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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe BEELZEBUBS BRUT, Berminé Michael
Berminé Michael

BEELZEBUBS BRUT


und andere Horrorgeschichten

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Leseprobe 1:


Tylea
Eralf Norgens begegnet den starrenden Granitaugen Inspektor Karrns mit tiefster Gelassenheit. Diese hässlichen Augen sind noch weitaus gefährlicher als die Fragen des selbstgerechten Kolonie-Polizeichefs. Schon so manche verdorbene Seele ist unter diesem erbarmungslosen Blick schwach geworden und hat wimmernd alle von ihr verübten Scheußlichkeiten gestanden.Eralf wird ganz gewiss nicht den gleichen Fehler begehen!Für den Moment schweigt der Inspektor, sucht neue Worte, um ihn in die Falle zu locken. Norgens nutzt diese Pause, um sich zu erinnern …***Ihr Haus war fast mickrig, wie von heimtückischer Gicht gebeugt. Gefertigt aus Plastmetall, dem billigsten Baustoff, den das irdische Imperium bei der Besiedlung fremder Welten wie Lumos IV verwendet. Kurz gesagt: eine dreckige kleine architektonische Hässlichkeit.Sie selbst jedoch wirkte auf Eralf jung … attraktiv … vital - bis auf die dunklen Ringe unter ihren eigentümlichen rotgoldenen Augen.„Tylea?“„Ah, Herr Eralf Norgens … welch ein Glanz in meiner bescheidenen Hütte.“Ihre prallen Brüste hatten bleich aus dem Dekolleté ihres violetten Kleides hervorgestrahlt, aber Norgens tat so, als bemerke er es nicht. Er war schließlich geschäftlich hier.„Sie kennen mich?“„Es vergeht schließlich kaum ein Tag, ohne dass etwas über Sie im Hypernet berichtet wird, oder?“Er zuckte die Schultern und trat ein.„Worum geht es?“, fragte sie, nachdem sie ihn an einen mit okkultem Krimskrams überladenen Tisch in der schmutzigblau gestrichenen Wohnstube bugsiert hatte.„Ich will jemanden tot sehen, Tylea!“Keinerlei Bestürzung erschien auf ihrem schmalen Gesicht.„Ein anspruchsvoller Wunsch … und wen?“„Görgen Heynd! Dieser kotzblütige Hurensohn soll verrecken!“„Ah, Ihr Konkurrent um das Stadtkanzleramt. Aber warum kommen Sie damit zu mir? Die Straßen Heerdalts sind voll von armen Teufeln, die Heynd für eine Monatsration an Nahrungspacks umnieten würden.“„Die Kontaktperson, welche mir von Ihnen berichtet hat, versicherte mir, dass Sie - im Gegensatz zu anderen - keinerlei Spuren hinterlassen. Was soll ich denn mit einem normalen Killer anfangen? Es würde nicht lange dauern, bis dieser aufgeblasene Inspektor Karrn an meine Tür klopfte. Seine Aufklärungsrate im Bereich Mord beträgt unverschämte einhundert Prozent! Psychologische Gerichtsmedizin in Perfektion. Es ist frustrierend!“Tylea lächelte ein ironisches Nicht ganz hundert Prozent und meinte dann: „Kein Grund zur Frustration, Herr Norgens. Das, was Sie wünschen, ist schwierig, aber es kann vollbracht werden. Reden wir also über mein Honorar.“Ihre Zuversicht schockierte Norgens doch ein wenig. „Und … Sie bekommen das allen Ernstes hin mit … mit Hexerei?“„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde … und den Sternen, als Sie sich vorstellen können.“Ihr Lächeln wurde düsterer. Norgens bekam eine Gänsehaut – zum ersten Mal seit langen Jahren.
Leseprobe 1:


