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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Das Auge des Horus, Pascal Wokan
Pascal Wokan

Das Auge des Horus


Erwachen

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An einer der beiden Säulen des Tempels in der Abteilung für ägyptische Kunst kam Jesper Blake zum Stillstand. Sein Atem rasselte und seine Lungen brannten, während er sich an der rauen Oberfläche der Sandsteinsäule abstützte. Sie war mit einer feinen Staubschicht bedeckt und wurde von gelben Neonscheinwerfern beleuchtet.


Zu langsam.


Jesper wischte sich den Schweiß von der Stirn, stolperte an der Säule vorbei und stürzte auf das Kapitell des Tempels von Dendur zu. Als seine Hände an den steinernen Ausbuchtungen entlangfuhren, schürfte er sich schmerzhaft die Finger auf. Dabei hätte er vor Aufregung fast den Knopf übersehen, der ihm das Leben retten könnte. Mit einem leisen Stöhnen drückte er darauf und wartete gespannt.


Irgendwo in der Ferne schrillte eine Alarmglocke. Einen Augenblick später fuhr am Eingang der Abteilung mit einem lauten Krachen das stählerne Sicherheits-Trenngitter herunter. Der Boden bebte unter der Wucht des Aufpralls.


Wenigstens etwas …


Jesper rutschte kraftlos zu Boden und gönnte sich einen tiefen Atemzug. Zaghaft lugte er hinter dem Tempel in Richtung des Trenngitters hervor.


Niemand war zu sehen.


Habe ich es mir nur eingebildet?


Die Alarmglocken gingen aus.


Mit einem Fluch stemmte er sich wieder nach oben und konnte spüren, wie seine Beine zitterten. Er war es nicht gewohnt zu rennen oder um sein Leben zu fürchten. Das war etwas für jüngere Männer, aber nichts für den Kurator des Metropolitan Museum of Art.


Erneut wischte er sich über die Stirn und sah sich verstohlen um. Am anderen Ende konnte er eine große Statue der Hatschepsut erkennen, direkt daneben einen detaillierten Nachbau eines Gartens aus dem Grab von Meketre. Es war still, einzig sein tiefes Schnaufen war zu hören und verlor sich am anderen Ende der Abteilung. Nichts gab Hinweis darauf, dass er vor wenigen Minuten noch verfolgt worden war.


Ich hätte nicht mehr hier sein sollen.


Sein ganzes Streben war nun darauf gerichtet, zu überleben. Sollte allerdings eines der besonderen Artefakte an diesem Ort vermutet werden, dann musste er schnell handeln und alle nötigen Schritte in die Wege leiten. Zu viel stand auf dem Spiel. Das Blut rauschte ihm in den Ohren, als er hinter dem Tempel hervortrat und durch den Raum in Richtung der nächsten Abteilung wanderte.


»Du hättest nicht weglaufen sollen«, sagte eine Stimme hinter ihm.


Jesper blieb stehen und spürte, wie es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief.


»Wenn du es nicht getan hättest, dann würde ich nichts an diesem Ort vermuten.«


Langsam wandte sich Jesper um und blickte in das hagere Gesicht eines hochgewachsenen Mannes, mit mittellangen grauen Haaren und einem vorspringenden Kinn. Hinter den Gläsern seiner braunen Hornbrille lugten zwei kalte Augen hervor, die ihn geringschätzig musterten. Aufgrund seines grau karierten Tweedanzugs hätte man ihn für einen Versicherungsvertreter halten können. Das war er aber nicht. Dr. Noah Brenner war ein Mann mit einem großen Geheimnis.


»Noah«, sagte Jesper und versuchte einen Hauch von Selbstbewusstsein zu verströmen.


»Jesper.« Der hagere Mann nickte knapp. »Es ist schade, dass wir uns unter diesen Umständen wiederbegegnen.«


»Es scheint so.«


Noah verzog das Gesicht und kam langsam auf ihn zu. »Wo ist es?«, fragte er mit einer Stimme, die keinerlei Wärme beinhaltete. Nichts erinnerte mehr daran, dass sie einst Freunde gewesen waren.


