffen sich. Er lächelt mich verschmitzt an und ich kann mir denken warum. Seine Augen schweifen kurz über meinen ganzen Körper. Das T-Shirt klebt an meiner Haut und zeigt wahrscheinlich alles, was sonst verborgen ist. Ich mach mir darüber keine weiteren Gedanken, denn ich bin an seinen leuchtenden Augen gefesselt. Für einen Moment bleibt die Zeit stehen und es sind nur noch zwei Schritte, bis wir aneinander vorbeigehen.


Dann nur noch einer und ich werde ihn vielleicht nie wiedersehen. Soll ich ihn ansprechen? Nein, er ist sicher vergeben. So ein wunderschönes Exemplar von einem Mann ist bestimmt nicht mehr zu haben. Am Ende mach ich mich nur lächerlich, aber faszinierend ist der Typ schon. Außerdem sollte ich mich sputen, denn die Temperatur ist schnell gesunken und ich fange an zu zittern.


Weiter komme ich jedoch mit meinen Gedanken nicht. Ich höre plötzlich ein Knistern in der Luft und ehe ich überlegen kann, woher es kommt, folgt ein lauter Knall.


Ich nehme noch wahr, dass wir beide uns direkt gegenüberstehen, als es mir die Füße unter dem Körper wegreißt. Wie ich falle, merke ich nicht mehr, denn es ist nur noch schwarz um mich herum und eine unheimliche und angstmachende Stille hüllt mich ein.


 


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