Styx (fluctuatio tenebrarum)
Dunkel fließt er dahin … der Styx.Das schwarze Pech seiner Fluten bricht sich in langsam zerfasernder Gischt an Ufern rot glühenden Gesteins. Bar jeden Lebens liegt funkenfarbenes Land zu beiden Seiten des Stromes.Die Gondel aus Ebenholz gleitet in der harzartigen Flüssigkeit dahin, von der klebrigen Oberflächenspannung gefangen wie ein Insekt auf dem metbenetzten Sonnentau. Nur einem geisterhaften, phosphorgrünen Leuchten ist es hier und da erlaubt, die Finsternis des Uterus ultimus, jener innersten aller inneren Höhlungen, im Rhythmus eines unregelmäßig schlagenden Herzens jeweils für kurze Zeit zu erhellen. Kein Horizont beruhigt mein Gemüt, nur noch mehr Nacht quillt unerschöpflich aus sich selbst hervor und lässt mich die wahre Ausdehnung der Großen Höhle nicht einmal erahnen.Der Gondoliere ist in triste, staubfarbene Gewänder eingehüllt, als ob er sich gegen eine große Kälte schützen müsste, die angesichts der stickigen Hitze ringsum kaum als Gedanke zu existieren vermag. Als er nun zum ersten Mal den Kopf zu mir wendet und sein Gesicht sich als schwarzes Nichts in der Umhüllung seiner Kapuze zeigt, die er groteskerweise unter seinem weit ausladenden Hut trägt, werden seine Gedanken greifbar. Ich erfahre: Er benötigt diese Unmengen von Stoff, um das Eis in seinem Körper zu bewahren. Selbst mich fröstelt es bis ins Mark, als ich in seinem augen- und ausdruckslosen Blick eine schwache Ahnung seines weltraumkalten Seins erhasche.Mit der dumpfen Beharrlichkeit eines Wassertropfens, der von einem Stalaktiten auf einen Stalagmiten fällt, taucht der Schweigsame seine Ruderstange in die finsteren Wellen, steuert dadurch, obwohl er doch niemals den Grund des Flusses erreichen kann, denn der Grund des Styx liegt in anderen, fernen Welten…Ich ruhe auf einem Lager aus tintenfarbigen Kissen. Sie halten meinen Körper in einer seltsam entspannten, fast schon betäubten Haltung, während ich den bizarren Fährmann mustere.Wie lange mag die Fahrt nun schon dauern? Für mich, den Suchenden, ist die Zeit nicht mehr greifbar. Ist das innere Uhrwerk erstarrt, ruht es still – oder rotiert es so schnell, dass meine kümmerlichen Sinne es nicht mehr registrieren können? Die sensorischen Eindrücke, die in einem fort auf mich einstürmen, lassen mich die Frage vergessen, sie wird verweht vom heißen Atem, der durch die Große Grotte streicht, zerfasert zu Staub, als sie zischend auf die brodelnden Felsen trifft.Eine andere Windung im stygischen Kriechen – Tropfsteine gigantischer Größe, deren Wurzeln meilenweit im Dunkeln über mir liegen, erstrahlen kurz in vergänglichem Irrlichtgrün. Die Sterne über mir sind nichts weiter als graue, mitleidlose Steine …Grünliche Dinger tauchen an die Oberfläche des Flusses, nur aus zähnefletschenden Mäulern und egelartigen Fortsätzen bestehend. In immerwährendem Pulsieren begriffen, umkreisen sie ganz dicht unsere Gondel, starren uns an, obwohl sie doch keine Augen besitzen. Schließlich tauchen sie wieder unter. Das grüne Strahlen, das sie umflort, bleibt noch lange erkennbar, nachdem die sinistren Fluten über ihnen zusammengeschlagen sind. Viel zu lange …Ein Gefühl baldiger Veränderung kriecht meinen Nacken hinauf. Der Gondoliere zieht unglaublich langsam sein Ruderinstrument aus den teergleichen Wellen, während ich mich unwillkürlich spanne und versuche, ein Zeichen des Kommenden zu erhaschen. Nun wird sich zeigen, ob die alten Bücher gelogen haben oder nicht.

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