»Wo ist was?«


Noahs Gesicht verhärtete sich. »Du weißt, wovon ich rede!«


Jesper stolperte einige Schritte zurück, während ihm der Schweiß mittlerweile den Nacken hinunter rann und seine Kleidung unangenehm auf der Haut kleben ließ. »Vielleicht weiß ich das. Ich werde es dir aber nicht sagen. Nicht dir und nicht der Organisation, der du dienst.«


Der hagere Mann schüttelte den Kopf. »Es war ein Freundschaftsdienst, den ich dir erwiesen habe, als ich alleine gekommen bin. Ich wollte mich vergewissern.« Er zögerte. »Stell dir vor, was es für eine Überraschung war, als ich festgestellt habe, was sich in deinem Besitz befindet.«


Mit einem schweren Seufzer blieb Jesper stehen und begegnete dem vorwurfsvollen Blick. »Du weißt schon lange, wofür ich stehe. Erinnere dich an unsere gemeinsamen Jahre des Forschens. Erinnere dich daran, warum sich unsere Wege einst getrennt haben.«


»Natürlich weiß ich das.« »Dann verstehst du auch, warum ich dir nicht weiterhelfen kann.«


»Oh, du kannst mir durchaus weiterhelfen.« Noah gab ein raues Lachen von sich. »Du hast es versteckt, Jesper Blake. Vor uns.« Er blieb direkt vor ihm stehen und zog etwas aus der Jacke. Es war ein gebogener Dolch aus purem Gold mit einem elfenbeinfarbenen Griff in dessen Ende rote Edelsteine eingelassen waren.


»Du willst mich also wirklich ermorden? Das hätte ich dir nicht zugetraut, Noah.«


»Du weißt, dass dies auch anders ausgehen kann, alter Freund.«


»Deine Drohungen sind überflüssig. Egal, was du auch tust, du wirst von mir nichts erfahren.«


Er wagte einen schnellen Blick ans andere Ende der Abteilung. Der Ausgang stand einladend offen. Seine letzte Rettung.


Noah grinste wölfisch. »Versuche es erst gar nicht!«


Jesper rannte los, so schnell ihn seine Füße tragen konnten. Seine Schritte trommelten auf dem kalten Marmor, während er auf den Ausgang zustürzte. Mit einem flüchtigen Blick zurück erkannte er, dass Noah ihm nicht folgte. Der Mann stand weiterhin dort und sah ihm mit gerunzelter Stirn nach.


Er wird mich wieder finden … schneller!


Kurz bevor er die nächste Abteilung betreten konnte, schälte sich der hagere Mann aus den Schatten und versperrte ihm den Weg. Schlitternd blieb Jesper stehen und versuchte das Hämmern in seiner Brust zu ignorieren. Es war vorbei, er hatte versagt.
Kopfschüttelnd ging Noah langsam auf ihn zu. Mit jedem Schritt wirkte er größer und eindrucksvoller. »Es hat sich einiges im Laufe der Zeit verändert, mein alter Freund«, säuselte er.


»Ja, aber vor allem du hast dich verändert. Es ist dir also tatsächlich gelungen, wonach du dich immer gesehnt hast?«


»Es ist unnötig das Offensichtliche noch einmal zu wiederholen. Ich habe erkannt, dass es im Leben um weitaus mehr geht. Ich konnte es sogar sehen.«


»Dann sag mir, alter Freund, worum geht es?«


»Du würdest es nicht verstehen.« Die Schatten um Noah verdichteten sich und es sah so aus, als würde er das Licht in der Nähe schlucken. Der Raum kühlte immer mehr ab, bis der Atem zu weißen Wolken gefror.


»Du bist also wirklich fündig geworden«, stellte Jesper fest.


»In der Tat. Ich habe lange gesucht und letztendlich ein Ka gefunden.«


»Steckt noch irgendwo in dir drin Dr. Noah Brenner, der angesehene Ägyptologe? Der weise Mann, der sein Wissen in die Welt hinaustragen wollte und nicht von Machtgier zerfressen war?«


Die Augen des hageren Mannes verdunkelten sich, während ihn schemenhafte Schatten umhüllten.


Jesper schluckte schwer. Obwohl er es vermutet hatte, lähmte ihn die Erkenntnis.


»Du trägst also wirklich das Ka eines Gottes in dir?« Er zögerte. »Wer ist es? Der Schakal?« Dunkelheit floss wie Tinte über den Boden und griff mit unsichtbaren Fühlern nach ihm. Sie wirkten lebendig und doch wusste er, dass sie es nicht wirklich waren.


»Du warst schon immer ein schlauer Mann, Jesper. Du bist Kurator in einem der bedeutendsten Museen der Weltgeschichte geworden. Aus diesem Grund habe ich dich und dein Wissen lange Zeit geschätzt.«


»Ganz egal, was du auch tust. Ich werde dir nicht verraten, wo sich das Artefakt befindet!«


»Doch das wirst du!«


Noah stieß seine Hand nach vorne. Es war keine menschliche Hand, die sich um Jespers Kehle schloss. Es war die rauchförmige Hand seines Ka. Sie hob ihn in die Luft und raubte ihm mit stählernen Fingen den Atem.


»Du wirst … du wirst nichts von mir erfahren!«, presste er mühsam hervor.


»Was für ein einfältiger, alter Mann du doch geworden bist!«, grollte Noah mit einer ungewöhnlich tiefen Stimme. Sie klang wie der Tod. »Das wird mich nicht aufhalten. Ich werde das gesamte Museum auf den Kopf stellen. Ich werde jeden einzelnen Stein umdrehen und dabei alle umbringen, die sich mir in den Weg stellen.«


Jesper sog die Luft tief ein, als der Druck auf seine Kehle etwas nachließ. »Was hast du vor, wenn du es gefunden hast?«


»Das braucht dich nicht zu interessieren.«


»Ich war einst dein Freund.«


»Das ist lange her.«


»Was ist nur mit dir geschehen? Wo ist …?«


»Genug!«, schrie Noah und presste erneut die schattenhafte Hand zusammen. »Wo ist das Artefakt? Wo hast du es versteckt?«


»Ich verstehe jetzt … ich verstehe jetzt endlich alles.«


»Du glaubst zu verstehen, obwohl du wie ein Blinder im Dunkeln tappst.«


»Nein, ich sehe nun klarer denn je. Alles folgt einem Plan, obwohl wir ihn noch immer nicht durchschaut haben. Die Frage ist aber,« Jesper schnappte nach Luft, »die Frage ist, wer wirklich im Hintergrund steht und die Zügel in der Hand hält. Auch du bist nur eine Spielfigur, alter Freund.«


»Ich frage dich nun ein letztes Mal, bevor ich dich in das dunkle Totenreich des Duat stoße«, knurrte Noah. »Wo ist es?«


Er zwang sich zu einem Grinsen. »Ich weiß es nicht.«


Noah stutzte. »Was soll das heißen, du weißt es nicht? Du hast doch eben …«


»Ich habe gelogen.«


»Das kann nicht sein! Es muss hier sein!«


»Du wirst es nicht finden. Niemand wird das. Es ist nicht wie die anderen Artefakte …«


»Du warst schon immer ein schlechter Lügner, Jesper Blake!«


»Vielleicht war ich das. Ich werde aber mit dem Wissen sterben, dass ich dich aufhalten konnte.« Der hagere Mann sah ihn einen Moment lang aus seinen dunklen Augen an. Nichts Menschliches war mehr darin erkennbar, nur noch Zorn und Chaos. In seiner Gier war er zum Sklaven seines eigenen Willens geworden.


Dann stieß er den Dolch in Jespers Brust. Einmal, zweimal, dreimal. Immer wieder, bis dessen weißes Hemd von Blut durchtränkt war. Nur einige Sekunden währte der Schmerz, bis er verschwand.


Für immer.


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